St_Jappi
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Ich meine etwas viel Alltäglicheres.
Warum ruft eigentlich kaum noch jemand einfach so an?
Ich selbst greife durchaus zum Telefon. Ich rufe verschiedene Menschen an, frage, wie es ihnen geht, unterhalte mich mit ihnen. Manche Gespräche sind nett, manche sogar richtig schön. Aber wenn ich dann einmal abwarte, passiert oft erstaunlich wenig.
Kein Anruf.
Kein: „Mensch, lange nichts gehört, wie geht es dir eigentlich?“ Und irgendwann kommt dann automatisch diese Frage:Wenn ich mich nicht melde – würde sich überhaupt jemand melden?
Das soll jetzt kein Vorwurf sein. Vielleicht geht es den anderen genauso. Vielleicht sitzen auch sie zu Hause und denken: „Warum ruft mich eigentlich niemand an?“ Aber irgendwo ist auf dem Weg etwas verloren gegangen.
Früher war es selbstverständlich, mal bei jemandem anzurufen, einfach weil man gerade an ihn gedacht hat. Man brauchte keinen besonderen Anlass. Kein Geburtstag. Kein Problem. Keine wichtige Nachricht.
Einfach: „Hallo, ich wollte mal hören, wie es dir geht.“
Heute haben wir WhatsApp, Facebook, Messenger und weiß Gott wie viele Möglichkeiten, miteinander verbunden zu sein. Und trotzdem habe ich manchmal das Gefühl, dass wir uns weniger nahe sind als früher.
Ich habe kürzlich mit einem Kollegen darüber gesprochen. Auch er sagte, dass sich bei ihm kaum jemand von allein meldet. Er hat nur das Glück, nicht allein zu sein. Zu Hause ist jemand. Da ist Gespräch, Nähe, Alltag.
Vielleicht macht genau das den Unterschied. Denn wenn man allein lebt und sich das Telefon nicht meldet, dann ist diese Stille manchmal schon ziemlich laut.
Und nein – ich glaube nicht, dass die Menschen alle plötzlich herzlos geworden sind.
Vielleicht sind wir einfach bequemer geworden. Vielleicht denken wir: „Der wird sich schon melden.“
Vielleicht sind wir alle so beschäftigt mit unserem eigenen Leben, dass wir vergessen, dass auf der anderen Seite jemand sitzen könnte, der sich über einen einzigen Anruf freuen würde. Aber vielleicht ist das auch genau das Verrückte:
Viele Menschen fühlen sich einsam und warten darauf, dass sich jemand meldet – während gleichzeitig niemand den ersten Schritt macht. Ich weiß es nicht.
Aber ich frage mich wirklich, ob wir seit Corona noch ein Stück weiter auseinandergerückt sind. Nicht unbedingt räumlich.
Sondern menschlich.

(Wenn ich auch nicht anrufe. Aber wenn wir es "Kontaktaufnahme" nennen können, bin ich d'accord und setze mich ins Boot.)