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Tod des Partners - Erfahrungen und Hilfe für Betroffene

Vidi

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Zitat von SimplyRed:
Ich empfinde die Krankheit nicht als Fluch, auch nicht als Segen. - ich nehme sie erstmal nur an, ganz neutral.


Ich bin beim Mitlesen über diesen Satz von dir gestolpert. Kann man die eigene Erkrankung erstmal nur neutral wahr- und annehmen? Es ist existenziell & Tod, für mich das Brutalste, dem man im Leben ausgesetzt ist, wenn man nicht sein Leben gerade bis ins hohe Alter leben durfte.

Alles Liebe mit fetter Umärmelung Vidi

12.06.2019 17:25 • x 2 #46


Harris

Ist denn der gefundene Tumor in der Brust operiert worden?
Oder hast du die Diagnose komplett so stehen lassen?
Letzteres fände ich, sowohl als Kind als auch als Partner, zugegebenermaßen schwierig.
Wie geht denn deine Älteste damit um? Seid ihr im Gespräch? Das ist etwa das Alter, in dem ich war als meine Mutter ihre erste Diagnose bekam.

Ich wünsche euch auf jeden Fall viel Zuversicht und Glück.

12.06.2019 17:36 • x 3 #47


Bewusstsein

Bewusstsein

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Zitat von Vidi:

Ich bin beim Mitlesen über diesen Satz von dir gestolpert. Kann man die eigene Erkrankung erstmal nur neutral wahr- und annehmen? Es ist existenziell & Tod, für mich das Brutalste, dem man im Leben ausgesetzt ist, wenn man nicht sein Leben gerade bis ins hohe Alter leben durfte.

Alles Liebe mit fetter Umärmelung Vidi


Klar kann man, ich habe auch Generalisierte Epilepsie mit Bewusstseinsverlust, hatte ich 3 mal schon und auch ich kann daran sterben.

Aber dennoch betrachte ich die Krankheit neutral und lebe so als hätte ich diese Krankheit nicht und mir geht es viel viel besser.

Ich wünsche dass @SimplyRed sich nicht als Opfer oder so deswegen betrachtet wegen der Krankheit die Sie hat sieht. Sondern dagegen ankämpft.

12.06.2019 17:42 • x 2 #48


SimplyRed

SimplyRed


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Ich möchte kurz einwerfen, dass ich mir jeden Beitrag genau durchlese und auch so gut ich kann, auf alles eingehen werde. Manche von Euch haben jedoch auch Blickwinkel angeboten, über die ich zunächst nachdenken muss um diese angemessen beantworten zu können.....

Wenn ich also längere Zeit nicht antworte, oder kurz auf gezielte Fragen eingehe, bedeutet das nicht, dass ich mich mit all den anderen Beiträgen nicht befassen möchte - das möchte ich und werde ich, es sind nur so viele tolle Beiträge, dass ich nicht so schnell hinterher komme, alles zu beantworten und zu durchdenken...

Ich habe einfach nicht damit gerechnet, dass doch so viele unheimlich tolle Beiträge kommen würden, das ist wirklich unglaublich, vielen vielen Dank!

Und Ihr müsst mich auch keines Falles mit Samthandschuhen anfassen - Ihr dürft alles sagen - auch kritische Ansätze bringen, ich bitte sogar darum, es geht mir gut - ich habe den Thread eröffnet und möchte keine Sonderbehandlung, ehrlich....

Ich muss erstmal weiterlesen....und dann versuche ich so gut es geht zusammen zu fassen? Wenn das so ok ist?

Liebe Grüße
Simply

12.06.2019 17:54 • x 3 #49


Bones

Also wenn deine letzte Antwort auch auf meine Beiträge bezogen ist, kann ich dir zumindest sagen,dass ich nicht das Gefühl habe,übergangen zu werden,wenn du nicht darauf eingehst oder später antwortest.Ich finde es gut,dass du dieses Thema eröffnet hast,auf was du antwortest, bleibt dir überlassen.Manche Beiträge gehen dir bestimmt auch näher als du dachtest,da musst du nicht auf Alles eingehen.

