nameless92
Mitglied
- Beiträge:
- 28
- Themen:
- 2
- Danke erhalten:
- 56
- Mitglied seit:
Ich kämpfe gerade mit alten Mustern meinerseits, aber auch mit einem Thema, das man durchaus als Narzissmus bezeichnen könnte. Leider habe ich in den letzten Jahren häufiger solche Erfahrungen gemacht. Einerseits hilft es mir, wenn ich es niederschreibe, zumindest teilweise, und andererseits erhoffe ich mir den ein oder anderen hilfreichen Tipp. Vielleicht hat jemand Ähnliches erlebt und kann mir von seinen Erfahrungen berichten.
Wie bereits erwähnt, habe ich in den letzten zwei Beziehungen mit Narzissten zu tun gehabt, und aktuell befinde ich mich sehr wahrscheinlich wieder in einer solchen Beziehung. Das Maß an Toxizität hat irgendwie von Beziehung zu Beziehung zugenommen.
Mir ist durchaus bewusst, dass dies auch mit meinen eigenen Mustern zusammenhängt. Ich habe verschiedene Kindheitstraumata erlebt, die mich zu einem starken Empathen gemacht haben. Zudem neige ich dazu, übermäßig viel nachzudenken und habe eine solide Verlustangst. Letzteres hat mich oft an meine Grenzen gebracht. Ich habe Dinge zugelassen und meine eigenen Bedürfnisse vernachlässigt, nur um die andere Person zu halten und den Frieden zu bewahren. Das hat mich letztendlich mitunter in eine Depression geführt, die ich dank vieler Therapiestunden größtenteils in den Griff bekommen habe.
Dennoch ist das ein Teil von mir, und mir ist bewusst, dass es Phasen geben kann, in denen ich wieder in ein anderes Stadium zurückfalle. In meiner aktuellen Situation spüre ich leider einige dieser Auswirkungen wieder stärker, aber dazu später.
Seit einigen Monaten führe ich eine Beziehung, die zunehmend toxischer wird. Im Rückblick gab es von Anfang an Warnsignale und rote Flaggen, die ich bereits einmal gesehen hatte. Trotzdem bin ich immer tiefer in die Beziehung eingetaucht. Das ist leider ein Teil von mir, den ich selbst nicht verstehen kann. Ich stelle eine toxische Beziehung über meine eigene psychische Gesundheit. Anstatt mich zu lösen und nach vorne zu schauen, grabe ich mich immer tiefer ein. Ich habe noch nicht verstanden, welcher Teil von mir dafür verantwortlich ist. Ich habe irgendwie immer noch die Hoffnung, dass der Knoten jetzt platzt und sie versteht, wie eine gesunde Beziehung funktioniert. Manchmal gibt sie mir auch dieses Gefühl. Das sind die Momente, in denen meine Hoffnung genährt wird und ich mich wieder auf alles einlasse, langfristige Pläne schmiede (zum Beispiel eine Fernreise in einigen Monaten). Sie agiert dabei äußerst geschickt und weiß genau, wann sie mich abholen muss, um ihre eigenen Wünsche zu erfüllen.
Auch wenn das Thema Narzissmus für mich nicht neu ist und ich immer noch viel darüber lese, Podcasts höre und versuche, mich selbst zu stärken, werfe ich dann in guten Momenten trotzdem mein erlerntes Wissen immer wieder über Bord und handle instinktiv (falsch). Gerne lest selbst einige Beispiele über die Verhaltensweisen von narzisstischen Personen durch; mittlerweile kann ich fast jedes Verhaltensmuster abhaken. Es ist mittlerweile nicht nur ein emotionales Thema, sondern auch finanziell.
