Trennung ja oder nein - tun wir uns gut?

J

jennyjj
Gast

Hallo,

ich hoffe, das Thema ist hier richtig.

Mein Freund und ich sind seit 7 Jahren zusammen, wohnen fast die komplette Zeit zusammen.
Wir sind zusammengekommen und alles war perfekt, ich dachte nach drei Monaten - den heirate ich.

Er hat sich super um mich gekümmert und mir geholfen, viele Sachen zu überwinden (ich hatte viele Zwänge bzw. Dinge, in denen ich befangen war, wegen meiner Familie).

Damals haben wir noch studiert, jetzt arbeiten wir beide. Wir sind in die Nähe seiner Eltern gezogen wegen gesundheitlicher Probleme ihrerseits.

Über die Zeit ist er immer fordernder geworden und sagte, ich müsse jetzt auch mal etwas zurückgeben, er könne nicht immer nur für mich da sein. Ich weiß, dass ich anstrengend bin, habe große Stimmungsschwankungen und wenn mir etwas nicht passt, kann ich auch mal wegen Kleinigkeiten ausrasten. Aber ist das nicht bei allen Frauen so?

Jetzt ist einer seiner Eltern schwer erkrankt und er hat fast gar keine Zeit mehr für mich. Ich reagiere, so hab ich das für mich analysiert, wie ein Kind, emotional gesehen: Er wird mir "weggenommen", ich bin beleidigt und reagiere mit Schrei nach Aufmerksamkeit, d.h. ich verhalte mich nicht unterstützend, sondern werfe ihm vor, dass er nicht für mich da ist.

Gleichzeitig habe ich eine riesengroße Panik, dass wir unser Leben jetzt komplett nach seinen Eltern ausrichten müssen und überhaupt nicht machen können, was wir wollen. Ich dachte immer, dass solche Probleme vielleicht mit 50 auf mich zukommen, nicht jetzt mit 30.

Grundsätzlich sind wir sehr unterschiedlich. Ich bin impulsiv, spontan, chaotisch, möchte die Welt bereisen. Er ist strukturiert, konservativ, sicherheitsorientiert, sesshaft. Ich muss dazusagen, dass alle meine Freunde diese Tendenz hatten. Vielleicht brauche ich das irgendwie.

Ich klinge vermutlich sehr egoistisch. Das möchte ich nicht sein, ich möchte für ihn da sein können. Bevor ich eine Belastung für ihn bin, trenne ich mich lieber von ihm. Aber ich liebe ihn.

#1


A
Selbstverständlich sind nicht alle Frauen so wie du.

Und dein Freund hat Recht, wenn er auch mal etwas von dir möchte und nicht nur immer der Gebende sein will. Wie so sollte auch? Ist er dein Papa oder wie?

Meinst du, du hast irgend welche Sonderrechte? Bist du im Nehmen besser als im Geben?
Jetzt wo es sich nicht alles um dich dreht, willst du ihn verlasen? Das ist doch richtig fies von dir.

Es heisst doch, man sollte in guten wie in schlechten Zeiten zusammen stehen. Sich einander unterstützen.

Du benimmst dich wirklich wie ein Kleinkind, das müsste dir doch selber auffallen.

Reiss dich doch mal am Riemen, und sei nun für ihn da. Die Kindergartenzeit ist vorbei. Wenn du jetzt abhauen würdest, hätte er an dir wirklich nichts verloren. Dann wärest du keine müde Mark wert.

Dein Freund ist ein Goldstück.
Merke dir, so wie er mit den Eltern umgeht, wir ein Mann auch mit seiner Frau umgehen.

Wie gehst du denn mit deinen Eltern um? Was hat dein Partner von dir zu erwarten?

#2


A


Trennung ja oder nein - tun wir uns gut?

x 3


G
In einer Beziehung heisst es "Geben & Nehmen". Lange Zeit scheint es so, als sei er der Gebende und fordert nun einen "Ausgleich". Was aber an sich schon Fatal ist, da Forderungen ebenso nicht förderlich für Beziehungen sind. Im Normalfall solltest Du ihm von Dir aus schon etwas "Geben", ohne Ausgleichsforderungen und eben weil Du ihn liebst, und sei es nur Verständnis für die Situation mit den Eltern. Oftmals entlastet es den Partner schon, wenn er weiß das der andere zu ihm steht. Dies tust Du nun aber nicht, da Du ja über Trennung nachdenkst.

