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Umgang mit ehemaliger Affäre

Chrome

Chrome


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@wolkig

Wie gesagt, gleich Rolle nur vertauscht, er hat schlicht kein Interesse an dir, aber Angst um sein Leben wie er es kennt.

Das heißt er wird alles vermissen, nur dich nicht und das ist die Wahrheit. Er will sein Leben nicht verlieren wie es ist. Sein Kind weiterhin jeden Tag sehen, nach Hause kommen und zusammen essen etc... da geht es nicht mehr um euch als Partner.

Er liebt dich genau so wenig wie du ihn und deswegen bist du so überrascht. Was ihr machen könntet wäre die Beziehung zu öffnen und eigene Wege zu gehen, aber offiziell halt zusammen bleiben bis euer Kind alt genug ist.

Ich denke für ihn wäre das ok, für dich nicht, weil du komplett alles möchtest und nicht so ein scheinleben.

So geht es beiden Männern, die haben halt Angst um ihr Leben und wissen das sie die dummen sind bei einer Trennung und ganz verdenken kann man es ihnen nicht, würdest du auf dein Kind verzichten und sie nur alle 2 Wochenenden sehen?

Versetzen dich doch mal in ihre Lage, du die nur den Mann verliert hast da leicht reden, denn dein Kind bleibt bei dir nehme ich mal an.

So etwas darf man nicht unterschätzen, daher sprich mit deinem Noch Freund und versichere ihm das er jeden Tag kommen kann um sein Kind zu sehen, dass er es abholen kann zum spielen oder Eis essen gehen etc... dann wird auch er wohl eher bereit sein zu gehen.

Deswegen Anwalt einschalten, alles schriftlich aufsetzen und das umgangsrecht für euer Kind auf 50 zu 50 festlegen, dann wird eine Trennung leichter.

Wie gesagt, bei euch ist keine Liebe vorhanden, nur die Angst um sein eigenes Kind treibt ihn dazu. Deswegen solltet ihr mal ein ordentliches Gespräch führen.

Ein Mann der liebt, hätte dir die Hölle heiß gemacht und dich klar gekennzeichnet. Doch das klang überhaupt nicht so bei euch, alleine daran weiß man schon, dass null Liebe bei euch noch verhanden ist.

31.07.2022 10:52 • #16


wolkig


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Hallo zusammen,

ich glaube, emotional involviert waren wir beide - mein Ex-AM und ich, aber eben mit unterschiedlichen Ausgangslagen hinsichtlich der Hauptbeziehungen und Wünschen, was das Ganze sein soll. Die Affäre ging auch nicht von mir aus, sondern begann, nachdem er mir seine Gefühle gestanden hatte. Ich habe den Fehler gemacht, mich darauf einzulassen.

@Chrome - danke für deine ehrlichen Worte. Ich denke auch, dass bei meinem Ex-Partner keine Liebe mehr im Spiel ist, aber ganz viel Angst, die Kinder weniger zu sehen und sich verändern zu müssen. Wir haben alle Modelle durchgesprochen von offener Beziehung bis zur Eltern-WG oder einem Auszug. Einer zieht immer den Kürzeren bzw. stellen wir nach einer Weile fest, dass es nicht funktioniert, weil einer zu viel oder zu wenig will. Ein Auszug wäre die sauberste Lösung, aber zu größten Lasten der Kinder. Das ist das Dilemma.
Und natürlich versuche ich, mich in die Männer hineinzuversetzen. Deshalb lasse ich meinen Ex-AM in Ruhe, damit er seine Sachen für sich klären und wieder in seine Beziehung zurückfinden kann. Denn es geht hier schließlich um Lebensentscheidungen, die aus Überzeugung und freien Stücken getroffen werden müssen. Vor allem, da Kinder im Spiel sind.

