Zitronenkuchen
Gast
ich habe diesen Text geschrieben um damit vielleicht Leute zu erreichen die sich in einer ähnlichen Situation befinden oder befanden und mir ihre Erfahrung damit teilen können. Ich freue mich aber auch über Tipps, Meinungen und Ratschläge, von Personen die keine ähnliche Erfahrung hatten. Außerdem tat es gut mir das alles einfach von der Seele zu schreiben, um es besser verarbeiten zu können.
Vor ca. 1 1/2 Monaten hat sich meine Freundin von mir getrennt. Wir waren über 4 1/2 Jahre in einer Beziehung und auch immer auf der selben Wellenlänge. Klar hatten wir kleinere Streitigkeiten, diese konnten wir aber immer gut lösen.
Es gab aber ein großes Problem für sie. In entscheidenden emotionalen Momenten konnte ich nicht für sie da sein. Sie hat das mehrfach klar angesprochen, deutlich gemacht dass sie die Beziehung so nicht auf Dauer führen kann und mir die Chance gegeben etwas zu verändern. Ich wollte es auch ändern, da ich die Rolle der Vertrauensperson in einer Beziehung erfüllen möchte. Ich konnte es aber nicht ändern. Damals wusste ich nicht warum es mir so schwer fällt eine emotionale Unterstützung für meine Partnerin zu sein, heute kenne ich den Grund.
Kurz nach der Trennung bin ich endlich den Schritt gegangen, der schon lange überfällig war. Ich habe mich auf die Suche nach einem Platz für eine Psychotherapie begeben. Mehrere Erstgespräche mit Psychotherapeuten später, kann ich mich und mein Handeln in der Beziehung schon viel besser verstehen und meine langjährige Vermutung, depressive Züge, bzw. eine Depression zu haben wurde mehrfach bestätigt. Einen festen Therapieplatz konnte ich noch nicht finden, aber er steht in Aussicht.
Um das Thema Depressionen soll es hier aber eigentlich gar nicht gehen.
Über das letzte Jahr haben wir uns mehr und mehr voneinander distanziert. Zu der Zeit habe ich das auf jeden Fall gemerkt, konnte es aber nicht wirklich realisieren. Vor vier Monaten ist sie dann aus der Stadt, wo wir gemeinsam studiert haben, für ihr Masterstudium nach Österreich gezogen. Bei meinem ersten Besuch hat sie mich vom Bahnhof abgeholt und da habe ich schon gemerkt, dass die Nähe fehlt. Zwei Tage später habe ich das dann angesprochen, woraufhin sie mir mitteilte, dass der Gedanke die Beziehung zu beenden, bei ihr immer größer wird, da sie mittlerweile kaum noch Hoffnung hat dass sich etwas ändert.
Wir haben darüber geredet, ich habe ihr Vorschläge gemacht wie wir auch über die große Distanz wieder zueinander finden können, und konnte sie davon überzeugen, über die gemeinsame Weihnachtszeit in der Heimat zu schauen, wie es zwischen uns läuft.
Nach dem sich dann drei Wochen später bei der emotionalen Distanz nichts getan hat und wir beide unter der im Raum stehenden Entscheidung die Beziehung zu beenden gelitten haben, hat sie dann letztendlich die Entscheidung getroffen.
In den Tagen danach habe ich realisiert was für ein ungesundes und toxisches Verhältnis ich zu mir selber habe und dass mir ein stabiles soziales Umfeld fehlt. Daher bin ich ihr auch eigentlich dankbar, dass sie die Beziehung hat. Denn ohne diesen Bruch, hätte ich wahrscheinlich noch sehr lange gebraucht um das zu realisieren und ich hätte mich weiterhin an der Wohlfühlzone der Beziehung festgehalten.
Wenige Tage später habe ich mich auf den Weg begeben etwas zu ändern. Ich habe mich in einem Sportverein angemeldet, bin auf die Suche nach einem Therapieplatz gegangen, konnte mich nach Jahren endlich wieder meiner Familie und den letzten Freunden die noch da sind anvertrauen und ziehe jetzt demnächst aus meiner WG aus, in der ich mich nie richtig wohl gefühlt hatte.
Dabei ging der Gedanke, meine ex Partnerin wieder zurück zu gewinnen, nie weg. Im selben Telefonat, in dem sie die Beziehung beendet hat, hat sie kurz vorher noch gesagt ob wir unsere Beziehung nicht öffnen können, also eine Pause einlegen. Dass die Trennung nur eine Pause ist, daran halte ich mich bis jetzt noch fest. Außerdem hat sie gesagt dass sie mich noch liebt, sie mich als Mensch so sehr schätzt und sich wünschen würde, dass wir in Zukunft weiterhin ein Teil des Lebens des anderen sein können. Ein paar Tage nach der Trennung standen wir noch im Kontakt und haben miteinander telefoniert. Dann hatten wir einen Monat keinen Kontakt und jetzt, kurz nach Weihnachten haben wir uns nochmal persönlich getroffen.
