efti
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ich schreibe zum ersten Mal in einem Forum und hoffe, das wird hier nicht zu lang
Zum Problem: Mein Freund (32) und ich (30) sind seit ca. 9 Jahren ein Paar. Seine jungen Jahre waren recht turbolent, er war ein wilder Typ, der gerne einen drauf machte und häufig handelte ohne nachzudenken. Ich verliebte mich trotdem wirklich in ihn. Obwohl er mit zunehmendem Alter ruhiger wurde, blieben einige Probleme. So konnte er z.B. schlecht mit Geld umgehen, machte Schulden und kümmerte sich nicht wirklich darum, sie abzubezahlen. Das führte in unserer Beziehung immer wieder zu heftigem Krach, da ich einen sehr bedachten Umgang mit Geld habe.
Hinzu kam, dass er vor ca. 4 Jahren eine Spielsucht entwickelte, die natürlich mit noch mehr Schulden einherging. Dieses Problem hat mein Freund mir verschwiegen, ich habe es eher zufällig erfahren, was mir den Boden unter den Füßen wegriss. Ab dann begann für mich eine sehr heftige Zeit. Ich ließ mich bezüglich Spielsucht professionell beraten, versuchte, ihn auch dazuzubringen. Ich bat ihm an, mit ihm gemeinsam nach einem Therapeuten zu suchen, ihm ggf. eine Therapie zu bezahlen, mit ihm gemeinsam eine Finanzaufstellung zu machen, nach Nebenjobs zu suchen etc., damit er wieder ein Gefühl für Finanzen entwickeln und sie schneller in Ordnung bringen kann, doch er wollte von all dem nichts hören und sagte nur, da er nicht mehr aktiv spiele, sei kein Problem da. So ging es eine lange Zeit weiter, doch weil ich ein schlechtes Bauchgefühl hatte, loggte ich mich irgendwann in sein Konto ein um Gewissheit zu haben. Ich schäme mich dafür, diesen Schritt gegangen zu sein, doch letztendlich hatte ich recht, er hatte noch eine ganze Weile weiter gespielt.
Ich konnte nachvollziehen, dass er zu dem Zeitpunkt meiner Einsicht seine Zugänge schon länger gelöscht hatte und endlich von sich aus aufhören wollte, nicht nur weil ich ihn erwischt hatte (ein Spieler in einer Selbsthilfegruppe sagte mir mal, er konnte erst aufhören, als ER es WIRKLICH WOLLTE. Erst dann habe ich verstanden, was er gemeint hatte). Dennoch ist gefühlt ein Teil in mir gestorben, als ich diese ganzen Lügen fand, denn mein Freund hat mir immer wieder versichert, es sei nur eine Phase gewesen und nicht mehr aktuell. Da man mir bei der Beratung sagte, so etwas könne passieren, hatte ich naiverweise daran geglaubt.
Wir haben von da an viel gestritten, denn mein Vertrauen war dahin, ganz zu schweigen von unseren Zukunftsplänen (wir wollten heiraten, eine Familie gründen). Mir taten diese Lügen unendlich weh, ich hatte das Gefühl, mich mehr um seine Probleme gekümmert zu haben als um mein eigenes Leben und zum Dank dafür weiter belogen zu werden. Daran hatte ich schwer zu knabbern.
Seit er dann scheinbar wirklich aufhören wollte, hat sich einiges geändert: Er hat sich einen Nebenjob gesucht, hat seine Schulden in hohen Raten abgezahlt und trotzdem so viel wie möglich gespart, schreibt penible Finanzauflistungen, überdenkt Ausgaben und spricht größere Anschaffungen mit mir ab.
