Hardie
Gast
nachdem ich mir sehr viel hier angelesen habe, entschloss ich mich, einen eigenen Beitrag zu verfassen in der Hoffnung auf Zuspruch oder dergleichen.
Meine (Ex)Freundin hat sich vor 10 Tagen von mir getrennt.Wir waren fast 3 Jahre zusammen und haben uns vorher weitere 10 Jahre als beste Freunde begleitet. Auf die Gründe will ich gar nicht groß eingehen, allerdings hatten wir uns die Wochen vorher zusammenraufen wollen und haben viele Gespräche über unsere Zukunft geführt.
Ausserdem zog sie vor 2,5 Monaten mit in meine WG ein, wobei ich mir zu dem Zeitpunkt noch dachte, dass es die idealste Lösung sei, nachdem wir vorher über fast ein halbes Jahr in meinem Zimmer gewohnt haben.
Einer der größten Streitpunkte unserer Beziehung war ihre "ich fresse Dinge so lange in mich hinein, bis ich mit einem lauten Knall platze"-Mentalität, über die ich auch viel mit ihr sprach und die sie an sich selbst nicht mochtze (oder sie redete mir nach dem Mund, ich weiss es nicht). So also auch vor 10 Tagen. Ich durfte ihr alles aus der Nase ziehen, habe quasi mit mir selber Schluss gemacht.
Aber das habe ich akzeptiert. Sie ist zu ihren Eltern geflohen, soweit sogut. Leider habe ich ihr hier alles verschafft: Wohnung, Job und einen Freundeskreis.
Und ich hätte nie damit gerechnet, dass ich so labil werde, mir aus dem Nichts die Tränen in die Augen schießen und mir alles so endlos leer vorkommt. Ich bin rat- und machtlos und weiss nicht, was tun soll.
Ich habe viele Freunde, die sich kümmern, war seitdem nicht einen Tag alleine. Ich war am Ende der Beziehung selber nicht mehr glücklich, wir haben uns zu oft wegen Kleinigkeiten richtig in den Haare gehabt. Wir haben nie viel gemeinsam unternommen und haben uns gegenseitig in die Lethargie gezogen, wer weiss.
Aber egal, wie oft ich mir vorhalte, dass es so zum besten ist und ich weiss, dass wenn wir aufeinander treffen würden, uns nichts nettes zu sagen hätten, ich vermisse sie. Mehr als alles andere.
Und ich habe Angst. Das war meine erste "richtige" Beziehung, demnach auch die erste richtige Trennung. Ich bin näher an der 30 als an der 25 und war nie der Typ, der rausgeht und so eine Freundin kennenlernt. Bei ihr war es ja auch eher so, dass man aus Freundschaft mehr hat werden lassen. Aber ich habe angst vor Einsamkeit und vorm Alleinsein.
Ich hatte damit nie groß ein Problem. Es war eher so, dass es sich die Waage hielt, ich also auch gerne Zeit alleine verbracht habe.
Das hat sich schlagartig geändert. Mir fehlt die "Aufgabe" einer Freundin. Mir fehlt der Alltag (obwohl eigentlich nicht, da wir uns oft gestritten haben), das gemeinsame im Bett liegen. Die möglichkeit, einen Menschen einfach so in den Arm zu nehmen und Nähe auszutauschen. Während ich das schreibe, schießen mir abermals die Tränen in die Augen. Mittlerweile alles so rot und verheult, man könnte meinen ich habe mich auf ner Demo gegen einen polizisten mit Pfefferspray gestellt.
Ich bin nicht der Erste Mensch und auch nicht der letzte Mensch in dieser Lage, irgendwie werde ich die zeit wohl überstehen. Aber es fühlt sich nicht oft so an, als wäre ich dazu wirklich in der Lage. Sie begegnet mir überall, und das wird auch erstmal so bleiben. Wir haben gemeinsame Freunde, sie hat ihr gesamtes Zeug noch hier und in meinem Zimmer finde ich auch endlose Sachen.
Den Kampf mit den Briefen, die sie mir schrieb, hatte ich schon fast verloren, bevor ich doch alles zerrissen und weggeschmissen haben.
Ich hatte einfach das Bedürfnis, mich euch mitzuteilen und bin sehr dankbar, dass es Foren wie diese überhaupt gibt.
Melancholische Grüße,
Hardie