@MaDaMu
Zitat:>> Ein Punkt animiert mich jedoch zu einer Stellungnahme: Was wäre gewesen, wenn sie dir eher und offen und ehrlich gesagt hätte, dass sie sich neu verliebt hatte. Du wusstest ja nicht, was sich da für ein Drama im Verborgenen abspielt. Und du gehst zumindest heute davon aus, dass du völlig anders reagiert hättest
Was es ändern würde, wenn sie es mir früher gesagt hätte, hängt davon ab, ob sie mir in dem Szenario auch bereits eine - IHRE - (Trennungs)Entscheidung mitgeteilt oder nur ihre emotionale Verwirrung und die Aussicht auf einen Rettungsversuch mitgeteilt hätte. Dadurch dass sie alles nur mit sich selbst ausgetragen und mich nicht offen mit einbezogen hat, konnte ich gar nicht zu einer Besserung der Situation beitragen. Und das ist, was mich zu tief enttäuscht. Sie lässt mich munter weiter ihr Leben unerträglich machen und haut dann einfach ab<<
Okay, darauf gehe ich gerne noch mal im Detail ein. Aber wir arbeiten hier nur mit Thesen, weil die WAHRHEIT erstens nicht herauszufinden ist, und es sie zweitens meiner Erfahrung nach als "objektive Wahrheit" auch gar nicht gibt. Und wir arbeiten nur im "Hätte-Modus", der nicht bei der Lösung hilft, aber vielleicht ein wenig beim Verstehen.
These1: Sie hätte dir die Fremdverliebtheit mitgeteilt, bevor eine Entscheidung zur Trennung bei ihr gefallen war.Das Drama spielt sich in diesem Fall nicht mehr nur in ihrem Kopf (und evtl. im Austausch mit NEXT) ab, sondern es findet öffentlich statt. Das heißt, alle Beteiligten reden ohne Geheimnisse über die bevorstehende Trennung mit der schwachen Option, sie noch zu verhindern.
Dabei ist EX die Achse, der Mittelpunkt dieses Dreiecks. Denn mit NEXT wirst du kaum reden (wollen oder können). Im Idealfall schickt sie NEXT auf eine Parkposition und teilt ihm mit, dass sie mit dir erst offen reden will. Und ebenfalls im Idealfall findet das alles statt, bevor das KLICK in ihrem Kopf gefallen ist. Meinst du das?
Solche Situationen gibt es tatsächlich. Solche Gespräche gibt es und sie sind außerordentlich anstrengend. Bei dir würde die Erkenntnis explodieren, tatsächlich Ursache für ihre Neuverliebtheit zu sein. Du würdest Stein und Bein schwören, das Sparverhalten sofort einzufrieren. Du würdest wie mit Engelszungen reden und versprechen sie glücklich zu machen. Und sie sitzt dir gegenüber und ist plötzlich in der schrecklichen Rolle des RICHTERS, der den Daumen hoch oder runter nimmt. Mit einer solchen Situation ist eigentlich jeder überfordert. Und ein Mensch, der gerade die Hormonschwemme einer Neuverliebtheit und die Aussicht auf ein ruhiges Leben mit einem neuen Partner vor sich hat, ist erst Recht überfordert mit der Richterstellung.
Oft kommt es dann tatsächlich zu einem Versuch. Und die Tage und Wochen des Versuchsstadiums können zur Hölle werden. Denn sie kann sich nicht mehr mit dem NEXT treffen. Er fehlt ihr an allen Ecken, denn er hat ja die Hormonschwemme ausgelöst. Sie ist also in der absoluten Ausnahmesituation, die neue Verliebtheit beenden zu wollen (was eh ein Kraftakt ist, der viele an die Grenzen bringt), dazu noch unter deinen Argusaugen. Sie versucht im Zusammenleben mit dir so etwas wie Normalität herzustellen, was immer misslingt. Denn keiner von euch ist in dieser Situation normal. Du achtest auf jedes Signal, ob sie nun glücklich ist oder nicht. Und sie beginnt dir mehr und mehr vorzuspielen, dass sie es ist, weil es dich beruhigt. Und nach einer kurzen Zeit der tatsächlichen Offenheit entfernen sich die beiden also EX und du wieder voneinander, weil sie dir nun mal nicht sagen kann, wie sie unter der Trennung vom NEXT leidet und weil du einfach nicht damit umgehen kannst, dass es in ihrem Kopf nun offen sichtbar einen anderen Mann gibt.
Die Situation, die sich in dieser These ergibt, ist alles andere als erquicklich. Sie ist nur in den ganz wenigen Fällen akzeptabel und zu verarbeiten, in denen es tatsächlich zu einem NEUANFANG mit Pauken und Trompeten gibt. Wenn wirklich beide noch so viel füreinander empfinden, dass sie miteinander in eine professionelle Begleitung gehen, um alles Unsichtbare sichtbar zu machen und miteinander nach Lösungen für die Zukunft zu suchen, dann KANN es gelingen. Die Quote ist gering, aber ich verstehe gut, dass du das gern so erlebt hättest. In aller Regel ist aber derjenige, der in der Rolle deiner EX steckt, damit heillos überfordert.
