Rollgardina
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ich bin neu in diesem Forum und würde mir gerne meinen Kummer von der Seele schreiben. Eventuell hat ja der Eine oder die Andere ein paar liebe Worte oder sogar einen Ratschlag für mich übrig. Ich versuche, mich möglichst kurz zu halten:
Ich (w/32) habe vor einigen Jahren eine Zeit lang in Italien gelebt. Dort ist mir beim Ausgehen immer wieder ein Mann aufgefallen, der mir damals schon sehr gefallen hat. Zu der Zeit war ich allerdings zu schüchtern, um ihn anzusprechen. Nun bin ich im Herbst diesen Jahre für zwei Monate nach Italien zurückgekehrt. Meine Intention war, die Zeit dort in vollen Zügen zu genießen und das tat ich auch, unter anderem mit viel Party und noch mehr wechselnden Männerbekanntschaften. Mich zu verlieben war das Letzte, was ich beabsichtigt hatte.
Zehn Tage vor Ende meines Aufenthaltes traf ich besagten Mann (35, Russe/Ukrainer) zufällig in einer Bar, er sprach mich an, wir hatten einen tollen Abend mit seinen Freunden und verbrachten die Nacht bei ihm. Zuerst dachte ich, dass es ein typischer ONS wäre. Allerdings bemühte er sich am nächsten Tag sehr darum, den Kontakt zu vertiefen. Letztendlich bin ich quasi bei ihm eingezogen und wir verbrachten die letzten neun verbleibenden Tage jede freie Minute zusammen (Wir beide haben gearbeitet, also waren wir nicht Non-Stop zusammen). Er war witzig, süß, charmant und aufmerksam. Ganz anders, als ich ihn mir vorgestellt hatte, da ich ihn eher als Weiberheld in Erinnerung hatte (Mit diesem Image er auch gerne spielt. Scheint also schon ein bisschen was dran zu sein. Er sieht halt überdurchschnittlich gut aus und ist sehr charmant, Frauen lieben ihn). Allerdings fällt es ihm schwer, allgemein über Gefühle zu sprechen und er trinkt viel Alk. (ohne dabei unangenehm zu werden, auch ich bin dem Alk. nicht abgeneigt). Nach einigen Tagen allerdings öffnete er sich mir und hat mir sehr intime Sachen, zum Beispiel über sein Verhältnis zu seinen Eltern, erzählt. Er selbst sagte mir, dass er noch nie so offen mit einem anderen Menschen gesprochen hat. Ich habe gemerkt, dass er einige Baustellen hat, die er mit Party und Alk. verdrängt. Er lebt ein sehr unstabiles, wildes Leben. Aber das mache ich auch und ich liebe es. Immer wieder schwankte er zwischen Angst vor Stabilität und dem Wunsch, irgendwann eine Familie zu gründen. Auch hat er mich bereits wage in Zukunftspläne eingebunden, wenn auch nur im Spaß und ohne dabei konkret zu werden ("Irgendwann müssen wir unseren Kindern erzählen, dass. ", "Ich hoffe, du erinnerst dich an den Weg zu unserer Wohnung.", blablabla). Auch in der Öffentlichkeit hat er gezeigt, dass ich zu ihm gehöre und hat mich sowohl seinen Freunden vorgestellt, als auch Zeit mit meinen Freunden verbracht. Die gemeinsame Zeit war anfangs wirklich wunderschön. Ich habe schon vor unserem Kennenlernen mit dem Gedanken gespielt, vorerst dauerhaft zurück nach Italien zu ziehen und ihm auch von diesen Plänen erzählt. Dank ihm hat sich der Gedanke natürlich nochmal mehr verfestigt.
Dienstags bin ich zurück nach Deutschland geflogen und das Wochenende davor haben wir auf meine Initiative hin den großen Fehler gemacht und härtere Substanzen als Alk. konsumiert. Ja, bitte keine Belehrungen! Ich weiß, dass das mehr als nur dumm von mir war. Vor allem, weil er mir zuvor erzählt hatte, dass er darauf sehr schlecht klarkommt. Auch ich struggle mit dem darauf folgenden Hangover. Das hatte zur Folge, dass wir das letzte Wochenende beide in einer schlechten Stimmung waren und immer wieder aneinandergeraten sind. Ich hatte das Gefühl, er distanziert sich von mir und dass alle Initiative für Zärtlichkeiten fast nur noch von mir gekommen ist, worauf ich nicht gut klargekommen bin. Wenn ich ihn darauf angesprochen habe, entschuldigte er sein Verhalten mit dem Hangover, wofür ich zwar auch mehr oder weniger Verständnis hatte. Trotzdem hat sich in mir das Gefühl verfestigt, dass sich seine "Gefühle" für mich geändert haben.
