Chaoticism
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ich bin derzeit einfach nur sehr traurig und möchte meinen Kummer von der Seele schreiben. Vielleicht könnt ihr mir ein paar Ratschläge geben, oder einfach nur ein wenig zusprechen, damit ich mich ein wenig besser fühle. Aber zunächst eine kurze Zusammenfassung meiner Situation:
Vor zweieinhalb Jahren lernte ich (w,38) ihn (33) online über eine Gaming-Community kennen. Wir verstanden uns von Anfang an gut, woraus sich eine Freundschaft entwickelte, ehe der Kontakt ab ca. Oktober 2023 stetig zunahm und die Freundschaft sich darüber intensivierte. Von Anfang an kommunizierte er ganz offen über seine Depression, was für mich nie ein Problem darstellte und worüber ich mit ihm auch immer wieder unterhielt. Beim Jahreswechsel 23/24 ging es ihm mental nicht gut und ihm lastete aufgrund seiner Erkrankung und zurückliegenden, unschönen Erlebnissen, so einiges auf der Seele. Auch ich hatte mit einigen Belastungen zu kämpfen und so kam es, dass der Kontakt zwischen uns immer häufiger und regelmäßiger wurde, wir uns gegenseitig unterstützten, mental aufbauten und einfach füreinander da waren. So wie ich ihm zuhörte, so hörte er mir zu und es tat uns beiden sehr gut.
Über all dass entdeckten wir dann nach und nach immer mehr Gemeinsamkeiten, wie wir über viele Dinge die gleichen Ansichten teilten, dachten. Kurzum: Wir lagen auf ein- und derselben Wellenlänge. Das Vertrauen zueinander wuchs, wir verbrachten immer häufiger Zeit miteinander und im Februar wurde uns dann bewusst, dass da doch mehr ist als eine enge Freundschaft. Wir wollten es aber erst einmal für uns behalten damit wir es zum einem für uns in Ruhe genießen konnten und zum anderen um zu sehen wo die Reise hingeht. Gesehen hatten wir uns bis dato nur über Fotos bzw. über die Kamera und geredet haben wir entweder über den Voicechat, Telefon bzw. über WhatsApp.
Der Kontakt war sehr intensiv. Kein Wunder weil es zum einem die Kennenlernphase war und zum anderen hatten wir beide die rosarote Brille auf. Wer kennt es nicht? ☺ Ab April folgten die ersten realen Treffen und es war jedes Mal einfach wunderschön mit ihm. Aufgrund der Entfernung (ca. 400 Kilometer) und unserer Jobs, waren regelm. Treffen nicht immer möglich, aber aufgrund der ganzen technischen Möglichkeiten mit Kamera und Co. fühlten wir uns trotzdem immer sehr verbunden. Wir waren glücklich und freuten uns immer wenn der Name des jeweils anderen auf dem Display auftauchte oder wir stundenlang miteinander redeten, zusammen zockten oder per Watchparty Filme schauten.
In dieser ganzen Zeit hatte er immer wieder mal leichte Downphasen. Er ist ein sehr empathischer, sensibler und einfühlsamer Mensch, dem das Wohl anderer wichtiger ist als sein eigenes. Diese Downphasen waren aber nie schlimm und ich konnte ihn immer wieder ganz gut auffangen. Irgendwann sagte er mir dann, dass er sehr froh ist mich in seinem Leben zu wissen und dass er mir mehr vertraut als manch anderen. Sein Vertrauen war in der Vergangenheit immer wieder erschüttert worden. Aufgrund seiner psychischen Erkrankung hatte er auch viele Freunde und auch Partnerinnen verloren, die damit entweder nicht zurecht kamen oder weil er, so erzählte er es von sich aus, es selbst verbockt hatte. Eine Therapie bzw. Antidepressiva lehnte er leider ab weil er darin keinen Sinn sieht. Dass ist leider etwas, was wirklich schade ist, aber wozu ich ihn natürlich schlecht zwingen konnte. Die Einsicht, dass er Hilfe benötigt, die liegt allein bei ihm.
