Zitat von Re_ne: Was halt im Moment so schwer fällt: ihr nicht zu schreiben, nicht zu wissen, was sie macht, wie es ihr geht... aber ich halte es durch ihr nicht zu schreiben... ist das der Anfang dieses berühmten loslassens, von dem ich nicht weiß, wie das geht?
Ach weißt Du, ich glaube, daß wir alle eigentlich wissen, wie loslassen geht, denn jeder von uns muß es immer wieder tun. Von dem Moment an, an dem wir die Hand von Mama oder Papa loslassen, weil wir jetzt allein gehen können, lassen wir Dinge los. Wir lassen Lehrer los und Freundschaften, wir lassen kaputte dinge los und auch solche, die noch ganz sind, wir diese aber nie benutzen. Wir lassen Lieblingsgetränke oder Essen der Kindheit los und oft auch Erinnerungen, oder weißt Du wirklich noch jeden einzelnen Namen, jedes einzelnen Kuscheltiers, was Du je hattest?
Du musst nicht wissen, wie loslassen geht, Du weißt es bereits und wenn es so weit ist, dann passiert es.
Nicht zu schreiben ist wichtig und Du machst das super, aber ich kann verstehen, daß es Dir schwerfällt.
Was mir in solchen Situationen oft hilft, ist, kurz durchatmen und mich dann folgendes zu fragen, wenn ich das jetzt täte, was genau daran würde machen, daß es mir irgendwie besser ging oder mir die Situation leichter fiele?
Würde mich zu schreiben und dann eventuell keine Antwort zu bekommen, nicht nur noch mehr runter ziehen? Würde zu schreiben und eine Antwort zu bekommen, die mir nicht gefällt oder schlimmer die mich fürchterlich traurig oder so gar wütend macht, nicht alles noch viel schlimmer machen? Oder wi lange würde eine Antwort, die mich zunächst beruhigt oder mir ein besseres Gefühl verschafft, denn anhalten? Und dann, müßte ich dann wieder von vorn anfangen?
Trennungen sind super schwer und unglaublich traurig und es gibt einfach einen Punkt, an dem ist alles (für den Moment) gesagt, denn wenn zehn oder hundert Gespräche nicht geholfen haben, warum sollte es dann das 11 oder Hundertzehnte in der gleichen Situation ohne daß sich wirklich etwas geändert hat?
Und natürlich will das Herz das erst einmal nicht wahrhaben und schickt den Kopf ins Karussell und ständig fallen einem neue Kleinigkeiten ein, von denen man denkt, daß man sie unbedingt noch sagen muss oder Fragen, die man ganz unbedingt stellen muss. Denn wenn diese beantwortet würden, dann, dann vielleicht würde es weniger weh tun oder man würde es auf einmal verstehen. Das sind alles Nebelkerzen.
Erinnere Dich daran, wie es war lesen zu lernen, das hast Du nicht einfach mal so gekonnt. Sondern erst hast Du die Buchstaben und dann die Silben gelernt und Buchstabe für Buchstabe zu Silben zusammengezogen und aus Silben laut Worte geformt und aus Worten wurden Sätze. Erst ein paar und dann an paar mehr und erst dann kam die erste kleine Geschichte. Heute liest Du ständig nebenbei ohne daß Dir bewusst ist, wie mühsam das am Anfang war und das es auch ganz schön gedauert hat, bis Du es konntest.
Und so ist das eben auch jetzt. Du lernst mit der neuen Situation klarzukommen, Schritt für Schritt und wenn Du so weit bist, dann wirst du loslassen, so wie Du bisher auch all die anderen Dinge losgelassen hast.