12.06.2019 17:57 • x 1 #50


Bewusstsein

Bewusstsein

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@SimplyRed * So niederschmetternd die Diagnose auch ist, bedeutet Krebs schon lange kein Todesurteil mehr. Sofern man ihn schnell erkennt und gezielt behandelt. Brustkrebs ist zu 90 Prozent heilbar, sagt Dr. Daniela Rezek. Das ist der Chefärztin der Klinik für Senologie/Kooperatives Brustzentrum im Marien-Hospital wichtig. Werde er aber nicht erkannt und behandelt, könne ein schnell wachsender Tumor in neun Monaten zum Tod führen. Darum ist es ganz wichtig, dass man alle Früherkennungsangebote auch annimmt. Denn: Keine Frau könne verhindern, dass sie an Brustkrebs erkrankt. Doch je früher die Krankheit erkannt werde, desto weniger Krebszellen könnten sich bilden. Und desto erfolgreicher verlaufe die Behandlung. *

Ich wünsche dir viel Genesung und Besserung und versuche dagegen anzukämpfen, nicht aufzugeben.

Und mache das Beste aus deiner Situation, wünsche dir alles Gute.

12.06.2019 17:58 • x 1 #51


kuddel7591

kuddel7591

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@

Zulassen können - aber was? So blöd das klingt - die Diagnose Krebs zu bekommen, ist leider gleich mit etwas behaftet, was heutzutage nicht mehr zutrifft - der unmittelbare Tod.

Eine der aggressivsten Krebsarten überhaupt bekommen zu haben - ne, keine Theatralik darum - und das ganze gleich 3 mal, lässt die Welt sehr klein erscheinen.

Es gibt Formen an Krebs, die sehr aggressiv sind, obwohl es auf den 1. Blick bei bestimmten Krebsarten gar nicht so aussieht. Die histologischen Untersuchungen zeigen auf, um welche
Kategorie es sich handelt.

Dass Angehörige DA sein wollen, versteht sich fast von selbst - dass es nicht alle wirklich können,
weil sie mit dem Umstand einfach nicht klarkommen, dass jemand aus der Familie so heftig erkrankt ist, gibt es sehr oft. Dass sich Angehörige sogar abwenden - auch das gibt es...EP, Kinder...die mit der Diagnose des EP, Mama/Papa einfach nicht klarkommen, auch nicht umgehen lernen wollen.

Zu irgendwas zu raten - zu was? Das meiste wird eh intuitiv gesagt und/oder gemacht. Und ja... auch dem Bauch heraus zu reden und "zu tun" - denn rational zu sein, geht sehr oft nicht. Aktionismus - bei Betroffenen und Angehörigen, ohne sich dessen bewusst zu sein, "aktionistisch" zu handeln, zu reden...es wird gemacht, was gemacht werden muss und es bleibt auch was liegen, weil es "eben so ist", nicht anders geht.

Klar verzweifeln Betroffene wie Angehörige - das ist völlig normal. Zuversicht? Natürlich ist es gut, wenn sie gegeben ist - bei allen Beteiligten. "Kämpfen muss du".... "tu es für dich, tu es für mich, für uns!" Als wenn das extra gesagt werden müsste. Und ja...das gibt es auch - dass sich Menschen mit heftigen med. Indikationen selbst aufgeben, egal wie es um mögliche, auch erfolgversprechende Behandlungsmöglichkeiten bestellt ist. Prognose und Statistiken bemühen...da sehr vorsichtig zu sein, ist ratsam - für Betroffene wie Angehörige.
Eine Prognose bekam ich gar nicht. Meine statistischen Werte habe ich erst 6 Jahre nach der Diagnose erfahren....und die Werte waren denkbar mies. Es war GUT so, nichts erfahren zu haben. Der Statistik nach.... 1 : 10! Ich durfte der EINE sein, der noch lebt. Sehr viel Glück gehabt zu haben - das steht auf meinen Fahnen. Als "Langzeit-Überlebender" bezeichnet zu werden, mit "Sie haben viel Massel gehabt, begrüßt zu werden, wenn ich zur Nachsorge fahre....21 Jahre nach der 1. Diagnose von insgesamt 6 Diagnosen.

Wider besseren Wissens - nicht geredet, "machen" konnte ich nichts. Meine Angehörigen - die haben gerödelt, machten und taten, was ihnen möglich war. Auch bei ihnen - nicht reden über das, was wirklich "los" war.
Als ich nicht mehr konnte - da platzte die Bombe. Meine Angehörigen konnten auch ALLE nicht mehr, haben den Druck nicht mehr ausgehalten. Als die Bombe geplatzt war, entspannte sich die gesamte Situation, obwohl es mir sauschlecht ging. Nicht die Chemos waren heftig...andere Therapien waren es,...und monatelang war es wirklich grausig....wie ich mich fühlte, so sah ich auch aus.

