Ich möchte noch folgenden Aspekt in die Überlegung geben:
Als Partner von psychisch Erkrankten ist man nicht selten Teil des Systems. Wie also soll ein psychisch Erkrankter zurück zur Eigenverantwortung finden und auf sich selbst zurück geworfen werden, wenn er nicht dazu gezwungen ist?
Eine Erfahrung möchte ich außerdem widergeben:
Als sehr junge Frau war ich mit einem jungen Mann, der - gemessen an meinem damaligen Erlebens- und Erfahrungshorizont - meine große Liebe war. Je länger wir zusammen waren, desto größer wurden seine psychischen Probleme (er hatte Angsterkrankungen, Ticks, Depressionen, Wahnvorstellungen, Spielsucht und noch mehr).
Ich tat alles in meinem Vermögen stehende, um ihm zu helfen. Doch ich stellte fest, dass ungeachtet dessen (oder gerade deswegen) alles immer schlimmer wurde.
Trotz seiner Selbstmorddrohungen trennte ich mich. Ich tat das für ihn und für mich, denn ich merkte, ich war keine Hilfe und ich wollte mein Leben nicht länger für seine Krankheit hergeben. Er stalkte mich zwei Jahre lang. Das war zwar nicht annährend so schlimm, wie es heute wäre, weil die Möglichkeiten, das zu tun, beschränkter waren. Nichts desto trotz rief er täglich mehrmals an, er brach Urlaube ab, nur um wieder in der gleichen Stadt sein zu könne wie ich (obwohl wir uns gar nicht sahen). Seine Kumpels riefen mich nachts an, weil ich mich um ihn kümmern sollte, da er nicht zu bändigen war usw.
Lange Rede, kurzer Sinn. Die Trennung war für uns beide richtig. Denn so sehr wir auch auf unterschiedliche Weise darunter gelitten hatten, ist es gut ausgegangen. Er lernte etwa zwei Jahre danach seine heutige Frau kennen. Offenbar verband die beiden dann eine relativ "normale" Beziehung und wurden glücklich. Er bekam die meisten seiner Probleme so in de Griff, dass ein normales Leben möglich war. Ich weiß das aus dem Grund, weil wir noch oder wieder in sehr losem Kontakt stehen.
Meine Botschaft also ist: wenn ich es geschafft habe, meinen Weg zu gehen, schaffst Du es auch. Du bist Teil seines Systems, d.h. sein System funktioniert, so lange Du Deine Rolle darin übernimmst. Hörst Du damit auf, ist er gezwungen, sich zu bewegen. Vielleicht tut er das nicht heute und auch vielleicht nicht nächsten Monat, aber irgendwann wird er es tun. Er ist erwachsen und für sich selbst verantwortlich.
Ich glaube, dass Du Dir und ihm mit Bedenkzeiten etc. nicht hilfst, denn eigentlich willst Du doch eine Beziehung auf diese Weise gar nicht mehr. Worauf kann also eine Bedenkzeit hinauslaufen? Wozu brauchst Du diese? Wozu ist sie gut, außer dafür, in ihm für den Moment etwas Hoffnung zu schüren und es Dir damit für den Moment einen Hauch einfacher zu machen?
Egal, in welchem Zustand Verlassene sind, offene Hintertürchen helfen nicht. Denn diese halten sie in Hoffnung in Situationen, von denen man gar nicht weiß, ob da Hoffnung besteht. Keiner weiß, ob eine Liebe jemals wieder auflebt, wozu also benennen, dass es ja vielleicht eventuell und man weiß ja nie und überhaupt uns sowieso und wenn sich nichts Besseres findet zu 0,2 % so sein könnte? Das ist nur Quälerei.
Etwas anderes ist es, wenn jetzt nochmal ein Ruck durch Euch beide geht, Ihr Euch einen Maßnahmenplan überlegt und er diesen auch einhält. Ob es das wert ist und wie wahrscheinlich das ist, kannst nur Du entscheiden.
btw: die Depressiven, von denen ich gehört habe (und ich selber würde es im Zweifel auch so handhaben, denn auch ich weiß, wovon ich rede), würden sich von ihren Partnern eher trennen, um ihnen nicht zur Last zu fallen, als sie mit sich zu belasten. Dein Freund aber bürdet Dir die Verantwortung für sich auf.