Deswegen ist es für mich auch nicht die geringste Option, mich noch mehr als sowieso schon geschehen, in seine Beziehung einzumischen und seine Partnerin zu kontaktieren. Ich decke ihn definitiv nicht, um noch eine Chance zu haben, sondern um diesem Menschen seine Wahlmöglichkeit zu lassen. Ich komme gut damit zurecht, dass diese Wahl nicht auf mich gefallen ist, auch wenn der Verarbeitungsprozess hart war. Für mich war er aber unbedingt notwendig, deshalb empfinde ich am Ende tatsächlich so etwas wie Dankbarkeit. Eine Chance gäbe es nur, wenn er ebenso alles auf den Tisch packen würde wie ich und seine Dinge aufarbeiten würde. Da er das nicht will/kann/tut, ist die Angelegenheit für mich durch.

Was ich aber beim meinem Ex-AM auch sehe, wie @commitmentor und @Baumo, ist Bedürftigkeit/Ego und Unterordnung in seiner Hauptbeziehung. Die Sache ist so ein richtiges Drama-Dreieck mit wechselnden Rollen zwischen Täter, Opfer und Retter. Ich möchte in seinem Dreieck keine Rolle mehr spielen und setze sehr klare Grenzen. Dass er sie immer wieder überschreitet, aus seiner Bedürftigkeit, seinem Egoismus heraus, macht mich irgendwie fassungslos und ja, wütend darauf, wie er sich rein menschlich verhält. Er darf seine ganze Energie gern darauf verwenden, seine Familie glücklich zu machen. Und mich eben einfach in Ruhe lassen.

@Tisiphone - Über einen Stellenwechsel denke ich nach, das wäre aber wirklich der allerletzte Ausweg, da es ein guter Arbeitsplatz ist, den ich so nicht wieder finde. Und außerdem denke ich, dass man das doch irgendwie auf einer kollegialen, beruflichen Ebene hinbekommen müsste/muss/kann. Wenn alle Seiten aus ihrer Bedürftigkeit/ihrem Ego und dem Drama herausfinden...

Danke noch einmal für eure Einschätzungen! Das hilft dabei, alles noch nüchterner zu sehen.

31.07.2022 13:57 • x 1 #17



Umgang mit ehemaliger Affäre

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Tisiphone


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Zitat von wolkig:
- Über einen Stellenwechsel denke ich nach, das wäre aber wirklich der allerletzte Ausweg, da es ein guter Arbeitsplatz ist, den ich so nicht wieder finde. Und außerdem denke ich, dass man das doch irgendwie auf einer kollegialen, beruflichen Ebene hinbekommen müsste/muss/kann. Wenn alle Seiten aus ihrer Bedürftigkeit/ihrem Ego und dem Drama herausfinden...

Ich denke, das würde es einfacher machen - für beide Seiten. Du könntest leichter abschließen. Aus den Augen, aus dem Sinn.
Solange ihr zusammen arbeitet, kann keiner richtig Abstand gewinnen und das Ganze wird womöglich immer wieder aufgerührt und treibt dich um. Zumal er offenbar nicht bereit ist, dich vollständig in Ruhe zu lassen.

31.07.2022 15:46 • #18


GrownUp

GrownUp


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Zitat von Tisiphone:
Ich denke, das würde es einfacher machen - für beide Seiten. Du könntest leichter abschließen. Aus den Augen, aus dem Sinn. Solange ihr zusammen arbeitet, kann keiner richtig Abstand gewinnen und das Ganze wird womöglich immer wieder aufgerührt und treibt dich um. Zumal er offenbar nicht bereit ist, dich ...

Ich kann das überhaupt nicht nachvollziehen - die Stelle wechseln nur um sich aus dem Weg zu gehen, von Verhältnismäßigkeit kann da keine Rede mehr sein. Ich würde lieber mal schauen dass ich mich sauber distanziere, vor allem auch emotional und ohne Raum für Interpretationen so auch kommuniziere. Evtl auch mal die eigenen Signale Richtung Mann ehrlich checken.

31.07.2022 16:31 • x 1 #19


Tisiphone


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Zitat von GrownUp:
Ich kann das überhaupt nicht nachvollziehen - die Stelle wechseln nur um sich aus dem Weg zu gehen, von Verhältnismäßigkeit kann da keine Rede ...

Das Ganze ist 2 Jahre her. Und offensichtlich lässt er sie am Arbeitsplatz nicht in Ruhe. Deshalb mein Vorschlag mit dem Stellenwechsel. Ich finde das nicht verkehrt.

