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Tod einer ungeklärten Liebe

Arnika
Zitat von Kauzette:
Die Diskretion erfolgt bewusst großflächig, weil ich - gerade in Trauer - auch vermeiden will, vielleicht doch irgendwann zu viel gesagt zu haben. Und nein, damit möchte ich nicht mich schützen, sondern tatsächlich ihn und Trauernde aus seinem Kreis, die von unserer Geschichte (oder meiner Geschichte mit ihm) nichts wissen.

Geh bitte. Das ist das größte Liebeskummerforum im dt.-sprachigen Raum mit seinen 100 Mio Menschen.

Bei „Ich hatte Sächs/geküsst/telefoniert (oder auch nicht) vor ewigen Zeiten mit einem älteren Mentor, das lief 4 Monate“, denkt kein Mensch ausgerechnet an dich. Wie kommst du auf sowas? Geht’s dir darum, dass wir dann nicht sagen, geh bitte, da lief doch nichts?

Oder kanns sein, dass du generell die Anspruchshaltung im Leben hast, alle Augen wären auf dich gerichtet, und die Welt - selbst über den Tod hinaus - dreht sich um dich?

#91


K
Liebe @Arnika,

In wenigen Tagen hast du hier an die 20 Beiträge verfasst, den letzten heute Morgen um 5 (!) Uhr.

Anfangs noch zugewandt, sehr rasch aber aburteilend, übergriffig, teilweise bewusst beleidigend. (Wahrscheinlich in deiner Wahrnehmung pragmatisch, direkt und klar.)

Um Interpretation und Rat hatte ich gebeten. Lücken, die ich gelassen habe, hast du und andere benannt, und ja, das ein oder andere ist natürlich für ein abschließendes Urteil relevant.

Interessant dabei ist weniger, zu welchem Urteil du kommst, OBWOHL dir, wie du selbst schriebst, wichtige Informationen fehlen, sondern mit welcher Vehemenz du dieses Urteil triffst und vertrittst, OBWOHL dir wichtige Informationen fehlen.

Du interpretierst mittlerweile auch sehr im Tunnelblick nach deiner schon vorgefestigten Meinung. Zum Beispiel habe ich nie gesagt, dass ich über
Zitat:
Sächs/geküsst/telefoniert (oder auch nicht)

nichts gesagt habe, Teil der Diskretion sei. Das hast du einfach geschlossen. Dabei hatte ich nur einfach keine Lust es hier auszubreiten.

Die Diskretion bezieht sich auf Äußerungen seinerseits und Bezugspunkte im Nachruf, die den Kreis der Verdächtigen sehr schnell, sehr stark einschränken. Man kann es dann einfach sofort recherchieren und mit KI heute geht das in Sekunden. Und das Internet vergisst nichts. Das alles hier wird in Jahren noch lesbar sein.

Ich kenne dich nicht und weiß nicht, was deine Geschichte ist, aber OBWOHL
Zitat:
das ist das größte Liebeskummerforum im dt.-sprachigen Raum mit seinen 100 Mio Menschen


ist, mich diesem verweisen zu wollen, halte ich schon für ziemlich erstaunlich. Meinst du nicht, dass hier Platz für uns beide ist? Wenn es dich aufregt, lies mein Thema halt nicht.

Und ich glaube kaum, dass ich hier fehlerhaft deinen Post auf mich beziehe, da ich "generell die Anspruchshaltung im Leben habe, alle Augen wären auf mich gerichtet".

Viele Grüße

#92


A


Tod einer ungeklärten Liebe

x 3


S
@Kauzette
Warum ist es dir so wichtig zu wissen, ob dieser Mann damals mehr für dich empfunden hat, als er zugegeben hat?

x 1 #93


Arnika
@Kauzette Geh bitte. Viel mehr als „Ich hab da mal auch irgendjemand gekannt“ erwähnst DU nicht. Wenn DU nichts Konkretes dazu sagen kannst, geht die Mehrheit im Forum automatisch davon aus, dass da auch nichts Konkretes war. Und du dir halt dazu irgendeine „Wichtigkeit“ deinerseits zusammenspinnst. Und Bestätigung dafür - seltsamerweise - von Fremden ohne jede Information erhoffst. Warum auch immer.