Es war schön sie zu sehen und mit ihr zu reden. Wir konnten auch nach wie vor ganz normal und vertrauensvoll miteinander reden. Auf meine Frage nach unserer Zukunft, zum Ende unseres Treffens, meinte sie relativ klar, dass es für sie aktuell keine Zukunft auf der Ebene einer romantischen Beziehung gibt. Da die Hoffnung auf Besserung in der Beziehung bei ihr nach wie vor viel zu klein ist. Wir haben ausgemacht dass wir erstmal auf Abstand gehen, uns aber jeder Zeit melden können und in der Zukunft schauen, wann wir uns wieder sehen. Dabei hatte sie dann auch erwähnt, dass sie über die Semesterferien im Februar wieder in der Heimat ist.
Ein paar Stunden später schrieb sie mir eine längere Nachricht. Inhaltlich war daraus zu entnehmen, wie schön sie das Treffen fand, wie gut wir miteinander reden konnten, wie stolz ich auf mich sein kann was ich in den letzten Wochen alles für mich getan habe, wie schwer der Abschied für sie war, wie sehr sie mich schätz, wie dankbar sie für die letzten Jahre ist und dass sie bei der Frage nach unserer Zukunft möglichst klar sein wollte, wenn sie aber ehrlich zu sich selber ist und "wir in (sehr) ferner Zukunft aufeinandertreffen sollten und wir beide das Gefühl haben zusammenzugehören, dann wird es das richtige sein und es wird noch eine Zukunft geben", es aber aktuell kein Sinn macht daran festzuhalten, da der Druck zu groß und die Hoffnung zu klein ist, sie aktuell nicht wieder in die Beziehung investieren möchte und jetzt jeder erstmal alleine sein Glück finden sollte.
Mein Hoffnung ist jetzt, dass ihre "(sehr) ferne Zukunft" vielleicht gar nicht so fern ist. Daher plane ich aktuell die Kontaktpause bis Februar einzuhalten, an mir, meinem Selbstwertgefühl und meinem Leben zu arbeiten und sie dann nach einem Treffen zu fragen. Für mich hat das Treffen dann das Ziel, ihr meine Fortschritte zeigen zu können, ohne klar zu sagen "Diese Fortschritte habe ich gemacht. " und dann darauf zu hoffen, dass sie mich in den letzten Wochen vermisst hat und sich wieder eine Beziehung vorstellen kann. Klar ist aber auch, dass ich in den nächsten 5-6 Wochen keine großen Sprünge im Fortschritt machen kann. Ich kann nur an die Erfolge aus den vergangen 4-5 Wochen anknüpfen. Und ohne einen Therapieplatz wird es auch erstmal keine realistische Grundlage geben, um etwas am Kernproblem der vergangenen Beziehung ändern zu können.
Gleichzeitig verspüre ich aber auch ein Bedürfnis nach Ablenkung. Vielleicht in form von (körperlicher) Nähe zu einer anderen (aktuell nicht existenten) Person. Vielleicht merke ich dabei dann auch, dass ich die Beziehung mit meiner ex Partnerin gar nicht mehr möchte. Vielleicht wird dadurch aber auch das Gegenteil der Fall sein und ich merke wie sehr ich die Beziehung zu meiner ex Partnerin wieder möchte. Jetzt aber irgend etwas neues einzugehen, bzw. auszuprobieren, würde sich aber auch irgendwie falsch anfühlen. Vor allem mit der (nicht all zu kleinen) Hoffnung, dass die Beziehung zu meiner ex wieder funktionieren könnte. Außerdem würde ich ja auch nicht wollen das sie sich jetzt in etwas neues stürzt. Und ihr dann ehrlich und transparent sagen zu müssen, dass ich mich in der Zwischenzeit mit anderen Frauen getroffen habe, mindert ja auch nur meine Chance auf einen Neuanfang.
Außerdem verspüre ich auch immer wieder Wut auf meine ex Partnerin und frage mich, wie sich mich jetzt, in einer so schwierigen Phase alleine lassen kann. Ich weiß aber auch wie oft sie sich alleine gelassen gefühlt hat und dass es für mich jetzt aktuell wahrscheinlich das richtige ist, ohne sie zu sein, um wirklich an mir arbeiten zu können. Trotzdem werde ich Gedanken nach einer gemeinsamer Zukunft mit meiner ex Partnerin einfach nicht los.
Abschließend möchte ich noch sagen, dass ich unabhängig von der Zukunft mit meiner ex Partnerin weiter an mir arbeiten werde. Und das aktuell die Sehnsucht nach einer gemeinsamen Zukunft sehr groß ist, aber auch immer wieder gegenteilige Gedanken aufkommen.