Zitat von Olive70: Ich frage mich, ob Menschen, die ihre Gefühle und Leidenschaften ausleben, glücklicher leben? Schönere Erfahrungen sammeln im Leben?
Ob sie unbedingt die glücklicheren Menschen sind, wird von Fall zu Fall, wie immer, unterschiedlich sein. Aber zumindest, scheint mir, sind sie die weniger frustrierten.
Ein Bedürfnis, ein Drang, ein Verlangen entstehen ja nicht, weil einem das Leben eine Ohrfeige verpassen will, sondern weil dem Leben die Sehnsucht nach Leben eingeboren ist. Und Leben bedeuetet eben Erfahrungen. Sie sind sozusagen der Antrieb zu Erfahrungen.
Ginge es nicht um Liebe oder noch schlimmer Sex, bloße Leidenschaft usw., sondern meinetwegen um solche Abenteuer, wie den Jakobsweg zu gehen oder eine Weltreise zu machen und Kanufahren zu lernen oder mit 100 noch einen Fallschirmsprung zu machen, dann gäbe es viel weniger Gegenreaktionen, ja manches würde sogar noch zu Anfeuerungsrufen und Schulterklopfen und Bewunderung führen.
Das alles ist doch nur eine Heuchelei bis dorthinaus!
Manche haben eben grundsätzlich wenig oder kein Bedürfnis nach Sex, die werden solchen Gelüsten dann entsprechend auch wenig abzugewinnen haben und schütteln meinetwegen den Kopf über solche Dinge.
Jene aber, die selber stark sexualisiert sind und dagegen mit allen nur möglichen Mitteln ankämpfen, weil sie sich, aus welchen Gründen auch immer, verbieten, ihre Gelüste auszuleben, sind die Schlimmsten. Denn die hauen nicht nur bei sich selber mit dem Holzhammer drauf, sondern auch und erst recht bei anderen.
Wahre Geschichte: Ich weiß von einer Frau (einer ganz netten und biederen übrigens, lange verheiratet), die jetzt so an die 80 sein wird. Und vor 20 Jahren oder so war die mal in Jamaika und hatte dort für ein paar Tage etwas mit einem deutlich jüngeren Einheimischen. Und die sagt noch heute, und das öffentlich, das war das Glück ihres Lebens, etwas Besseres konnte ihr gar nicht passieren, noch heute lebe sie davon.
Was ich damit sagen will: Was eine Erfahrung für das Lebens bedeutet, weiß man natürlich erst, wenn man sie auch macht, und nicht, wenn man sie verhindert.
Vielleicht sollte man gerade solche Dinge wie Lust und Sex halt nicht gar so ernst und verengt sehen, als ginge es da gleich um Leben und Tod oder irgendeine Selbstaufopferungsveranstaltung. Etwas mehr Entspanntheit würde jedenfalls nicht schaden.