These2. Sie teilt dir ihre Trennungsentscheidung mit, lässt dir aber die Möglichkeit, zu beweisen, dass du dich ändern willst.
Das ist die Hölle. Und sei bitte froh, dass es dazu nicht gekommen ist. Du würdest dich verausgaben, irgendwie auf eine Änderung hoffen und sie sucht nur nach Möglichkeiten, das zu beenden. Denn du weißt ja vom NEXT, kontrollierst sie und lässt keinen Kontakt zu. Beide geben resigniert auf. Das solltest du dir nicht wünschen.
Zitat:>>anstatt suf den Tisch zu hauen und mir offen zu sagn:. Ich bin jetzt an dem Punkt, an dem mir deine Eskapaden so auf die Nerven gehen, dass ich ernsthaft überlege, ob das mit uns noch Sinn macht.
DAS wäre eine faire Chance für mich gewesen, es nicht zu kapieren und endgültig zu verkacken oder aufzuwachen.<<
Richtig. Aber diese dritte These findet vor jeglichem Fremdverlieben statt. Wer das sagt, gibt der Beziehung eine echte Chance. Allerdings gehört dazu auch, dass du das dann sehr ernst nimmst. Und ich unterstelle jetzt mal, dass sie durchaus öfter ernsthaft gewarnt hat, so weiter zu machen. Ihr habt nach deiner Schilderung durchaus darüber gestritten, ob das richtig ist, was du da an den Tag legst. Und sie wird dann auch deutlich gesagt haben, dass sie das alles sehr anstrengt. Fehlte also nur noch der Satz: "Wenn du weiter machst, denke ich ernsthaft über Trennung nach?" Ist es das, was du ihr vorwirfst und was dein Verhalten geändert hätte? War es nicht auch so für dich möglich herauszufinden, dass es ihr schlecht damit ging, wie sie sparen sollte? Ich weiß es nicht und ich will es auch nicht beurteilen. Ich lade dich aber ein, darüber noch mal nachzudenken, wenn du das willst. Aber bitte nicht zu lange, denn es hilft dir nur wenig beim Verstehen, ist aber eine ziemliche Quälerei.
An diesem Punkt gehe ich wieder aus allen HÄTTE-Szenarien raus und in die Metaebene. Paare gehen oft viel zu sicher davon aus, dass sie nun mal zusammen sind, zusammen gehören und zusammen bleiben werden. Dabei verliert dann eben einer die Sensibilität dafür, wann der andere soooo leidet, dass er sich innerlich abwendet. Wer nicht mehr ändern kann und oft streiten muss, wendet sich also innerlich ab. Und wer sich innerlich abwendet, wird automatisch offener für äußerliche Zuwendung durch einen anderen Menschen. Man möchte über seine Sorgen reden, man möchte verstanden werden. Und dann findet man unerwartet jemanden, der das tut. Und dann macht es plötzlich das erste Mal Klick, und man findet diesen Menschen, der versteht und Verständnis hat, sympathisch. Und sobald man ihm das sagt, geht das Drama los und alle Hormone gehen auf Tour.
Entscheidend ist also, dass man sich nie zu sicher sein soll. Die lebenslange Beziehung ist alles andere als selbstverständlich. Man gehört einander nicht, sondern man entscheidet sich immer wieder füreinander. Bestenfalls ein Leben lang. Man soll vertrauen, man muss sogar vertrauen. Man sollte offen über seine Sorgen und auch seinen Ärger mit dem Partner reden. Aber das geht nur dann, wenn der das auch zulässt, zuhört und Veränderungen akzeptiert. Ich könnte mir vorstellen - und dabei bin ich sehr vorsichtig -dass für dich in der heißen Phase des Hausprojekts dieser Punkt GANZ VORNE stand. Du hast nicht mehr genügend Aufmerksamkeit für die Beziehung frei gehabt. Du hast nicht gespürt, dass deine Partnerin gedanklich und emotional irgendwann aufgegeben hat und sich abwendete. Sie hat versucht, sich dir mit aller Kraft wieder zuzuwenden, um dich "gesund zu lieben", aber da war es wohl schon zu spät.
@woodstock
Zitat:>> aber niemals lasse ich mich auf so einen sch.... ein, da stand das Haus, Bilder von Familie, alles egal, Rock fällt vor irgendeinem Lauch, nein, das ist nicht zu rechtfertigen, alles bla bla bla ist gequirrlte sch.....<<
Meine Gedanken werden relativ selten als gequirlte Sch bezeichnet. Aber wenn du dir so sicher bist, dich niemals auf so etwas einzulassen, dann gratuliere ich dir dazu. Und deiner Partnerin auch. Solche Menschen, die das NIEMALS tun und tun würden, werden selten.
Und es war nie mein Anliegen, das Verhalten der EX zu rechtfertigen. Ich suche nur nach Erklärungen. Und MaDaMu anscheinend auch.