Warum das so ist, wissen wir nicht, man darf aber von einem sehr großen Selbstbezug ausgehen. Und was mich interessiert, hab ich ja schon erwähnt...

Mehr als, such dir aus, was du glauben willst und hak ihn ab, kann man dir hier nicht raten.

Aber du kannst halt auch nicht kontrollieren, wenn du schon so kryptisch um die Ecke kommst, was wir uns hier für einen Reim als wahrscheinlichstes Szenario machen und darüber spekulieren, wenn uns zB grad langweilig ist.

x 2 #94


E-Claire
Zitat von Kauzette:
Das ist das Thema: wie geht man damit um, wenn man es nicht weiß, aber viel empfunden hat.

Du musstest ja schon vorher damit Umgang finden. Das ist es nicht, was sich geändert hat.

Du bist den Weg über die Emails gegangen, was ich nachvollziehen kann und hast damit Deiner sich verändernden Perspektive zu dem was war, auch unter Maßgabe der veränderten Beurteilung von Machtverhältnissen Rechnung getragen.

Was hat sich also geändert?

Jede Form von vielleicht irgendwo verbliebener Hoffnung Klärung oder gemeinsamen Frieden zu finden, ist dahin. Manchmal denken wir Dinge sind geklärt, halten dann aber doch noch in unseren Untiefen an Hoffnungen fest.

Du hast grooming und bread crumbing angesprochen. Unter der Annahme er hat seinen Nachruf selbst verfasst, ist dieser doch dann sehr on Brand. Keine Klarheit nur ein vielleicht, ein man/du kannst es so lesen. Ein Anerkennen, dass etwas war, ein Vermeiden des was es war.
Und bei der Vorgeschichte triggert das. Auch nach Jahren der Abstinenz erkennen Deine Rezeptoren “ihren Stoff”.

Bleiben wir bei was ist neu: assistierter Suizid löst eine Menge Gefühle aus. Egal wie verständlich, egal wie begründbar. Es ist eine Entscheidung wider der Natur und oft auch wider der eigenen Natur. Das zu erfahren löst Große Betroffenheit aus.

Es könnte aber auch noch etwas andere offenbaren: einen wahrnehmbare aber irgendwie schlecht greifbare Disonanz.

War sein Nichtentscheiden für Dich mit einem Nicht-Verlassen seiner Familie, einem seinen gewählten Verantwortungen und Verpflichtungen gerecht werden, erklärbar, also als Integrität maskiert, so erleben Deine Gefühle (nicht Deine Verstand), dass auch das so nicht eindeutig gestimmt hat. Der gewählte Weg offenbart auch Freiwilligkeit. Die Familie, die Verantwortungen, die Verpflichtungen bleiben zurück.
Er konnte diese Entscheidung treffen, er konnte sie nur nicht für dich/euch treffen. Und egal wie wenig vergleichbar und wie gut argumentierbar die Unterschiede, auf der Gefühlsebene nimmst du das war und auf dieser Ebene ist es verletzend.

Das muss aber nicht so bleiben. Du könntest dies auch als ein weiteres Stück der notwendigen Demontage des Damaligen nehmen.

Sein letztes Geschenk ist nicht die Fortsetzung seiner Ambivalenz, ein du weißt es doch eh, aber ich spreche es nicht direkt aus mittels des Nachrufs. Sein letztes Geschenk ist die sehr schmerzhafte Klarheit, dass er sehr wohl zu harten Entscheidungen fähig war, dass er sehr wohl in der Lage war, alles und alle zu verlassen.

Nur eben nicht für Dich. Er war kein ambivalenter Mann. Er war nur in dem Verhältnis zu Dir ambivalent. Bewusst. Gewollt.

Und damit landest du dann bei dem Kern, was hast du damals eigentlich gesucht. Welchen Zweck hat diese Ambivalenz für dich erfüllt und tut es bis heute.

Zum Schluss der Verlust eines geliebten Menschen ist immer hart und wenn jemand stirbt, dann nimmt die Trauer ein paar weniger Unmittelbarer einen sehr, sehr großen Raum ein und die Trauer der anderen wird davon häufig überdeckt. Daher mein tiefes Beileid zu Deinem Verlust.

x 4 #95


K
@E-Claire
Vielen Dank, das ist ein sehr schöner Beitrag, das hilft mir weiter.

