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Was wäre gewesen, wenn ?

St_Jappi

St_Jappi
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Gedanken an ein Leben, das nie stattgefunden hat
Ich bin inzwischen schon ziemlich lange allein. Eigentlich könnte man meinen, dass irgendwann alles verarbeitet ist und die früheren Beziehungen einfach zu einem Kapitel werden, das man zuschlägt und ins Regal stellt.
Bei mir ist das nicht ganz so.
Es gibt zwei Frauen aus meinem früheren Leben, an die ich auch heute noch manchmal denke. Mal ist es die eine, mal die andere. Nicht ständig und auch nicht so, dass ich morgens aufwache und denke: „Ich muss sie zurückhaben.“
So ist es nicht.
Aber manchmal passiert irgendetwas völlig Banales. Ein Gedanke, ein Lied, eine Situation – und plötzlich ist eine von beiden wieder in meinem Kopf.
Und dann beginnt etwas, was wahrscheinlich viele kennen: das Kopfkino.
Wie hätte es laufen können?
Was wäre gewesen, wenn ich mich damals anders verhalten hätte? Wenn ich manches früher verstanden hätte? Wenn ich nicht immer versucht hätte, mich durch das, was ich für die andere tue, irgendwie liebenswert zu machen?
Ich weiß heute, dass ich in Beziehungen Fehler gemacht habe. Gerade in einer meiner Beziehungen habe ich sehr viel gemacht, organisiert, repariert und geholfen – und irgendwo wohl gehofft, mir dadurch ein Stück Zuneigung verdienen zu können.
Heute würde ich vieles anders machen.
Und vielleicht ist genau das der Grund, warum diese Gedanken manchmal wiederkommen.
Denn ich vermisse vielleicht nicht unbedingt die Beziehung, wie sie tatsächlich war.
Manchmal glaube ich, ich denke eher an die Beziehung, wie sie hätte sein können.
Und das ist eigentlich eine ziemlich seltsame Sache.
Man trauert dann nicht nur einem Menschen hinterher, sondern vielleicht auch einem gemeinsamen Leben, das es nie gegeben hat. Einer Zukunft, die nur im eigenen Kopf existiert hat.
Und genau da frage ich mich:
Kann man etwas vermissen, das es eigentlich nie gab?
Kennt ihr das auch, dass ihr Jahre später noch an einen Menschen denkt – aber dabei vielleicht weniger den Menschen vermisst als die Vorstellung davon, was aus euch hätte werden können?

x 2 #1


E
Hm das ist wahrscheinlich wirklich das Gefühl was du vermisst? Gerade wenn man vielleicht gerade Niemanden hat, also keine Beziehung, dann fragt man sich was wäre wenn und flüchtet sich in Kopfkino.

Letzendlich hast du aber selbst erkannt das es im Prinzip nicht um die beiden Personen geht, sondern man vermisst vielleicht das da Jemand an seiner Seite ist mit dem man sein Leben teilt.

Ich hatte das auch Phasenweise einmal, man schwelgt in alten Erinnerungen und meistens erinnert man sich nur noch an das was Positiv war. Das negative in Beziehungen vergisst man oft mit der Zeit, habe ich festgestellt.

x 1 #2


A


Was wäre gewesen, wenn ?

x 3


Liv225
Ich glaube: ja, kann man.

Das Leben führt uns auf einem bestimmten Weg da durch.
Manchmal hätte man einen anderen Weg einschlagen können.
Dann sehe das Leben jetzt anders aus oder wieder einen anderen. Und wieder anders.

Hätte ich doch den Studienfreund geheiratet…
Hätte Ex sich doch nicht getrennt…
Wäre die Fernbeziehung einfach näher dran gewesen…

Lauter verschiedene Möglichkeiten…
Manchmal denke ich drüber nach.

Nur - Leben ist dennoch JETZT.
Man muss das Leben leben, in dem man drin steckt.

