KoisPhoenix
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um das Thema ein wenig klarer zu gestalten, hab ich einen Zusatz in Klammern gesetzt.
Allerdings wird es der Gesamtsituation noch nicht ansatzweise gerecht. Ich war mir auch unsicher, welcher Kategorie ich das Thema unterordnen sollte. Da ich mit Niemandem so wirklich darüber reden kann, erhoffe ich mir hier etwas Unterstützung.
Wie eingangs geschrieben handelt es sich bei uns beiden um Frauen. Während ich bereits Erfahrungen hatte und offen BiS.uell lebe, ist es für sie Neuland. So wie für sie habe ich auch tatsächlich nie zuvor empfunden und dachte, solch tiefe Gefühle werden einem in Büchern und Filmen nur vorgegaukelt.
Begonnen hat es tatsächlich wie in ner Daily Soap. Ich klingelte, sie öffnete die Tür, wir sahen uns das erste Mal aber die Funken sprühten oder wie sie mal treffend sagte: "Wir worden von einem Gewitter überrollt".
Recht schnell war klar, dass wir uns auf magische Weise zueinander hingezogen fühlten. Es fing damit an, dass sie mich kurz vor Weihnachten fragte ob sie mich umarmen dürfe.
Aus den Umarmungen wurde nach und nach mehr, was ihr schwer fiel, sich einzugestehen. Doch es kamen Sätze wie : "Ich muss Dich jetzt rausschmeißen, weil ich nicht weiß, wie lange ich es noch kann!" - "Ich fühle was, das ist das Problem!" - "Ich träume von einem gemeinsamen Leben!"
Und jetzt die Gründe, die all dies nahezu unmöglich machen:
-Ich bin Pflegefachkraft und wir haben uns kennengelernt, weil ich zu ihr kam um ihren schwer dementen Mann zu pflegen (mobiler Pflegedienst)
-Sie sind seit 60 Jahren verheiratet und sie schwor ihm, ihm bis zum Ende beizustehen.
-Ihre Kinder sind älter als ich (ich bin 41) und sie hat bereits erwachsene Enkelkinder.
Als wir uns kennengelernt haben, war ich noch in einer Beziehung zu einem Mann, welche ich aber beendet habe, da ich ihn nicht mehr liebte und ihn nicht hintergehen wollte.
Wir trafen uns regelmäßig, wenn ihr Mann in der Tagespflege war oder auch abends bei ihr, wenn er schlief. Klar fühlten wir uns ihm gegenüber nicht gut aber ihre Zuneigung zu ihm blieb bestehen, er erkennt sie häufig nicht mehr. Und wenn ich ihn pflege, bin ich ganz professionell und empathisch.
Irgendwann bekam sie Besuch von alten Freunden, einem schw.ulen Paar, welchem sie von uns erzählte. Sie sagten ihr wohl, ich sei eine Art Ablenkung und Zerstreuung für sie, was sie vehement verneinte.
Nun bin ich auch kein einfacher Mensch und diese rar gesäten Treffen und Heimlichtuereien sind nicht immer leicht zu ertragen. Wenn dann kurzfristige Absagen kamen oder auch einfach gar nichts und ich umsonst in der Stadt wartete, da sie von ihrer Tochter überrascht wurde, kamen von mir schon mal Vorwürfe, was sie eher von mir entfernte. Es gab Streit und viel Tränen.
Aufgrund der verfahrenen Situation und der Tatsache, dass sie aufgrund ihrer Gefühle für mich sehr verzweifelt war, habe ich mich kürzlich von ihr distanziert und bin andere Touren gefahren, so dass wir uns nicht sehen mussten. Sie schickte mir jeden Abend eine SMS mit Grüßen und einem <3 Symbol (ich hab ihr mal erklärt, was es bedeutet, nachdem sie nicht verstand, was ich ihr immer schickte
Nun sahen wir uns letzte Woche wieder und ihre Küsse waren intensiver und fordernder als je zuvor. Allerdings denke ich immer häufiger darüber nach, ob ich nicht doch nur eine Ablenkung von ihrem Alltag im Käfig der Demenz bin.
Was würdet Ihr denken (sofern Ihr mich nicht ohnehin für komplett geisteskrank haltet)