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Tiefe Depression, Trennung bringt alte Traumata

B

Benediktq1
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Guten Abend und Hallo!

ich weiß garnicht, ob ich hier im richtigen Forum bin. Da das ganze aber mit einer Trennung geendet hat, . naja, vielleicht hat jemand Rat für mich.

Ich bin jetzt 41 Jahre alt. Eigentlich fliehe ich mein Leben lang bereits vor mir selber. Meine Erziehung war eine Katastrophe. Ich habe zwei Brüder. Unser Vater war nahezu nur unterwegs beruflich, die Mutter maßlos überfordert mit der Erziehung. Das allerdings nicht wie in typischen Haushalten, sondern wir waren überbehütet. Wir wurden bemuttert ohne Ende, die Mutter war übergriffig, ließ uns keine Entscheidungen treffen, wir durften kaum zu Freunden, wir durften nicht zu Klassenfahrten, heim sollte auch keiner kommen, meine Eltern waren bei Besuch sofort genervt. Meine Eltern haben selbst keine Freunde, nie Freundschaften gepflegt oder bekommen, die Verwandtschaft ist auch vergrault.

Ich habe studiert, formell wurde mir vieles ermöglicht, aber selbst vor fließendem Leitungswasser wurde uns Angst gemacht als Kinder, überall Angst und Panik, Autofahren ist lebensgefährlich, von Flugzeugen mal ganz abgesehen, meine Mutter ist aus dem Dorf, in dem wir aufwuchsen nie raus gekommen.

Uns fehlte es an nichts. Wir haben alle drei Wohnungen gekauft (!) bekommen, damit wir bloß in greifbarer Nähe bleiben, dort wohne ich und ein Bruder immer noch, der dritte Bruder ist weg gezogen, da er eine Frau kennengelernt hat damals, vor 20 Jahren, die ihn "gerettet hat".

So. . ich bin ein Bindungsangst-Typ, bin auch ein Verlustangst-Typ. Mutter erzog uns mit Liebesentzug, nicht mit uns gesprochen, wenn wir nicht funktioniert haben, also alles was man falsch machen kann, haben meine Eltern falsch gemacht. Heute habe ich den Kontakt auf ein Minimum reduziert.

Bis 30 Jahre fiel es mir super leicht, neue Beziehungen zu beginnen, oft scheiterte es an zuviel Nähe, die eingefordert wurde, ich flüchtete mich oft in Hobbys, Sport und Computerprogrammierung (hier arbeite ich auch beruflich). Ich habe das Glück, einigermaßen auszusehen, was es mir leicht möglich macht, mit Frauen in Kontakt zu treten, da ich auch recht eloquent bin, ist das bis heute kein Problem. Bindungen hingegen unmöglich.

Vor fast 2 Jahren habe ich mich in eine Frau verliebt, die in meiner unmittelbaren Nachbarschaft lebt. Ich glaube, die Chemie stimmte einfach, auch wenn sie sich als für mich total unpassend herausstellte, trafen hier extreme Liebes-Bedürfnisse auf einander, zugleich aber meine extreme Bindungsangst. Sie wuchs in einem ähnlich maroden Haushalt auf wie ich, nur anders. Sie bekam daheim kaum Liebe, ihre Schwester wurde bevorzugt. Daher entwickelte sie eine unfassbare Eifersucht, gepaart mit einer cholerischen Wut, die ich nicht ertragen konnte. Ich weiß bis heute nicht, ob es Liebessucht war meinerseits, da ich komplett emotional von ihr abhing oder ob es einfach ein ewig andauernder Liebeskummer war oder ist.

Jedenfalls waren wir fast 2 Jahre zusammen, ich weiß nicht, wie oft sie sich trennte in der Zeit, bis sie einen neuen Typen kennenlernte. Ich weiss nicht, ob das nun bei ihr funktioniert, mit ihren 40 Jahren hatte sie bisher noch keine Beziehung, die länger dauerte als unsere, also sie ist in meinen Augen komplett bindungsunfähig, was sie auch insgeheim weiß, aber verdrängt.

Es geht jetzt auch weniger um sie und und uns, sondern um die Tatsache, dass sie das Pflaster abgerissen hat, das ich aufgelegt hatte, über meine übelste Kindheit, Mutter-Kind Beziehung.

Seit der Trennung bin ich in ein massives Loch gefallen, seit knapp einem halben Jahr komme ich nicht mehr raus. Ich sehe sie öfters mal, da sie in der Nachbarschaft lebt und allein auch der Anblick ihres Autos triggern mich, auch heute noch.

Ich glaube ich sehe in ihr viele Eigenheiten, die ich in ähnlicher oder verwandter Form in meiner Mutter sah.

Ich habe Zeit meines Lebens immer Anerkennung, Zuneigung von bzw. bei Frauen gesucht, weshalb ich auch oft Eifersucht bei Partnerinnen auslöste. Mir ging es nie um Sex, mir ging es einfach nur um die Tatsache, Frauen zu gefallen, weil ich meiner Mutter immer gefallen musste, im Sinne von: Ihr alles recht machen, brav sein, auch heute versuche ich mich bewusst oder unbewusst über diesen Weg zu heilen.

Meine Ex verkörperte alles, was meine Mutter charakterlich auch tat. Ständig musste ich schauen, was kann ich tun, damit ich gefalle, dann wurde ich blockiert, gelöscht, ins Off geschickt (so wie als Kind, Liebesentzug, Hausarrest usw), ständig war meine Ex mies gelaunt, ich empfand als meine Aufgabe die Stimmung aufzuhellen, so wie früher daheim, wenn Mutter überfordert war. Aus dem Grunde blieb ich bei ihr. Aus keinem anderen. Wir bedingten uns beide negativ, ich konnte keine Liebe geben, war ständig damit beschäftigt zu gefallen, aber meine Ex suchte Liebe, Zuneigung in übertriebenem Maße und reagierte hochtoxisch bereits kurz nach Beginn der Beziehung.