x 1 #3


St_Jappi
@Efeu0411
Ja, ich glaube, da ist viel Wahres dran. Gerade der Gedanke, dass man vielleicht nicht unbedingt diese beiden Personen vermisst, sondern das Gefühl, jemanden an seiner Seite zu haben.
Wobei ich bei mir trotzdem glaube, dass es ein bisschen von beidem ist. Manchmal denke ich tatsächlich an ganz bestimmte Situationen oder Eigenschaften der jeweiligen Person. Aber wahrscheinlich vermischt sich das dann schnell mit dem Kopfkino darüber, wie es hätte weitergehen können.
Und mit dem Vergessen der negativen Dinge hast du vermutlich auch recht. 😄 Die waren damals schließlich der Grund, warum es irgendwann nicht mehr funktioniert hat – aber Jahre später bleiben im Kopf plötzlich die schönen Urlaube, Gespräche und besonderen Momente hängen.
Vielleicht ist das Gehirn da ein bisschen gemein: Es zeigt einem im Rückblick manchmal nur die schönsten Szenen und lässt den Rest im Archiv verschwinden. 😉
Aber genau deshalb finde ich diese Frage inzwischen so spannend: Vermisst man wirklich den Menschen – oder vermisst man manchmal eher die schöne Version der gemeinsamen Vergangenheit, die im eigenen Kopf übrig geblieben ist?

#4


Apex77
Huhu, ja das kenne ich auch. Was wäre gewesen, wenn ...

ganz lange war wegen meiner ersten großen Liebe sehr traurig. Er hatte es beendet- für mich aus dem Nichts.

Nach vielen Jahren kam der Gedanke "wenn er so perfekt gewesen wäre, wie Du immer denkst, dann wäre er noch da". Das hat geholfen

Ein passendes Lied: 🤗




Schönen Abend

x 1 #5


Hola15
Ich kenne das nicht bzgl (Ex) Partnern, zumindest nicht ansatzweise wehmütig . Wenn, eher nach dem Motto: Was wäre gewesen, wenn ich mich noch weiter umgeschaut hätte.

Der einzige bei dem ich hin und wieder- also vielleicht drei mal in zwanzig Jahren dachte, der wäre der einzige Ex der evtl. noch heute interessant wäre, wurde dann mein Forengrund 🙈😂

DAS hätte ich mir wirklich sparen können.

Ansonsten gibt es hin und wieder - aber mehr spielerisch - die Frage was wäre gewesen wenn… Berufswahl, Investitionsentscheidungen, Wohnort,…

Aber kürzlich kramte ich aufgrund eines anderen threats in meinem Gedächtnis und da gab es eine Situation, die das Potential (wie vermutlich tausende) hatte, die weitere Richtung von ihm und mir vorzugeben.
War irgendwie crazy damals und dachte ich amüsiert daran zurück.

x 1 #6


FoolishHeart
Zitat von Hola15:
Wenn, eher nach dem Motto: Was wäre gewesen, wenn ich mich noch weiter umgeschaut hätte.

🎯

#7


Winza
Zitat von St_Jappi:
Kann man etwas vermissen, das es eigentlich nie gab?

Schön, dass du Thema gestartet hast.

Ich hatte recht lange mit dem obigen Gedanken zu tun.
Bis ich für mich gemerkt habe, dass ich die Idee davon, wie die Beziehung hatte sein können vermisse.
Dies beruhte auf Versprechen des Gegenübers wie es sein würde.
An sowas kann man sich leider gewöhnen.
Es dauerte einige Zeit bis ich das im Gehirn ummodeln konnte.

x 1 #8


O
Das Gefühl habe ich momentan auch gerade sehr stark und komme kaum davon los, gerade weil man eben nicht weiß, wie es gewesen wäre...ich hoffe mein Kopf kommt da bald raus

x 1 #9


Clumsy
Moin @St_Jappi

Irgendwie mag ich die Gedanken, die Du hier teilst. Daumen hoch

Zitat von St_Jappi:
Kennt ihr das auch, dass ihr Jahre später noch an einen Menschen denkt – aber dabei vielleicht weniger den Menschen vermisst als die Vorstellung davon, was aus euch hätte werden können?


Absolut.

Ich würde das für mich aber etwas anders aufdröseln: Ich vermisse nicht unbedingt den Menschen (wobei - einen Teil vielleicht doch), sondern eher die Emotionalität, die er in mir ausgelöst hat. Die Verbindung, die ich zu diesem Menschen hatte.

Man lernt ja ständig über sich dazu, und mittlerweile ist mir, vor allem im Nachgang zu meiner letzten Beziehung, einmal mehr und jetzt auch sehr endgültig aufgefallen, dass ich jemand bin, der sich tief bindet. Das war bei mir auch schon immer so und gilt nicht nur für Liebesbeziehungen, sondern auch für Freundschaften. Auch "nur" Bekanntschaften nehme ich besonders wahr, bin oft in meinen stillen Momenten ganz intensiv dankbar für Begegnungen, dafür, dass ich manche Menschen sehr spontan sehr mag. Ich merke, dass ich mich verbinden kann. Und offenbar auch will.