Und nein - Mitleid, Bedauern, Empathie, "Sympathie", aber auch Selbstmitleid oder Jammern waren NIE ein Thema bei mir...zu keiner Sekunde. Ob ich an Suizid gedacht habe...nein. Auch nicht, als mir gesagt wurde: "Bei Ihnen müssen wir abwarten, was geschieht!"

Krise als Chance? Krise als Schicksal? Aufrecht zu "gehen", wenn es sein soll...

...und dazu gehört, möglichst offen mit allem und zu allen zu sein. Und dass sich Angehörige diesem nicht annehmen können, weil....das ist verständlich. Dass sich Angehörige NICHT abfinden wollen, wenn nicht alle Möglichkeiten der schulmedizinischen, und/oder der komplämentären und/oder der adjuvanten Palette ausgeschöpft sind, versteht sich von selbst. Gar keine Therapien anzugehen - das heißt NICHT, dass es "das war". Das weiß ich aus eigener Erfahrung - für mich gab es "nix mehr" - auch nix adjuvantes, nix komplementäres. Dennoch gibt es mich noch.

Allerdings - steht ein Entschluss fest, keine Therapien (mehr) zu machen, ist das zu respektieren. Das zu akzeptieren.... oh je! Damit umzugehen.... oh je. Aber nicht unmöglich, weil es keine Alternativen dazu gibt. Niemand wirft die (Lebens-)-Flinte leichtfertig ins Korn.

Entscheidend ist zudem, wie weit eine Krebserkrankung fortgeschritten ist. Wie es ist, wenn eine Krebserkrankung "nicht zur Ruhe" kommt - ein Sch...Gefühl ist das. Selbst damit umgehen zu müssen, geschweige, dass Angehörige das aushalten sollen...da kann niemand sagen, sich am besten "so oder so" zu verhalten. Es geschieht etwas intuitiv...oder eben nicht. Es wird "geredet" - oder eben nicht. Zuhören - das wäre schon ein riesiger Erfolg. Und DA-sein IST ein riesiger Erfolg - Betroffene wie Angehörige füreinander. Sich berühren, Wärme zu vermitteln...."einfach" nur da zu sein.

Zitat:
Zitat:
(...) .... auf der emotionalen Ebene ist das allerdings für mich nicht zu vertreten, dass es allein "seine Sache" sein soll - das erscheint mir nicht fair zu sein ihm gegenüber.


die emotionale Ebene ist eine ganz andere, als die Sachebene....und was rational klipp und klar erscheint, erscheint emotional in einer ganz anderen Dimension....bei einem selbst und beim Gegenüber auch. Sich emotional einander zu erreichen ist das eine - emotional einander "abzuholen"....ist eine ganz andere Kiste....

Zur Diagnose Brustkrebs sei gesagt - es gibt verschiedene Stufen davon. Es gibt eine höchst aggressive Stufe und welche, die weniger aggressiv sind...dazu kommt, wie weit ein Krebs fortgeschritten ist, in welchem Stadium er sich befand, usw.! Damit umzugehen, ist nicht leicht. Den Angehörigen die Komplexität des Brustkrebses zugänglich zu machen....ein schwieriges Kapitel

12.06.2019 18:03 • x 4 #52


Ente

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Ich weiß das deine Entscheidung respektiert gehört, das du dich gegen eine Therapie entschieden hast und auch keine weitere Untersuchungen hast machen lassen, die Dir eine mögliche Ausbreitung des Krebses aufzeigen.

Aber wie kannst du das für dich vereinbaren?
Wenn ich eine 16 jährige und ein einjähriges auf dieser Welt hätte, würde ich alles erdenklich mögliche tun. Zumindest so lange, wie sich die Therapie noch gut anfühlt. Was, wenn die Histologie zeigt, das es kein so bösartiger Tumor ist? Was wenn keine Metastasen vorhanden sind? Was, wenn du genau durch dein jetziges Handeln dafür sorgst, das du stirbst?

Versteh mich bitte nicht falsch, aber du entscheidest dich für die Option Tod, obwohl du das Ausmaß des Tumors nicht kennst?

Warum gibst du auf?

12.06.2019 20:30 • x 2 #53


Bewusstsein

Bewusstsein

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Zitat von Ente:
Ich weiß das deine Entscheidung respektiert gehört, das du dich gegen eine Therapie entschieden hast und auch keine weitere Untersuchungen hast machen lassen, die Dir eine mögliche Ausbreitung des Krebses aufzeigen.

