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Was denkst du gerade?

Inexplicitus
@PapaEmeritus Wut empfinden viele als unangenehm. Dabei liefert sie uns wertvolle Signale. Wer seine Wut unterdrückt, hat wahrscheinlich im Laufe seiner Sozialisation keine guten Coping-Strategien an die Hand bekommen. Das Problem: Wenn wir lange in unangenehmen Gefühlen feststecken, überlastet unser Nervensystem.

x 4 #23926


Heloise
Zitat von Worrior:
Eben Wut ist eine Emotion und somit nichts Schlechtes. Maßgeblich ist wie man mit ihr umgeht, gibt man sich ihr hin, hat man sich unter Kontrolle? ...

Der Ausgangspunkt war übrigens Wut auf die Mutter, die schon jahrzehntelang keinen Einfluss mehr auf das Leben von Betroffenen hat, bzw. längst tot ist und welche Vorteile dann diese Wut noch hat.

x 3 #23927


A


Was denkst du gerade?

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Inexplicitus
Zitat von Heloise:
welche Vorteile dann diese Wut noch hat.

Nicht unbedingt Vorteile, vielmehr ein Anzeichen einer permanente Anspannung. Das ist, als würde man einen Ball lange mit aller Kraft unter Wasser drücken: Irgendwann werden die Arme müde und der Ball prallt mit voller Wucht zurück. So verhält es sich auch mit Emotionen. Wut ist eine reine Schutzfunktion und dient der Kompensation.

x 2 #23928


PapaEmeritus
@Inexplicitus

In den Phasen krasser Wut hab ich viel Sport gemacht, bin einfach mal losgelaufen oder sowas. Das war immer sowas wie ein Ventil. Jeden Tag 5 Kilometer, irgendwann wurde es jeden zweiten Tag, jeden dritten Tag usw… . Außerdem kommen die Emotionen in Wellen. Man hat ja nicht ununterbrochen Wut. Und ich hatte schlimm Wut, das hatte ich in der Form noch nie erlebt. Jetzt überkommt es mich nur noch ganz selten. Ist aber auch schon ne Weile her.

x 3 #23929


Worrior
Zitat von Heloise:
Der Ausgangspunkt war übrigens Wut auf die Mutter, die schon jahrzehntelang keinen Einfluss mehr auf das Leben von Betroffenen hat, bzw. längst tot ...

Das wäre dann tatsächlich ein anderer Sachverhalt.
Wäre dann lediglich eine Abgabe der Eigenverantwortung.

x 3 #23930


S
Wenn ich wütend und empört bin, dann rasiere ich die Leute ab. Und sogar mein Exfreund hat danach den Satz, den er auf der Zunge hatte, nicht mehr ausgesprochen Zwinkerndes Gesicht und ehrlich, das tat richtig gut. Ich habe nicht geschrien oder so etwas, ich war ganz klar und bestimmt und jedes Wort war an der richtigen Stelle und das Stop brauchte ich gar nicht auszusprechen, er hat gespürt, dass das das Ende der Fahnenstange war. Da habe ich tatsächlich mal eine Grenze gesetzt.

x 4 #23931


Clarinetta
Ich empfinde Wut als ein inneres Aufrichten, das es mir möglich macht ins Handeln zu kommen.

Ansonsten wurde schon alles geschrieben.

Und es gibt Dinge, die mich sogar zornig machen.

Was @Heloise meint ist vielleicht, dass ständig mit aufgestauter Wut durchs Leben zu laufen nicht gut ist.Das ist natürlich nicht gesund und kann sogar bös enden.

x 5 #23932


Inexplicitus
Zitat von PapaEmeritus:
@Inexplicitus In den Phasen krasser Wut hab ich viel Sport gemacht, bin einfach mal losgelaufen oder sowas. Das war immer sowas wie ein Ventil. Jeden Tag 5 Kilometer, irgendwann wurde es jeden zweiten Tag, jeden dritten Tag usw… . Außerdem kommen die Emotionen in Wellen. Man hat ja nicht ununterbrochen Wut. Und ich ...

Das war goldrichtig Dein Vorgehen und der Umgang mit dieser impulsiven Energie. Daher ist sie auch sehr schädlich wenn sie sich nach innen richtet. Es ist fatal, dieser nicht Raum zu geben sich zu entfalten. Aber auch ist sie ein massiver Kraftschub, der Schmerz und Angst unterdrücken kann. Gerade Soldaten in Kampfeinsätzen, wissen welche Wirkung Wut entfalten kann. Und Du hast vollkommen recht, sie ist nihct ununterbrochen vorhanden.

x 2 #23933


Clarinetta
Ich denke gerade: ich will Torte! 🍰

x 2 #23934


Error
Wut gehört zu uns, wie auch die vielen anderen Emotionen.
Und Wut ist ein wichtiger Schritt in der Verarbeitung von Trennungsschmerz.

