Hallo alle miteinander,
Es gibt hier ja das ein oder andere Sammelthema wo jeder mal seine Geschichte erzählt. Die ein oder andere hatte mir geholfen sie zu lesen. Vielleicht ergibt sich hier auch sowas. Gerade für den Zeitraum nach einer fast Trennung oder Affäre.
Wenn es eben nicht mehr um die dritte Person geht, sondern um die Probleme vor denen man als Paar steht.
Ich weiß ehrlich gesagt garnicht so recht ob ich mir nur was von der Seele schreiben möchte oder ich auf Rat hoffe.
Je nachdem wer antwortet könnte der Rat ja auch genau der sein den ich eigentlich nicht haben möchte, vielleicht hoffe ich auch nur das jemand mit einem Happy-End schildert wie er/sie es wieder hinbekommen haben.
Dem Titel nach zu urteilen sollte mein Beitrag eigentlich in einer anderen Rubrik stehen, ich habe mich aber ganz bewusst für Beziehungsprobleme - Liebe & Partnerschaft entschieden. Zum einen weil das was passiert ist weniger die Ursache sondern viel mehr die Folge unseres Problems darstellt. Was zwar nichts entschuldigt aber den Fokus des Problems auf die,meiner Ansicht nach, wichtigere Baustelle lenkt.
Zu uns und die Vorgeschichte:
Was ist passiert. Meine Frau und ich sind seit fast 14 Jahren zusammen, seit beinah 4 Jahren verheiratet und haben eine kleine Tochter. Wir hatten immer schon sehr ähnliche Ziele im Leben und eines dieser Ziele hat uns in den letzten Jahren bis an die Grenze des machbaren belastet. .der Hausbau. Ich möchte das eher kurz fassen. Wir haben viele Jahre unter extrem schwierigen Umständen gelebt und auch in dieser Zeit unsere Tochter bekommen. Hätte man mich und wahrscheinlich auch meine Frau vor ca 1 1/2 Jahren gefragt was das mit uns macht, hätten wir wohl beide geantwortet das es uns nur stärker zusammenschweißt.
Hat es aber nicht, wir haben uns verloren. jeder hat nur funktioniert und dafür gesorgt das Rad am Laufen zu halten. Als wir dann letztes Jahr im November endlich einziehen konnten hoffte ich und wohl auch sie das alles wieder gut wird. Wurde es aber nicht.
Ich merkte das mit ihr etwas nicht stimmt, habe die Anzeichen aber nicht ernst genommen oder nicht sehen wollen. Habe das was mich bedrückt nicht mitgeteilt, ihr nicht gesagt was ich empfinde. Bis irgendwann abends im Bett auf ein "Ich liebe dich" kein "Ich dich auch" oder ähnliches folgte sondern einfach nur Schweigen. Diese Art von Schweigen die eigentlich sehr viel sagt.
Am folgenden Tag habe ich ihr einen laaaaangen Brief geschrieben und mir alles von der Seele geredet ihr gesagt das ich den Eindruck habe das ich nur noch Ballast bin. Sie nicht möchte das ich Teil ihres Lebens bin, das ich das Gefühl habe das sie für mich nichts mehr empfindet. Eigentlich hatte ich gehofft das ich mir das einbilde,das sie mich in den Arm nimmt und mich fragt warum ich auf so einen Blödsinn komme. aber unter Tränen nahm sie mich in den Arm und sagte mir aber das ich mit jedem Wort recht habe.
Das war er, der Augenblick in dem es mir den Boden unter den Füßen wegzog, mein Kartenhaus einstürzte und ich nur noch Leere verspürte. Ich wollte einfach nur aus dem Traum aufwachen, ging aber nicht. es war kein Traum. Sie gestand mir auf Nachfrage das sie eine Affäre hat/hatte. Es wäre nichts weiter gewesen (wenn man es mit manch anderem was man hier so liest war es vielleicht wirklich nichts). Aber mir hat es gereicht.
Wieder dieses Gefühl. Sie hätten sich nur einmal geküsst usw.
Nun das war kurz nach Weihnachten. wir haben jeden Abend geredet. Und jedes mal kam der nächste Schlag.
Ob sie noch Gefühle für mich hat. Schulterzucken. Am nächsten Abend, wurde aus dem Schulterzucken ein "Nein" wenn auch unter Tränen. Hat sie Gefühle für ihn? Wieder Schulterzucken.
Wir haben zumindest zu dem Zeitpunkt beschlossen nicht sofort alles hinzuwerfen. Aber wie es weitergehen sollte, das wussten wir beide nicht. Ich glaube ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so viel über Ex-Zurück, Ehe-Retten,Affären usw. gelesen wie in den ersten Monaten danach. Es war schmerzhaft zu sehen wie sie sowas wie Liebeskummer wegen dem anderen Typen hatte. Es war schmerzlich immer mehr Details (Sexting per Messenger z.B.) zu erfahren. Ich wollte es ja wissen, ich bin halt so. macht es aber nicht besser. Es war schmerzhaft zu merken wie ich mich veränderte wie ich mich gefühlt habe wie misstrauisch ich ihr gegenüber war. Es war schmerzhaft zu sehen das sie ihn nicht loslassen konnte.
