Ratlos - Mutlos - TrostlosEs ging voran. Mir ging es langsam besser. Jeden Tag ein kleines bisschen. Ich bin zumindest mal wieder um die Lebensstartlinie herumgeschlichen.
Der Sturz von gestern, die Schmerzen aber vor allem wohl, dass das nun auch noch passieren musste, haben mich zurück geworfen. Ich habe mich gefreut darauf, mich wieder normal zu fühlen, als Frau zu fühlen, mal wieder Röcke, Kleider und schöne Schuhe zu tragen. Jetzt sehe ich aus, als hätte ich mich auf einem Grantplatz mit Anlauf auf die Knie geschmissen. Ich mag an Perspektiven heute nicht glauben. Ich habe auch überhaupt keine Lust mehr, Energie in die Illusion zu investieren, es würde irgendetwas Gutes passieren können. Es war vorher nicht gut, es wird hinterher nicht gut. Es wird allenfalls erträgtlich.
"Wie könnte man noch darüber denken?" hätte meine Therapeutin gefragt. Vor allem könnte man ja wohl darüber denken "Irgendwann muss es wieder bergauf gehen.".
Das versuche ich nun seit Monaten zu denken. Mal abgesehen davon, dass "bergauf" ganz schön lange auf sich warten lässt, bedeutet "bergauf" in meinem Fall halt einfach nicht "schön" sondern, wie schon geschrieben, allenfalls erträglich. Daran zu glauben, ist der Mühe nicht wert. Also weiter vegetieren und die Zeit vergehen lassen.
Ich habe wieder von Dir geträumt. Dieses Mal war es etwas anders. Wir waren in Deinem Schlafzimmer in Deiner alten Wohnung. Du wolltest Dein altes Bett zum schnelleren Abbauen für den Umzug vorbereiten (?). Ich weiß nicht, warum ich da war, denn wir waren getrennt. Wir gingen dann von Deiner alten Wohnung nebeneinander her irgendwohin. Wir gingen Deine Wohnstraße entlang. Ich ging auf der falschen Seite. Mir fällt erst jetzt auf, dass es eine richtige und eine falsche Seite gab. Merkwürdig. Ich hatte im Traum den Impuls bzw. Wunsch, wie immer meine Hand in Deine zu schieben, weil es sich einfach immer richtig angefühlt hat. Es waren nur ein paar Zentimeter dorthin, aber ich tat es nicht. Ich sagte Dir, dass es sich für mich nicht richtig und schwer anfühlt, dass ich Deine köperliche Nähe nicht mehr selbstverständlich suchen kann. Du gabst eine merkwürdige Antwort, die ich nicht mehr zusammenkriege und die alles offen ließ. Wir kamen an eine Art Bahnhof. In einem dunklen Tunnel verliefen mehrere Gleise. Auf einem stand ein langer Güterzug, den wir von hinten entlang gingen. Die Schiebetür vom vordersten Waggon stand offen und in ihm konnte ich einige Gesichter erkennen. U.a. waren dort Freunde von meiner Jugendliebe, die ich seit etwa 1993 nicht gesehen habe. Während wir den Zug entlang gingen, hast Du um meine Hüfte gegriffen und meine Rückseite getätschelt, wie Du es auch früher getan hättest. Wir verabschiedeten uns kurz verbal, fast beiläufig, während wir nebeneinander her gingen. Du stiegst dann in den vorderern Waggon, in dem die anderen Leute waren. Ich blieb nicht stehen, sah Dich noch kurz winken, als der Zug wie eine Dampflock tutete und sich in Bewegung setzte. Ich musste weitergehen, wohin blieb offen, und dazu noch die Gleise überqueren. Doch es kam ein weiterer Zug angerast. Dieser hielt laut quietschend kurz vor dem Gleisübergang. Ich überquerte vor dem Zug die Gleise und verließ den Tunnel in Richtung eines hellen Ausgangs.
Falls das jetzt jemand gelesen hat: ja, ich habe auch die Assoziationen von Abschiednehmen, vom dunklen Tunnel ins helle Licht usw. Aber ich möchte das bitte jetzt nicht von Dritten lesen. Ich habe das nur aufgeschrieben, um mein "Trennungstagebuch" fortzuführen. Danke.