Erst kommt der Schock, man fühlt sich ohnmächtig, ist wie gelähmt.
Dann die Trauerphase - Hoffnungslosigkeit ob des Verlusts, wie kann ich ohne den verlorenen Partner wieder glücklich werden?

Dann baut sich Wut auf, aus meiner Sicht ein großer Schritt in der Verarbeitung. Die Wut hilft uns wieder klarer denken zu können, erzeugt neue Energie und kann viel besser kanalisiert und genutzt werden, als der Schock und die Trauer.

Irgendwann hilft einem, die durch die Wut erzeugte Energie enorm um das "neue" Leben zu akzeptieren und so langsam auch das Positive darin zu erkennen. Das geht schleichend in den Akzeptanzprozess über.

Akzeptanz bedeutet nicht, nicht auch mal wieder traurig zu sein - macht die Trauer aber wesentlich erträglicher und leitet den finalen Schritt der Verarbeitung ein - Gleichgültigkeit.
Dann ist es geschafft 🍀

x 3 #23935


Heloise
Zitat von Inexplicitus:
Nicht unbedingt Vorteile, vielmehr ein Anzeichen einer permanente Anspannung. Das ist, als würde man einen Ball lange mit aller Kraft unter Wasser ...

Dann erkläre mir mal, wenn ich 57 Jahre alt bin und mein Vater, der sehr gemein zu mir als Kind war, ist seit 13 Jahren tot. Und ich verspüre jedesmal wenn ich das Wort „Vater“ höre oder irgendeine Erinnerung kommt, diese Wut wieder neu. Und diese Wut hat ja abgrenzende Funktionen haben wir gehört. Gegenüber wem denn? Abgrenzen gegen einen Toten? Worin liegt der Vorteil gegenüber denen, die 15 Jahren früher schon gesagt haben: Sei es drum, von dem ist keine Reue zu erwarten, ich geb Wut und Hass auf . Um meinetwillen. Dass das meinem Glück nicht im Wege steht.
Und meine ganz persönliche Meinung ist: Wut auf einen Toten zu haben, ist ziemlich infantil und zeugt nicht davon, dass ich die Verantwortung über meine Gedanken und Gefühle übernommen habe.

x 3 #23936


S
Ich denke, dass mir als Kind meine Wut nicht erlaubt wurde. Ich bin heute auch sehr selten wütend. Aber ich merke auch, dass sie mir fehlt, um wehrhaft zu sein. Ich spüre gerade, dass an die Stelle von Wut bei mir Angst tritt. Das werde ich mir noch mal ansehen.

x 3 #23937


Error
Zitat von Heloise:
Dann erkläre mir mal, wenn ich 57 Jahre alt bin und mein Vater, der sehr gemein zu mir als Kind war, ist seit 13 Jahren tot. Und ich verspüre jedesmal wenn ich das Wort „Vater“ höre oder irgendeine Erinnerung kommt, diese Wut wieder neu.

Ich fürchte, es wäre für Dich besser gewesen, Deinen Vater nochmal auf dem Sterbebett zu besuchen. Ihn so daliegen zu sehen, hätte Deine Wut relativiert und Dir geholfen, ihn nicht mehr als das "Monster" zu sehen, welches Du bis dahin in ihm sahst.
Ich wollte ebenfalls nicht ins Hospiz, aber meine Schwester hatte mich dazu überredet - eben genau mit diesen Worten.
Im Nachhinein bin ich ihr dankbar dafür - so sah ich, dass mein Vater auch nur ein Mensch war, kein Monster. Hat allerdings noch einige Jahre gedauert.

Schließ für Dich mit dem Thema ab - was anderes wird die Wut sonst immer weiter in Dir brodeln lassen.

x 1 #23938


Inexplicitus
Zitat von Heloise:
Wut auf einen Toten zu haben, ist ziemlich infantil und zeugt nicht davon, dass ich die Verantwortung über meine Gedanken und Gefühle übernommen habe.

Wut kann man auch auf Gegenstände haben. Der Hammer der statt den Nagel, den Daumen trifft, pfeffert man durch den Raum. Alles was die Wut entfacht kann Ziel dieses Energieausbruches sein. Der Hammer der den Schmerz verursacht, erzeugt Wut, und diese hilft den Schmerz zu ertragen. Verstehst Du was ich mit dieser Anaolgie ausdrücken möchte?

#23939


S
Zitat von Clarinetta:
Ich denke gerade: ich will Torte!

Anstatt die Wut zuzulassen, Torte zu essen, geht natürlich auch Zwinkerndes Gesicht

x 3 #23940


A


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