pferdediebin
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Ich erinnere mich gerade an meine letzte Beziehung...ist jetzt zwei Jahre her...Wir waren vor 15 Jahren schon mal 3 Jahre lang zusammen und waren seitdem gute Freunde geblieben. Damals steckte er in einer Krise über die ich ihm hinweggeholfen habe, es gab viel Drama und es endete damit, dass ich herausfand, dass er online fleißig die Fühler ausstreckte.
Auch er ist unheimlich hilfsbereit, handwerklich geschickt und ich habe so viel Spaß mit ihm, wie mit keinem, in jeder Hinsicht.
Deshalb hab ich mich auch noch mal getraut, ich dachte mir, er hat sich geändert, war ohne das Scheidungsdrama natürlich viel entspannter, trank nicht mehr so viel, wir waren beide solo, was soll's!
Wir verstanden uns gut, waren ein gutes Team...aber sobald ich bei ihm zu Hause war, behandelte er mich seltsam. Er wurde väterlich überfürsorglich, aber in so einer Weise, dass man sich wie eine 4-Jährige fühlt. Als hätte ich keine Ahnung von irgendetwas. "Pass auf, da liegt ein Kabel am Boden, stolpere nicht". Bin ich blind/zu blöd die Füsse zu heben? Das steigerte sich in schwere Vorwürfe, als ich ein gebrauchtes Buttermesser einfach für den späteren Gebrauch liegen ließ. In seinen Augen hab ich Chaos verbreitet (das ich übrigens immer selbst beseitigt hab). Es wurde krampfig.
Irgendwann kam er mit folgender Frage: Stell dir vor, du liegst auf dem Totenbett und ich würde dir gestehen, dass ich eine zweite Beziehung gehabt habe, Es hat dir nie an etwas gefehlt, du hast nichts vermisst, ich war immer gut zu dir. Es war also kein Betrug! Was würdest du sagen?
Ich: Natürlich ist das Betrug, wenn ich nichts davon gewusst habe...
Er: Aber dir ist niemals etwas abgegangen, du hast es nicht mal gemerkt!
Ich: Aber ich habe es nicht gewusst, und das ist der Betrug!
Das ging noch eine Weile so weiter, totales Unverständnis seinerseits. Ich fragte noch scherzhaft: Hast du vielleicht Pläne?
Irgendwann landeten wir, auf dem Umweg über verletzte Gefühle, speziell bei seinen Empfindungen, und er hat sich gewunden, bis ich ihn so festgenagelt habe, dass er zugegeben hat, dass er eigentlich in Beziehungen nichts Tiefes empfindet.
KLIRR!
Ich hab dann ganz genau beobachtet, was da eigentlich abläuft, und bin zu dem Schluss gekommen, er kann einfach besser spielen als echt sein. Er kann nur den Anfang gut, der Rest langweilt ihn, außer er kann irgendwelche Kontrollspielchen durchziehen.
Ich hab mich recht bald verabschiedet, wir haben versucht wieder auf Freundschaft zurück zu switchen, aber ich hab leider meinen unschuldigen Blick auf ihn verloren.
Ich vermute, dass diese Art von Männern mehrere Bühnen brauchen, die unabhängig voneinander seine Großartigkeit bestätigen. Eine ist für die Alltags-Partnerin, die auch schon mal sein wahres Gesicht sieht und deshalb als Publikum meist flach fällt. Und auf den anderen Bühnen kann er sich, unbelastet von Alltagskram, geben, wie er gerne wäre. Niemand ist immer wunderbar! Die Partnerinnen sind eigentlich austauschbar, an keiner liegt ihm wirklich was, es geht nur darum, was sie IHM geben können (Applaus!
). Und er hat die Kontrolle darüber, wann und wie. Er kann sich immer neu erfinden.Meist sind sie Meister darin, instinktiv herauszufinden, was der andere sich wünscht. Deshalb geht die Entdeckung der Seelenverwandtschaft recht zackig. Nur, das kann man im Alltag dann schwierig aufrecht erhalten.
Hätte er sich also wirklich dazu entschieden, dich zu seiner Alltagsfrau zu machen, hättest du jetzt die Position seiner jetzigen, und er müsste sich wieder eine neue Bühne suchen.
Ich an deiner Stelle wäre froh, dass diese Schmierenkomödie geendet hat, glaub mir, nichts davon ist echt, auch wenn er es vielleicht selbst glaubt! Keine Träne wert.
