Zitat von DieSeherin: geht es euch eigentlich auch so, dass ihr ganz unterschiedliche phasen durchlebt habt? am anfang die totale ungeduld, das gefühl, der alte mensch solle sich mal ein wenig konzentrieren, etwas für sich tun, sich fordern... dann kommt langsam die erkenntnis, dass es jetzt nur noch abwärts geht... dann die liebevolle und geduldige zuwendung... und dann kippt es irgendwann? irgendwann nur noch das wissen, dass es für alle beteiligten besser ist, wenn schluss wäre?
Ich glaube, dass das völlig normal ist. Am Anfang will man es noch nicht so ganz wahrhaben und versucht vielleicht, das Ruder nochmals ein wenig rumzureißen. Das tiefere Wissen, dass es ab jetzt nur noch den Abstieg gibt, ist aber da, wird aber vielleicht von der bewussten Ebene noch verdrängt. Die alten Leute nerven und viele sind ja alles andere als "pflegeleicht" und gut zu haben. Manche werden auch bösartig und selbst da muss man sich sagen, dass sie nichts dafür können, was aber sehr schwierig ist weil es auch ehrverletzend sein kann. Die Akzeptanz dass die Demenz die Menschen auch charakterlich stark verändert, ist praktisch doch kaum zu leisten.
Und irgendwann begreift man dann, dass die Treppe nur noch nach unten führt, aber diese Erkenntnis tut auch weh und überfordert einen.
Mein Vater ist 87 und allmählich lässt der Intellekt nach. Er vergisst vieles, weiß vieles nicht mehr was kürzlich war, aber das Langzeitgedächtnis funktioniert noch prima. Es tut mir weh zu sehen, dass von dem einstmals so leistungsfähigen Mann nicht mehr so viel übrig ist.
Er hat sich kürzlich eine bakterielle Infektion im Gesicht zugezogen und liegt derzeit in der Klinik wo sie ihn mit Umschlägen und Antibiotikainfusionen behandeln. Gestern war er ein wenig matt, heute aber wirkt er fitter, teilte mir meine Schwester soeben mit. Oft ist es im Alter auch so, dass wenn mal etwas Schlimmeres auftritt, das eine Kaskade nach sich zieht.
Der Gedanke dass er irgendwann gar nicht mehr da sein wird, beschäftigt mich stark. ABer es hilft nichts, man muss der Realität ins Auge sehen und was passiert und in welchem Zeitraum, weiß keiner.
Es gab schon Fälle, wo ein Sohn oder eine Tochter einen pflegebedürftigen Elternteil umgebracht haben weil sie es einfach nicht mehr ertragen haben, denn die Lage ist ja absolut hoffnungslos . Ja, und dann denkt man sich zwangsläufig, es wäre besser, wenn .... Und dieser Gedanke kann in manchen Situationen sogar tröstlich sein.