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Tod des Partners - Erfahrungen und Hilfe für Betroffene

SimplyRed

SimplyRed

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Liebe Foris,

ich habe lange überlegt, bevor ich dieses Thema nun doch eröffne - es ist sicherlich ein sehr sensibles Thema, aber da ich hier bislang noch nichts dazu gelesen habe, würde ich gern diejenigen dazu einladen hier zu schreiben, die eine solche Erfahrung bereits gemacht haben, oder (so wie ich), vielleicht an einer Krankheit leiden und sie deshalb mit solchen Gedanken befasst sind!

Die Vorstellung, die Menschen die man liebt zurück zu lassen, der Schmerz, welcher damit verbunden ist für die Hinterbliebenen, ich mache mir sehr viele Gedanken darüber und ich habe ein furchtbar schlechtes Gewissen gegenüber diesen Menschen, vor allem natürlich gegenüber meinem Mann und den Kindern.

Ich versuche mir vorzustellen, obwohl das ganz sicher nicht gut ist, ob so ein Verlust wirklich jemals richtig verarbeitet werden kann, ob ich damit erst den Beginn einer langen Tragödie setzen werde, obwohl ich das gar nicht möchte. Ich fühle mich so hilflos und so verdammt schuldig, dennoch weiß ich, dass ich das nicht sollte, es wird aber irgendwie nicht besser - eher im Gegenteil.

Hat jemand von Euch schon einmal einen Partner verloren? Wie konntet Ihr damit umgehen, wie geht es Euch heute damit? Wie ist Euer Partner selbst damit umgegangen, was hättet Ihr Euch gewünscht von ihm, oder was hat es Euch unnötig schwer gemacht?

Soll man nun darüber reden, oder macht es das Ganze im Grunde nur noch schlimmer?

So viele Fragen auf die ich bis jetzt so wenig Antworten für mich gefunden habe. ich würde mich daher sehr freuen, wenn der eine oder andere etwas dazu schreiben könnte, das würde mir sehr helfen!

Liebe Grüße
Simply

12.06.2019 11:09 • x 7 #1


Bewusstsein

Bewusstsein

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Freue dich für die die vorausgehen in die Ewigkeit, trauere nicht um Sie, vermisse Sie nicht sondern freue dich für Sie.

Sie freuen sich bestimmt darüber dass du das Leben noch genießen kannst und weitermachst.

Wir wissen so viel voneinander; wir kennen unser Hoffen und Bangen, unser Sehnen und Verlangen. Doch Gott kennt das Tiefste in uns wie keiner. Er wird uns weiterhin in die Seele schauen, und unsere Herzen werden verbunden sein durch ihn.

Wir gingen miteinander durch diese Welt, sie wurde uns zur geliebten Heimat. Doch Gott bietet uns eine Heimat wie keiner.

Für jeden von uns wird die Zeit kommen, dass er uns zu sich zurück ruft. Es wird die Zeit kommen, dass wir bei ihm gemeinsam einen Platz für die Ewigkeit finden.

12.06.2019 11:24 • x 3 #2


SimplyRed

SimplyRed


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Danke @Bewusstsein für Deine Zeilen....

Wie nur werde ich dieses schlechtes Gewissen los? Den anderen verletzen - das ist doch genau das, was man auf gar keinen Fall möchte in einer Partnerschaft oder Ehe. Aber ich werde es evt. tun und kann es dann nicht mehr aufhalten, das fühlt sich einfach nur schrecklich an - so schuldig habe ich mich selten gefühlt. Ich habe immer einen Ausweg gefunden und wenn keinen Ausweg, dann eine Möglichkeit mit dem Sturm zu leben.

Aber das jetzt - ich komme einfach nicht damit klar, meinem Mann soetwas anzutun, ich habe doch versprochen soetwas niemals zu tun...

Simply

12.06.2019 11:32 • x 2 #3


Bewusstsein

Bewusstsein

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Zitat von SimplyRed:
Danke @Bewusstsein für Deine Zeilen....

Wie nur werde ich dieses schlechtes Gewissen los? Den anderen verletzen - das ist doch genau das, was man auf gar keinen Fall möchte in einer Partnerschaft oder Ehe. Aber ich werde es evt. tun und kann es dann nicht mehr aufhalten, das fühlt sich einfach nur schrecklich an - so schuldig habe ich mich selten gefühlt. Ich habe immer einen Ausweg gefunden und wenn keinen Ausweg, dann eine Möglichkeit mit dem Sturm zu leben.

