Hallo Alena,
du schreibst:
Zitat:dazu gehören für mich: Liebe, s.ualität, respekt, achtung, anerkennung, wertschätzung, vertrauen, treue und ehrlichkeit sowie offene kommunikation, gemeinsame unternehmungen und eigene freiräume unbedingt dazu.
auch Meinungsverschiedenheiten und das es ab und an mal ordentlich krachen darf! gewitter reinigen die luft!
Das seien die Kennzeichen einer intakten Beziehung. Und in eine intakte Beziehung dieser Art hätten Dritte keine Chance...
Allerdings kann es auch sein, dass eine/r von beiden (ganz unabhängig von der Partnerbeziehung) in einer persönlichen Krise steckt und beispielsweise verstärkt Anerkennung von außen sucht. Die Anerkennung des Partners/der Partnerin kann noch ganz genauso da sein wie früher, aber die Anerkennung durch andere, "neue" Leute wird als viel stärker und gewichtiger wahrgenommen, pusht das Ego, lässt einen aufleben etc.
Oder anderes Beispiel: Aufgrund einer persönlichen Krise werden die Meinungsverschiedenheiten oder "Gewitter", die es in jeder Partnerschaft gibt, mehr und mehr als "Angriff" oder "Bedrohung" angesehen und schon schottet sich der Betroffene innerlich mehr und mehr ab und spricht dann auf ganz harmlose, oft oberflächliche, aber so schön einvernehmliche Gespräche mit anderen, "neuen" Bekannten viel mehr an als sonst etc.
Ja, da magst du nun den Punkt der "offenen Kommunikation" anführen, der in solchen persönlichen Krisen davor bewahren kann, dass eine veritable Außenbeziehung entsteht. Was aber, wenn der/die Betroffene die eigene Entwicklung (noch) gar nicht erkennt?
Ist dann die Ehe nicht mehr intakt? Oder ist nur der Kontakt des/der Betroffenen zu seinem eigenen Fühlen und Denken nicht mehr intakt?
Allenfalls müsste man deiner Liste noch hinzufügen: aufrichtige Selbstreflexion beider Partner/innen. Nur dann können die "offene Kommunikation" und die "Ehrlichkeit" auch jederzeit fruchten.
Aber ich glaube auch, dass lange Partnerschaften nicht durchgehend als gleich "intakt" angesehen werden können. Da gibt es Höhen und Tiefen und vor allem auch unterschiedliche Erlebnisweisen: Das, was für den einen noch als ganz "intakt" und gut funktionierend ankommt, wird für die andere vielleicht als deutlicher Mangel erlebt. Ist dann eben die Frage, ob man die unterschiedlichen Erlebnisweisen (beispielsweise "Zurzeit finde ich meine Partnerschaft nicht so spannend" vs. "Ist doch so weit alles in Ordnung, wir haben unseren Alltag prima im Griff") zumindest eine Weile zulassen und hinnehmen kann oder ob man der eigenen Erlebensweise so eine Bedeutung beimisst, dass man eine Veränderung herbeiführen möchte.
Und in diesem Fall ist wieder die Frage, ob man "Beziehungsarbeit" leisten will (um wieder zu einer "intakten" Partnerschaft zu gelangen) oder ob man sich lieber gleich aus der Partnerschaft verabschieden möchte (um zu einer "intakten" Partnerschaft mit einer anderen Person zu gelangen).
LG
Chiara