Zitat von Mirandaa: Deine Sucht-Gedanken quälen dich:
wie soll ich nur ohne dieses ständige Drama, die Verletzung, das Gebraucht-Werden, das Benutzt-Werden, klarkommen?
Dieses permanente Auf und Ab, die Gefühlssensationen, die er Dir bescherte und die überwiegend negativ waren, können auch süchtig machen. Weil das ganze Theater, das man gewöhnt ist, auf einmal weg fällt. Was soll ich mit mir anfangen, wenn mein Problemfall weg ist? Da bleibt ja nicht mehr viel übrig.
Du bist den Gefühlsstress mit ihm gewöhnt und sich jetzt in einem ruhigeren Leben zurecht zu finden, ist gar nicht so einfach. Aber es vergeht, weil alles vergeht und das ist ja manchmal auch ein Glück.
Manchmal denke ich noch an den Gefühlsstress mit einem Ex. zurück. All die Gedanken über ihn und über uns, die Tränen, die Erkenntnis, dass es aussichtslos war und ich dennoch verharrte und mir nach Kräften einredete, Du musst nur dranbleiben, dieses und jenes aushalten, abwarten, ihm manches nachsehen, denn er ist halt beschädigt und kann nichts dafür und ab und an dann wieder die schönen Glücksmomente, in denen ich mich wohl fühlte - es hielt mich bei der Stange. Denn was blieb mir denn noch, wenn er weg wäre?
Ja, über ihn machte ich mir viele Gedanken, aber über mich viel zu wenige und wenn die aufkamen, schob ich sie weg. . Scheinbar hatte ich es gelernt, dass ich zurücksteckte, klein beigab und nicht den Mut hatte, Konsequenzen zu ziehen. Was hätte mir dieser Mut auch gebracht? Dieser Mut hätte ihn weiter weggetrieben, aber mein fehlender Mut, für mich einzustehen, hat ihn auch weggetrieben.
Das Leben bzw. er entschied dann, weil ich mich nicht entschied. Schon gar nicht für mich und damit gegen ihn.
Und als diese Sache endgültig ausgestanden war und das dauerte Monate über Monate, bis ich ganz "clean" war, spürte ich auf einmal Erleichterung. Ich hatte es geschafft, die Sucht nach meinem Dealer (was Liebesgefühle anbelangte) überwunden und ich vermisste weder ihn noch diesen Gefühlsstress.
So was lohnt sich nicht, denn man gibt sich lieber selbst auf, anstatt rechtzeitig die Notbremse zu ziehen.
Es ist ein Zeichen, wenn man hinterher betrachtet, was man alles normal fand und vor allem, wie man mit sich selbst umging und sich selbst vernachlässigte. Im Rückspiegel kann man das dann alles nüchtern betrachten und so manche Erkenntnis über sich selbst gewinnen, die einem nicht unbedingt zusagt. Aber der Mensch lernt ja nur aus Fehlern und Krisensituationen. Solche Erfahrungen sind sehr lehrreich und sie lehren einen, besser mit sich selbst umzugehen und manche Dinge realistischer zu betrachten.
Gib ihn auf. Er hat Dich aufgegeben und das ist ein Glück für Dich. Aber ich schätze, er wird eines Tages wieder vor Deiner Tür stehen und dann musst Du stark sein und ihn wegschicken. Und ihm sagen, dass Du nicht mehr für ihn zuständig bist. Er hat sicher so einige Tricks auf Lager, um Dich wieder auf Kurs zu bringen. Mitleid erregen ist einer davon.
Habe lieber mit Dir selbst ein wenig Mitleid, das ist gewinnbringender.