Zitat von Nigg-Oh:@Sternenguckerin auch wenn der Beitrag schon ein Jahr her ist, möchte ich dennoch hier dazu was sagen Mir geht es sehr ähnlich, wir sind insgesamt ...
Hallo, vielen Dank fürs Teilen deiner Geschichte, auch wenn sie ähnlich traurig ist wie meine. Ich kenne dieses Gefühl der Hilflosigkeit, wenn man alles tun will, um die Beziehung zu retten, aber man auch in endlosen Gesprächen sich nur im Kreis dreht und man einfach nichts machen kann.
Ich hatte jetzt ewig nicht mehr in diesem Thema geschrieben. Die letzten Beiträge hatten sich ja vor allem eher um meine Mutter und meine Kindheit gedreht als um meine Ex-Beziehung. Mittlerweile ist dieses Thema nicht mehr ganz so akut. Ich hatte inzwischen mehrere Gespräche mit ihr und war auch beim Angehörigengespräch bei ihrer Psychologin mit dabei und sie scheint inzwischen schon einiges verstanden zu haben. Sie nimmt sich mittlerweile sehr zurück und auch wenn wir wohl nie beste Freundinnen werden, komme ich inzwischen ganz gut klar mit ihr. Auch weil ich den Kontakt etwas reduziert habe, was sie auch akzeptiert. Ich habe auch vieles aus ihrer eigenen Kindheit erfahren, was sie da so erlebt hat und was ich zuvor nie wusste und musste ehrlich zugeben, dass sie dafür, wie ihre eigene Kindheit war, sogar immer noch eine relativ gute Mutter gewesen ist. Wie gesagt, dieses Thema ist mittlerweile etwas in den Hintergrund gerückt.
Nicht so hingegen das Thema mit meinem Mann. Da ist alles unverändert, außer dass er seit gut einem Jahr in einer eigenen Wohnung wohnt, die aber nur 5 Minuten Autofahrt von meinem Haus entfernt ist. Ansonsten ist noch keiner von uns beiden je bei irgendeinem Anwalt oder Gericht oder Jugendamt oder sonstwo gewesen. Scheiden will er sich nicht lassen, er meint, es hätte ja finanzielle Vorteile, verheiratet zu bleiben und er hätte eh kein Geld für eine Scheidung und zudem hat er auch Angst vor diesem "krassen Schritt" und dass er das doch irgendwann bereuen würde. Eine andere hat er auch nach wie vor nicht. Er weint manchmal, wenn er allein ist, sagt er und sein Leben sei verpfuscht, denn welche Frau sei schon scharf auf einen alten Mann, der schon 4 Kinder hat? (Ja, das ist echt kein Witz, er bezeichnet sich mit 35 Jahren tatsächlich als alten Mann. Er sagte auch schon manchmal, wie gerne wäre er wieder 18 oder 19, etc.)
Nach wie vor meint er, dass wir zu verschieden seien und das gemeinsame Alltagsleben einfach nicht funktionieren würde und er so nicht glücklich sei. Es wäre zuviel Chaos, ich sei angeblich zu chaotisch und unorganisiert und das sei nicht kompatibel mit seinem Wesen. Er brauche seine Ordnung, meint er. Auch wenn er in seiner Wohnung jetzt einsam sei, wäre er doch glücklicher als mit mir im Haus, weil er sein eigenes Ordnungssystem habe. Ich bin übrigens gefühlt den ganzen Tag am Aufräumen, weil die Kinder viel Chaos machen, aber ihm reiche es nicht, es sei ihm immer noch zu unordentlich und er sei minimalistisch und mag es nicht, wenn überhaupt irgendwo Zeug herumliegt.
Ach, er hat noch so vieles gesagt. Er meinte, "seine Seele hätte sich bei mir nicht geborgen gefühlt". Er sei manchmal an meiner Seite einsam gewesen. Und schon nach dem ersten Kind hätte er das gemerkt, dass "irgendwas nicht stimmt", aber er hätte eben weitergemacht. Das war schon hart zu erfahren, dass er außer am Anfang mit mir noch nie richtig glücklich war. Wer weiß, warum er mich dann auch noch geheiratet hat und mir noch 3 weitere Kinder gemacht hat. Er hätte eben "durchgehalten" sagte er. Den Heiratsantrag hätte er mir damals gemacht, weil er hoffte, dass dadurch alles besser werden würde. Aber jetzt ginge es nicht mehr. Mit der Trennung und dem Auszug wolle er mich nicht verletzen, es sei nur Selbstschutz.
Ich hatte Weihnachten 2023 noch durchgehalten für die Kinder. Da war er ja schon ausgezogen, aber wir hatten das Weihnachtsfest noch zusammen verbracht mit den Kindern. Wie dieses Weihnachten übrigens auch.
Anfang Januar 2024 bin ich dann aber psychisch zusammengeklappt und kam in die Klinik, weil ich Depressionen und Suizidgedanken wegen der Trennung hatte. Dort war ich mehrere Wochen, kam zur Ruhe, lernte nette Leute kennen, führte Gespräche mit Ärzten und Therapeuten und hatte mich wieder weitgehend stabilisiert. Dennoch konnte ich immer noch nicht komplett loslassen. Was vor allem mit daran lag, dass wir nach wie vor viele Gespräche führten und immer irgendwo noch eine kleine Hoffnung bei mir blieb, dass wir doch noch wieder zueinanderfänden.
