Hallo,
eine tolle Frage

Zuerst von mir eine Frage zurück:
Zitat von Kamill:Ich würde mich nicht als glücklich bezeichnen, dafür bin ich glaub ich zu introvertiert
... schließt das eine denn das andere aus? Ich halte mich ebenfalls für ziemlich introvertiert und bin seeeehr glücklich, wenn ich mal ein paar Stunden meine Ruhe vor der Welt hab und mich im Schlabberlook an den Rechner setzen und fast 20 Jahre alte Spiel zum x-ten Male zocken kann.
Ich denke, "Glück" (oder vielleicht besser: Zufriedenheit) ist auch immer eine Sichtweise, die man einnehmen möchte. Ich könnte Dir sagen dass ich fast 40 bin, geschieden, mein Kind nur jede 2. Woche habe weil mein narzisstisch angehauchter Ex darauf bestanden hat, obwohl er früher keinen Finger zuviel krumm gemacht hat. Ich könnte sagen, dass ich an den Trottel 9 Jahre meines Lebens vergeudet habe, davon so die ersten rund 4, bis ich erkannt habe, wie der wirklich tickt. Ich könnte Dir erzählen, wie ungerecht es ist, dass ich nach der Trennung eine Krankengeschichte nach der anderen habe, Brustkrebs, Hormonstörungen, wodurch ich in den letzten 2 Jahren 11 Kilo zugelegt habe, und was nicht alles.
Da müsste ich ziemlich unglücklich sein, oder?
Ich kann Dir aber auch erzählen, dass ich eine wundervolle Tochter habe, auf die ich sehr stolz bin, weil sie ihren nicht einfachen Alltag wunderbar meistert. Dass wir ein tolles Vertrauensverhältnis haben. Dass ich nach meiner unglücklichen Ehe einen Mann gefunden habe, der mich liebt und akzeptiert, wie ich nun mal bin. Dass ich eine schwere Erkrankung mit schwarzem Humor sehr gut überstanden habe. Dass ich seitdem manchmal draußen in der Sonne stehe, bewußt einatme und dankbar bin, einfach dafür, dass ich bin. Dass ich mich riesig freue, dass wir dieses Jahr Silvester einfach einmal gar nichts tun werden. Dass ich trotz aller wirren im Leben eine handvoll guter Freunde durch die Jahre retten konnte. Dass ich trotz meines Alters und trotz der Kilos zuviel mich gut und vorzeigbar fühle, und das auch wiedergespiegelt bekomme. Dass meine Erfahrungen der Vergangenheit mich haben weiser werden lassen (wenn man das so nennen kann).
Also, warum sollte ich unglücklich sein?
Die Sichtweise entscheidet sehr viel.
Mein Lieblings-Leitspruch in der Richtung:
Ich wünsche mir die Kraft, zu akzeptieren, was ich nicht verändern kann;
den Mut, zu verändern, was ich kann;
und die Weisheit, beides zu unterscheiden.
Zitat von LaCaVi:Ich vergleiche mich mit meinen Freundinnen.
Ich glaube, häufiger Vergleich kann eine Quelle großer Unzufriedenheit sein. Du bist nicht sie. Natürlich kannst Du schauen, was sie tun. Aber ob das auch für Dich passt kannst allein Du entscheiden. Wenn ständiges Nächte durchfeiern nix für Dich ist, dann brauchst Du auch nicht neidisch auf andere schielen. Jeder Mensch hat andere Vorlieben, Abneigungen, Talente, Macken. Warum also sich schlecht fühlen, wenn man sich danach richtet und tut, was einem gut tut oder was man gern tut?
Ich finde zum Beispiel auch Artikel sehr interessant, was Menschen auf dem Sterbebett bereuen, da gibt es auch ein paar Bücher drüber. Eventuell eröffnet Dir das eine neue Perspektive?