julietalpha
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auch ich möchte mich einmal kurz zu dem Thema "fehlende Menschenkenntnis" und Borderline äußern.
Die meisten Fälle die hier geschildert werden, zeigen doch ziemlich ausgeprägte Formen der Erkrankung die sich in massiven Ausbrüchen (oft gepaart mit Gewalt) äußern und einen damit vielleicht schneller auf die Spur bringen, dass etwas in der Beziehung nicht stimmt.
Meine Erfahrung bezieht sich jedoch auf einen eher stillen Borderline-Part, der selten bis nie aggressive Ausbrüche nach Außen gezeigt hat.
aussprache-mit-borderliner-nach-selbstreflexion-t66498.html#p2780984
Hier habe ich meine Erfahrungen mal niedergeschrieben und meine Geschichte beschrieben. Ich habe fast sechs Jahre eine Beziehung zu einer (wie ich erst später erfahren habe, diagnostizierten BL) geführt, die in den größten Teilen in meinen Augen sehr harmonisch lief.
Das was sich hinter den Kulissen sowohl bei ihr als auch bei mir abgespielt hat, habe ich erst danach in einer sehr langen Reflexionsphase inkl. Therapie nach der Trennung von Ihrer Seite mehr oder weniger verstanden.
Diese Symbiose, eine nie da gewesen tiefe Verbindung und Liebe und das geschickte Triggern von Emotionen ohne sichtbare "negative" Außenwirkungen - glaubt mir. Da hilft einem die beste Menschenkenntnis und Lebenserfahrung nicht. Wenn man so etwas nicht selber erlebt und aufgearbeitet hat ist m.E. JEDER der über Co-Abhängige Züge, viel Empathie und Mitgefühl verfügt für so eine Beziehung anfällig.
Ich bin mir sicher, dass ich ohne diese tiefgehende Aufbereitung (die notwendig war, denn mein kompletter Lebensinhalt war von einem auf den anderen Tag nach der Trennung ausgelöscht) wieder von so einem Charakter angezogen würde. Dieses Gefühl den sechser im Lotto gefunden zu haben, dass ist am Anfang (und auch im weiteren Verlauf) einfach unbeschreiblich. Rote Flaggen etc. werden einem ohne das nötige Wissen zu dieser Erkrankung nicht auffallen.
Irgendwo in dem Thread hat jemand geschrieben, dass jeder solch eine Erfahrung gemacht haben sollte. Diese Ansicht teile ich nicht. Ich wünsche das niemanden. Denn das nachfolgende Loch ist so unglaublich groß, dass es nicht jeder dort aus eigener Kraft wieder hinaus schafft. Ich bin mittlerweile über das gröbste hinweg. Aber ich habe definitiv tiefe Narben mitgenommen, die ich gerade in der ersten Kennenlernphase mit einer neuen Person spüre. Meine Ansichten zum Thema Liebe, Schicksal und Romantik haben sich grundlegend verändert. Ich hoffe im positiven Sinne, aber ein Schmerz bleibt trotzdem.