Es ist eine ewige Schleife. Phase der Hoffnung, Illusion und Stabilität, dann wieder Enttäuschung, Tränen und erneute tiefe Trauer. Teilweise mal Akzeptanz über das Ende und gute Phasen, in denen ich Freude und Ablenkung an anderen Dingen habe. Aber dann auch wieder schlechte Phasen, wo alte Erinnerungen hochkommen und Schmerz und dann muss ich ihn schon wieder anrufen und will "über alles reden", was ihn mittlerweile nur noch belastet. Und ja, manchmal habe ich auch Phasen, in denen ich extrem wütend auf ihn bin und ihm das auch sage. Der ganze Stress, den man jahrelang durchgemacht hat mit den Schwangerschaften und Geburten der Kinder und die Baby- und Kleinkindzeiten, und so bekommt man seine Mühen gedankt. Ich mache immer wieder alle Liebeskummerphasen aufs Neue durch. Wie gesagt, ewige Schleife.
Ich kann ihn einfach nicht loslassen. Wir haben so viel erlebt zusammen und ich dachte, wir wären sowas wie Kameraden fürs Leben. Es tut immer noch alles so weh. Ich weiß auch nicht, wie diese Schleife jemals enden soll.
Ich gebe zu, dass ich kein besonders hohes Selbstwertgefühl habe (habe ich seit frühester Kindheit nie gehabt) und auch große Probleme mit dem Alleinsein habe. Er war halt immer mein Fels in der Brandung gewesen und jetzt fühle ich mich teilweise echt verloren. Wir machen ja Wechselmodell und wenn die Kinder bei ihm sind, ertrage ich einfach das stille, leere, große Haus nicht. Ich bin neulich mal heulend mitten in der Nacht zu ihm gefahren, weil ich das Alleinsein nicht ertragen habe und nur weinend im Bett gelegen hatte. Nicht sehr konstruktiv und beziehungsfördernd, ich weiß. Er war auch nicht erfreut darüber. Hat mich dann trotzdem bei ihm schlafen lassen. Ein paar Mal ist es seit seinem Auszug mal vorgekommen, dass es mir ganz schlecht ging und er mich dann in seinen Armen hat einschlafen lassen. Aber das war relativ selten und wann immer es mir möglich war, habe ich ihn auch in Ruhe gelassen.
Das Problem ist, dass er auch eine Seite an seinem Charakter hat, die mir eigentlich nicht guttut. Jahrelang fühlte ich mich als der schlechtere Part der Beziehung. Obwohl ich alles tat, was ging und mit den 4 Kindern (die er sich auch gewünscht hat) teilweise an meine Belastungsgrenze kam, war ich ihm immer irgendwie nicht gut genug und ich hatte dieses Gefühl dann auch verinnerlicht. Er war immer irgendwie unzufrieden und unglücklich mit mir und nun hatte er sich ja deswegen auch getrennt.
Und trotzdem will ich ihn irgendwie zurück. Obwohl es mir und meinem Selbstwertgefühl eigentlich überhaupt nicht guttut, immer um seine Anerkennung, Wertschätzung und Liebe buhlen zu müssen. Für ihn bin ich immer irgendwie nicht gut genug. Mittlerweile habe ich den Führerschein gemacht (binnen 2 Monaten) und kann nun Auto fahren. Sein Kommentar dazu war: "Das ist ja keine Kunst, die Prüfung war ja nur mit einem Automatikfahrzeug." Immer muss er alles kleinreden, was ich leiste und nie war er richtig zufrieden.
Und ich schwanke immer hin und her zwischen Schuldgefühlen und dem Gefühl, dass er ja Recht hat einerseits und totaler Wut auf ihn und seine Undankbarkeit und hohen Ansprüche andererseits. Ich hab halt keinen Maßstab. Ich weiß nicht, ob er Recht hat und ich wirklich zu schlecht, chaotisch, undiszipliniert, usw. bin – oder ob ich gut genug bin und er nur zu hohe Ansprüche hat. Ich habe jedenfalls immer mein Bestes gegeben für die Familie. Meinen Kindern geht es gut und sie sagen mir jeden Tag, wie lieb sie mich haben. Zu meiner ältesten Tochter, die mit ihren 11 Jahren schon etwas vorpubertär drauf ist, habe ich ein sehr liebevolles Verhältnis und sie erzählt mir alles, was sie bewegt. Ist es da wirklich so schlimm, dass es im Haus manchmal chaotisch aussieht? Für mich gibt es einfach wichtigere Dinge.
Ach, was weiß ich. Jetzt hab ich mal ein Update gegeben, wie dieses ganze Gefühlschaos sich nach einem Jahr entwickelt hat. Ich wusste in der Zwischenzeit einfach nicht, was ich schreiben sollte, weil man dieses ganze Theater eigentlich keinem erklären kann.
Ist ja nicht die klassische Trennungsgeschichte mit Betrug, Affäre oder Warmwechsel, Schock und Scheidung, aber irgendwann ist es dann auch mal gut. Sondern es ist ein nie endendes Drama und eine ewige Schleife. Ich hab ja ständig zu tun mit ihm und sehe ihn so oft. Wir reden, erzählen und telefonieren miteinander wie eh und je. Das ganze Drama wird vermutlich weitergehen, keine Ahnung wie lange noch.