Vertrauen aufbauen in einer schwieriger Situation

Nikolai

Hallo,

Zu erst die Geschichte.

Ich bin geboren in Rußland, kam aber vor ca 22 Jahren nach Deutschland. Vor 15 Jahren lerne ich ein junges Mädchen kennen. Über mehrere Jahre waren wir nicht verheiratet, lebten aber zusammen. Es gab alles in unserer Beziehung: Leidenschaft, Warten, Hoffnung, Glück, Streitereien usw. Es ist so, dass wir trotz der Charakterunterschiede an uns glaubten. Es gab Probleme mit miener Bleibe in BRD (bin Fahnenflüchtiger noch aus der USSR-Armee) und sie war diejenige, die mich emotional und moralisch unterstütze. Sie wurde schwanger, wir haben geheiratet. Es kan dann unsere Tochter zur Welt. Sie heisst Viktoria.

Im laufe der Zeit, bekam ich ein sicherer, sehr gut bezahlter Job und wurde eingebürgert. Sie studierte in einem der besten Uni in Deutschland. Wir stritten ab und zu, aber es ist doch normal wenn man ab und zu streitet. Wir wussten genau wie wir uns lieben und was wir durchgemacht haben (ich will es hier nicht beschreiben, sonst wird es zu lang).

Dann passirte es. Vor etwa 4,5 Jahren merkte ich, dass die Routine in unser Leben kam. Ich merkte auch, dass sie mich mit ihrere Freundinnen bespricht und einiges mehr (bockig geworden, Vorwurfe, um S. zu schweigen, schnuffeln in meinem Mail, brifen usw.). Dann ging ich fremd. Es ist mir sehr bewusst, was für ein Mist ich gebaut habe. So passirte es aber. Nach 2 Monaten sagte ich meiner Frau, dass ich mich scheiden will. Ich konnte einfach nicht mit dem Gefühl weiter so leben. Wir gingen zum Scheidungsanwalt. Die Anwältin sagte uns, dass wir eher als ein frisch verheiratetes Paar aussehen, als die Leute, die sich scheiden wollen. Dann ging es Berg auf und Berg ab... wie in einem Film. Wir kamen zusammen und versuchten die Kurve zu kratzen. Und haben richtig gekämpft. Da muss ich sagen, dass meine Frau psychisch gesehen viel labiler ist als ich. Es gab sogar ein Verdacht auf Borderliner bei ihr. Ich habe eine andere Nachteil - bin manchmal plump wie ein Bär.

In diesem rauf und runter vergingen 4 Jahre. Wir lachten und weinten zusammen. Sie hat sogar geschworen, dass sie mich nicht mehr angreifen wird. Und ich brachte meine Beziehungen an der Seite ab. Wir waren 2 mal getrenntlebend in die Zeit. Sie war 2 mal beim Anwalt und nach der Versöhnung habe ich sogar die Kosten dafür übernommen. Es war immer schweriger dasganze unter Kontrolle zu halten.

In die letzte Monate, als die Beziehung schon sogut wie gar nicht mehr exestierte, da unterstützte ich sie beim Studium wie ich konnte (Hausaufgaben geprüft, Referate mitgeschrieben usw,), auch finaziell. Es waren mehrere Tausende Euro. Dieses Geld ist nicht als Unterhalt anzusehen, sondern ich habe es ihr einfach so gegeben. Manchmal überwisen und manchmal Bar. das machte ich aus einem einzigen Grund - ihr was gutes tun. Sie warf es mir aber vor, als wenn ich es ihr gebe nur damit sie "ihr Maul hält". So stimmt es nicht. Es war eine Beleidigung für mich damals. Egal.. ich habe es geschluckt. Sie schluckte ja auch einiges.

Am Anfang Januar ist es eskaliert. Ich will der Fall nicht beschreiben. Es gab aber eine Art Schlägerei. Eher gesagt - sie hat mich mit einer Kaffetasse beschmissen, ich sie mit einer Federmäppchen und wir tauschten paar Feigen um. dann waren Polizei da und dann ein Gericht. Wir dürfen uns gegenseitig nicht auf 50 Meter zu nähern. Ich fand mir eine andere Wohnung und umgezogen.
Klar: es ist kein Kavaliersdelikt was da passiert ist. Moralisch und gerichtlich gesehen sind wir beide schuldig daran.

So.. jetzt sind es 4 Monate vergangen. Ich hatte notwendiger Abstand und genug Zeit mir mein leben aus einer etwas anderer Perspektive zu sehen. Als ich sie beim Elterntreffen sah (wegen Umgang mit meiner Tochter) machte sie ein vernüftiger Eindruck. Die berater haben sich richtig gefreut, dass wir miteinander reden können. Ich habe mich da auch entschuldigt. Und wir schuttelten uns zum Abschluss die Hände.

Ich habe folgendes festgestellt. Ich bin über 1/3 meines Lebens mit dieser Frau verbracht. Wir haben einen Kind und mit Sichrheit kann ich sagen, dass es "Kind der Liebe" ist. Ich habe festgestellt, dass mine Gefühle noch da sind. Dass ich geschafft habe, die zu verdrängen, aber es ist tatsächlich so, dass genau sie ist "die Liebe meines Lebens". Ich weiss auch, dass sie lange 4 Jahre um mich verbittert gekämft hat und ich auch.. vor allem mit mir selbst. Ich habe jetzt das Gefühl der Reue und versuche mit der ganze Kraft der Kontakt wiederherzustellen (über Berater).