Zitat von wolkig:
. Die Sache ist, wie gesagt, über zwei Jahre her

Zitat von wolkig:
wenn er mich genauso höflich-distanziert in Ruhe lassen würde, wie ich ihn, damit jeder mit seinem Leben weitermachen kann.

Zitat von wolkig:
habe ich ihn komplett in Ruhe gelassen - kein privater Kontakt, keine Nachricht, keine Gefühlsbekundungen, nichts.

Wie gesagt, ist es für mich einfach schwierig, dass er das nicht in der Form tut.

31.07.2022 18:21 • #20


Elfie1

Elfie1


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Zitat von wolkig:
Mich interessiert aber einfach, wie es Paare geschafft haben, von der Vernunftebene wieder in eine emotionale und glückliche Beziehung zu kommen. Ob das wirklich funktionieren kann. Deshalb die Frage.

Wir haben es geschafft. Ich hatte vor 8 Jahren eine Affäre mit meinem damaligen Arbeitskollegen. Ich habe mich dann sehr schnell von meinem Mann getrennt, bin ausgezogen und der AM zog sich genau da reflexartig zurück. Er wollte eine vorrübergehende Affäre mit mir führen aber keine Beziehung. Leider hat er das so deutlich nie formuliert, sondern mir im Gegenteil Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft gemacht. Er war zu dem Zeitpunkt offizielle Singel, da seine Frau nach langer schwerer Krankheit verstorben war. Was ich nicht wusste, es gab schon eine potentielle neue Frau an seiner Seite, die aber das Trauerjahr abwarten wollte. Diese Zeit nutzte er u.a. für die Affäre mit mir. Alles das erfuhr ich erst viel später.

Als der AM sich von mir zurück zog, ging es mir sehr schlecht. Ich litt schon vor unserem Kennenlernen an einer schweren Depression, bekam Medikamente, war aber noch nicht in Therapie. Allein und frisch von meiner Familie getrennt, in meiner Bruchbude von Wohnung, brach ich zusammen. Mein Mann holte mich dann zurück. Ich kündigte die Arbeitsstelle, blieb aber noch eine Zeit lang mit dem AM über Whatsapp in Kontakt, um meine Wut an ihm auszulassen und die Dinge aufzuklären. Ich hatte inzwischen durch eine andere Kollegin von seiner Freundin in Lauerstellung erfahren und hatte dazu ein paar Fragen, die er konsequent unbeantwortet ließ. Also machte ich unsere Affäre an seinem Arbeitsplatz öffentlich, was ihm natürlich nicht gefiel. Erst nach einer ganzen Weile brach auch dieser Kontakt ab und ich mied alles und jeden, der in irgendeiner Form mit dem AM in Verbindung stand.

Das hätte ich sofort tun sollen, auf diese Wochen und Monate der Ambivalenz nach dem Scheitern der eigentlichen Affäre bin ich nicht stolz. Die hätte ich uns gerne erspart, wie so vieles andere auch.

Jedenfalls ging es mir dann sehr schlecht. Nur aufgrund der Medikamente funktionierte ich im Alltag noch halbwegs weiter und schaffte es sogar, mir eine neue Arbeit zu suchen. Jedoch ging ich echt auf dem Zahnfleisch. Ich beantragte dann endlich eine Therapie, in die auch mein Mann mit eingebunden wurde. Meine Therapeutin ermutigte mich, alles an Kritik an meinem Mann auf den Tisch zu packen. Meinem Mann machte sie klar, dass es ein weiter so nicht geben kann. Es musste sich etwas ändern in unserer Ehe. Und tatsächlich änderte sich eine Menge. Wir hatten bis dahin ein sehr traditionelles Rollenmuster gelebt. Ich war lange als Hausfrau zu Hause geblieben während mein Mann seine Karriere machte. Die Stelle, bei der ich auf den AM traf, war meine erste nach 15 Jahren und in einem völlig neuen Beruf. Die Umschulung hatte ich mir selbst finanzieren müssen, da ich als Hausfrau und Ehefrau eines gut verdienenden Mannes keinerlei öffentliche Förderung bekam. Da ich kurz zuvor ein bisschen geerbt hatte, war es mir möglich, alles selbst zu bezahlen. Mein Mann hat es nie unterstützt.

