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es macht keinen Sinn, getroffene Entscheidungen von Erkrankten im Umgang mit sich und ihren Angehörigen in Frage zu stellen. Alle Beteiligten haben einen Umgang mit der jeweiligen Situation
zu finden - Betroffene, wie Angehörige. Und ja....Angehörige sind ebenso Betroffene - indirekt
Betroffene.
Absprachen untereinander zu tätigen, die Kommunikation aufrecht zu erhalten, nach dem Befinden zu fragen, das eigene Befinden mitzuteilen - egal wie es einem geht - ist eine GUTE Basis, einen guten Umgang miteinander aufzubauen und zu erhalten ....eigene Erfahrungen über jetzt 21 Jahre
lassen grüßen. Und vor allem - ehrlicher Umgang miteinander...das A und O im Umgang miteinander. Beispiel - wenn es einem mies geht, dann ist das "eben so". Und wenn es einem ausgesprochen gut geht - das gibt es bei solchen Diagnosen auch, dann ist das "auch so"! Auch die Angehörigen zu fragen, wie es ihnen geht, ist sehr wichtig....auch SIE sollten offen und ehrlich ihre jeweiligen Befinden schildern. Denn... wenn es den Angehörigen GUT geht, freuen sich Betroffene mit ihnen. Geht es einem Betroffenen GUT/besser - freuen sich die Angehörigen mit einem.
Ja @SimplyRed ...hehre Gedanken ziehen "ein" und wieder "aus". Sie zuzulassen - mal gelingt es, mal ganz und gar nicht. GUT über die eigene Situation informiert zu sein - das ist eine Grat-Wanderung, Es gibt Leute, die wollen das....es gibt Leute, die halten das nicht aus.
Ein guter Draht ist wichtig - zu den nahestehensten Menschen im direkten Umfeld. Ihnen zu vertrauen, dass diese ALLES mittragen werden....umgekehrt auch Vertrauen zu bekommen, dass nichts trennen wird, hilft allen Beteiligten.
Es geht bei dem Thema aber sicher nicht nur um den Umgang mit heftigen Erkrankungen, die zum Tod führen können. Es gibt andere Erkrankungen, die nicht unmittelbar dazu führen....wie auch Krebs nicht mehr unmittelbar zum Tode führt. Die meisten Menschen sterben MIT Krebserkrankungen...nicht unbedingt DURCH ihre Krebserkrankungen. Das gilt auch für andere Indikationen.
Alle Tanten und Onkel habe ich durch Krebs verloren. Andere Angehörige durch andere Erkrankungen verloren zu haben, 2 Geschwister verloren zu haben, gute Freunde, Arbeitskolleg/innen in meinem Alter verloren zu haben - prägt das? Bewegt das? Stumpft das ab?
Menschen in prekären Situationen gehen mit ALLEM anders um, denn diese prekären Situationen verändern diese Menschen - auch die direkten Angehörigen. Sich dann an Gewohnheiten zu orientieren - NO.....funktioniert nicht mehr! Das einzugestehen und zuzugestehen, ist nicht immer leicht....und da werden Betroffene wie Angehörige schon mal "sehr komisch" im Umgang mit sich, mit den Angehörigen und nicht direkt Beteiligten. Das gilt es auszuhalten...und macht ein weiteres großes Feld an Themen auf.
Ja...es gibt tatsächlich Themen, mit denen Angehörige NICHT mit einem reden - weil sie nicht wollen, weil sie nicht können. Das gilt es zu akzeptieren - egal wie nah einem diese Angehörigen wirklich sind. Auch EP/LG kann das widerfahren.
Umgekehrt gilt das natürlich auch - selbst nicht mit Anderen über bestimmte Themen sprechen zu
wollen, bzw. nicht zu können.
Im Selbsthilfegruppen-Geschehen habe ich das mehrfach erlebt....auch ICH konnte nicht immer "reden" oder zuhören - Angehörigen gegenüber. Es ist schwer, damit umzugehen, das auszuhalten und nötigt viel Respekt ab.
Eine ganz andere "Kategorie" ist - ein Schulkamerad, sogar Tischnachbar, wurde von seinem Vater immer mit seinen älteren Schwestern verglichen - an den schulischen Leistungen. Der Tischnachbar musste das Gymnasium verlassen, weil es schulisch nicht reichte.
In einer Ferienzeit erschoss der Tischnachbar seine Eltern und eine seiner Schwester - getarnt als Einbruch in die Wohnung. Man kam ihm auf die Schliche...logo...und er wurde zu 10 Jahren Jugendstrafe verurteilt.
Jeden Tag des Lebens SO zu nehmen, wie er ist, jeden Tag so zu gestalten, wie es möglich ist - das wird meist dann erst bewusst, wenn Frau/Mann erkennt, wie endlich LEBEN tatsächlich ist.....und dass das Ende minütlich/stündlich da sein kann - ohne jede Vorwarnungen...
@SimplyRed
Therapien abzulehnen - das bedeutet nicht, "abgeschlossen" zu haben. Therapien abzulehnen, kann bedeuten. zu mehr Lebensqualität beizutragen, die dann zwar nur kurzfristig gegeben sein kann, aber viel wichtiger sein kann, als sich über längere Zeiträume unter Therapien mies zu fühlen.
"Gebt den Tagen mehr LEBEN.... nicht (unbedingt) dem Leben mehr Tage!"
Dass Therapien "Wirkungen" haben sollen - logo. Dass Wirkungen heutzutage an Nebenwirkungen geradezu gekoppelt sind, die NICHT alles med. beherrschbar sind, ist bekannt. Mögliche Nebenwirkungen anzuführen.... das wäre quatsch.
Eine scheinbar belanglos klingende Immuntherapie war DIE Keule....DER Kracher, was Nebenwirkungen anging. Die Nebenwirkungen waren über Monate so heftig - das will niemand wirklich wissen. Mit dem Wissen, dass es diese Nebenwirkungen gibt - auch heute noch - ich weiß nicht, ob ich das noch einmal machen würde....
...obwohl mir DIESE Therapie das Leben gerettet hat. Das wusste man aber nicht bei Beginn der Therapie, dass das so kommen wird. Heutzutage ist das bei "meiner" Indikation immer noch die Standard-Therapie und viele Patienten brechen die Therapie ab, wegen....der Nebenwirkungen.
Zitat von SimplyRed:
Zitat:Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich ihm wehtun muss und ihn lange vor der Zeit verlassen muss, er bringt eine sehr schwierige Lebenserfahrung mit in die Beziehung mit sehr traumatischen Erfahrungen im Bereich "Vertrauen" und "emotionale Sicherheit" - nun soll ausgerechnet ich diejenige sein, die ihm das erneut antut, das macht mich einfach nur fertig...
...als ich das gerade las, wurden meine Augen erneut wässrig. Dass du das nicht beeinflussen kannst, was auf dich zukommen kann/wird, sind DIR die Hände gebunden. Mit der Tatsache umzugehen, es irgendwann zu MÜSSEN - dass du ihm wegtun musst, ihm wehgetan hast - ist schwierig...bei beide Seiten. Offener Umgang? Oder doch eher verschonen? Was ist richtig? Da kann es keinen Tipp zu geben....sondern sich auf eigenes Ermessen berufen, ob und wie du handelst.