Hallo liebes Forum,
ich bin neu hier, habe aber in den letzten Wochen schon viel mitgelesen. Ich weiß gar nicht, wie ich anfangen soll, weil ich zutiefst unglücklich, verzweifelt und hoffnungslos bin. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal in so einem Forum schreiben würde, weil früher alles so perfekt und für die Ewigkeit schien. Mein Mann hatte mir im Februar dieses Jahres gesagt, dass er nicht weiß, ob er mich noch liebt und dass er nicht mehr so richtig Gefühle für mich hat. Wir waren da seit 12 Jahren zusammen, davon 5 Jahre Ehe. Wir kamen zusammen, als wir beide 21 waren. Jetzt sind wir 33 und 34 (er ist paar Monate jünger als ich). Wir haben 4 gemeinsame Kinder (10, fast 7, 5 und 2 Jahre alt).
Für Außenstehende waren wir wie ein Traumpaar, wir haben ein Haus mit Garten, gesunde Kinder, keine Geldsorgen und wir hatten beide die Idealvorstellung der lebenslangen Partnerschaft und dass wir beide zusammen alt werden und mit 80 auf der Parkbank sitzen und den Enkeln beim Spielen zugucken. Deshalb hat es mir einfach nur den Boden unter den Füßen weggezogen, als er das im Februar gesagt hat, ich hatte sofort Panik und Herzrasen und war wie vor den Kopf geschlagen. Aber er hatte sich da noch nicht getrennt, er meinte, vielleicht wird es wieder und wir könnten ja daran arbeiten. Trotzdem hatte er ab da seinen Ehering nicht mehr getragen und wollte auch keine Intimität und körperliche Nähe mehr. Er meinte, es sei unmoralisch, mit einer Frau zu schlafen, die man nicht aufrichtig liebt. Und jetzt wären wir ja beide gerade so noch jung genug dafür, jeweils neue Partner zu finden.
Wir wären charakterlich zu verschieden, hätten uns auseinandergelebt, er geht so rational und planvoll an alles ran und ich wäre ihm eben zu emotional, spontan, verträumt, was auch immer. Er sagte auch, er macht mir keine Vorwürfe, ich hätte nichts falsch gemacht, es wären einfach seine Gefühle. Ich sei ihm zwar als Mensch noch sehr wichtig, er hat keinerlei Abneigung gegen mich, er habe mich immer noch sehr gern und redet gern mit mir über alles Mögliche und ich sei seine "beste Freundin". Und er "liebt" mich noch als Familienmitglied, als Mutter seiner Kinder, wie eine Schwester vielleicht - aber nicht mehr als Frau/Partnerin. Er sagt, er fühlt sich mir nach wie vor verantwortlich und verpflichtet, auch den Kindern gegenüber und ich könnte immer zu ihm kommen, wenn was ist oder ich ihn brauche. Er will mich in seinem Leben nicht missen und auf jeden Fall mit mir befreundet bleiben, man müsse einander ja nach einer Trennung "nicht hassen".
Da war ich aber sauer geworden und habe ihm schon damals unmissverständlich klargemacht, dass er eine "Freundschaft" oder auch nur spärlichen Kontakt mit mir absolut vergessen kann, sollte er die Trennung tatsächlich vollziehen. Als würde ich mich von dem Mann, den ich liebe, der der Vater meiner 4 Kinder ist und mit dem ich bis an unser Lebensende zusammen bleiben wollte, auf 'ne "Freundschaft" runterstufen lassen. Das ist so dermaßen krank, wie man auf so 'ne bekloppte Idee kommen kann. Ich sagte ihm das auch und es gefiel ihm nicht. Er wollte eigentlich wirklich "befreundet" mit mir bleiben.
Das alles hatten wir schon im Februar/März beredet. Jetzt haben wir November. Die letzten 9 Monate waren geprägt von Bangen, Hoffen, vielen Gesprächen, Versuchen einander wieder näher zu kommen, Trauer, Wut und Verzweiflung. Ganz, ganz schlimm war es im Mai, da war ich so am Boden zerstört, dass ich zeitweise über Suizid nachdachte und ob ich die Telefonseelsorge anrufen muss. Gefühlt sah man zu der Jahreszeit überall verliebte Pärchen und glückliche Familien. Im Sommer waren wir dann noch im Urlaub an der Ostsee mit unseren Kindern. Mein Mann sagte, wenn es mein Wunsch sei und um mein "Ideal der Lebenslangen Partnerschaft" zu erfüllen, wäre er bereit, trotzdem weiterhin mit mir zusammenzubleiben. Er sei damit zwar nicht glücklich, aber auch nicht sonderlich unglücklich. Er käme damit zurecht und mir zuliebe würde er es machen, dann wäre er ja nicht weg. Ich müsste dann halt lediglich damit leben, keine innige Liebe und kein Sexualleben dabei zu haben.