Und ich glaube, das ist es, was mich an manche Menschen (hier ging es ja um Ex-Partner) mehr denken lässt als an andere. Oft tue ich das mit einem sehr sanftmütigen Gefühl, fast schon liebevoll. Ich finde das allerdings schön, weil ich weiß, dass das ein Wesenszug ist, den ich mitbringe und der weniger in der anderen Person liegt. Natürlich auch in der Verbindung, die ich zu diesen Menschen hatte; ich will den Anteil des anderen hier nicht schmälern oder kleinreden.

Im Endeffekt bin ich dann wieder dankbar dafür, dass ich das so empfinden kann, weil ich es so einfach viel schöner finde als mit Groll an jemanden zu denken. Einen solchen Fall habe ich auch in meiner jüngeren Vergangenheit. Das ist nicht schön.

Wenn ich konkret den letzten Teil Deiner von mir zitierten Aussage nehme, würde ich allerdings sagen, dass ich das nicht tue. Ich habe mir, glaube ich, noch nie vorgestellt, was aus jemandem und mir hätte werden können.

Auf mich wirkt das wie eine innere Sehnsucht nach irgendetwas. Auch wieder eine Eigeschaft desjenigen, der so empfindet, also in diesem Fall Deiner eigenen?

x 1 #10


St_Jappi
@Clumsy
Das finde ich einen ziemlich interessanten Gedanken. Vor allem Deine Unterscheidung zwischen dem Menschen und dem Gefühl, das durch diesen Menschen in Dir entstanden ist.
Vielleicht ist es bei mir tatsächlich ein bisschen anders. Wenn ich an bestimmte Menschen aus meiner Vergangenheit denke, geht es nicht nur darum, dass ich die Person oder die gemeinsame Zeit vermisse. Manchmal denke ich eher an eine mögliche Version meines Lebens zurück. Nicht unbedingt im Sinne von „Was wäre gewesen, wenn wir zusammengeblieben wären?“, sondern eher: Wie hätte sich mein Leben anfühlen können, wenn manches anders gelaufen wäre?
Und wenn ich Deinen Gedanken aufgreife, dass diese Sehnsucht vielleicht mehr über denjenigen aussagt, der sie empfindet, dann glaube ich, dass Du damit ziemlich nah an etwas dran bist.
Vielleicht sehne ich mich gar nicht in erster Linie nach einer bestimmten Frau. Vielleicht sehne ich mich nach Nähe, Vertrautheit, diesem Gefühl, für jemanden wichtig zu sein und jemanden selbst ganz wichtig nehmen zu können. Nach dieser besonderen Emotionalität, von der Du schreibst.
Und wahrscheinlich ist auch das ein Wesenszug von mir. Ich binde mich tief. Wenn mir jemand wirklich etwas bedeutet, dann verschwindet das bei mir nicht einfach, nur weil die Beziehung vorbei ist. Der Verstand kann längst sagen: „Das ist vorbei und war vielleicht sogar gut so“, während irgendein anderer Teil von mir trotzdem noch gelegentlich dort vorbeischaut. 😄
Was ich an Deinem Beitrag aber besonders schön finde, ist, dass Du Deine Fähigkeit zur tiefen Verbindung nicht als Schwäche betrachtest. Vielleicht ist genau das die andere Seite davon. Wer tief fühlen kann, kann eben auch lange etwas davon in sich tragen.
Und vielleicht ist es tatsächlich schöner, jemanden irgendwann mit einem sanften Gefühl in Erinnerung zu behalten, als ihn aus dem eigenen Leben innerlich herausprügeln zu müssen.
Bei mir ist das wahrscheinlich noch ein kleines bisschen Baustelle. 😉

x 2 #11


Clumsy
Zitat von St_Jappi:
Wie hätte sich mein Leben anfühlen können, wenn manches anders gelaufen wäre?

Kenne ich auch, diesen Gedanken. Aber unter Einbeziehung eines bestimmten Menschen aus der Vergangenheit? Das beinhaltet doch die Bindungskomponente, die ich hier als Sehnsucht in den Vordergrund stellen würde. Ist aber nur eine Überlegung von mir und kann falsch sein.

Zitat von St_Jappi:
Vielleicht sehne ich mich nach Nähe, Vertrautheit, diesem Gefühl, für jemanden wichtig zu sein und jemanden selbst ganz wichtig nehmen zu können. Nach dieser besonderen Emotionalität, von der Du schreibst.