Aber wie kannst du das für dich vereinbaren?
Wenn ich eine 16 jährige und ein einjähriges auf dieser Welt hätte, würde ich alles erdenklich mögliche tun. Zumindest so lange, wie sich die Therapie noch gut anfühlt. Was, wenn die Histologie zeigt, das es kein so bösartiger Tumor ist? Was wenn keine Metastasen vorhanden sind? Was, wenn du genau durch dein jetziges Handeln dafür sorgst, das du stirbst?

Versteh mich bitte nicht falsch, aber du entscheidest dich für die Option Tod, obwohl du das Ausmaß des Tumors nicht kennst?

Warum gibst du auf?


Was sagst du dazu @SimplyRed

?

12.06.2019 20:32 • x 1 #54


SimplyRed

SimplyRed


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Zitat von kuddel7591:
du bringst es auf den Punkt - das geht mir sehr nahe...und das ist gut so.


Danke @kuddel7591 - und auch wenn Du schreibst, es sei "gut so" - tut es mir Leid, dass ich das alles aufgewühlt habe mit meinem Thema, aber Du bist ja auch erwachsen, Du brauchst keinen "Aufpasser" und kein "Kindermädchen", die zuviel Realität von Dir fernhalten. Bitte pass trotzdem auf Dich auf und zieh auch die Notbremse, wenn Dir dieses Thema zu viel wird - psycho-onkologischer Stress, ist was keiner von uns braucht im Moment....

Zitat von kuddel7591:
Die Endgültigkeit von Entscheidungen steht nun mal im Raum.


Ganz genauso ist es - die Tragweite mancher Entscheidungen ist so ungewohnt - man kann nicht einfach "mal schauen" oder es "auf sich zukommen lassen", was üblicher Weise meine Art ist, die Dinge anzugehen. Allein die Frage regelmäßig "bist Du Dir auch wirklich sicher" ist mir eigentlich schon zuviel - wie könnte ich jemals wirklich sicher sein? Welche Erfahrungswerte habe ich bitte zur Verfügung, wieviel "Versuche" habe ich denn frei - wann ist es "zu spät" um seine Meinung noch zu ändern, oder wie schnell muss ich mich denn entscheiden, um keine "Nachteile" zu erleiden?

Zitat von kuddel7591:
obwohl das Endgültige aus deiner Sicht unumgänglich ist


Das stimmt so nicht ganz - ich weiß es nur schlicht und einfach nicht - und damit geht es mir ehrlich gesagt erstaunlich gut - ich laufe keinen Prognosen und Kontrollen, keinen Blutwerten hinterher. Ich stelle meinen Alltag um, die Ernährung, mein Tagespensum - versuche meine Grenzen mehr zu respektieren und meinem Körper Ruhe zu gönnen. Ich bin nicht der Typ für "Endgültigkeiten", solange ich noch da bin, sehe ich keinerlei Grund mich auf das "Unvermeidliche" einzustellen, das wäre nicht mein Weg!

Zitat von kuddel7591:
Offener und ehrlicher Umgang mit den Tatsachen


Ja, das wäre im Moment sehr wichtig für mich - bislang aber, ist mein Mann aber damit noch überfordert, er darf überfordert sein, das ist sein gutes Recht.....ich würde ihm nur gerne helfen können, doch wie - wenn er nichts davon wissen will?

Zitat von kuddel7591:
Es bleibt zu hoffen, dass sich viele Menschen des Umgangs mit den nahestehenden Menschen bewusster wird, dass Offenheit und Ehrlichkeit im Umgang mit sich selbst noch mehr Einzug hält.
@SimplyRed hat in eindrucksvoller Weise ihre Sachlage dargestellt....und die ihres Mannes angeführt. Es ist zu erkennen, zu welchen Problemen es kommen kann...und daher ist es gut, dass in DER Klarheit zu lesen. Danke für deine Offenheit ...@SimplyRed.


oh man Kuddel - jetzt fange ich doch noch an zu heulen....so lange habe ich mich nicht getraut dieses Thema zu eröffnen, ich bin sehr froh, dass es so positiv aufgenommen wird - ich hatte diesbezüglich sehr starke Bedenken.

Zitat von gast-11111:
Ich verstehe Dich sehr sehr gut. Waren auch meine Gedanken, mein Stress.