Nun was haben wir getan?
Erste Rettungsversuche:
Wir haben uns umgehend in eine Paartherapie begeben, diese war hilfreich und ernüchternd zu gleich. Zum einen stellte sich heraus das sie noch immer keinen Haken an den anderen Mann gemacht hatte und so sollten wir erstmal eine Auszeit voneinander nehmen damit sie weiß was sie wirklich will und ich auch ein klares Statement bekomme.
Was tun mit unserer Tochter, wir haben ein Lösung gefunden. Und am Abend davor haben wir uns einfach in den Armen gehalten, als sie am nächsten Morgen mit gepackten Koffern auf Arbeit ist habe ich geheult wie ein Schlosshund als sie und unsere Kleine vom Hof gefahren sind. Es fühlte sich an wie ein Abschied auf Probe.Das erste Antesten wie es ist kein Paar,keine Familie mehr zu sein. Die nächsten Tage war unsere Tochter erstmal bei mir, das war zum einen schön aber auch schwierig, weil so eine Kleine Maus eben nicht so richtig versteht warum Mama auf einmal nicht mehr da ist um sie ins Bett zu bringen.
Ich habe versucht mich an die Anweisungen vom Paarberater zu halten und nur über wichtige Dinge bezüglich unserer Tochter zu schreiben. Bereits nach 3 Tagen sagte sie das sie wisse was sie will, ich wollte das sie noch eine Weile bei ihren Eltern bleibt. Einfach weil sie schon mehrmals sagte das sie das wisse und dann auf einmal wieder nicht.
Den Umständen geschuldet dauerte die Trennung auf Zeit nur 5 Tage (unsere kleine Maus wurde krank und in der Woche wäre sie bei ihr gewesen, wir wollten aber beide das sie wenn sie krank ist nicht auch noch in einer fremden Umgebung sein sollte).
So vergingen die Tage und Wochen, es dauerte eine Weile bis ich endlich hörte was ich hören wollte. Das sie nicht nur wegen unserer Tochter wieder da ist, nicht nur wegen dem Haus sondern vorallem auch wegen mir. Das "er" sie nicht mehr interessiert.Das es ihr leid tut. Und zwar ohne irgendwelche ErklärungenRelativierungen oder sonstige Anhängsel.
Aber mich lieben das tat sie zu dem Zeitpunkt noch immer nicht.
Wir sind dennoch wieder zu Beratung gegangen, waren auch mit einem richtig guten Gefühl und einer Übung da herausgegangen. Da alles eigentlich gut läuft, nur die emotionale Nähe und auch Intimität zwischen uns der Schwachpunkt war dachten wir das wir mit dieser Übung einen guten Hebel gefunden haben um die Weichen richtig zu stellen. Sich wieder nah zu kommen, sich neu entdecken (war schon immer schwierig)
Kurz zu der Übung: Ich sollte sie direkt darum bitten ob ich sie umarmen darf, ob ich sie küssen darf oder evtl. auch mehr. So das sie es frei entscheiden kann. Und von sich aus auch mal auf mich zukommt um mir zu zeigen das sie sieht was ich mache, das sie sich darüber freut usw.
Im kleinen klappte das eigentlich ganz gut. .aber:
Es fühlte sich für mich etwas verstörend an die eigene Frau zu fragen ob ich sie umarmen darf. Ob ich sie küssen darf usw.
Und je öfter die Antwort "jetzt bitte nicht" war um so weniger traute ich mich zu fragen.
Mit diesem Ergebnis sind wir also bei der nächsten und auch letzten Sitzung aufgetaucht. Und das Ergebnis war ernüchternd:
Meine Frau hat scheinbar Probleme mit Intimität,Nähe und die Ursache dafür sitzt tiefer als wir dachten und bedarf spezialisierter Hilfe. Ich brauch ebenso Hilfe um mit der Situation überhaupt klarzukommen (bevor ich einen Termin habe,hab ich mir wahrscheinlich schon selber geholfen. Wartelisten sind was herrliches)
Wir sollten uns überlegen wie wir weitermachen wollen und uns absprechen was für Regeln gelten.
Der Zustand zu diesem Zeitpunkt war: Sie liebt mich nicht, aber ich bin ihr nicht egal und so richtig aufgeben will sie das alles nicht. Mein Gedanke dabei war, schei. man. .ich reiß mir seit Monaten den Ar. auf und jetzt muss ich damit leben das es einfach so ist wie es ist.
