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Tod einer ungeklärten Liebe

K

Kauzette
Mitglied

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Ich bin neu hier und versuche in Worte zu fassen, was mich mit diesem, mittlerweile verstorbenen Menschen verbunden hat, warum ich hier überhaupt schreibe, dabei ist der eigentliche Grund eben genau der: Es ist nicht klar.
Niemand weiß, was da wirklich gewesen ist. Was ich nun aber durch seinen Tod weiß: Da war etwas.

Durch zwei Wörter könnte ich die Beziehung zwischen ihm und mir sehr treffend umreißen, dabei würde sie aber das Fenster, durch das sie betrachtet wird, so sehr verschieben, dass die für mich viel relevanteren Punkte aus dem Blickfeld geraten, ja, dass diese Beziehung überhaupt nicht mehr verstanden werden kann. Die Umstände, durch die unsere Beziehung bestimmt war, führten zu einem Ergebnis, einer Nicht-Möglichkeit, sie sind aber nicht der eigentliche Kern der Sache. Klischee-Denken hilft mir gerade nicht weiter, im Gegenteil.

Zunächst kurz und knapp so viel: Ein Mann wusste über Jahre hinweg von meinen Gefühlen, er hat widersprüchliche Signale gesendet, wich aber einer Klärung über Jahre hinweg aus. Schweigen - aufgrund der genannten Umstände, die eine nicht professionelle Beziehung offiziell verunmöglichten.

Nach Jahren Funkstille meinerseits, startete ich einen wütenden Versuch mit mehreren Mails, doch noch zu klären, was das damals war. Auch hier wieder keine Reaktion.
Vor kurzem sah ich, dass er verstorben ist, der Schreck ist groß. Mittlerweile weiß ich, dass es assistierter Suizid war, ich weiß mehr von den Gründen für seine Entscheidung (mehrere schwere Krankheiten etc.). Nun steht aber in seinem Nachruf etwas, das für die Öffentlichkeit wie eine bloße Nennung von Hobbys und Interessen aussieht, für mich wie eine posthume Liebeserklärung, da die genannten Punkte sich 1:1 auf die Themen beziehen, die ich in meinen Mails angesprochen hatte. So sehr, dass es mich erschrocken hat und ich Tagen und Wochen dachte "Das kann nicht sein . "

Für mich sieht die Situation also folgendermaßen aus: Während seiner Lebenszeit hat er es nicht geschafft, sich mir gegenüber zu öffnen und zu erklären, im Nachruf nun dieses “Mea culpa, du hattest recht, ich habe etwas empfunden”.

Einerseits bin ich ihm dankbar, dass er zumindest jetzt indirekt mitgeteilt hat, worum ich ihn so lange bat, andererseits bin ich so wütend, dass er es erst jetzt, zu spät und auf diese Art tut.

Wie damit umgehen? Es fällt mir sehr schwer, weil ich nie mit ihm darüber werde reden können.

Vielleicht weiß jemand Rat oder hat ebenfalls eine lange ungeklärte Beziehung zu einem geliebten Menschen gehabt.

x 1 #1


Waris07
@Kauzette

Mein herzliches Beileid. Ich kann gut nachvollziehen, dass dich sein Tod so erschüttert. Ungeklärte Beziehungen hinterlassen oft besonders viele Fragen, weil einem der Abschluss fehlt.

Was ich allerdings nicht ganz verstehe, sind die Umstände eurer Verbindung. Du schreibst bewusst sehr vage, was natürlich dein gutes Recht ist. Gleichzeitig lässt das sehr viel Interpretationsspielraum. Es könnte vieles gewesen sein, eine väterliche oder mentorhafte Bindung, eine unerfüllte Liebe oder etwas ganz anderes. Deshalb fällt es mir schwer, deine Situation wirklich einzuordnen.

Unabhängig davon macht das deine Trauer aber nicht kleiner oder weniger berechtigt. Du hast über viele Jahre etwas empfunden, und nun ist endgültig klar, dass es nie mehr ein klärendes Gespräch geben wird. Das ist schmerzhaft.