Da ich bis heute keinen Therapeuten gefunden habe, und mir oft auch die Kraft fehlt, nach einem neuen zu suchen, habe icih viel gelesen, mich informiert und je mehr ich lese, desto klarer wird mir, ich komme da nicht raus.

Ich habe mich - vor lauter innerer Einsamkeit - einige Male im Dating probiert, das klappt im Gegensatz zu vielen Männern bei mir (leider) super und sofort, egal über welche App, komme ich sehr schnell mit Frauen in Kontakt, breche den aber sofort ab, weil ich merke, ich bin nicht offen, ich kann mich nicht einlassen, ich jage alten Mustern nach.

Meine Ex ist jedesmal verzweifelt, während ich dachte, ihr Liebe zu geben, fühlte sie sich nie geliebt.

Bevor ich weiter ins Detail gehe, würde ich mich erst mal über Feedback freuen, ob ich hier im Forum überhaupt richtig bin.

x 2 #1


M
Diese Story lese ich hier nicht zum ersten Mal !

Zitat von Benediktq1:
ich komme da nicht raus


Neue Verhaltensmuster anwenden und beibehalten,
würde ich sagen. -Und das geht nur mit einem starken Willen!
Wenn Du wirklich(!) willst,
kannst Du auch Dinge bewegen und ändern. -Ohne das geht es nicht!

Und weiter nach einem Therapeuten suchen!

x 1 #2


A


Tiefe Depression, Trennung bringt alte Traumata

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CanisaWuff
@Benediktq1 wenn Du doch Deine "Probleme" schon erkannt hast, warum versuchst Du nicht bewusst beim nächsten Kennenzulernen dagegen zu steuern?

x 2 #3


Worrior
Sich aus alten Mustern zu befreien kann sehr mühselig und frustrierend sein.
Wie so oft sind auch hier Rückschläge Teil des Weges.
Es ist jedoch unabdingbar wenn man gesunde Beziehungen führen möchte.
Der Preis wenn man hier an sich arbeitet ist es allemal wert.
Die Frage die man sich selbst stellen sollte ist wie lange man noch in diesen Kindheitsmustern gegangen sein möchte?
Lebensqualität und Lebensfreude leiden unter diesen Traumatas.
Da Lebenszeit begrenzt ist, spielt es auch keine Rolle welches Elternteil maßgeblich an dieser Entwicklung beteiligt war, denn diese Person kann/will so oder so nicht helfen.
Somit besteht die Selbstverantwortung die Sache anzugehen.

x 3 #4


K
Um echten Veränderungswillen zu empfinden, muss der Leidensdruck groß genug sein. Es ist beeindruckend, wie genau du all das schildern kannst, was diesen Leidensdruck erzeugen müsste. Du gehst sozusagen auf die Metaebene, betrachtest dich und deine Probleme von außen, und du verhinderst damit – nach meinem Dafürhalten – dass der Leidensdruck groß genug wird, um den notwendigen Veränderungswillen auch endlich groß genug werden zu lassen. Stattdesssen kompensierst du durch Dating, was erfolgreich ist, dir aber nichts bringt, weil die Ursachen zwar erkannt sind, aber unverändert bleiben.

Ich glaube dir alles, was du schilderst, es ist beeindruckend gut analysiert. Nur an einem Punkt zweifle ich: Du findest keinen Therapeuten? Die Wartezeiten betragen tatsächlich – je nach Wohnort – bis zu einem halben Jahr. Aber was du schilderst, ist ja seit weit über diesen Zeitraum hinweg erkannt und sollte auch professionell behandelt werden. Es wird zwar hier im Forum viel zu oft nach „Therapie“ gerufen, aber das, was du schilderst, kannst du offensichtlich nicht allein verändern. Oder der Veränderungswille ist noch nicht stark genug. Ich würde mich an deiner Stelle also ernsthaft auf die Suche nach therapeutischer Hilfe machen.

Du schilderst also wie aus dem Lehrbuch, was die Ursachen für deinen Bindungsstil sind, aber du weigerst dich zu erkennen, dass du das allein ganz offensichtlich nicht ändern kannst. Also such dir bitte Hilfe, um in kleinen Schritten zu lernen, an welchen Stellen man dem entgegenwirken kann. Das Wissen allein genügt nicht. Viel Glück dabei!

x 4 #5


Wollie
Es ist immer wieder erschreckend, wenn man sieht, was in der Kindheit alles so angerichtet werden kann und Menschen damit Dinge aufgebürdet werden, welche sie ihr ganzes Leben begleiten und leider negativ beeinflussen. Die Kunst dabei, ist, diese tox. Muster erstmal zu erkennen und zu bearbeiten, und da bist du schon auf einem sehr guten Weg. Diese Erkenntnis haben viele erstmal gar nicht und gehen von einer tox. Beziehung in die nächste. Und wundern sich, warum es wieder schief geht. Deine Ex und Du haben sich gegenseitig bedient, bedient mit ihren ganzen tox. Müll, der sich angesammelt hat.
Es ist lange und harte Arbeit, solche Muster zu erkennen und vor allem, sie zu durchbrechen bzw. lernen, damit umzugehen. Hier, denke ich, kann dir nur ein erfahr. Therapeut helfen. Würde nicht aufgeben und weiter versuchen, Jemand zu finden, der dich da prof. coacht und hilft, weiterzukommen.

x 2 #6