Und auch wenn ich seine Forderungen nun nachvollziehen kann, er hat Dir über Jahre "gegeben", was aber im Umkehrschluss nicht heißen darf, jetzt etwas bekommen zu müssen. Dinge welche man für einen anderen Menschen tut, sollten immer aus freien Stücken getan werden, ohne Einforderung eines Ausgleichs. Sprich wenn Du jetzt für ihn da bist, dann nicht weil Du etwas zurück geben willst/musst sondern weil Du ihn liebst und für ihn da sein möchtest/kannst.

Die Situation mit den Eltern ist sicher schwierig, jedoch bedenke das diese sich dies sicher nicht ausgesucht haben, das er sich das nicht ausgesucht hat und es für alle Beteiligten schon schwer genug sein wird. Deine Sorge kann ich verstehen, jedoch gilt es jetzt Rückrad zu zeigen und Eurer Familie beizustehen.

Hinterfrage also, ob es wirklich Liebe ist welche Du für ihn empfindest oder ob es nur falsche Dankbarkeit zu sein scheint. Versuche ihm auch zu erklären, das Forderungen nicht die gewünschte Option sind, es muss aus freiem Willen geschehen, ansonsten fühlt sich niemand damit wohl.

Auch gilt zu überlegen, ob Eure Gegensätze förderlich für eine weitere Beziehung sind. Man sagt zwar, Gegensätze ziehen sich an, jedoch ist dies nur die erste Zeit spannend und "anziehend", für langanhaltende Partnerschaften sollte ein gewissen Maß an Gemeinsamkeiten vorhanden sein. Diese gilt es nun zu ergründen, was habt ihr Gemeinsam, an welche Stellen habt ihr gleiche Vorstellungen, wo gleiche Interessen oder Denkweisen. Diese Gemeinsamkeiten verbinden auf lange Sicht.

Dein Thema "Aufmerksamkeit" sollte evtl. auch mal angegangen werden, und zwar von Dir. Du kannst jetzt die Beziehung hinwerfen...aber irgendwann stehst Du wieder genau an der selben Stelle und beginnst Dich erneut dieselben Dinge zu fragen. Unterbewusst wirst Du immer gleiche Strukturen suchen und auch finden, also Partner welche zum Großteil ebenso einen Charackter wie Dein Freund haben, es beginnt also irgendwann von vorn. Eine Belastung bist Du nur, wenn Du Deine Aufgaben auf andere abwällst (wie evtl. in der Vergangenheit geschehen), lerne das Du Deine Aufgaben alleine lösen musst. Dein Freund hat Dir viel geholfen mit Deinen Ängsten und Zwängen, aber im Grunde hat er das nicht. Du hast dies nur abgeladen bei ihm, es schien wohl "bearbeitet", ist es aber nicht, es wurde nur verlagert.

Diese Themen stecken immer noch in Dir, weil kein anderer Dir da helfen kann, dies kannst nur Du selber.

#3


B
Hallo Jennyij,

das Leben ist kein Wunschkonzert. außerdem wo steht, denn dass die Probleme erst 50 kommen?
Ist doch totaler Quatsch. Du hast einen liebenswerten Freund, der Verantwortung auch für seine Eltern übernimmt. Und ich denke, dass er sich nach besten Wissen und Gewissen um alle Menschen in seinem Umfeld bemühlt, aber auch sein Tag hat auch nir 24 Stunden. Anstatt, dass Du ihn unterstützt grollst Du Ihm. Warum? Da sind Menschen in Not und er hilft ist doch toll. Du könntest Ihn unterstützen, d.h. nich das Du seine Eltern pflegen sollst, aber Du könntest Ihn abends in überraschen mit einem guten Essen, einem guten, offenen Gespräch. In Ruhe und viel Respekt. Alles weitere entwickelt sich in der regel von selbst.
Dein Freund ist nicht für dein Seelenheil verantwortlich. Das musst Du schon selber angehen.

