whynot60
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Ja, ich kann Deine Situation sehr gut verstehen, und ich weiß auch, daß es nicht eben die einfachste ist. Wenn man sich zwar physisch trennt, aber nicht seelisch, dann ist es nicht viel anders, als wäre der andere lediglich im Urlaub und man wartet nur auf seine Heimkehr. Das heißt, man hat dann naturgemäß nicht einmal das Bedürfnis nach einer anderen Beziehung, obwohl oft ja gemeint und geraten wird: neue Liebe, neues Glück. Nur ist das eben nicht so einfach wie es sich anhört. Weil der Platz im Herzen ja quasi "besetzt" ist.
Du sagst ja auch selber, daß Du gar nicht möchtest, daß er "geht". Somit wären auch irgendwelche symbolischen Handlungen sinnlos. Denn dafür ist natürlich die Voraussetzung, daß man sich tatsächlich lösen will vom anderen.
Wir Menschen neigen ja sehr dazu, alles rationalisieren zu wollen, und tischen uns dann selber irgendwelche Erklärungen auf oder bekommen sie aufgetischt. Von Idealisierungen über emotionale Abhängigkeit bis zu Hörigkeit. Aber ich glaube, so einfach sind die Dinge nicht, wie sie scheinen sollen. Manchmal liegt ein Geheimnis in der Liebe, das sich verstandesmäßig nicht fassen läßt, und dann helfen auch irgendwelche halbseidenen Interpretationen nichts.
Das Einzige, was wirklich bleibt, ist, die Zeit das Ihre tun zu lassen und auf das Verklingen der Sehnsucht zu hoffen. Viel mehr kann man leider nicht tun.
Es ist ja so, als wäre man an einem wunderschönen Ort gewesen, zu dem einem der Zugang verschlossen ist. Man kann es nur hinnehmen, aber es würde nichts bringen, sich den Ort häßlichreden zu wollen oder sich damit zu trösten, daß es auch noch andere schöne Orte gibt. Sondern man kann nur warten, bis die Sehnsucht danach wieder verklungen ist und man von sich aus wieder die Augen hat, auch die Schönheiten anderer Ort wahrzunehmen.
Es klingt auch durchaus nicht dämlich, was Du sagst - wie könnte das, was man fühlt, dämlich sein?
Vielleicht kennst Du ja die Gedichtzeile: "Es ist Unsinn, sagt die Vernunft / es ist, was es ist, sagt die Liebe" ...
Liebe Grüße