Diese Einstellung änderte er grundlegend. Er hatte begriffen, dass er mich nicht mehr zurück in den goldenen Käfig sperren kann. Er half mir mit den Kindern und der Hausarbeit und zeigte sich in Bezug auf die Affäre gesprächsbereit. Es folgten lange quälende Gespräche, in der auch intime Probleme endlich mal ausgesprochen wurden. Dennoch blieb ich gefühlsmäßig noch viel zu lange unbeteiligt. Ich akzeptierte aber, dass es so zunächst mal aus Vernunftgründen am besten für alle wäre, besonders für unsere Kinder.

Es ging mir auch aufgrund der Therapie zunehmend besser und wir begannen wieder mit gemeinsamen Aktivitäten, wie Kino, Theater und sogar tanzen gehen. Meine Gefühle änderte sich langsam, blieben jedoch eher freundschaftlich.

Dann kam Corona. Eine nochmal sehr harte Zeit. Ein Kind zog aus, mein Mann arbeitete 24/7 im Home Office und ich halbtags auf der neuen Stelle. Dort war ich sehr belastet, obwohl nur wenige Stunden am Tag und musste nebenher wieder vieles stemmen. Doch mein Konfliktverhalten hatte sich auch durch die Therapie stark verändert. Ich schluckte nichts, aber auch gar nichts mehr runter, sondern legte die Karten sofort und immer offen auf den Tisch. Mein Mann und ich stritten wie die Kesselflicker. Doch anstatt eine neue Krise zu verursachen, kam dadurch meine verschwunden geglaubte Libido wieder zu Tage. Also stritten wir und versöhnten uns abwechselnd und plötzlich war der S. zurück in unserem Leben. Mein Mann war dadurch zunächst ein bisschen überfordert, fügte sich dem jedoch verwundert und machte mit. Doch auch da hatte sich vieles verändert, was wohl unserem fortgeschrittenen Alter geschuldet ist. Doch wir machten das beste daraus und genossen es auch in dieser neuen veränderten Form ohne abenteuerliche Stellungen und Kama..

Und heute kann ich sagen, ja ich liebe meinen Mann wieder aufrichtig und von Herzen und er mich. Es war ein langer Weg und er hat uns viel abverlangt. Die Liebe, wie ich sie heute spüre hat auch nichts mit der aufregenden frischen Verliebtheit der Affärenzeit zu tun. Sie ist eher ein ruhiges, tiefes warmes Gefühl. Aber ich bin mir sicher, dass es Liebe ist. Der Schlüssel war in der Rückschau immer die Akzeptanz der Situation und der Gefühle, wie sie gerade waren. Nichts erzwingen wollen aber eben dran bleiben und ein Detail nach dem anderen besprechen und aushandeln. Das war anstrengend aber sehr gewinnbringend. Ich wünschte nur, das alles wäre ohne die Affäre möglich gewesen. Sie war der Paukenschlag, der alles ins Rollen brachte. Wir hatten riesiges Glück, dass es nicht nach hinten los ging. Und dafür bin ich dankbar.

Ich hoffe, ich konnte dir mit meinem Bericht ein bisschen helfen. Ich wünsche dir alles Gute liebe @wolkig und dass du dich richtig entscheidest.