Das tut mir sehr Leid @gast-11111 und gleichzeitig freue ich mich sehr für Dich, dass Du all das überstanden hast und Deine Prognose günstig zu sein scheint. Alles, alles Gute von mir für Dich und Deine Familie. Auch danke, für die vielen tollen Tipps von Dir, vieles davon mache ich bereits, einiges ist neu für mich und wird vielleicht noch zusätzlich umgesetzt werden. In jedem Falle, danke dafür

Zitat von Harris:
Ich fühlte mich hilflos und wütend, dass sie uns dieser Situation aussetzt. Heute, mit dem nötigen Abstand, sehe ich das anders.


Was genau meinst Du damit, die Tatsache, daß sie schlußendlich keine weiteren Behandlungen mehr wünschte, oder dass sie zum Schluß zu Hause geblieben ist?

Zitat von Harris:
Möglicherweise braucht es noch Zeit. Wie lange ist deine Diagnose her?


Das ist auch meine Vermutung, es braucht noch Zeit!
Die erste Vermutung ist 1,5 Jahre her, die endgültige Diagnose jetzt in etwa ein Jahr.

Zitat von Harris:
Es liest sich irgendwie, als wären es nur noch Wochen für dich?


Ach Du Schreck, das soll es auf gar keinen Fall - denn wie ich schon sagte, ich weiß es selbst nicht, weder wie weit sich der Krebs ausgebreitet hat und daher eben selbstverständlich auch keine wirkliche Prognose. Ich weiß, welche Art von Brustkrebs ich habe, das reicht mir zunächst einmal aus um mir ein umfassendes Bild meiner Chancen und Risiken machen zu können.

Zitat von nmp:
Da steckt mächtig die Liebe zu dir dahinter, und ein auf und ab von Trauer und Ratlosigkeit.


Das stimmt, deswegen ist es ja so schlimm für mich, dass ausgerechnet ICH nun krank werden musste, das hat er einfach nicht verdient - niemand hat soetwas verdient - in keinem Fall - er hatte jedoch nie die Möglichkeit, die Liebe nicht als existenzielle Bedrohung zu erleben - nicht einmal als Kind. Und es macht mich einfach verdammt wütend, dass er das jetzt durchleben muss, einfach grauenhaft! Unbeschreiblich....

Zitat von Bones:
Gib deinen Kindern die Möglichkeit, etwas für dich zu tun.Sie werden es eh versuchen und das kann für ganz große Verzweiflung sorgen,weil man nicht weiß,was man tun kann.


Das werde ich - versprochen!

Zitat von Bones:
Es gibt übrigens mittlerweile ganz tolle Projekte für Kinder und Jugendliche, deren Eltern an Krebs erkrankt sind.Dort können sie sich altersentsprechend austauschen und werden begleitet. Können über ihre Ängste und Sorgen sprechen, mit denen sie die Eltern nicht belasten wollen. Könnte ich dir raussuchen, wenn du möchtest. Zu meiner Zeit gab es sowas leider nicht oder es hat niemand daran gedacht, danach zu schauen,aber wie ich als Erwachsene davon hörte,hatte ich das starke Gefühl, dass es mir geholfen hätte.Mehr als still und unauffällig bleiben und alles mit mir selbst auszumachen


Tausend Dank für dieses Angebot, das nehme ich sehr gern in Anspruch, kannst Du mir alle Infos per PN schicken? Das wäre Klasse, danke Dir

Zitat von Vidi:
Kann man die eigene Erkrankung erstmal nur neutral wahr- und annehmen?


Nun, ich kann nur von mir persönlich sprechen - es ist wohl eine Frage der Persönlichkeit! Ich neige eher nicht dazu, "totalitär" oder extrem zu reagieren. Ich nehme die Dinge erstmal an, wie sie sind. Aus dieser Position heraus, fällt es mir persönlich viel leichter, mit solchen Ereignissen umzugehen und weiterhin "agieren" zu können, mich nicht ausgeliefert oder von den Ereignissen "erschlagen" zu fühlen...aber das ist nur mein persönliches Empfinden, das macht jeder auf seine Weise nehme ich an!

Zitat von Harris:
Ist denn der gefundene Tumor in der Brust operiert worden?


Ja, das ist er - leider wurde nicht gut gearbeitet und nicht getan, was wir (mein Mann und ich) mit den Ärzten besprochen hatten - auch wurden zusätzlich Eingriffe vorgenommen, die wir strikt abgelehnt haben, was nicht gerade eine hilfreiche Erfahrung gewesen ist, auch damit gilt es jetzt leben zu lernen...irgendwie

Zitat von Harris:
Wie geht denn deine Älteste damit um? Seid ihr im Gespräch?


