@Masterslave
Zitat von Masterslave: 'Ich weiß, das ich nichts weis'!
Woher willst du also wissen, zu wissen, wenn du denkst du wüsstest obwohl du nicht weißt.
Zitat von Masterslave: Scheint als sein Sokrates ein selbstverliebtes, arrogantes, überhebliches Männlein gewesen, der gar nichts wusste doch so tat als wisser er dass er nichts weiß, nur um anderen ihr Wissen abzusprechen und abzuwerten.
Ein verdeckter Narzist vielleicht?
Das sind Urteile gegen einen Pappkameraden der Figur "Sokrates", die dann entstehen, wenn man sich da nicht auskennt. Faktum ist, dass die historische Figur Sokrates nur aus Dokumenten seiner Zeitgenossen bekannt ist - negativ etwa in der Komödie "Die Vögel" von Aristophanes, positiv und schillernd in Platons Dialogen, der die Figur implementiert, um seine dialektische Disputationsphilosophie in Gang zu bringen.
Und schon die Übersetzung "Ich weiß, dass ich nichts weis" (Sic.) ist falsch, sie basiert auf einen allerdings verbreiteten Übersetzungsfehler Ciceros - ich Wahrheit sagt Sokrates in Platons "Apologie", dass ihn das Orakel von Delphi deshalb zum Weisesten aller Sterblichen erkoren hätte, weil er weiß, dass er NICHT weiß. Im Prinzip ist das genaus so, wie das Falsifikationsprinzip in der modernen Wissenschaft geht: Eine Hypothese gilt so lange als wahr, wie sie begründet ist und solange keine Experimente oder Gründe sich auftun, die sie widerlegen. Wissen tun wir nur dass, was sich nachweislich als falsch klärt. Bei Sokrates in den Dialogen geht die Methode allerdings viel weiter: Er ergründet alle Arten von nur scheinbar selbstverständlichen voraussetzungsvollen Begriffen, Meinungen, Alltags-Dafür-halten und zeigt, dass wir es da sehr vieles gibt, was einer sorgfältigen dialektischen Prüfung nicht standhält - das aber können wir wissen: Ich weiß, dass ich zumindest das nicht weiß. Diese Sicherheit ist erkennbar, das ist aber nicht, nichts.
Und damit komme ich noch zu
Zitat von Masterslave: Im Zentrum des conclusios steht das Denken für ihn- nicht das Sein. Eine hilflose Erklärung
dem armen Descartes.
Auch ihm ging es nur darum, wie man zu sicheren Erkenntnissen gelangen könnte, wie lässt sich im radikalen Zweifel (lat radix: die Wurzel, also von der Wurzel her) eine sichere Erkenntnis aufbauen. Das hat Descartes in den "Meditationen" und im "Discours de la méthode" auf zwei verschiedenen Wegen versucht - und kommt zu der Erkennntis, dass er sich in allem täuschen könnte, an der Welt, die ein Traum sein könnte, in Gott, in den Menschen, den Dingen, nur nicht daran, dass er jetzt gerade zweifele. Also wenigstens dieser Zweifel sei sicher und die Überlegungen dazu. Nun aber setzt eine Denken immer die Existenz des Denkenden voraus, daher ergo sum.
Daran ist nichts hilflos, sondern es ist ein methodisch konsequenter Versuch, einen Punkt zu bestimmen, von dem aus man dann zu wissenschaftlicher Erkenntnis gelangen könne. Das die weiteren Schritte Descartes dann umstritten sind und auf einen wiederum voraussetzungsvollen Gottesbegriff (Stichwort ontologischer Gottesbeweis) beruhen, würde den Umfang hier sprengen.
Ich will nur zeigen: So einfach ist es nicht mit der Philosophie, Schlagworte oder einzelne Begriffe aus dem
Zusammenhang gehen viel, und Argumente dagegen widerlegen nur etwas, was gar nicht behauptet und begründet wurde.
Aber dagegen hilft leider nur lesen. Viel lesen. Oder sich von Menschen Dinge erklären lassen, die sich wirklich auskennen.