Gruß vom
Bücherwurm

#4


J
Zitat:
Dein Thema "Aufmerksamkeit" sollte evtl. auch mal angegangen werden, und zwar von Dir. Du kannst jetzt die Beziehung hinwerfen...aber irgendwann stehst Du wieder genau an der selben Stelle und beginnst Dich erneut dieselben Dinge zu fragen. Unterbewusst wirst Du immer gleiche Strukturen suchen und auch finden, also Partner welche zum Großteil ebenso einen Charackter wie Dein Freund haben, es beginnt also irgendwann von vorn. Eine Belastung bist Du nur, wenn Du Deine Aufgaben auf andere abwällst (wie evtl. in der Vergangenheit geschehen), lerne das Du Deine Aufgaben alleine lösen musst. Dein Freund hat Dir viel geholfen mit Deinen Ängsten und Zwängen, aber im Grunde hat er das nicht. Du hast dies nur abgeladen bei ihm, es schien wohl "bearbeitet", ist es aber nicht, es wurde nur verlagert.



Ich denke, dass du das ganz gut analysiert hast. Ich habe mir das schon genauso gedacht - dass ich wohl früher oder später genau am gleichen Punkt sein werde wir jetzt. Dass ich viel "abgeladen" habe, stimmt. Habe allerdings auch wirklich viel an mir gearbeitet, aber der Erfolg hat sich mehr in anderen Bereichen eingestellt (Uni, Arbeit). Bzw. ich hab wohl in den Bereichen mehr an mir gearbeitet.

Vielen Dank für eure Antworten, auch wenn sie nicht grad positiv für mich ausfallen. Er ist ein toller Mensch, der sich um alle kümmert - das weiß ich. Ich bin nicht stolz darauf, wie ich mich im Moment fühle. Ich denke eben die ganze Zeit, dass wir für immer hier festsitzen werden und nie wieder woanders leben können (was mir sehr wichtig ist) und unser Leben nach seinen Eltern ausrichten müssen. Vermutlich denkt sonst niemand so.

Ihn mit einem Essen überraschen etc., solche Dinge mache ich! Es ist nicht so, dass ich ihn da nicht unterstütze.

#5


B
Das klingt doch gut! grinsen

Bei allen negativen Gefühlen, die dich überkommen, kann ich Dir nur raten. Lass, dich nicht nach unten ziehen.
Male eure Zukunft nicht schwarz, sondern erkenn die vielen Farben. Ein Wohnort ist nur ein Wohnort. Mehr nicht. Natürlich möchten man lieber in einer schönen Wohnung leben, als in einer schlechten. Keine Frage, aber das ist im Endeffekt nicht entscheidend. Nimm das Leben, eure Beziehung wie ein wertvolles Geschenk auf.
Erst wenn Du ganz tief in Dir erkennst, wie kostbar alles dies alles ist, wirst Du dich auch verändern und eure Beziehung auch. Vielleicht ist es an der Zeit, dass Du nun etwas Arbeit in deine Beziehung steckst?

Ich wünsche Dir alles Gute auf deinem Weg. trost spenden

Beste Grüße vom
Bücherwurm

#6


J
Bei allen negativen Gefühlen, die dich überkommen, kann ich Dir nur raten. Lass, dich nicht nach unten ziehen.
Male eure Zukunft nicht schwarz, sondern erkenn die vielen Farben. Ein Wohnort ist nur ein Wohnort. Mehr nicht. Natürlich möchten man lieber in einer schönen Wohnung leben, als in einer schlechten. Keine Frage, aber das ist im Endeffekt nicht entscheidend. Nimm das Leben, eure Beziehung wie ein wertvolles Geschenk auf.
Erst wenn Du ganz tief in Dir erkennst, wie kostbar alles dies alles ist, wirst Du dich auch verändern und eure Beziehung auch. Vielleicht ist es an der Zeit, dass Du nun etwas Arbeit in deine Beziehung steckst?
Zitat:

Danke. Manchmal gibt es Phasen, wo ich genau das schaffe- dankbar und positiv zu sein - und dann läuft wirklich alles besser. Sogar ich selbst war glücklicher. Ich schaffe es nur selten, das aufrechtzuerhalten.

Mit dem Wohnort hast du schon recht. Es ist nur ein Wohnort (übrigens, mit der Wohnung gibt es gar keine Probleme). Nur für immer an ihn gebunden sein möchte ich nicht. Ich habe schon mehrere Male im Ausland gelebt und das ist mir halt wichtig. Aber du hast schon recht, man muss nicht alles davon abhängig machen.

#7


J
Ach, verdammt, jetzt habe ich meinen eigenen Text als Zitat markiert... also das "Zitat" ist das, was ich geschrieben habe und das andere ist von bücherwurm.

#8