Beim Nachruf wäre ich persönlich vorsichtig. Es kann sein, dass du darin eine Botschaft an dich erkennst, vielleicht war sie auch so gemeint. Sicher wissen wird das wahrscheinlich niemand mehr. Deshalb würde ich versuchen, diese Frage offen zu lassen, anstatt mein weiteres Leben von einer Antwort abhängig zu machen, die sich nicht mehr überprüfen lässt.

Nimm deine Gefühle an und trauere. Halte ihn in liebevoller Erinnerung, aber versuche mit der Zeit auch, ihn gehen zu lassen und dein eigenes Leben weiterzuleben.
Du bist mit deinen 38 Jahren noch so jung. Ich wünsche dir von Herzen, dass diese ungeklärte Geschichte nicht für immer bestimmt, was noch vor dir liegt. Tröstender Smiley

x 3 #2


A


Tod einer ungeklärten Liebe

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GarstigeGräte
@Kauzette

Es gibt Menschen, die bleiben für immer im Herzen. Entweder weil die Verbindung so besonders war oder -wie in deinem Fall- weil die Verbindung nie geklärt war.

Aus meiner Sicht wärst du gut damit beraten, damit aufzuhören, diesen Mann und die Nicht-Beziehung zu ihm zu glorifizieren. Es gab einen Grund, warum er sich nie offiziell zu eurer wie auch immer gearteten Beziehung bekannt hat. Selten hat das mit Schicksal oder einer höheren Macht zu tun, sondern vielmehr mit fehlenden oder nicht ausreichenden Gefühlen.

Es ist an dir, einen Abschluss zu finden, auch mit ungeklärten Fragen.
Akzeptieren, dass es war, wie es war und dass es ist, wie es ist. Es hat nicht für mehr gereicht. Punkt. Die Gründe sind im Prinzip egal. Wenn du weiterhin mehr hinein interpretierst, wirst du in dieser schmachtenden Gedankenschleife hängen bleiben.
Radikale Akzeptanz. Anders wirst du nicht weiter kommen.

x 3 #3


mokka_23
@Kauzette Mein herzliches Beileid. Ich verstehe dein Bedürfnis, die Beziehung zu klären. Widersprüchliche Signale sind zermürbend, vor allem, wenn man Gefühle hat. Nun ist es so, dass nicht alle Menschen Klarheit anstreben, so wie du es tust. Gewisse erhalten bewusst eine Ambivalenz, sei es, um den anderen nicht zu verletzen, sei es um weiterhin in den Genuss der seiner Aufmerksamkeit zu kommen, sei es aus einem anderen Grund. Du kannst nur Klarheit über deine eigenen Gefühle haben. Ich würde dir vorschlagen, dich nun in aller Form zu verabschieden. Vielleicht erfindest du für dich eine kleine Zeremonie, die der Grösse der Ereignisses für dich entspricht und dir erlaubt, loszulassen und Frieden zu finden.

x 1 #4


K
@GarstigeGräte Auch dir möchte ich danken und möchte zunächst sagen, dass ich deine Einstellung sehr gut nachvollziehen kann und vermutlich an anderer Stelle bei jemand anderem genau so reagiert und genau das geraten hätte.

Die Glorifizierung, von der du schreibst, hängt damit zusammen, dass sich bei unserer Beziehung und/oder dem was ich als eine wahrgenommen habe, mehrere Dinge überlagern. Projektion sowieso, das war mir auch immer bewusst. Ich habe ihn aber mit der Zeit besser kennengelernt, seine Schwächen und Fehler (wie z.B. die Unfähigkeit sich diesem Konflikt zu stellen) gesehen, direkt erlebt, sie haben aber in erster Linie dazu geführt, dass sich meine Gefühle geändert haben, dass mein Bild von ihm vielfältiger, komplexer geworden ist. Sie haben aber meine Gefühle nie reduziert, sondern im Gegenteil, eher verstärkt. Weil ich gespürt habe, wie stark er unter der Situation litt, es eben nicht klären zu können oder nicht zu wissen wie.

