PalmenAusPlasti.
Gast
nach sehr viel stillem Mitlesen möchte ich auch nun meine Geschichte loswerden.
Kurz zu mir: Ich bin 25 Jahre alt, männlich und ich habe rausgefunden, dass meine inzwischen Ex-Freundin (7 1/2 Jahre lange Beziehung) mich betrogen hat.
Zur Geschichte: Ich habe über das Wochenende einen alten Schulfreund in einer größeren deutschen Stadt besucht (Anfahrtszeit für mich waren 3 Stunden). Nachdem ich am Sonntag wieder nachhause gefahren bin, war sonst alles wie immer. Sie hat mich begrüßt, wir haben uns geküsst, bis in mir ein Gefühl hochgekommen ist, was sonst noch nie dagewesen ist. Ziemlich schwer zu beschreiben, was ich genau gefühlt habe, aber ich wurde sofort misstrauisch.
Dementsprechend wollte ich mich beruhigen, indem ich Sie gefragt habe, ob ich einen kurzen Blick auf Ihr Smartphone werfen darf (normalerweise mache ich sowas nicht - aber Sie hat auch oft mein Handy verwendet und mich stört sowas eigentlich nicht, dementsprechend bin ich auch davon ausgegangen, dass ich auch ein kurzen Blick auf Ihr Handy werfen kann, um mich zu beruhigen). Und dann fing die ganze Geschichte an. Sie hat sich zuerst vehement dagegen gewehrt, dass ich Ihr Handy benutzen darf, was mich natürlich nur noch interessierter gemacht hat und mein anfängliches Gefühl leider bestätigt hat. Um es kurz zu machen: Ein Arbeitskollege war über das Wochenende bei Ihr - anfänglich haben Sie sich nur gek. danach haben Sie doch miteinander geschl.
Ich habe danach relativ "gelassen" meine Sachen gepackt und bin zu meinen Eltern gefahren. Dies ist inzwischen 25 Tage her. Die erste Woche war schlimm. Ich konnte die ersten beiden Nächte nicht schlafen, geschweige denn etwas essen. Wir haben uns 5 Tage später noch einmal getroffen, um im Endeffekt darüber zu entscheiden, wer von uns die gemeinsame Wohnung behalten möchte (ich) und wer, welche Habseligkeiten mitnimmt.
Außer in den ersten beiden Tagen, ist es für mich gar kein Thema gewesen, ob ich Ihr noch einmal eine zweite Chance geben möchte. Für mich ist Treue in einer Beziehung eine Exklusivität zwischen beiden Beteiligten und der Vertrauensmissbrauch wäre für mich zu groß, um dort noch etwas aufzubauen. Gleichzeitig habe ich inzwischen auch mitbekommen, dass es Ihr auch gut mit der ganzen Sache geht und Sie scheinbar mit dem Arbeitskollegen sowas wie eine Beziehung führt.
So - nun zu meinem eigentlichem Problem: Wieso geht es mir verhältnismäßig so gut mit der ganzen Sache? Natürlich war die erste Woche schlimm, aber inzwischen kann ich wieder essen. Ich verspüre auch keinen großen Hass gegenüber Ihr handeln, ich bin maximal enttäuscht davon, da ich in Ihr geglaubt habe, in Ihr einen Menschen gefunden zu haben, der bei Problemen ein Teamplayer ist - ich war das jedenfalls für Sie immer bspw. als bei Ihr ein Lebertumor diagnostiziert worden ist und als ich einmal gemerkt habe, dass ich Sie nicht mehr so attraktiv finde (nach circa 3 Jahren Beziehung und +15 Kilo auf Ihrer Seite), habe ich das angesprochen und wir sind gemeinsam zum Sport gegangen.
Natürlich sehe ich auch ein, dass beim Fremdgehen immer beide Seiten zu mindestens eine gewisse Teilschuld haben. Ich habe selber gemerkt, dass ich in letzter Zeit viel Energie in meine Arbeit gesteckt habe (im Hintergedanken immer für eine glückliche gemeinsame Zukunft und so habe ich Ihr das auch kommuniziert) und dementsprechend Sie zu kurz kam. Aber spricht man sowas nicht an? Zeigt man seine Zweifel dann nicht seinem Gegenüber? Wir haben uns vor zwei Monaten noch ein gemeinsames neues Auto gekauft und Sie hat immer wieder betont, dass Sie glaubt, wir bleiben ein Leben lang zusammen. Für mich gab es leider keine großen Anhaltspunkte, dass es so sehr auf der Kippe steht.
Aber wieso wurmt mich diese ganze Geschichte nicht viel mehr? Natürlich kommen immer wieder die Gedanken auf:" Du wirst nie wieder jemanden finden" oder "sie war die Liebe deines Lebens" etc. pp. Aber sowas ist scheinbar normal bei Trennungen und auch wenn sich das ganze Bewahrheiten sollte, dann ist es halt so. Dennoch bringt es doch nichts, sich nicht "vollkommen" zu fühlen, "nur" weil jemand, der uns nicht ansatzweise verdient hat uns verlassen hat. Die meiste Zeit unseres Lebens werden wir sowieso mit uns verbringen, deswegen ist es unglaublich wichtig anzufangen, denjenigen Menschen zu lieben, der wirklich wichtig ist in unserem Leben: wir selbst.
Ich möchte jetzt erst mal mein Leben in Griff kriegen. Ich habe sehr viel Energie in diese Beziehung gesteckt und merke jeden Tag, was für ein jämmerliches Etwas ich geworden bin im Vergleich zu dem lustigen, sportlichen und spontanen jungen Typen, der ich am Anfang der Beziehung war. Im Gegensatz dazu, war sie das kleine, schüchterne und dicke Mädchen, was heute, auch mit meiner Hilfe eine starke, sportliche und auch selbstbewusste junge Frau mit Perspektive geworden ist.
Als ich mir das vor Augen geführt habe, kann ich Sie teilweise gut nachvollziehen; wieso Sie mich nicht mehr geliebt hat und sowas getan hat. Ich habe auch aufgehört mich zu lieben. Dennoch bin ich enttäuscht. Im Laufe der Beziehung habe ich mich mehrmals (3x insgesamt) in eine andere "verguckt". Ich denke sowas ist bei längeren Beziehung völlig normal und menschlich. Nichtsdestotrotz habe ich immer das "große Ganze" gesehen und wollte für eine Affäre nicht meine Beziehungsleben und die große Verbundenheit mit Ihr riskieren. Sie war scheinbar nicht dieser Typ von Mensch.
Denkt Ihr, mir geht es wirklich so gut? Ich habe inzwischen Angst, dass ich das Ganze zu sehr in mich reinfresse und nur so tue (mich quasi selbst betrüge), dass es mir so gut geht. Hatte jemand von euch schon ähnliche Situationen? Wie seht ihr die ganze Sache an sich?
Ich freue mich auf eure Antworten
Viele Grüße
PaP