Nein, wir sprechen im Moment nicht darüber, sie möchte das derzeit nicht und auch das respektiere ich selbstverständlich. Meine Tochter ist auch ein wenig "anders", als andere Teenager und reagiert anders, hat andere Bedürfnisse in solchen Situationen....daher bin ich diesbezüglich eher kein Maßstab um vergleichen zu können....

Zitat von Bewusstsein:
Aber dennoch betrachte ich die Krankheit neutral und lebe so als hätte ich diese Krankheit nicht und mir geht es viel viel besser.


Da bin ich voll und ganz bei Dir @Bewusstsein - ganz genauso gehe ich persönlich auch damit um.

Zitat von Bones:
Manche Beiträge gehen dir bestimmt auch näher als du dachtest,da musst du nicht auf Alles eingehen.


Da hast Du Recht - viele gehen mir sehr nahe - daher nochmal (schon wieder) danke an Euch, dass Ihr diese intimen Erfahrungen mit mir teilt, ich weiß das sehr zu schätzen!

Zitat von Bewusstsein:
Brustkrebs ist zu 90 Prozent heilbar, sagt Dr. Daniela Rezek


Es gibt nicht "den einen" Brustkrebs - daher ist diese Aussage sehr schwierig in meinen Augen. Die 5-jahres Üb erlebensrate beträgt 88 % - nach 10 Jahren 80 % - allerdings gibt es besondere Formen des Brustkrebs, die von vorne herin eine eher ungünstige Prognose haben, lediglich 40 % - dafür kommen sie auch sehr selten vor. So pauschal, lässt sich diese Frage also nicht beantworten.

Zitat von Bewusstsein:
Ich wünsche dir viel Genesung und Besserung und versuche dagegen anzukämpfen, nicht aufzugeben.


Ich danke Dir und ich werde sicher nicht aufgeben - das liegt nicht in meiner Natur

Zitat von kuddel7591:
Es gibt Formen an Krebs, die sehr aggressiv sind, obwohl es auf den 1. Blick bei bestimmten Krebsarten gar nicht so aussieht. Die histologischen Untersuchungen zeigen auf, um welche
Kategorie es sich handelt.


So ist es, danke @kuddel7591

Zitat von kuddel7591:
21 Jahre nach der 1. Diagnose von insgesamt 6 Diagnosen.


Ich bewundere Deinen Kampfesgeist und Dein Durchhaltevermögen - es wird immer wieder gesagt "have a very strong reason to live" - welcher ist Deiner, abgesehen von Familie und allen, die Dir am Herzen liegen? Ich weiß darauf bislang noch keine wirkliche Antwort....

Zitat von kuddel7591:
Und nein - Mitleid, Bedauern, Empathie, "Sympathie", aber auch Selbstmitleid oder Jammern waren NIE ein Thema bei mir...zu keiner Sekunde.


Bei mir auch nicht und weißt Du was? Ein wenig wundere ich mich da schon über mich, warum ist mir eigentlich nicht nach heulen zumute, ich meine um meiner selbst willen? Ist das nicht eigentlich merkwürdig?

Zitat von kuddel7591:
Dass sich Angehörige NICHT abfinden wollen, wenn nicht alle Möglichkeiten der schulmedizinischen, und/oder der komplämentären und/oder der adjuvanten Palette ausgeschöpft sind, versteht sich von selbst.


Das ist bei uns zum Glück nicht so, wir treffen alle Entscheidungen gemeinsam und waren glücklicher Weise auch immer auf der selben Linie diesbezüglich. Wie schrecklich wäre es erst, wären wir dahingehend völlig unterschiedlicher Ansicht - ich habe wirklich großes Glück in diesem Punkt! Ganz ohne Frage!

Zitat von Ente:
Was, wenn die Histologie zeigt, das es kein so bösartiger Tumor ist?


Ich weiß alles über die Histologie meines Primärtumors und ich habe ihn auch operieren lassen, nur alles andere habe ich nicht getan, weil ich nicht von der sog. "Leitlinie" überzeugt bin, wir beide nicht (mein Mann und ich).

Simply

12.06.2019 20:57 • x 1 #55


Angi2

852
644
Ich habe im Januar meinen Mann verloren. Er starb nach 10 Jahren, in denen ich ihn intensiv gepflegt habe.
Er litt an einer Herzschwäche und Demenz, die sich stetig verschlimmerte.

