Zitat von Oskar89: Ich habe Ecken und Kanten, habe sicherlich auch meine Macken da meine Kindheit auch nicht ideal war, da ich mit 13 Jahren aus Neuseeland nach Deutschland gekommen bin und dies bestimmt Spuren hinterlassen hat, unteranderem mein eher koabhängiges Verhalten, anderen Leuten helfen zu wollen, ABER ich habe das nicht verdient.
Ich glaube schon, dass Du es verdient hast. Nicht in bösartiger oder gar schadenfroher Hinsicht, aber Du hast es verdient so behandelt zu werden, damit Du innerlich wächst.
Du warst - wie Du schon richtig erkannt hast - der co-Abhängige in Verbindung mit einem Helfersyndrom. In den guten Phasen suhlst Du Dich in der Illusion, dass Du sie stabilsieren wirst, damit ihr eine glückliche Beziehung führt. Und natürlich marterst Du Dein Gehirn und fragst Dich, was Du nur tun könntest, um ihr zu "helfen".
Du kannst niemandem helfen, der sich nicht helfen lassen will und gar keine Veranlassung dazu sieht. Denn für sie ist das, was sie tut, der Normalzustand. Dieses sprunghafte Wesen, dieses Unruhige und Unbeständige gepaart mit Empathielosigkeit und Verantwortungslosigkeit..
Solche Beziehungen (ich hatte mal eine ähnliche, wenn auch längst nicht so krass) sind ein Lehrstück des Lebens, aus dem Du viel ziehen kannst. Nicht über sie, denn sie ist nur in der Hinsicht wichtig, als dass sie Dir zeigt, wo es im Argen liegt. Du hast auch Deine Baustellen. Deine Blessuren, die nie aufgearbeitet wurden und dann kommt es bei entsprechender Veranlagung zu solchen Konstellationen mit einem großen Ungleichgewicht. Denn Du warst ja der passsive Part, der Wartende und Hoffende, der gleich wieder bereit war, eine Runde mit ihr zu drehen. Aber sie hatte Dich in der Hand und bestimmte über Dein Wohlbefinden, Deine Stimmungen. Von grandiosem Hochgefühl bis abgrundtiefer Traurigkeit war alles dabei und nur sie löste diese Gefühle in Dir aus.
Das nennt man emotionale Abhängigkeit, wenn der Partner über einen bestimmt und mal wohlige Freude und dann das genaue Gegenteil auslöst. Man hat sich sozusagen aus der Hand gegeben und das hat Gründe.
Geringer Selbstwert, mangelnde Selbstständigkeit, geringes Selbstbewusstsein machen anfällig für so etwas, denn man macht sein Wohl und Wehe ja von der Zuwendung des Partners abhängig.
Du kannst sehr viel über Dich lernen und könntest auch Deine Baustellen mal angehen. Arbeite unbedingt an Deinem Selbstwertgefühl und lerne Verantwortung für Dich und Dein Wohlergehen zu übernehmen. Wenn Du Dich Deiner nicht annimmst, tut es keiner, sie am allerwenigsten. Ansonsten läufst Du Gefahr, wieder eine Zielscheibe für defizitäre Frauen zu werden.
Die Frau kann einem Leid tun, sie hat ziemlich sicher eine psychische Störung, aber das ist nicht Deine Sache. Borderliner würde wohl aus der Sicht eines Laienpsychologen gut passen, aber das Label, das Du ihr aufklebst, ist für Dich egal und ohne Belang. Der Mensch sucht natürlich immer nach Erklärungen und fühlt sich wohler, wenn er es einordnen kann.
Deine Aufgabe für die nächste Zeit.
Erstmal die Trennung wirklich komplett durchziehen. Dafür bist Du auf dem besten Weg. Aber das ist nur die halbe Miete, denn der Trennungsschmerz wird Dich trotz allem immer wieder quälen und wenn Du glaubst, über den Berg zu sein, rutscht Du wieder ein Stück zurück. Das ist leider so.
Durchlebe ruhig alle Phasen der Trennung. Ich glaube das es wichtig ist. Das kann von Tränen, Trostlosigkeit, Trauer bis zu einer großen Wut gehen.
Wenn es dir hilft, schreibe Briefe an sie oder an Dein Tagebuch, aber schicke sie niemals ab. Sie sind nur für Dich. Schreiben kann entlasten und ordnet die Gedanken. Finde Möglichkeiten, etwas zu finden, was Dir hilft, sozusagen einen Kanal für Deinen Schmerz. Du kannst auch Bogenschießen lernen, mit einem Portät von ihr als Ziel ...
Du wirst schon etwas finden, was Dir liegt. Sport und Bewegung sind immer gut, weil Du damit Deinem Seelenleben hilfst.
Und wenn Du das geschafft hast, dauert schon mal ein paar Monate, merkst Du, dass der Abstand zu ihr schon deutlich gewachsen ist. Das ist dann schon ein großer Fortschritt.
Und dann geht es um Dich, ums Erwachsenwerden. Du steckst mit dem unterwürfigen, dependeten Verhalten noch in der Kindheit. Ein Kind kann nichts anderes machen. Wenn es von den Eltern vernachlässigt oder auch instrumentalsiert oder grob behandelt wird, gibt es nur 2 Möglichkeiten. Anpassung an die Erwartungen in der Hoffnung, endlich mal alles richtig zu machen und geliebt zu werden oder Aufbegehren. Da letzteres total stressig ist, wählen viele der Weg der Anpassung.
Und diese Anpassung lernst Du dann und übernimmst sie mit ins Erwachsenenleben. Du hast gelernt, Stimmungen auszuloten, Dich in die Gegebenheiten zu fügen und bist bemüht, erst das beste aller Kinder und später der beste aller Partner zu werden. Dass dann Eigenständigkeit und Unabhängigkeit auf der Stecke bleiben, ist klar, denn Du richtest Dich nach dem, was andere Dir vorgeben.
Immer in der Hoffnung nach Liebe und Zuwendung.
Ich denke, da musst Du ansetzen und Dein Selbstwertgefühl aufbauen und lernen Dich zu stärken. Dann merkst Du nämlich auch schneller, was gespielt wird und kannst eigenständig Deine Konsequenzen zu Deinem Selbstschutz ziehen.
Daher sind solche Beziehungen sehr lehrreich, denn sie zeigen Dir genau, was bei Dir im Argen liegt.
Du bist nun 40, das ist nicht schlimm. Du hast Zeit und die nimmst Du Dir, um innerlich gefestigter zu werden und Dich nicht mehr so leicht täuschen zu lassen. Und irgendwann stehst Du dann anders da. Selbstbewusster und gefestigter und das ist dann schon mal ein Kapital, das Du Dir erarbeitet hast mit viel Einsicht, Rückschau und Kraft.
Lerne, pfleglich mit Dir umzugehen und dich zu mögen. Selbstpflege ist sehr wichtig, denn die hast Du völlig vernachlässigt. Diese Frau hat Raubbau an Dir betrieben, den Du aber zugelassen hast, ganz freiwillig und willfährig.
So was darf sich nicht wiederholen, es muss sich was ändern bei Dir. Wenn Du etwas für Dich tust, wirst Du Dich besser fühlen mit Dir selbst.