So.. jetzt meine Frage.
ich will keine Antwort in der Art "Vergiss es". Etwa in der Art habe ich schon gehört. Es gab eine tiefe emotionale Bindung zwischen uns über mehere Jahre, über eine Jahrzehnte. Bitte, berücksitigen, dass wir eine Tochter haben, die wir beide über alles lieben und die uns beide sehr liebt und leidet unter diesem Vorfall enorm.

Was sollte man tun, damit der Vertrauen wieder aufgebaut wird ?
Was wurdet ihr tun ?

10.05.2013 15:37 • #1


Heliacante


Hi Nikolai,
eine ziemlich bewegende Geschichte und danke für deine Offenheit. Sich selbst reflektieren zu können ist schon ein grosser Schritt und nach Hilfe zu suchen, ebenso.
Zu deiner Frage, wie man Vertrauen aufbaut, bin ich auch gerade dran. Ich kann gerne schreiben, was mir aufgefallen ist und teils schon geholfen hat:
- eine neutrale Fachperson (psych Coach/ Therapeutin o.a.) für sich zu suchen. Warum kein Freund/Freundin? Ich denke, diese sind einfach nicht wirklich neutral. Der 3.Blick ist aber wichtig, auch um selbst besser sehen zu können und keiner Manipulation ausgesetzt zu werden.
- selbst vorleben was man erkannt hat z.B. wirklich ehrlich und wahrhaftig zu sein.
- dem Partner ein Gesprächtherapie vorschlagen, sofern da noch Hoffnung ist. Klingt total Psycho, ist es aber nicht. Viele kommunizieren einfach nur recht unterschiedlich wenn verletzt sind und wollen vielleicht hören, was der andere sagt, aber können es nicht (mehr) richtig deuten. So entstehen weitere Missverständisse und Verletzungen. Das ist eine andere Art zu lernen, kann einem auch selbst helfen und es hilft dabei Vertrauen aufzubauen. Denn man lernt wieder, was der andere jetzt braucht und meint.
Diese Grundakzeptanz ist auch essentiell, denn sie wird mit sog. Metabotschaft mittransportiert. Und wenn der Partner unschlüssig ist, kann man diese Gesprächsführungsart auch alleine 'erlernen'.
- selbstständig und authentisch sein, ist auch vertrauensbildend.
Wer wirklich liebt, muss auch nicht manipulieren. Wenn man diese Grundeinstellung schafft, frei von Bitternis und Verzweiflung zu sein (also ohne Zweifel an allem) und bei sich selbst bleibt und sein Leben strukturiert, lebt man selbstbestimmt. Auch das kann helfen und es gibt auch oft Kindern ein Gefühl von Sicherheit.
-Man könnte auch alternative Wege gehen. Je nachdem wie da der Zugang ist. Z.B. Systemisches Familienstellen nach Hellinger oder energetische BeziehungsHeilarbeit, Astrologisches Coaching... Also kein EsoGuru, sondern wirklich verständige Menschen, die einfach da eine Begabung haben. Dabei sind schon viele 'karmische' Knoten geplatzt, wenn sich da 'übergeordnete' Themen lösen. Auch sowas gibt es.
Sonst fällt mir gerade nichts ein. Wenn Vertrauen zerstört ist, ist es einfach schwer. Egal was man sagt und tut, geht es sicher nicht von heute auf morgen. Es ist die Frage, ob man es will, dann finden sich Wege.

Ich wünsche dir auf jeden Fall einen guten Weg für dich. Herzliche Grüsse
Heliacante

10.05.2013 16:11 • #2


Nikolai


Hallo,

Danke für dein Antwort. Der hat auch bestätigt, dass meine Ideen und Gedanken bis jetzt richtig waren. Ich bin selbst der Meinung, dass es eine dritte, unabhängige Person ran soll und dass jede Art der Manipulatin falsch ist.

Gesprächstherapie (bzw. Paartherapie - ist eine super Idee). Bis dahin ist aber ein langer Weg. So wie ich meine Frau kenne - sie braucht immer unglaublich lange um überhaupt jemanden zu vertrauen (es hat was mit ihrer Kindheit zu tun).

So wie ich es verstehe, es ist sehr wichtig die ganze Sache mit Ruhe anzugehen. Richtig "los lassen" kann ich nicht und will auch nicht. Aber es ist absolut richtig, was du uber "Selbständigkeit und authentisch sein" schreibst. Es klappt gar nicht schlecht bei mir in die letzte Monate. Gehe oft aus dem Haus, treffe mich mit Freunde usw.

Ich habe mir fest vorgenommen, das Vertrauen wiederherzustellen, auch wenn es lange Fristen dafür benötigt werden. Ich denke, dass "Politik der kleine Schritte" - das beste sein kann. Ohne Aufdringlichkeiten und auf keinen Fall lästig sein. Mein erstes, mittelfristiges Ziel (innerhalb von 2-3 Monaten) - ein "small talk". Wenn es gut klappt - dann sogar mehrere "small talks".

In die letzte Woche habe ich mein Anwalt zurückgezogen. Bzw. der Anwalt war schon sehr "kriegerisch" eingestellt (die wollen ja Geld) und hat auch einges erreicht. Und ich habe an meine Frau ein kurzes Mail geschrieben mit Fragen wegen unsere Tochter. Darauf bekam ich auch eine Antwort - eigentlich ein Zweizeiler, aber immerhin. Im Grunde genommen - es ist die erste Reaktion auf mich überhauot nach der Eskalation (ausgenommen Elterntreffen). Sie schikte auch 2 Postkarten von meiner Tochter an mich. Zwar mit 3-Wochiger Verspätung, aber immer hin.

Keine Ahnung was als nächstes passiert. Schlimmer wird es auf keine Fall sein.

13.05.2013 16:52 • #3




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