Es war eine Zeit, die ich nie vergessen werde, die mich extrem verändert hat.
Ich bin innerlich in diesen Jahren abgestumpft, emotional gestorben.
Einen Menschen langsam sterben sehen....ich habe es mir leichter vorgestellt. Am Schluss hatte er nichts mehr von dem Menschen, den ich mal geheiratet habe. Sein Tod war die Hölle...er wollte nicht loslassen..er wollte nicht sterben...er wurde böser und gemeiner...am Schluß wollte er mich die Treppe hinunterstoßen, wollte mich mitnehmen...die Beine versagtem ihm.
Den Hass in seinem Blick, vergesse ich wohl nie!

Geblieben sind mir tägliche Krämpfe, weil meine Muskeln total verhärtet sind. Ich kann wohl noch nicht loslassen.

12.06.2019 21:13 • x 2 #56


Mira_

Mira_

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Zitat von Angi2:
Ich habe im Januar meinen Mann verloren. Er starb nach 10 Jahren, in denen ich ihn intensiv gepflegt habe.
Er litt an einer Herzschwäche und Demenz, die sich stetig verschlimmerte.

Es war eine Zeit, die ich nie vergessen werde, die mich extrem verändert hat.
Ich bin innerlich in diesen Jahren abgestumpft, emotional gestorben.
Einen Menschen langsam sterben sehen....ich habe es mir leichter vorgestellt. Am Schluss hatte er nichts mehr von dem Menschen, den ich mal geheiratet habe. Sein Tod war die Hölle...er wollte nicht loslassen..er wollte nicht sterben...er wurde böser und gemeiner...am Schluß wollte er mich die Treppe hinunterstoßen, wollte mich mitnehmen...die Beine versagtem ihm.
Den Hass in seinem Blick, vergesse ich wohl nie!

Geblieben sind mir tägliche Krämpfe, weil meine Muskeln total verhärtet sind. Ich kann wohl noch nicht loslassen.

uff. Es tut mir unfassbar leid, was Du durchmachen musstest.

12.06.2019 21:17 • x 1 #57


Angi2

852
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Zitat von Mira_:
uff. Es tut mir unfassbar leid, was Du durchmachen musstest.


Ich danke dir....aber sterben gehört zum Leben dazu, und Familie heißt für mich: mitzutragen, egal was kommt.
"Bis dass der Tod uns scheidet."

12.06.2019 21:22 • x 1 #58


kuddel7591

kuddel7591

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@SimplyRed

es ist alles GUT....es kommt NICHTS mehr hoch, was "meinen" Krebs angeht, auch wenn mich
deine Schilderungen sehr bewegen. Deine Schilderungen sind eher Warnung und Mahnung, auf
mich selbst aufzupassen. Das mache ich durch die regelmäßigen Nachsorge-Untersuchungen - und das seit 21 Jahren. Die waren mal 14-tägig...so heftig war es. Jetzt sind sie jährlich...und erneut
wurde "geschnippelt" und der Befund lautete: o. B. 0 ohne Befund

Auch das gibt es - es erfolgt eine Diagnose und alle Schotten werden sofort geschlossen.
"Nichts hören, nichts sehen, nichts lesen, nichts wissen" (wollen).

Als Patient darf Frau/Mann das....die Ärzteschaft darf NICHT davon abhalten, sondern ist lediglich verpflichtet, auf die Gefahren von unterlassenen Maßnahmen, die einen Linderung der Erkrankung
herbeiführen könnten, hinzuweisen. Als Angehöriger mit einer solch rigiden Entscheidung umzugehen und klarzukommen, ist sehr schwierig.

Einzelheiten einer Erkrankung preiszugeben - denn die Diagnose Brustkrebs ist zu "global" - liegt im Ermessen der TE. Wenn ihr die Diagnose DIESE als einzige Möglichkeit getroffene Entscheidung abringt, wird sie sich sehr überlegt haben. Zu hinterfragen, was sie dazu bewogen hat - die TE meinte ja, sie alles fragen zu dürfen. Also meine Frage - was hat dich zu der Entscheidung kommen lassen?
Die Reaktionen des EM sind auf jeden Fall nachvollziehbar - egal welche Beweggründe die TE veranlasst haben, sich SO entschieden zu haben. Dass sich der EM die Entscheidungen der TE nicht zu respektieren in der Lage sieht, ist verständlich. Und ich gehe mal davon aus, dass der EM den gleichen Kenntnisstand der Situation um seine EF hat....es wäre wünschenswert, dass sich gerade in dieser Situation beide EP auf Augenhöhe sehen.