Grundsätzlich ein paar Erläuterungen zur Chronologie, auf den Rest gehe ich danach ein.

Zum Thema Grenzverletzungen: Es gab drei bzw. vier Phasen.
1. Phase: Die Initialhandlung
Grenzverletzend, eindeutig, ermöglichte aber dadurch auch erst den direkten Kontakt. Dass es vorher bereits auffällige Sympathie gab, die missträuisch von Dritten beäugt wurde, spielte auch mit hinein. Hier wollte ich bereits Klarheit schaffen - auch um uns beide zu schützen. Seit dieser Phase wusste er um meine Gefühle/meine Absichten.

2. Phase: Die Ambivalenz
Seit der Initialhandlung habe ich seine Grenzen nicht mehr überschritten. Alles, was ich tat, war Klarheit zu fordern, da sein Verhalten ambivalent war. Ich war präsent, habe aber keine Grenzen überschritten. Ich hätte Klarheit in dieser Phase erreichen können, indem ich ihn gezwungen hätte, sich zu äußern. Sowas geht. Habe ich nicht gemacht, weil seine Grenzen hier sehr eindeutig waren, er es nicht kommentieren wollte. In dieser Phase habe ich also seine Grenzen gerade NICHT überschritten.
Allerdings habe ich, aufgrund der Ambivalenz und der Vermeidung seinerseits sich zu äußern, Informationen gesammelt, um mir ein Bild zu machen. Vieles, was ich von ihm weiß, weiß ich seit der Phase. Hier haben sich die Gefühle auch radikal geändert, sind wesentlich komplexer geworden. Diese Phase ging wie gesagt über einige Jahre. Auch hier wurde von Dritten wahrgenommen, dass irgendwas zwischen uns ist. Ich habe viel mit Freunden und eben auch mit meiner Therapeutin gesprochen, um zu verstehen, was da überhaupt passiert.

3. Phase: Die Mails
Seit Phase 2 waren ein paar Jahre vergangen, das Thema ploppte bei mir wieder auf. Ich habe ihm die besagten Mails geschrieben, um ihn zu bitten, jetzt, nachdem Gras über die Sache gewachsen war und der Kontext sich geändert hatte, vielleicht doch zu sagen, was er damals empfunden hat, was das war. Mehr nicht. Ebenfalls geschrieben habe ich, dass ich in einer Partnerschaft bin und es nur verstehen möchte. Ich habe hier kulturelle Referenzen verwendet, die meines Erachtens ausdrücken, was er vermutlich empfunden und gedacht hat, was ihn aber auch am Handeln gehindert hat.

4. Phase: Sein Tod
Ein Jahr später sehe ich, dass er verstorben ist. Ein Jahr, nicht Jahre, nicht Wochen, nicht Monate. Das heißt, er war damals vermutlich schon krank, langsam reifte der Entschluss es zu beenden. Er hatte mehr als genug Zeit, Dinge zu klären, Abschied zu nehmen, zu planen. In seinem Alter ist ein Jahr emotional aber nichts. In diesem Nachruf stehen nun Gedichte etc. die die Thematik aus meinen Mails wieder aufrufen, diese also spiegeln: ungeklärte Beziehungen, Schweigen, verpasste Liebe, die einen ein Leben lang beschäftigt, durchaus auch Humor in Bezug auf das "Schicksal" (der in meinen Mails vorhanden war) usw.

x 1 #96


S
Zitat von E-Claire:
Und damit landest du dann bei dem Kern, was hast du damals eigentlich gesucht. Welchen Zweck hat diese Ambivalenz für dich erfüllt und tut es bis heute.

@Kauzette Das ist die eigentlich wichtige Frage, wenn du mit dir weiterkommen möchtest. Ich habe den Verdacht, dass du damit einen noch viel älteren Schmerz wiederholt hast. Deine Gefühle zeigen dir den Weg, wenn du sie zu Ende fühlst, und dabei in der ganz alte Vergangenheit nachsiehst, ob es dort eine Parallele gibt.

x 1 #97


S
@Kauzette suchst Du hier Menschen, denen das ähnlich passiert ist und die Deine Wege nachvollziehen oder eher allgemein Rat, damit umzugehen? Auf jeden Fall waren Deine letzten Ausführungen hilfreich, um sich besser hineinzuversetzen.