Im September letzten Jahres rauschte er dann ungebremst in eine schwere depressive Episode und dass so sehr, dass er jeglichen Kontakt abbrach. Zu mir, zu Freunden, zu alles und jedem. Zum Glück kannten wir Mittel und Wege um zu überprüfen, dass er sich nichts "angetan" hatte. Auch wenn ich wusste, dass so ein extremer Rückzug ein Symptom der Depression sein kann, so traf mich der Kontaktabbruch doch ungewollt hart. Für ganze drei Monate hörte ich nichts von ihm. Eine Zeit, in der es mir phasenweise wirklich sehr schlecht ging, ich alles in Frage stellte, aber zum Glück fingen mich Freunde und Familie auf und standen mir bei. Mitte Dezember tauchte er dann wieder auf und wir redeten miteinander. Aber ihm ging es nach wie vor nicht gut. Er erzählte mir, dass ihm alles zu viel sei und er sich wahnsinnig überfordert fühle.
Und es kam, was ich am meisten befürchtete: Nur wenige Tage nach unserem Gespräch, suchte er noch einmal das Gespräch mit mir und teilte mir mit, dass er dass alles zur Zeit nicht könne, die Fernbeziehung belaste ihn zusätzlich und er wolle mich, aufgrund seiner Erkrankung, nicht mit in den Abgrund ziehen. Es habe definitiv nichts mit mir zu tun und dass es allein seine Schuld sei. Dass ist nun knapp einen Monat her und seitdem bin ich einfach nur wahnsinnig traurig.
Nun sitze ich hier voller Kummer, weine mir phasenweise die Seele aus dem Leib, grüble darüber was ich hätte anders machen können, schüttele diesen Gedanken wieder von mir weil ich weiß dass ich mein bestes gegeben habe und bin einfach nur unfassbar traurig. Er ist so ein lieber Kerl, wirklich, und dann mit so einer heimtückischen Krankheit geschlagen. Es ist einfach nicht fair. Ich vermisse ihn wahnsinnig und möchte ihn am liebsten einfach nur in die Arme nehmen. Ich muss gestehen, dass ich vor wenigen Tagen den Fehler begangen habe, als ich ihm in einem Moment als meine Emotionen überkochten schrieb, dass es mir leid tut insofern versagt zu haben, dass ich ihm nicht dass geben konnte was er suchte. Nur einen Tag später hatte ich diese dämliche Aussage auch schon zutiefst bereut und hätte meinen Kopf gegen die Wand klatschen können. Daraufhin schrieb ihm noch einmal, entschuldigte mich für meinen Ausbruch und teilte ihm gleichzeitig mit, dass ich mich nun erst einmal zurückziehen werde, damit ich das Chaos in mir sortieren und wieder zur Ruhe kommen kann. 😢 Eine Antwort darauf habe ich von ihm bisher nicht bekommen, aber ehrlich gesagt erwarte ich diese auch nicht. Er muss genau so zur Ruhe kommen und der Abstand voneinander ist nun das beste.
Ich weiß, dass alles liest sich vermutlich wahnsinnig wirr, was daran liegt, dass ich aktuell selbst sehr wirr im Kopf bin. Wir hatten wiegesagt niemals Streit, wenn es mal ein Problem gab, dann haben wir darüber geredet, haben einander immer vertraut und sind uns auf Augenhöhe begegnet. Bis zu dem Zeitpunkt als diese miese Krankheit namens Depression uns reingrätschte und alles auf den Kopf gestellt hat. 😢 Die Gefühle zueinander sind noch immer da, die kann man nicht von heute auf morgen einfach so "abstellen" und wir sind uns einander immer noch wichtig. Wie seht ihr das Ganze? Ist der vorübergehende "No Contact" sinnvoll? Einfach dass etwas Gras über die Sache wachsen kann, wir wieder zu uns selbst finden und vielleicht wieder irgendwann aufeinander zugehen können ohne all das Chaos? Ich möchte ihn in meinem Leben nicht verlieren und ihm geht es genau so.
Liebe Grüße
eure Chaoticism