Er versucht mir beständig zu zeigen, dass ich ihm vertrauen kann, hat mir eine Vollmacht und Zugriff auf sein Konto ausgestellt, damit ich jederzeit Einblick habe. Größere Summen lagert er auf meinem Konto, damit er -falls es zu einem Rückfall kommen sollte- nicht daran kann. Letztendlich konnte er seine Finanzen soweit regeln, dass er kürzlich ein kleines Haus kaufen konnte (Aus o.g. Gründen möchte ich nicht mit in den Kredit, sodass nur er allein es gekauft hat), welches er jetzt mit ziemlicher Hingabe selbst renoviert. Auch hier dokumentiert und plant er alles sehr bedacht und sorgfältig. Für ihn ist es unser Haus und er hofft, dass wir die Vergangenheit mit dem Einzug hinter uns lassen, neu starten und dort eine Familie gründen können. Alle im Umfeld sagen ständig, dass sie bewundern, wie er sich verändert hat, wie er gewachsen ist und dass er sich von so einem "Problemfall" hin zu dem Mann entwickelt hat, der er jetzt ist. Auch wenn sich das hier nicht so rausliest ist er im Alltag ein lieber Kerl, sehr hilfsbereit, zugewandt und aufmerksam. Auch in meiner Examenszeit vor kurzem hat er trotz viel Stress alles getan, um mir den Rücken freizuhalten.
Die ständigen Reibungspunkte (Schulden, Umgang mit Geld) gibt es nicht mehr, wodurch wir uns insgesamt natürlich wesentlich besser verstehen. Dennoch gibt es einzelne Momente, in denen es mir sehr schlecht geht, weil das was passiert ist, inbesondere die Lügen, die Streitereien, wie ein Film immer und immer wieder vor mir ablaufen. Ich entwickle dabei teilweise eine dermaßene Wut, dass ich meinen Freund aus dem Nichts anschreie und beleidige, was so nicht meine Art ist, es ist, als würde ich einfach die Kontrolle verlieren. Er duldet das, weil er es seiner Meinung nach selbst Schuld ist, sagte aber auch, dass es ihm nervlich langsam zu viel wird mit Job, Nebenjob, Renovierung und der Streiterei zu Hause. Er könne mich zwar verstehen, halte das jedoch nicht mehr auf Dauer aus. Sein Vorschlag war, dass wir zu einer Paarberatung gehen, um das aufzuarbeiten.
Ich bin hin und hergerissen. Ich weiß, dass ich diesen Mann liebe, trotz allem was passiert ist. Würde ich ihn JETZT kennenlernen, so wie er JETZT bzw. in den letzten zwei Jahren ist, hätte ich wohl keine Zweifel an der Beziehung und würde in ihm auch einen passenden Partner für die Familiengründung sehen. Doch leider wird das überschattet davon, dass ich weiß, zu welchen Handlungen und Lügen er in seiner "nassen Phase" fähig war, sodass ich beständig Angst habe, dass er wieder in alte Muster verfällt oder da doch wieder etwas passiert, wovon ich nichts weiß.
Freunde und Familie finden, dass ich mir zu viele Gedanken mache, dass ich sehen muss, was JETZT ist und nicht, was mal war, dass ich sehen muss, wie viel Mühe er sich gibt um an sich zu arbeiten, doch ich kann es nicht wirklich hinter mir lassen, auch wenn es schon Jahre her ist. Das tut mir insbesondere auch deswegen so weh, weil ich einen Kinderwunsch habe und mein Freund sich nach dem Umzug auch ein Kind wünscht. Ich möchte aber natürlich nur dann eine Familie gründen, wenn wir das wirklich hinter uns lassen können und eine stabile Beziehung führen. So langsam höre ich aber auch meine Uhr ticken, sodass ich Sorge habe, das Ganze weder "rechtzeitig" aufarbeiten zu können, noch einen anderen Partner zu finden. Ich kann mir auch nicht vorstellen, Interesse an wem anders zu entwickeln.
Ich hoffe, dass mir Anstöße von außen ein wenig helfen können, meine Gedanken zu ordnen, denn ich schwanke zwischen "wie kannst du nur darüber nachdenken mit ihm zusammenzubleiben" und "ja, er hatte seine Probleme, aber jetzt arbeitet er umso bewusster daran, alles in Ordnung zu bringen und ansonsten passt es doch gut" und komme zu keiner Entscheidung .
Danke für das Lesen des wirkllich langen Textes.

