@Arnika
Zitat von Arnika: Wie muss man sich das vorstellen - er liebte Goethes Sturm-und-Drang-Phase, du zitiertest Schiller, Treffer! Ein Zeichen seiner Liebe und Wehmut!?
Nein. Wesentlich konkreter. Bezüge zu ungeklärten Beziehungen, verbotenen Liebschaften, Schweigen, Beziehungen, die einen, obwohl unerfüllt, das ganze Leben begleiten, etc. etc.
Zitat von Arnika: Allein, dass du ihm viele Jahre später Mails (Mehrzahl!) schicktest, auf die du nie eine Antwort bekamst, zeigt eine gewisse Besessenheit. Eine (!) unbeantwortete kurze Mail hätte ja eigentlich auch gereicht. Aber deine scheinen ja lang und voller „Thematik“ gewesen zu sein. Seltsam alles.
Ja. Weil das, was er gemacht hat, Ghosting, Breadcrumbing, Double Bind, Grooming etc. war. Zumindest würde das vermutlich so gut wie jeder Psychologe so bezeichnen. Diese Phänomene sind für eine Psyche süchtig machend, manipulativ.
Ich hab damals mit meiner Therapeutin (ich war in Behandlung wegen Depressionen) davon erzählt. Sie hat es auch abgetan, bis ich ihr berichtete, was er gesagt hatte, was er gesagt hatte. Sie kam letztlich zu dem Ergebnis, dass da etwas ist, aber er eben nicht handelt. Ebenso Freundinnen von mir, denen ich es schilderte.
Sein Verhalten war nicht "dezent". Zumindest nicht durchgehend.
Ich werde hier nichts zum Kontext sagen, wie wir uns kennengelernt haben, das steht für mich fest, ich kann das aber in einer PN äußern. Diskretion ist für mich damals wie heute sehr wichtig.
Zu der Anzahl der Mails: Ich hab irgendwann die Entscheidung getroffen, dass er nicht antworten mag, ich ihm aber trotzdem berichten kann, was sein Verhalten (unprofessionelles, Ghosting, Double Bind usw.) in mir ausgelöst hat. Weil mir das wichtig war. Weil das psychisch notwendig war - um mit der Sache wirklich abzuschließen. Damals wusste ich ja nicht, dass er relativ zeitnah sterben würde. Ich habe ihm viel vorgeworfen. Konfliktvermeidende Persönlichkeiten antworten darauf nicht. Ich wollte auch keine Antwort mehr, sondern es ihm nur schicken. Ende.
Zitat von Arnika: quasi nichts aus dem Nachruf war dir bekannt
Das habe ich wohl zu ungenau ausgedrückt. Diese speziellen Punkte, die für mich nun seine "Botschaft" ausmachten, kannte ich nicht, sie sind auch viel zu konkret und deshalb "eindeutig".
Ich habe mich auch bewusst aus seinem Privatleben herausgehalten, um diese Grenze nicht zu überschreiten. Von Interessen wusste ich, von dem Haupthobby wusste ich, usw. usf.
Zitat von Arnika: Dass er in seiner letzten Lebensphase und wie er in Erinnerung bleiben wollte ausgerechnet an dich dachte - und nicht an seine tatsächlich Liebsten in seinem Leben wie seine Frau, Kinder, Freunde, Geschwister
Das hat er an anderer Stelle. Ihnen konnte er auch direkter etwas mitteilen.
Zitat von Arnika: nur dir dann äußerst verklausuliert und kryptisch in seinem öffentlichen Nachruf irgendwelche Geheimbotschaften schicken wollte
Der Nachruf ist wie bei sowas üblich bewusst mehrdeutig. "Nur mir" habe ich nie gesagt. Es geht natürlich generell sehr viel um das Leben, das Sterben und den Tod.
Zitat von Arnika: eurer „magischen Verbindung“ konstruiert, an dem du immer noch festhältst.
Warum das so ist, da solltest du mal nachspüren. Denn dass er sehr kategorisch Njet sagte, das beschäftigt dein Ego offensichtlich immer noch nachhaltig.
Zeigarnik-Effekt. Das "Nein" an sich war problematisch, ja. Zu dem Zeitpunkt ungewöhnlich für mich. Das hätte ich aber abschließen können. Der Kern ist aber das ambivalente Verhalten gewesen. Und dass verschiedene Ebenen sich überlagert haben: er als Individuum (erst später), er als Bild für etwas (Projektion). Das Bild funkt da immer noch mit rein.