02.08.2022 09:11 • x 1 #21


Elfie1

Elfie1


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Hab ich in meinem Bericht vergessen. Als ich frisch zurück bei meinem Mann war und meine Wohnung aufgegeben hatte, kam das Interesse meines AM an mir vorübergehend wieder zurück. Ab da war klar, dass er mich entgegen seiner Äußerungen als reine Affäre sehr wohl interessant fand, mich aber eben nur nicht als Beziehung wollte. Diese Position war ja schon vergeben, wenn auch noch in Wartestellung aufgrund des Trauerjahres. Ich muss leider gestehen, dass es noch einmal zu der einen oder anderen Knutscherei in der Besenkammer kam. Ein Umstand der mich dann aber endlich wach rüttelte. So wollte ich das alles nicht mehr. Es folgte die Kündigung und Offenlegung der Affäre. Sehr zum Leidwesen meines AM. Doch das war mir die Sache (bzw. Rache) wert. Leider habe ich auch mir selbst damit das Leben schwer gemacht. So etwas zieht nämlich Kreise und die Gerüchte verbreiteten sich in Windeseile in dem Stadtteil, in dem ich auch heute noch lebe. Der Spießrutenlauf war nicht schön. Aber zumindest klärte es die Fronten auch in meiner unmittelbaren Nachbarschaft. Heute weiß ich, wer Freund und wer Feind ist. Unser Freundeskreis ist sehr viel kleiner geworden, wie du dir denken kannst, liebe @wolkig . Überleg dir also gut, wie du vorgehen willst.

02.08.2022 09:31 • #22


Blanca

Blanca


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Zitat von wolkig:
Meine Frage ist nun: Warum tut mein Ex-AM das?

Die Frage allein zeigt leider, daß Du die Affäre noch nicht völlig verarbeitet hast, sonst wäre Dir das schnurzpiepegal.

Antwort: Er benutzt Dich als Projektionsfläche für sein fehlendes Selbstbewusstsein und sucht Selbstbestätigung in Deiner Reaktion, also zeig ihm keine mehr.

02.08.2022 09:39 • #23


Uccia

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Zitat von wolkig:
Ich weiß für mich, dass mir das nie wieder passiert, dass ich mich nie wieder auf jemanden einlassen würde, der vergeben ist – nicht zuletzt aus Respekt den jeweiligen Partnern und Familien gegenüber.

Hallo @wolkig ... vielen Dank für diesen Satz. Dieses Forum wäre wahrscheinlich nur noch halb so groß, wenn alle so denken würden. Deswegen, halte dich weiterhin fern von deinem EX-AM. An seinem Verhalten seiner Partnerin gegenüber, siehst du doch, welchen Geistes Kind er ist. Auf ein Entgegenkommen deinerseits würde er sicherlich sofort wieder anspringen, aber natürlich ohne seine Familie zu verlassen

02.08.2022 09:50 • #24


Elfie1

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Zitat von Blanca:
Wem hast Du die Affäre seinerzeit offenbart?

Deinem Partner, oder auch woanders noch?

Als ich in Trennung lebte, wussten eigentlich fast alle meine Freundinnen, dass es da einen anderen Mann gab. Sie kannten ihn jedoch nicht, daher war das ganze zunächst relativ unproblematisch. Als ich dann die Reißleine auf meiner Arbeitsstelle zog und kündigte, erzählte ich es meinen beiden Vorgesetzten. Die waren nämlich sehr traurig über meine Kündigung und konnten sich das alles nicht erklären. Ich war beliebt auf meiner Arbeit und meine Chefin erkannte mein Potential und wollte mich fördern. Ich war ja neu in dem Beruf und es gab zu der Zeit noch einige Aufstiegsmöglichkeiten. Deshalb wollte ich ihr gegenüber ehrlich sein. Auch für den Fall, dass meine Ehe doch noch scheiterte und ich auf eine Rückkehr zum alten Arbeitgeber angewiesen wäre. Leider war eine andere, eher unbeteiligte Vorgesetzte sehr indiskret und erzählte es herum. War mir nur recht, denn ich wollte den AM zu diesem Zeitpunkt bluten sehen. Tja, das tat er dann auch. Er geriet in den Fokus und durfte sich keine noch so kleine Unregelmäßigkeit mehr erlauben. Leider gab es davon einige und so bekam er tatsächlich relativ schnell eine Abmahnung. Nicht in erster Linie wegen der Affäre, sondern wegen seiner Affärenbedingten Schludrigkeiten. Noch dazu war ich ja nicht die einzige Frau, die er umwarb, sondern es gab noch andere Kandidatinnen, ebenfalls bei diesem Arbeitgeber. Die Suppe wurde ihm dann so richtig gründlich versalzen.