Ja... eine Krebserkrankung zeichnet einen Mensch - ob mit oder ohne Therapien. Was dem Körper widerfährt, können Geist und Seele nicht leugnen, nicht kompensieren.

Mit dem Wissen um die genaue Diagnose, die Möglichkeiten auszuloten, die HEUTZUTAGE eine weitere Behandlung ermöglichen kann und das 1 : 1 mit dem Partner, der Familie, vertrauten Menschen zu besprechen, ggf. sich externen Kreisen zuzuwenden, weitere Meinungen einzuholen, die sich im Bereich der therapeutischen UND medizinischen Maßnahmen bewegen - "Hokuspokus" schließe ich als sinngebende "Maßnahmen" aus - würde ggf. eine neue Diskussion eröffnen.

@SimplyRed....es gibt eine Plattform im Internet, wo deine Themenstellung von und mit Menschen gestaltet wird, die sich in gleichen/ähnlichen Situationen befinden. Dort ist Augenhöhe gegeben - dort wissen die Leute, wovon sie reden.

Nein....es geht NICHT darum, deine Entscheidungen in Frage zu stellen. "Nachdenklich/er" stimmen, soll und muss erlaubt sein. Sich mit einer so heftigen Diagnose "abzugeben" - jeder Betroffene weiß, wie sehr das TRIFFT...von einer Sekunde auf die andere ändert sich alles schlagartig, wenn das Bewusstsein wieder aufkommt, was einen da ereilt hat, was einem da mitgeteilt wurde.

Heute ist es so, dass in den Brustzentren entsprechende Möglichkeiten für weitere Beratungen angeboten werden müssen. In den meisten Kliniken gibt es spezielle Sprechstunden von externen Organisationen (meist Selbsthilfegruppen) die unabhängig arbeiten. Mit den Entlassungspapieren
wird Infomaterial ausgehändigt, um einen reibungslosen Übergang von der Klinik in die ambulante Versorgung zu gewährleisten - beim Hausarzt, beim Facharzt (meist Gyn), oder andere soziale Dienste. Das gilt auch für Angehörige.

Angehörige lieben die Betroffenen "bis zum geht nicht mehr"! Angehörigen wird sehr viel abverlangt, OHNE danach gefragt zu werden. Meist werden Angehörige allein gelassen - auch von Betroffenen. Also...auch die Angehörigen müssen sich selbst kümmern - um sich selbst.

Eine Entscheidung, wie die TE sie für sich "verfügt" hat - das geht Angehörigen noch näher, als die Krebserkrankung an sich, zerreißt eher die Angehörigen, als die Betroffenen selbst. Die meisten Angehörigen leider meist eh mehr, als die Betroffenen selbst - ich weiß das aus eigener Erfahrung und aus vielen Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit in diesem Bereich.

Nein...jemanden von seiner Entscheidung abzubringen, macht keinen Sinn. Nur wer als Betroffener zur Überzeugung kommt, sich zumindest nähere Gedanken zu Alternativen zu machen, wird evtl. einlenken, um DANN ggf. gewillt sein, eine derart harte Entscheidung zu revidieren.

Und ja....Angehörigen wird auch etwas angetan - unbewusst natürlich, wenn solch gravierende Entscheidungen einseitig getroffen und durchgezogen werden, OHNE die Angehörigen wirklich "mitzunehmen".

Durch die Diagnose Krebs habe ich mich erst richtig kennengelernt - ich bezeichne "meinen" Krebs
seit Jahren als einen Segen, obwohl er mich fast das Leben gekostet hätte.

Nein @SimplyRed...ich brauche wahrlich keine/n Aufpasser/in...dafür habe ich eine Mentorin, die mir seit vielen Jahren den Kopf zurecht rückt. die mir Leviten liest, dich mich wieder aufbaut, die knallhart mir gegenüber "redet, macht und tut"!

12.06.2019 21:39 • x 2 #59


Mira_

Mira_

1924
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Zitat von Angi2:
Ich danke dir....aber sterben gehört zum Leben dazu, und Familie heißt für mich: mitzutragen, egal was kommt.
"Bis dass der Tod uns scheidet."

Ich bin da absolut bei Dir. Aber das ändert nichts daran, dass Du sehr viel Kraft aufbringen musstest, um deinen Mann zu pflegen. Und für das, was Du geleistet hast, hast du meinen Respekt. Ich weiß wieviel Kraft das einem Menschen abverlangt.

12.06.2019 21:43 • x 1 #60




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