Aber das jetzt - ich komme einfach nicht damit klar, meinem Mann soetwas anzutun, ich habe doch versprochen soetwas niemals zu tun...

Simply


Darf ich fragen denn, was für eine Krankheit du hast?

12.06.2019 11:33 • x 1 #4


Ente

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Mit treibt das tränen in die Augen.
Es tut mir unheimlich leid für dich.
Ich selbst habe es bisher nicht erleben müssen und kann nicht erahnen wie es dir geht.
Meinen Kindern gegenüber hätte ich das gleiche Gefühl wie du.
Das du es deinem Partner gegenüber auch hast, zeigt mir, wie sehr ihr miteinander verwurzelt seid.

Das ist so wundervoll. Allein dafür solltest du dankbar sein. Das darf nicht jeder im Leben erleben.

Ich wünsche dir alles erdenklich Gute und hoffe, das sich das, wovor du so sehr Angst hast, abwenden lässt.

Danke für deine Zeilen und das du uns an solch einem Gefühl teilhaben lässt.

12.06.2019 11:39 • x 2 #5


Otto_Feige

Otto_Feige

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Zitat von SimplyRed:
Hat jemand von Euch schon einmal einen Partner verloren?


Ein ebenso sensibles wie schwieriges Thema. Ich selbst hatte noch keine Partnerin, die verstorben ist, allerdings eine verwitwete, die den Verlust noch nicht überwunden hat. Woran letztlich die Beziehung auch scheiterte.

Ich fand damals Rat und Unterstützung in diesem Forum:
http://www.verwitwet-forum.de

12.06.2019 11:39 • x 1 #6


Vicky76

Vicky76

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Zitat von SimplyRed:
Aber das jetzt - ich komme einfach nicht damit klar, meinem Mann soetwas anzutun, ich habe doch versprochen soetwas niemals zu tun...

Irgendwie verstehe ich das gar nicht.
Hast du ein schlechtes Gewissen, weil du krank bist, oder weil du deinem Mann versprochen hast, keine schlimmen Nachrichten zu überbringen?

12.06.2019 11:41 • x 2 #7


Puppenmama5269

Puppenmama5269

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Hallo Simply,

Vielleicht würde es dir helfen dem Tod nicht als Bestrafung oder Tragödie eines Menschen zu betrachten. Sondern als das was es ist.
Unausweichlicher Punkt des Lebens.

Ich betrachte den Tod nicht als Strafe. Sondern als Erlösung. Schließlich leben wir und eines Tages gehen wir. Dass entscheidende liegt dazwischen. Was DU daraus machst.
Und so vermittel ich es jenen Menschen die mir nah stehen.

Zitat von SimplyRed:
Die Vorstellung, die Menschen die man liebt zurück zu lassen, der Schmerz, welcher damit verbunden ist für die Hinterbliebenen, ich mache mir sehr viele Gedanken darüber und ich habe ein furchtbar schlechtes Gewissen gegenüber diesen Menschen, vor allem natürlich gegenüber meinem Mann und den Kindern.


Ein schlechtes Gewissen für dass unausweichliche? Das brauch keiner haben.
Ja es tut erst einmal weh. Aber man arrangiert sich mit dem Verlust. Und ganz weg wird man nie sein. Du hast eine "Markierung" hinterlassen wenn du gehst. Es sind die eigenen Kinder.
Man lebt doch quasi in ihnen fort.

Zitat von SimplyRed:
Ich versuche mir vorzustellen, obwohl das ganz sicher nicht gut ist, ob so ein Verlust wirklich jemals richtig verarbeitet werden kann, ob ich damit erst den Beginn einer langen Tragödie setzen werde, obwohl ich das gar nicht möchte. Ich fühle mich so hilflos und so verdammt schuldig,


Es muss keine Tragödie sein. Warum so ein Schuldgefühl, für das Leben?

Zitat von SimplyRed:
Soll man nun darüber reden, oder macht es das Ganze im Grunde nur noch schlimmer?


Natürlich hilft es zu reden.
Warum auch nicht. Es ist doch nur so ein komischer Geschmack dabei, weil Menschen es komischerweise noch immer als Tabu betrachten.



Für mich, es ist eine Erlösung. In anderen Ländern wird der Tod gefeiert. Bzw das Leben dass sie leben durften. Und dass ist doch wunderschön.

Und dass wünsche ich mir. Nicht traurig sein dass wir gehen müssen, sondern froh sein, dass WIR da waren.