Die letzte Nacht dann verbrachten wir selbstverständlich noch einmal zusammen bei ihm. Er hatte Nachtschicht und hat nebenher an seinem Laptop gearbeitet. Auch in dieser Nacht war er distanzierter als sonst und ich habe mir selbst den Druck gemacht, dass wir die vorerst letzte gemeinsame Nacht doch genießen müssen. Zusätzlich dachte ich, der Hangover sollte doch mittlerweile überwunden sein, was mich hat an der Erklärung für sein Verhalten zweifeln lassen. Die Nacht gipfelte darin, dass wir in seiner Pause nach einem ziemlich unsensiblen und dummen Spruch von ihm einen großen Streit bekommen haben, indem wir beide unschöne Dinge zueinander gesagt haben. Auch in diesem Streit habe ich gemerkt, dass er eher dazu tendiert, dicht zu machen, als über seine Gefühle zu sprechen. Als er zu mir sagt, dass er jetzt endlich aufhören kann, so zu tun als ob ("Finally I can stop pretending"), traf mich das so sehr, dass ich meine Sachen gepackt habe und ohne große Verabschiedung einfach gegangen bin.
Eigentlich dachte ich, ich werde nie wieder was von ihm hören. Einige Tage nach meiner Rückkehr nach Deutschland aber bekam ich eine Nachricht von ihm, in der er sich für meine Aufmerksamkeit und Fürsorge bedankt hat und mir schrieb, dass er die Woche wundervoll fand. Seitdem waren wir wieder in Kontakt, allerdings eher sporadisch und kleine Nachrichten zwischendrin, ohne dass sich aus denen ein richtiges Gespräch entwickelt hätte. Das letzte Mal, als wir schrieben, antwortete er nur noch sehr einsilbig und lies sich für die Antworten mehrere Stunden Zeit. Da ich zu der Zeit in Spanien war und dort sehr viel gearbeitet habe, entschied ich mich dazu, ihn erst einmal nicht mehr zu kontaktieren, auch, um den Kopf frei zu haben. Ich wollte nicht schon wieder diejenige sein, die den Kontakt sucht und von ihm behandelt wird, als wäre ich ihm zu viel. Nun bin ich aber seit einigen Tagen wieder in Deutschland und habe realisiert, dass der letzte Kontakt schon über eine Woche her ist. Außerdem wurde mir jetzt, wo ich etwas zu Ruhe komme, erst bewusst, wie sehr er mir fehlt und wie viel er mir bedeutet.
Jetzt sitze ich hier und weiß nicht mehr weiter. Ich frage mich, ob er wirklich nur so getan hat, als ob oder ob er mich einfach nur damit verletzten wollte (zusätzlich muss ich sagen, dass sein Englisch zwar gut ist aber bei weitem nicht so, dass er sich immer so ausdrücken kann, wie er gerne würde). Auch bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich zurück nach Italien gehen möchte. Ich möchte ungern dort mit einer kaputtgegangenen Liebschaft dealen. Mich macht auch der Gedanke ganz krank, dass er vielleicht bereits die Nächste kennengelernt haben könnte. Aber ich vermisse ihn wirklich schrecklich und war schon immer der Ansicht, dass man verrückt scheinende Dinge wagen muss, um herauszufinden, ob es einen glücklich machen könnte. Um ganz ehrlich zu sein: Wenn er mir heute sagen würde, er möchte, dass ich zu ihm zurückkomme, würde ich nächste Woche im Flugzeug sitzen. Aber ich bezweifel, dass, selbst, wenn er so fühlen würde, er die Courage hätte, mir das mitzuteilen. Zudem geht er ja wahrscheinlich sowieso davon aus, dass ich zurückkomme, weil er nicht weiß, dass ich aktuell mit mir hader. Alles etwas verflixt. Langsam rennt mir auch die Zeit davon, weil ich Jobangebote in anderen Ländern habe und dort bald zusagen müsste. Aber ich möchte auch nicht wieder diejenige sein, die auf ihn zugeht. Das klingt zwar kindisch, aber ich habe schon mein Leben lang mit einem Vater zu kämpfen, der ein emotionaler Krüppel ist. So einen Mann möchte ich nicht an meiner Seite haben. Ich möchte die Gewissheit haben, dass er mich bei sich haben mag und ich muss es von ihm hören, auch (oder gerade weil!) es ihm schwer fallen würde. Versteht ihr das?
Entschuldigt bitte den Roman und vielen Dank an alle, die sich die Mühe gemacht haben, meinen Text bis hierhin durchzulesen. Ich wäre sehr dankbar über ehrliches Feedback, aber bitte zerreisst mich nicht all zu sehr. Ich bin sensibel.