#98


Arnika
Zitat von Kauzette:
@E-Claire Vielen Dank, das ist ein sehr schöner Beitrag, das hilft mir weiter. Grundsätzlich ein paar Erläuterungen zur Chronologie, auf den Rest ...

Also übersetzt: Ihr wart euch angeblich auffällig sympathisch, dann hast du ihn grenzüberschreitend (!) massiv angebaggert, da war aber nichts. Die darauffolgende Zeit bist du dann dezenter aufgetreten, wolltest aber immer wissen, ob doch was geht - und er hat sich gewunden bzw. nie konkret dazu geäußert. Und in dieser Phase bist du ihm „präsent“ aber subtiler hinterhergehechelt, hast ihn gestalkt, Informationen gesammelt etc.

Heißt also, das meiste, was du über ihn weißt, weißt du durch Dritte. Von ihm kam immer noch nicht viel. Dann war der Kontakt doch irgendwann aus. Jahre später, als er schon sehr krank war, hast du ihm nochmal wütende Mails hinterhergepfeffert, weil du immer noch wissen wolltest, ob damals was gegangen wäre. Und er hat sich zu Lebzeiten gar nicht mehr dazu geäußert. Und dann starb er freiwillig.

Klingt eigentlich ziemlich spooky. Allein, wie du betonst, dass du irgendwann nicht mehr grenzverletzend warst. Aber zeitgleich Informationen gesammelt hast.

Hast du eigentlich kein schlechtes Gewissen? Mir würde es so gehen, Grenzverletzungen und dann noch wütende Mails an einen Sterbenden.. Vielleicht nagt ja das an dir, und die vermeintlichen Botschaften wären dann quasi die Absolution für dein grenzverletzendes Verhalten. Ich finde übrigens auch „Informationen sammeln“ ziemlich grenzwertig.

x 5 #99


Heffalump
Zitat von Arnika:
Ich finde übrigens auch „Informationen sammeln“ ziemlich grenzwertig

Im Volksmund sagt man Tunnelblick zu 🤭

x 1 #100


M
Zitat von Kauzette:
mich diesem verweisen zu wollen, halte ich schon für ziemlich erstaunlich. Meinst du nicht, dass hier Platz für uns beide ist?



Das meint @Arnika nicht wörtlich ! -Sie drückt mit "geh bitte" nur ihren Unmut aus. Lachendes Gesicht

x 3 #101


Heffalump
Zitat von Kauzette:
Seit dieser Phase wusste er um meine Gefühle/meine Absichten.

Du kannst es drehen, wie du willst, aber er ist tot. Du noch nicht. Du könntest leben, in der Gegenwart, hast dich aber für die Vergangenheit entschieden.

Blöd nur, das man diese absolut nicht ändern kann. Wann schließt du ab damit? Er wollte dich nicht, weder mit Apfel im Schnabel auf dem Präsentierteller, noch als Lückenfüller, noch als naive Julia.

Es kann und wird bestimmt geknistert haben, als du ihn angehimmelt hast. Aber das war es auch schon.

Es ist nie was passiert. Außer deinen Nachstell Eskapaden. Welche sind schon fast manisch äußern

x 5 #102


Heffalump
Zitat von Kauzette:
die die Thematik aus meinen Mails wieder aufrufen, diese also spiegeln: ungeklärte Beziehungen, Schweigen, verpasste Liebe, die

Seufzt

Und? Was fängst du mit diesem Wissen an? Willst ihn wieder beleben, Friedhof der niemals Ex-Kuschelviecher?

Du bist bestimmt eine nette Frau, aber ziemlich verbohrt

x 2 #103


Heffalump
Zitat von Sincerite:
Wieso können viele Menschen ein Nein nicht als Nein akzeptieren?

Das ist die „nein, aber“ Generation. Bei uns wurde ein NEIN noch mit Nachdruck verliehen.

x 2 #104


Arnika
Zitat von Multiversum:
Das meint @Arnika nicht wörtlich ! -Sie drückt mit "geh bitte" nur ihren Unmut aus. Lachendes Gesicht

Danke, genau so! Und witzig, hatte noch gar nicht daran gedacht, dass jemand „Geh bitte“ als Platzverweis auffassen könnte. War das zu kryptisch? Zu wenig Klarheit? Zu vage oder gar ambivalent? 🤣

x 3 #105


A


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