12.06.2019 11:46 • x 8 #8


regenbogen05

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Liebe Simply
Ich erlebe gerade im Freundeskreis etwas Ähnliches: der Sohn meiner Freundin ist unheilbar erkrankt. 26 Jahre alt. Wo jeder zusammenbrechen würde mit solch einer schrecklichen Diagnose, macht er sich Gedanken darüber, wie seine Familie mit dem Verlust fertig werden sollen.
Mich hat diese Aussage von ihm sehr nachdenklich gemacht. Ich wäre vermutlich diejenige, die mit ihrem Schicksal hadern würde und sich erstmal so richtig bemitleiden würde.
Deshalb empfinde ich es als ausgesprochene Stärke, sich in einer solchen Situation über die Familie, auf die unweigerlich schlimme Zeiten zukommen werden, Gedanken zu machen. Es zeugt von Stärke, Mitgefühl und grenzenloser Liebe.

12.06.2019 12:19 • x 3 #9


SimplyRed

SimplyRed


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Also erstmal ein großes DANKE an alle, die hier so schnell und spontan geantwortet haben, die unterschiedlichen Antworten helfen mir gerade sehr um neue Anknüpfpunkte zu finden, dafür bin ich Euch sehr dankbar, puh

Zitat von Bewusstsein:
Darf ich fragen denn, was für eine Krankheit du hast?


Natürlich darfst Du, ich habe kein Problem damit das offen zu schreiben, ich habe Krebs - Brustkrebs um genau zu sein!

Zitat von Ente:
Das du es deinem Partner gegenüber auch hast, zeigt mir, wie sehr ihr miteinander verwurzelt seid.

Das ist so wundervoll. Allein dafür solltest du dankbar sein. Das darf nicht jeder im Leben erleben.


Das hast Du sehr gut erkannt, @Ente - wir sind tatsächlich sehr stark miteinander verwurzelt und das macht es auf eine Weise irgendwie noch schwerer für mich. Dafür bin ich auch sehr sehr dankbar, nur - um hier anzukommen, haben wir beide auch unglaublich viel investiert und was bekommt mein Mann dafür zurück? Ich stelle das alles irgendwie in Frage, war es das wert? Ich weiß, es steht nur ihm allein zu das zu beurteilen, aber ich komme mir vor, wie ein Dieb - jemand der ihm all diese Kraft, diese Zeit geraubt hat und nun verschwindet - einfach so!

Zitat von Otto_Feige:
ch fand damals Rat und Unterstützung in diesem Forum:
http://www.verwitwet-forum.de


Ich danke Dir für diesen Tipp, ich werde mich dort einmal umsehen - danke!

Zitat von Vicky76:
Hast du ein schlechtes Gewissen, weil du krank bist, oder weil du deinem Mann versprochen hast, keine schlimmen Nachrichten zu überbringen?


Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich ihm wehtun muss und ihn lange vor der Zeit verlassen muss, er bringt eine sehr schwierige Lebenserfahrung mit in die Beziehung mit sehr traumatischen Erfahrungen im Bereich "Vertrauen" und "emotionale Sicherheit" - nun soll ausgerechnet ich diejenige sein, die ihm das erneut antut, das macht mich einfach nur fertig...

Zitat von Puppenmama5269:
Es muss keine Tragödie sein. Warum so ein Schuldgefühl, für das Leben?


aus obigen Gründen....

Zitat von Puppenmama5269:
Natürlich hilft es zu reden.


Das habe ich auch gedacht, mein Mann will aber darüber nicht reden, er erträgt das Thema nicht und das muss ich respektieren, auch wenn es für mich dadurch eben nicht leichter wird.

Zitat von Puppenmama5269:
Nicht traurig sein dass wir gehen müssen, sondern froh sein, dass WIR da waren.


Ich bin nicht traurig, dass ich gehen muss - für mich ist sterben wie geboren werden, nur eine Veränderung! Ich komme nur nicht damit klar, was ich meiner Familie (speziell meinem Mann) damit antue und suche nach Möglichkeiten, es für sie leichter zu machen, irgendwie fühle ich mich da verantwortlich. Ich kann nicht nur rumliegen und mich bemitleiden lassen, ich bin es doch gar nicht, die nachher mit dem Schmerz zurück bleibt, das erscheint mir so ungerecht...