Aber genau Letzteres ist der Punkt. Ich möchte eigentlich ein erfülltes Intimleben habe, sehne mich nach Liebe und danach, als Frau begehrt zu werden. Das ist auch zyklusabhängig. Am schlimmsten war es die letzten Monate immer in der Eisprungphase, weil da Körper/Seele ganz auf Liebe und Vereinigung eingestellt sind und ausgerechnet da bei ihm auf Ablehnung und Desinteresse zu stoßen, war extrem schmerzhaft und in dieser Phase hatten wir auch die meisten Streits und Diskussionen, da habe ich immer am häufigsten geweint und ihn auch teilweise mit Wut und Vorwürfen überhäuft. Die restliche Zeit des Monats konnte ich dieses Eltern-Kind-WG-Leben ganz gut aushalten. Wir haben uns öfter mal umarmt oder einander mal die Schultern massiert, aber das war's schon.
Anfang Oktober war es wieder ziemlich schlimm, es folgten wieder viele Gespräche und Tränen und da hatten wir dann vereinbart, dass wir "mir zuliebe" 1-mal im Monat S. haben werden. Den hatten wir dann auch nach langer Zeit mal wieder und ich fand es für den Moment schön. Anfang November sollte es jetzt wieder soweit sein und als er da ins Zimmer reinkam und so einen verschämten, desinteressierten Blick draufhatte, habe ich einfach nur gesagt, ach komm, lass es. Es folgten wieder viele Tränen, Verzweiflung, Wut, Hoffnungslosigkeit und er sagte, wie leid ihm alles tue und ich habe gestern nun die Reißleine gezogen und ihm gesagt, dass er dann verdammt nochmal endlich abhauen soll und dass ich es Leid bin, zu bangen, zu hoffen, enttäuscht zu werden, Illusionen hinterherzulaufen und diese Lieblosigkeit auszuhalten. Seit gestern sind wir nun getrennt.
Er wird jetzt ausziehen in eine eigene Wohnung und ich sitze hier und ich könnte nur weinen. Ich bin wütend, traurig, verzweifelt, enttäuscht, habe Zukunftsangst, Angst vor dem Alleinsein, aber es war einfach nicht mehr zum Aushalten. Es war einfach nur noch unerträglich. Ich bin fertig mit der Welt, habe alles so satt. Er hat einfach mein ganzes Leben, meine ganzen Hoffnungen, Träume, Wünsche und Ideale kaputtgemacht. Ich wollte für immer mit ihm zusammenbleiben, den Kindern eine heile Familie bieten, ihnen das Richtige vorleben, nämlich dass man nicht alles gleich wegschmeißt. Aber jetzt habe letztendlich ich die Trennung ausgesprochen, weil ich einfach nicht mehr kann und diesen Schmerz einfach nicht mehr aushalte. Obwohl ich mir eigentlich wünschen würde, dass er wieder zur Vernunft käme und alles wieder so schön wie früher wäre. Letztendlich hat er alles weggeschmissen. Ich habe heute wütend den Schrank ausgeräumt und ihm seine ganzen Klamotten unten in den Flur gestellt. Die hat er jetzt mitgenommen. Aber kommt dann nochmal heim am späten Nachmittag.
Ich bin so wütend und traurig. Ich habe ihm nichts getan, habe die letzten 12 Jahre mein Bestes getan, um eine glückliche Familie aufzubauen, habe 4 Schwangerschaften und Geburten durchgestanden und versucht, dieses Haus und den Garten so schön wie möglich zu machen. Ich dachte, mit viel Reden und gegenseitigem Respekt und Empathie kann man jedes Eheproblem lösen. Und sowas kommt dabei raus. Ich steh jetzt hier vor einem Scherbenhaufen und nichts von meinen Mühen hat sich gelohnt. Meine Kinder werden nun Scheidungskinder, was ich nie wollte. Ich habe das Gefühl, dass alles Mühen sowieso sinnlos ist und sich nichts lohnt, egal, was man investiert. Klar gab es in all den Jahren auch mal Streit, aber das war selten und ist nie völlig ausgeartet. Und wir haben jedes Mal hinterher geredet und das geklärt. Er sagte auch, er habe sich in den Jahren "zu wenig geliebt" gefühlt. Dabei habe ich ihm viel häufiger gesagt, dass ich ihn liebe, als er mir. Das bestätigte er mir auch, aber er hätte sich gewünscht, dass ich es mehr "mit Taten zeige". Aber ich habe nun mal 4 Kinder bekommen und hatte da nicht immer noch zusätzlich Kraft und Nerven, um für ihn da zu sein, wie er es sich vielleicht wünschte. Aber ich hab mein Bestes getan und war auch für ihn da, wie es eben ging. Und es reicht einfach nicht. Ich könnte einfach nur heulen, schreien, kotzen, was weiß ich. Ich habe Angst vor allem, Angst, nie wieder jemanden zu finden und nie wieder glücklich zu werden. Keine Ahnung, was ich noch schreiben soll.
Vielen Dank, wer bis hierhin gelesen hat.