Ema
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Zitat von YsaTyto:
Und ich glaube, die Motivation weiter zu machen, irgend etwas in dieser Geisterbahnfahrt zu genießen oder etwas positives abzugewinnen, bedeutet auch, sich diesem Horror noch nicht ganz aussetzen zu wollen, so paradox es klingt. Beendet sie die Beziehung, ist sie zwar raus aus der Geisterbahn, aber muss auch fühlen, dass es wirklich eine war und nicht etwa nur ein Kinderspiel, bei dem sich alle als Geister verkleiden, danach die Masken abreißen und sich in die Arme nehmen.
Nach meiner eigenen Erfahrung triffst du den Nagel mit diesen Worten echt auf den Kopf, Ysa.
Als ich hier im Forum aufgeschlagen bin, war es ja wegen einer ganz ähnlichen Geschichte.
Allerdings habe ich nicht so lange mitgemacht. Nur etwa sieben Monate.
Ich wusste in mir selbst irgendwie, dass ich das beenden muss, um mich zu retten. Aber ich hatte gleichzeitig so ein Gefühl, dass der Schmerz, den ich während der Affäre schon in Ansätzen empfunden habe, irrsinnig werden wird, wenn ich es beende. Es war wie so eine Vorahnung. Eine Gewissheit fast.
Allein beim Gedanken daran schlotterten mir schon die Knie.
Und so kam es dann auch. Ich durchlebte die schlimmsten psychischen Schmerzen meines Lebens. Hinzu kamen noch körperliche Schmerzen (Nervenschmerzen, ausgelöst durch einen Wurf beim Aikido, einen Tag, nachdem ich es beendet hatte), die sehr real waren, die aber so richtig niemand erklären oder behandeln konnte. Psychosomatisch also.
Es war buchstäblich die Hölle. Ich habe monatelang all meine Kraft ausschließlich dafür gebraucht, diese psychischen und physischen Schmerzen irgendwie zu ertragen. Ich war zu nichts anderem mehr fähig.
Ich verstehe daher jeden, der davor Angst hat und diese Kraft (noch) nicht aufbringt.
Ich wusste für mich, tief in mir, dass ich da durch muss. Dass es für mich keine Option ist, die weniger starken Schmerzen während der Affäre zu ertragen, deren Ende aber dafür nicht abzusehen ist.
Ich wollte diesen letzten Rest Selbstbestimmung.
Heute denke ich, dieser Schmerz hatte nur sekundär mit dem Affärentypen zu tun.
Er hat ihn ausgelöst. An die Oberfläche geholt. Aus der Tiefe meiner Seele geholt, wo er jahrzehntelang gefangen war.
Ich wusste nichts von diesem Schmerz. Hatte keine Ahnung, dass er in mir sitzt.
Aber dann - nach der Trennung - war er nicht mehr zu ignorieren. Er kam mit unglaublicher Macht.
Heute denke ich, dass ich in diesen Monaten die Tränen aus Jahrzehnten geweint habe.
Es waren ganz andere - lange vor ihm - die diesen Schmerz in mir verursacht hatten. Und ich hatte es vergessen.
Ich hatte es tatsächlich vergessen.
Da war ein starker, tiefer Kummer in mir, schon mein ganzes Leben, den ich nie gespürt hatte und von dem ich nichts ahnte.
Er ist zum Teil - manchmal - immer noch da. Er ist jetzt nicht weg.
Aber ich habe keine Angst mehr vor ihm.
Das war - so denke ich - der Weg, den ich gehen musste.
Ich kenne mich selbst jetzt ein ganzes Stück besser.
Heute bin ich diesem Menschen fast dankbar. Er hat etwas in mir ausgegraben, an das ich selbst nicht herankam. Von dessen Existenz ich nicht einmal etwas ahnte.
Was er heute tut, weiß ich nicht.
Ich wünsche ihm Glück.
Ich hege keinen Groll gegen ihn.
Er hatte keine Ahnung, was er da in mir ausgelöst hat.
Aber es war gut für mich, auch wenn es erstmal irrsinnig wehgetan hat.