Auch das ist inzwischen schon wieder knapp über 1 1/2 Monate her.
Nach der Paarberatung:
Und wo stehen wir. tja ich weiß es nicht. Wirklich nicht. Ich wünsche mir so sehr das sie alle Menschenmöglich dafür tut das alles wieder ins reine kommt und wir uns neu erfinden. Das ihren Worten, gerade nach der ganzen Lügerei und Salamitaktik endlich auch die Taten folgen. Aber es ist schwierig, es ist diese Gefühlsachterbahn. wenn wohl auch nicht mehr so sehr ausgeprägt wie noch vor einigen Monaten. Manchmal hat sie das Gefühl das da Liebe ist, manchmal wieder nicht. Das sie mich nicht liebt kann sie so nicht sagen. Aber es fühlt sich halt nicht so an wie früher und auch nicht so wie es in einer Ehe sein sollte.
Bei mir das genaue Gegenteil, ich habe durch die schei. Affäre erkannt was sie mir bedeutet und mich um 180° gedreht. Zum einen hatte ich dann auch die Möglichkeit und zum anderen wusste und weiß ich was ich will.
Vor einigen Tagen, als ich mal wieder deprimiert war weil wieder nichts von ihr kam. habe ich sie dann gefragt ob sie lieber Abstand haben möchte, sie sich eine Wohnung suchen will oder so. Will sie nicht. Sie sagte der Gedanke daran das ich sagen könnte
es reicht mir, hat keinen Sinn mehr, geh bitte tut ihr weh.
Eigentlich läuft alles super, wenn. .ja wenn die Sache mit den Gefühlen nicht wäre. Sagt sie ja selber, es wäre alles perfekt wenn sie nur wieder die Gefühle für mich hätte wie sie es sich wünscht.
Für mich fühlt es sich an als würde ich alles durch ein riesiges Vergrößerungsglas betrachten. Jedes abweisende Verhalten, jede nicht umgesetzte Chance wirft bei mir Fragen auf. Fragen ob sie nicht kann oder nicht will. ob ich es ihr nicht wert bin.
Dabei ist eigentlich in jeder Beziehung nie alles nur rosarot und wunderbar. Aber in diesen Umständen kommt mir jede zurückweisung, jede Gelegenheit die sie verstreichen lässt vor als wöllte sie es garnicht.
Ich weiß nicht ob das normal ist. Keine Ahnung. Und in diesen ganzen dusseligen Ratgebern steht auch immer genau das drin was ich nicht lesen will . .
Ehe retten nach einer Affäre, es geht wenn die Liebe noch stimmt. Ja klasse, aber genau deswegen kam es ja zu der Affäre. Und nun, einfach das Handtuch werfen. Ne sicher nicht. Aber wie lange macht man sowas mit. Wie lange braucht ein Mensch (also sie) um sich zu verlieben oder wieder offen zu sein für mich. Und wie soll man sich das vorstellen. Schmetterlinge im Bauch wird es wohl kaum wieder geben, dafür kennt man sich zu gut.
Ich meine ich habe mich in den letzten Monaten sehr verändert, für sie zum positiven. Habe auch wieder,wie früher, immer mal kleine Überraschungen für sie. (Gedichte,Liebesbriefe und lauter so romantischer schei.

) über das sie sich zu freuen scheint. aber ob es was bringt? Vielleicht mache ich das auch nur für mich damit ich zumindest das Gefühl habe etwas getan zu haben. Und ihr mitzuteilen was ich empfinde und nicht wie in den letzten Jahren eben alles als selbstverständlich zu betrachten. Eigentlich, bin ich ja zuversichtlich. aber ein Teil von mir will sich irgendwie auf das schlimmste vorbereiten.
Und manchmal gewinnt dieser Teil die Oberhand. und ich suche nach dem Strohhalm. Sieht man dann durch das Vergrößerungsglas auf die Beziehung und stellt fest. tja. von ihr kam nix wird es schwer sich da wieder einen Strohalm zu suchen.
Vielleicht hat ja jemand auch ne kleine Story dazu, vielleicht gibt es sogar jemanden der in der Situation meiner Frau war und kann mir sagen ob das normal ist. Ob man einfach Zeit braucht nach einer emotionalen Affäre sich wieder auf den eigenen Mann einzulassen.
Der Gedanke daran, das ich nur noch ein sehr sehr guter Freund meiner Frau, die ich als die Liebe meines Lebens betrachte, sein könnte lässt mir keine Ruhe. Aber vielleicht will ich auch einfach zu viel auf einmal. Es dauerte Monate/Jahre evtl. die es langsam kaputt ging. Das kittet man ja auch nicht in ein paar Wochen.
Aber rationales Denken und Emotionen sind halt zwei Dinge die sich irgendwie ausschließen.
Gruß Balu