Heute tut mir das alles tatsächlich ein bisschen leid. Auch wenn er natürlich kein Unschuldslamm war und ist. Ich hege keinen Groll mehr gegen ihn. Er hat genau so Mist gebaut wie ich und auch ihm ging es damals nicht gut. Ich hoffe nur, er hat daraus ebenso seine Lektion gelernt, wie ich. Aber im Grunde genommen ist auch das mir heute egal.

Ich könnte mir nur nie wieder vorstellen, mit ihm in irgendeiner Form zu tun zu haben. Schon gar nicht als Kollege. Da bin ich tatsächlich froh um meine Kündigung, auch wenn der Weg schwer war und ich nie wieder die Chancen von damals bekam. Auch beruflich habe ich teuer bezahlt. Egal, meine Ehe und Familie besteht und ich bin noch in diesem Job tätig. Alles andere ist Schnee von gestern.

02.08.2022 09:57 • x 1 #25


wolkig


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Hallo @Elfie1

hab vielen Dank für deinen offenen und ausführlichen Bericht! Ich bewundere dich und euch, dass ihr das so geschafft habt und wünsche dir alles erdenklich Gute für eure Zukunft!

Ich glaube mittlerweile auch, dass es bei Affären viel mehr um Sinnkrisen und Identitätsfindung geht. Natürlich auch um die andere Person, aber am Ende ist und bleibt es eine egoistische Handlung, die man für sich selbst begeht. Um irgendetwas daraus zu ziehen, sich besser zu fühlen... Was es auch sei. Mir ging es wie dir, als ich meinen AM kennenlernte. Ich war unglücklich und war für mich selbst nicht handlungsfähig, weil ich mich immer nach allen anderen gerichtet habe, danach, was alle anderen wollen. Ich hatte zu mir selbst komplett den Bezug verloren. Mein AM ist in dieser Hinsicht genauso wie ich - wir sind beide in der Opferhaltung gewesen und haben gedacht, eine Affäre wäre irgendeine Lösung/Rettung...

Mir sind durch diese Geschichte auch so viele Dinge bewusst geworden, vor allem aber, wer ich bin und wer ich sein möchte. Ich halte auch nicht mehr mit mir selbst hinterm Berg, sondern lebe mein Leben so radikal ehrlich und authentisch wie nur möglich. Nur stellen sich leider trotzdem keine Gefühle mehr für meinen ehemaligen Partner ein, so sehr, wie ich es mir für die Kinder und unsere Familie wünschen würde... Es fehlt die Überzeugung, dass sich die Dinge ändern werden, es fehlt die gemeinsame Perspektive. Wir sind so grundverschieden, dass es an den kleinsten Sachen scheitert. Wir funktionieren als Eltern, aber auch das nur einzeln... Sobald wir zusammen sind, geht nichts mehr und es gibt nur Streit... Es ist wirklich absurd... Bei uns gibt es nur zwei Modi: Streit oder Kompromiss... Ich kann mir nicht mehr vorstellen, dass es irgendeinen Sinn macht, das aufrechtzuerhalten. Es ist auch kein erstrebenswertes Modell, dass ich meinen Kindern vorleben möchte... So sieht es leider aus... :-/

@Tisiphone, @GrownUp, @Blanca und @Uccia - solange ich meinen Ex-AM täglich sehe, werde ich das wohl nicht so abschließen können, wie ich es gern möchte. Deswegen bin ich dazu übergegangen, ihn als Lernpartner zu sehen und jeden Trigger zu nehmen, wie er kommt. Am Ende zeigt er mir, wie ich nicht mehr sein möchte und das hilft mir tatsächlich bei meiner eigenen Entwicklung. Es ist nicht immer einfach, aber funktioniert in 90% der Fälle. Und wenn ich verstehe, was er tut und warum er sich so verhält, verstehe ich auch für mich, dass ich kein Teil seines Opfer-Ego-Selbstbestätigungs-Dramas mehr sein möchte... Und es fällt mir leichter, keine wie auch immer geartete Reaktion auf irgendetwas zu zeigen. Deshalb diese Frage .

Einen schönen Abend euch!

02.08.2022 19:18 • x 1 #26



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