Ich bin nun weder religiös noch glaube ich an das Schicksal. Ich glaube aber daran, dass sich zwei hochsensible Menschen begegnet sind, die sich gegenseitig massivst überfordert haben. Weil die Umstände waren, wie sie waren. Was aber nichts daran ändert, dass die Resonanz trotzdem vorhanden war.

Fehlende oder nicht ausreichende Gefühle schreibst du. Die Frage ist ja immer: Wofür nicht ausreichend? Eine Beziehung wollte ich eigentlich nie, allenfalls wenn sich das ergeben hätte. Mir ging es die letzten Jahre nur noch um eines: Klarheit. Dass er sich äußert. Und das scheint er nun getan zu haben - wenn auch auf eine Art, die wieder indirekt ist, aber letztlich unserer Kommunikation über all die Jahre vollends entspricht.

#5


K
@Waris07 Seltsam ... Ich hatte dir eigentlich geantwortet, aber die Antwort ist irgendwo verschwunden.

Zunächst einmal vielen Dank für deine Worte. Ich habe tatsächlich Gründe dafür, vage zu bleiben und wollte das Thema erstmal hierlassen, weil es mich seit Monaten beschäftigt und das Grübeln nicht wirklich weniger wird.

Tatsächlich habe ich mit Freunden und teilweise mit Familie darüber gesprochen und die Wahrnehmung des Nachrufs wurde durchaus von Personen übernommen, dass es zumindest auch für mich u.a. gedacht sein könnte. Dass im Nachruf ein Song erwähnt wird, der explizit eine verpasste Liebe behandelt, ist z. B. so ein Hinweis. Oder Dichter, die insbesondere über verbotene Liebe geschrieben haben. Oder, oder, oder.

Natürlich kann man sich nie sicher sein, aber es gibt einfach 1:1 Überschneidungen.

Ich weiß mittlerweile aus seinem engsten Kreis wie sensibel und konfliktscheu er war und das erklärt meines Erachtens vollständig sein Verhalten.

#6


K
@mokka_23 Vielen Dank. Das ist genau das, was ich mittlerweile auch erfahren habe. Nicht alle wollen Klarheit. Nicht alle können Klarheit und Wahrheit ertragen. Das war das, was ich wollte, aber er war nicht in der Lage dazu. Das muss ich nun akzeptieren. Und ja - ich nehme durchaus Abschied, aber ein einziges einmaliges Ritual genügt dazu leider nicht.

x 1 #7


Cagy
Guten Tag,
du schreibst so schwammig und verworren das man kaum versteht um was es eigentlich hier geht......
Zitat von Kauzette:
Zunächst kurz und knapp so viel: Ein Mann wusste über Jahre hinweg von meinen Gefühlen, er hat widersprüchliche Signale gesendet, wich aber einer Klärung über Jahre hinweg aus. Schweigen - aufgrund der genannten Umstände, die eine nicht professionelle Beziehung offiziell verunmöglichten.

Nach Jahren Funkstille meinerseits, startete ich einen wütenden Versuch mit mehreren Mails, doch noch zu klären, was das damals war. Auch hier wieder keine Reaktion.


für mich liest sich das so : DU wolltest eine Beziehung, er nicht.

Wie kann man dir jetzt und hier helfen ?

x 3 #8


K
@Cagy Exakt das ist der Punkt. Ich weiß es ja eben nicht. 😉
In meiner Antwort auf Mokka steht es eigentlich ganz gut: Ich wollte Klarheit, er nicht. Beziehung ist ein ganz anderes Blatt, es ist auch Jahre her. Mir ging es zum Schluss nur noch darum, dass er einmal klar äußert, was das war.

#9


Charming
Wer hat den Nachruf verfasst?

