Soooo, guten Abend allerseits
Ich habe mir heute nochmal ein Herz gefasst und nochmal versucht, mit ihm zu reden. Was soll ich sagen, ich glaube, ich hatte noch nie so ein ehrliches und aufrichtiges Gespräch mit ihm wie das. Das verändert irgendwie alles.
Er hat zugegeben, dass der Grund, warum er noch warten will nicht ist, dass er noch seine Freiheit genießen will oder er Angst vor den Kosten hat. Er weiß nämlich genau, dass er trotzdem seine Männerurlaube machen kann und ich ihn dahingehend nicht von allem abschotte. Sondern der wirkliche Grund ist: er hat Angst, dass ich mit einem Baby überfordert bin. Weil er ganz normal weiter arbeiten und seiner Karriere nachgeht und ich 3 Jahre mit dem Kind alleine wäre und zusätzlich auch noch 2-3 Stunden Gassi gehen muss. Er hat Angst, dass ich das nicht schaffe. Er hat auch erzählt, dass ihn das Kinderthema auch sehr beschäftigt und er da sehr oft mit Kollegen drüber spricht, vor allem mit denen, die selbst in unserem Alter Vater geworden sind und deren Kinder noch klein sind. Die nehmen ihm auch die Ängste und bestärken ihn teilweise sogar, dass er jung Vater werden soll.
Was für mich aber am schlimmsten war zu hören ist, dass sein Vater sagt, dass er sich kein Kind antun und auch nicht heiraten soll (das geht nicht gegen mich, sondern einfach generell). Man muss dazu sagen, unsere Väter sind beide schon über 70 und erst sehr spät Väter geworden, vor allem sein Dad hat deshalb immer noch seine frühere Einstellung "Binde dich nicht sondern genieß dein Leben". Versteht mich nicht falsch, ich liebe meine Schwiegereltern und ich kenne keine Familie, die einen liebevolleren Umgang pflegt als sie. Ich bin manchmal sogar neidisch, weil mein Vater mir nie so viel Interesse entgegen gebracht hat. Nur bei dem Thema Heirat/Kinder ist sein Vater sehr radikal. Mein Freund sagt, dass auch das ihn belastet, was ich verstehen kann. Ihm ist die Meinung seiner Familie eben sehr wichtig und dagegen stellt er sich nur ungern. Letztendlich ist es zwar seine Entscheidung, ob er heiratet oder Vater wird, aber man will doch trotzdem einen Rückhalt von seiner ganzen Familie haben, nicht nur von der Mutter. Seine Mama steht auf jeden Fall hinter uns und wünscht sich schon sehnlichst ein Enkelkind. Mein Freund sagt auch, dass er eigentlich auch jetzt bald ein Kind möchte, weil er unbedingt will, dass sein (unsere) Väter noch ein Enkelkind erleben. Mit über 70 bleibt nämlich leider nicht mehr all zu viel Zeit.
Dann wäre da noch die Zeit nach der Elternzeit, was er angesprochen hat. Ich würde auf jeden Fall 3 Jahre Elternzeit nehmen, weil wir es uns Gott sei Dank leisten können, das Kind danach in den Kindergarten geben und nur halbtags arbeiten. Dann stellt sich die Frage, was in den 4-5 Stunden mit dem Hund ist. Aber das sind doch alles Dinge, die sich regeln lassen? Wir sind ganz sicher nicht die einzigen, die einen Hund haben und andere bekommen es auch hin. Seine Eltern wohnen 2 Minuten von uns entfernt und helfen uns jederzeit wenn es wirklich notwendig wäre. Natürlich würden wir versuchen, alles so gut es geht alleine hinzubekommen, aber zu wissen, dass man Hilfe hat, wenn sie gebraucht wird ist für mich Gold wert.
Ich bin grade allein zu Hause und muss das Gespräch erst mal sacken lassen, wir haben beide geweint, ich weine immer noch, aber irgendwie hat es gut getan und ich fühle mich besser. Was daraus jetzt resultiert wird sich in nächster Zeit dann bestimmt zeigen.