Ich bin bereit, alles für ihre Bedürfnisse zu tun, aber wenn es um meine eigenen Wünsche, Pläne und Vorstellungen geht, kommt immer etwas dazwischen. Langfristige Pläne mit ihr? Nicht möglich! Zumindest nicht, solange es um meine Pläne geht. Umgekehrt allerdings können ihre Pläne schon lange im Voraus fest terminiert werden. Obwohl ich immer auf ihre Wünsche und Bedürfnisse eingehe und versuche, alles richtig und nach ihren Konditionen zu machen, muss ich mir heftige Vorwürfe anhören, wenn ich meine eigenen Wünsche und Gefühle ausdrücke. Dann heißt es sofort: "Merkst du eigentlich, dass es immer nur um deine Bedürfnisse geht? Was ich möchte, ist dir völlig egal!". Bitte was?!?
Wenn aus solchen Situationen ein Streit entsteht, werde ich sehr schnell aggressiv angegangen, zum Schweigen gebracht, und auch das Silent Treatment ist dann nicht fern. Ich kann keine normale Diskussion mit ihr führen und mich aussprechen, meine Gefühle über ihr Verhalten mitteilen. Wenn ich meine Bedenken äußere, sind sie laut ihr nur Einbildung und sowieso nur mein eigenes Problem.
Manchmal habe ich Nebel im Kopf und frage mich selbst, ob meine Wahrnehmung vielleicht getrübt ist und ich ihr Unrecht tue. Deshalb gebe ich in den Gesprächen oft direkt nach und unterwerfe mich. Erst wenn ich lange genug darüber nachgedacht habe, komme ich zu dem Ergebnis, dass meine Wahrnehmung nicht getrübt ist und dass ich die Dinge, die sie mir vorwirft, nie so gesagt habe. Aber das alles wieder aufzurollen würde nur zu derselben Situation führen. Wenn es nicht so tragisch wäre, wäre es fast interessant zu sehen, welche Streiche einem der eigene Verstand spielen kann.
Mir ist bewusst, dass diese manipulativen Taktiken zum Standardrepertoire eines Narzissten gehören und dass sie darin perfekt sind. Es geht sogar so weit, dass offensichtliche Lügen, inklusive Beweisen, angeblich nie stattgefunden haben. Das ist alles nur in meinem Kopf. Natürlich.
Nun wird es auch zunehmend zu einem finanziellen Thema, und ich habe Angst davor, wie sich das langfristig auf mich auswirken wird. Emotional ist das Thema sowieso schon schwierig, da ich sie trotz allem wirklich ernsthaft und ehrlich liebe. Mir ist bewusst, dass sie ihr Verhalten vermutlich niemals ändern wird, da sie erst selbst erkennen müsste, wie narzisstisch ihr Vorgehen ist. Darüber kann ich sowieso nicht sprechen. Selbst wenn ich es vorsichtig in einem guten Moment ansprechen würde, würde die Diskussion schnell eskalieren. Der altbekannte Eiertanz.
Ich könnte die Liste noch endlos weiterführen. Wie gesagt, lest euch die Verhaltensmuster von Narzissten durch - ich kann fast alle abhaken.
Mir ist bewusst, dass ich kein Arzt bin und deshalb diese Diagnose niemals stellen sollte, aber aufgrund all dieser Verhaltensmuster vermute ich, dass meine Einschätzung nicht ganz falsch ist.
Was erhoffe ich mir?
Zum einen wollte ich einfach alles irgendwo ablassen. Ich schreibe regelmäßig Briefe an mich selbst und verarbeite dadurch eine Menge. Es ist ein Versuch, meine Wahrnehmung aufrechtzuerhalten und den Nebel zumindest teilweise zu lichten.
Zum anderen freue ich mich über einen aktiven Austausch. Vielleicht gibt es hier Menschen, die sich in einer ähnlichen Situation befanden oder befinden und wertvolle Tipps im Umgang mit solchen Verhaltensmustern geben können.
Um eine Frage, die sicherlich aufkommen wird, vorab zu beantworten:
Warum trenne ich mich nicht einfach? Ich bin ein Mensch, der alles versucht und niemals den Glauben an etwas verliert. Dabei übergehe ich jedoch oft mich selbst - auch das ist mir bewusst. In mir besteht die Hoffnung, dass sich alles noch irgendwie einpendelt.