Ist das aber nicht unheimlich schön? Ich meine, dass das eine besondere Fähigkeit ist. Der traurige Teil an einer Sehnsucht, das Unerfüllte, ist sicherlich auch schmerzvoll, zumindest mitunter. Aber an sich ist dieser Wunsch doch etwas - hoffentlich! - total Menschliches und Ehrliches. Es ist etwas Echtes. Das ist, was Dich zu einem großen Teil ausmacht, denn es ist nicht nur ein Bedürfnis von Dir, sondern auch eine Deiner Fähigkeiten: Wonach Du Dich sehnst, das bietest Du gleichzeitig auch an und gibst es dem anderen.

Ich finde, genau so muss es sein. Daumen hoch

Zitat von St_Jappi:
Ich binde mich tief. Wenn mir jemand wirklich etwas bedeutet, dann verschwindet das bei mir nicht einfach, nur weil die Beziehung vorbei ist.

Ja, absolut! Und das finde ich wunderbar!
Auch hier steckt nämlich ein echt schöner Wesenszug drin: unter anderem der des Vergebenkönnens.
Damit sind nicht unbedingt die großen Vergebungsgesten gemeint, denn in manchen Beziehungen braucht es die gar nicht. Gemeint ist eher das, was sich an Negativem in einer zwischenmenschlichen Beziehung über die Zeit so ansammeln kann, auch an Frust und Resignation über Wege, die man vielleicht nicht gemeinsam gehen kann, weil zu unterschiedlich, zu missverständlich, zu was auch immer.

Zitat von St_Jappi:
dass Du Deine Fähigkeit zur tiefen Verbindung nicht als Schwäche betrachtest. Vielleicht ist genau das die andere Seite davon. Wer tief fühlen kann, kann eben auch lange etwas davon in sich tragen.
Und vielleicht ist es tatsächlich schöner, jemanden irgendwann mit einem sanften Gefühl in Erinnerung zu behalten, als ihn aus dem eigenen Leben innerlich herausprügeln zu müssen.

Das ist es definitiv! Es ist für einen selbst schöner, weil dahinter auch ganz viel Dankbarkeit steckt und Liebe (egal, in welcher Form und Ausprägung) weiterhin bestehen darf. Das ist wiederum aufrichtig und echt.
Aber auch aus der Sicht des anderen, den Du in guter Erinnerung hältst, ist es doch total schön, das zu wissen, oder? Deshalb schreibe ich manchmal Menschen aus meiner Vergangenheit Briefe, um ihnen genau das mitzuteilen. Falls sie es wissen wollen, bekommen sie damit die Gewissheit, dass sie mir noch immer bedeutsam sind, zumindest in der dankbaren Erinnerung an etwas, das mir einmal enorm wichtig, lieb und teuer war.

Ich empfinde das als ein großes Geschenk, das man jemandem machen kann: mit Sanftmut zurückzublicken und dabei etwas Schönes zu empfinden, es in sich zu halten und auch halten zu wollen.

Zitat von St_Jappi:
Bei mir ist das wahrscheinlich noch ein kleines bisschen Baustelle.

Vielleicht ist es einfach nur Akzeptanz für Dich selbst und das Vergegenwärtigen der Tatsache, was Deine Werte sind und dass Du damit total echt und kongruent bist.

#12


Liv225
Eure Gedanken berühren mich.
Zur Zeit denke ich sehr viel nach, über Wünsche, Vorstellungen, das Leben…

Ich hab das ähnlich… Sehnsucht nach Nähe, Vertrautheit, gemeinsame Gedanken.

So schön es sich auch alleine lebt, manchmal ist doch ein Gegenüber schön…. Teilen der Emotionalität, die man empfindet.

x 2 #13


D
@St_Jappi

Ein Phänomen, das viele nicht verstehen, zumindest nicht auf Anhieb; ist, dass in einem oft, sehr oft, eine Leere entsteht.
Eine Leere der ganz besonderen Art.

Diese Leere entsteht nicht, weil etwas weggegangen ist.

Sie entsteht, weil dort, irgendwo, etwas hätte entstehen können.

Und genau diese Leere kann man nur sehr schwer füllen.

x 1 #14


FoolishHeart
Zitat von DerNorde:
Und genau diese Leere kann man nur sehr schwer füllen.

...und manchmal nur lernen, damit zu leben...

x 1 #15


A


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