Zitat von regenbogen05:
Deshalb empfinde ich es als ausgesprochene Stärke, sich in einer solchen Situation über die Familie, auf die unweigerlich schlimme Zeiten zukommen werden, Gedanken zu machen. Es zeugt von Stärke, Mitgefühl und grenzenloser Liebe.


wow Regenbogen - bin sprachlos


Simply

12.06.2019 12:27 • x 5 #10


Verloren1974

Verloren1974

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Liebste SimplyRed,

als allererstes vielen Dank, dass du dich mit diesem sensiblen Thema hier anvertraust.
Du sagst, du fühlst dich schuldig. Aber es ist doch nicht deine Schuld! Du hast es dir nicht ausgesucht! Wenn es umgekehrt wäre, also dein Mann eine schwere Krankheit bekäme, würdest du es ihm vorwerfen? Sicherlich nicht! Es geschehen im Leben so schlimme Dinge. Du hast keine Schuld! Auch wenn ich mir für dich wünschte, alles wäre anders: Ich finde, du bist sogar eine große Bereicherung, denn es zwingt deine geliebten Menschen, sich mit dem Thema auseinander zu setzen, das so von unserer Gesellschaft tabuisiert wird und letztendlich zum Leben dazugehört: dem Tod.

P.S. Ich hoffe sehr, dass dein Mann die Einstellung zum Reden noch ändern wird ....

12.06.2019 12:36 • x 4 #11


regenbogen05

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Zitat von Verloren1974:
Aber es ist doch nicht deine Schuld! Du hast es dir nicht ausgesucht!


Zitat von SimplyRed:
wir sind tatsächlich sehr stark miteinander verwurzelt und das macht es auf eine Weise irgendwie noch schwerer für mich. Dafür bin ich auch sehr sehr dankbar, nur - um hier anzukommen, haben wir beide auch unglaublich viel investiert und was bekommt mein Mann dafür zurück?


Zitat von SimplyRed:
Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich ihm wehtun muss und ihn lange vor der Zeit verlassen muss, er bringt eine sehr schwierige Lebenserfahrung mit in die Beziehung mit sehr traumatischen Erfahrungen im Bereich "Vertrauen" und "emotionale Sicherheit" - nun soll ausgerechnet ich diejenige sein, die ihm das erneut antut, das macht mich einfach nur fertig...


Ich denke, dass Simply sich keine Vorwürfe wegen ihrer Krankheit macht, sondern dass sie nach all den Schwierigkeiten in ihrer Beziehung jetzt, wo alles wieder läuft, ihren Mann verlassen muss. Das treibt sie um. Das meint sie mit *gestohlener Zeit* ihrem Mann gegenüber.

12.06.2019 12:44 • x 1 #12


SimplyRed

SimplyRed


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Zitat von regenbogen05:
Ich denke, dass Simply sich keine Vorwürfe wegen ihrer Krankheit macht, sondern dass sie nach all den Schwierigkeiten in ihrer Beziehung jetzt, wo alles wieder läuft, ihren Mann verlassen muss. Das treibt sie um. Das meint sie mit *gestohlener Zeit* ihrem Mann gegenüber.


Ja! Ganz genauso ist es, danke dass Du das nochmal zusammen gefasst hast @regenbogen05

12.06.2019 12:48 • x 1 #13


regenbogen05

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Zitat von SimplyRed:
Ja! Ganz genauso ist es, danke dass Du das nochmal zusammen gefasst hast

Gerne. Keine Ursache.
Wie gehst Du mit Deiner Diagnose um? Unabhängig von Deinem Sorgen um/für die Familie?

12.06.2019 12:51 • x 1 #14


Tempi-Gast

Tempi-Gast

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Hallo und guten Tag!
Es tut mir leid, aber Du bist doch auch eine Kämpfernatur.
Du lässt doch nix auf Dir sitzen.
Gib Dich noch nicht geschlagen..

Auszug aus einem anderen Thread:
Zitat von Hey:
Liebe ..... - natürlich schaffst du das!

Rede dir bitte kein Pech ein, es hätte vielmehr vor der OP abgeklärt gehört, ob der Tumor wirklich lokal begrenzt ist, denn danach richtet sich die gesamte Therapie. Das ist eine Schlamperei und kommt statistisch sogar in der Mehrzahl der Fälle vor, dass die erst operieren, anstatt im Spezialisten-Team die vollständige Situation abzuklären. Viele Kliniken haben solche Tumor-Boards gar nicht und sind schlecht organisiert.

Wenn es irgend geht, wechsel in ein zertifiziertes Brustkrebszentrum! (URL eingeben: brustkrebs-web.de/community/arztsuche/1348_zertifizierte_zentren.php)

Alles wird gut!
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12.06.2019 12:54 • x 2 #15




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