Evtl habe ich es überlesen

#10


mokka_23
@Kauzette Ganz wichtig wäre es jetzt zu klären, warum du dich gefühlsmässig so stark in jemand investiert hast, der deine Gefühle nicht erwidern konnte. Das ist kein Zufall, sondern hat in Bezug auf dein Selbstverständnis eine Funktion, der du unbedingt auf die Spur kommen musst, wenn du nun damit abschliessen willst.

x 2 #11


K
@mokka_23
Auch das wieder sehr richtig. 💕

Warum:
1. Ich war damals in einer emotional sehr instabilen Lage, frisch verlassen, unsicher usw.
2. Es war eben nicht eindeutig, es hat ihm massiv geschmeichelt, das war ersichtlich. Das wiederum hat mir geschmeichelt, auch wenn ich mir mehr gewünscht hätte, Handlungen und Klarheit eben.
3. Zu Beginn gab es wie bereits angedeutet natürlich eine große Menge Projektion. Später waren es gerade seine Schwäche und Sensibilität die mich wahnsinnig fasziniert haben, da sie im Widerspruch zu seiner Rolle standen und ich teilweise die Auslösende zu sein schien. Er wusste nicht, wie er mit mir umgehen sollte.

x 1 #12


K
@Charming
Es ist ein offizielles, öffentliches Dokument. Bei assistiertem Suizid ist es aber in den Kreisen nicht ungewöhnlich den Kollegen/der Verwaltung das abzunehmen, indem man selbst schreibt, wie man erinnert werden will.
Ich versuche das noch in Erfahrung zu bringen, sicher ist da aktuell nichts.

#13


Charming
Zitat von Kauzette:
@Charming Es ist ein offizielles, öffentliches Dokument. Bei assistiertem Suizid ist es aber in den Kreisen nicht ungewöhnlich den Kollegen/der Verwaltung das abzunehmen, indem man selbst schreibt, wie man erinnert werden will. Ich versuche das noch in Erfahrung zu bringen, sicher ist da aktuell nichts.


das macht ja einen großen Unterschied, wer den Nachruf verfasst hat.

Menschen, die nichts von dir wissen, können etwas ganz anderes ausdrücken mit ihren Worten.

Auf den assistierten S. gehe ich nicht ein, es ist triggernd.

x 1 #14


VictoriaSiempre
Es geht hier ja um zwei verschiedene Sachlagen:

Erstens darum, dass Du - so schreibst Du - ihn liebst/geliebt hast. Dieses Gefühl kann Dir niemand nehmen und es bleibt Dir, solange Du es bei Dir behalten willst.

Zweitens um die Ungewissheit, ob Deine Liebe erwidert wurde. Ja nun, eine Garantie gibt es auch dann nicht, wenn ein Lebender Dir das verspricht. Bei wahrer Liebe sollte es auch egal sein, ob der andere genauso fühlt - sie lässt frei. Ist natürlich graue Theorie Grinsendes grünes Gesicht ; natürlich wollen die meisten Menschen zurückgeliebt werden.

Zitat von Kauzette:
Es ist ein offizielles, öffentliches Dokument.

(Relativ) Offiziell ja, öffentlich nein. Quelle: Ich. Meine Freundin ist - aus Gründen, aber ohne aktuellen Suizidgedanken - grade Mitglied bei der DGHS geworden und ich habe in dem Zusammenhang einige Vollmachten übernommen, ich kenne also den Papierkram frisch aus erster Hand. Der wird bei anderen Organisationen nicht viel anders sein.

Zitat von Kauzette:
Bei assistiertem Suizid ist es aber in den Kreisen nicht ungewöhnlich den Kollegen/der Verwaltung das abzunehmen, indem man selbst schreibt, wie man erinnert werden will.

Davon habe ich zwar noch nie gehört, aber es mag sein. Nur wäre es dann nicht naheliegender, grundsätzlich noch im Leben aufzuräumen und z. B. persönliche Brief an diejenigen zu hinterlassen, denen man noch etwas sagen möchte, statt verklausuliert den eigenen Nachruf zu schreiben? Gut - jeder Mensch tickt anders Unwissender Smiley

Im Grunde ist es doch schön, dass Du so tiefe Gefühle für einen anderen Menschen hast/hattest und ich will auch nicht absprechen, dass es ihm vielleicht genauso ging. Es hat halt, aus Gründen, die niemand - auch Du nicht - wirklich kennt, nicht sein sollen und es gilt, Deinen Frieden damit zu machen.

Ich wünsche Dir alles Gute 🍀

x 1 #15


A


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