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Wenn die Liebe ihre Form ändert

Amb25

Amb25
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Guten Abend zusammen,
ich schreibe euch ohne besondere Erwartungen, einfach um einen Teil meiner Geschichte mit euch zu teilen. Vielleicht erkennt sich der ein oder andere darin wieder.

Ich war verheiratet. Wie viele andere begann ich dieses Abenteuer mit der Vorstellung, dass Liebe durch Anstrengung, Geduld und Treue zum Familienprojekt geschützt wird. Ich wollte etwas Solides, Dauerhaftes und Beruhigendes aufbauen. Doch mit der Zeit, ohne Geschrei oder dramatische Verrätereien, bröckelte etwas. Schweigen nahm mehr Raum ein als Gespräche. Wir gingen zwar weiter, aber nicht mehr in dieselbe Richtung.
Die Scheidung war keine Erleichterung. Es war ein sauberer Schnitt, scheinbar ordentlich, aber eine schwere Last. Das Schwierigste war nicht die Trennung selbst, sondern der Blick meiner Kinder, ihre unausgesprochenen Fragen und die Verantwortung, stabil zu bleiben, während ich mich innerlich so zerbrechlich fühlte. Heute sehe ich mich weder als Opfer noch als Überlebende. So wie ein Mann, der manchmal zu spät lernte, dass Liebe Schaden nehmen kann, wenn man aufhört, auf sich selbst zu hören, wenn man gibt, ohne auf sich selbst zu achten, wenn man glaubt, bloßes Festhalten genüge.
Wenn ich dies schreibe, dann nicht, um etwas zu suchen, sondern um zu verstehen. Eine Reise in Worte zu fassen, hilft, mit bestimmten Phasen Frieden zu schließen. Das Lesen der Geschichten anderer erinnert uns auch daran, dass unsere Geschichten, so unterschiedlich sie auch sein mögen, oft ineinandergreifen.
Wenn dieses Zeugnis jemandem helfen kann, sich in seinen Schwierigkeiten etwas weniger allein zu fühlen, dann hat es seinen Zweck erfüllt. Vielen Dank an alle, die sich die Zeit nehmen, dies zu lesen. Und Mut allen, die vorwärtsgehen, manchmal müde, aber immer noch.

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Plague
Zitat von Amb25:
So wie ein Mann, der manchmal zu spät lernte, dass Liebe Schaden nehmen kann, wenn man aufhört, auf sich selbst zu hören, wenn man gibt, ohne auf sich selbst zu achten, wenn man glaubt, bloßes Festhalten genüge.

🎯💯

Trauriger Anlass, aber dieses Fazit gehört eigentlich ziemlich dick angepinnt!
Vieles, was ich hier schon im Forum gelesen habe, lässt sich auf einen oder mehrere Aspekte dieser Aussage zurückführen.

x 3 #2


A


Wenn die Liebe ihre Form ändert

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Besserwisser60
Eine Ehe mit Kindern erfordert eine Menge Verantwortungsbewusstsein. Und auch die Gabe sich selber zurück zu stellen.
Bei mir waren es 30 Jahre. Oft war es schwer,es gab Kämpfe und auch Streit. Und ich will ehrlich sein, hätte es nicht die Kinder gegeben, wäre ich schon früher gegangen.
So bin ich geblieben und wir haben uns auch wieder zusammengerauft. Er war ständig schwer krank und auch ihm ggü hatte ich ein Versprechen gegeben, welches es einzuhalten galt.
Lange Ehen sind kein Zuckerschlecken und jeder der behauptet alles wäre toll und es gäbe keinen Streit, sagt nicht die Wahrheit. Es ist harte Arbeit...

x 7 #3


Worrior
Es ist das was real ist aber selten jemand auszisprechen wagt, weil dann die rosarote Vorstellung von Liebe und Beziehung zu bröckeln beginnt.
Liebe alleine reicht nicht für eine Beziehung.

x 9 #4


T
Ich habe mich gefragt ob es tatsächlich möglich ist, ein ganzes Leben die EINE Person zu lieben, mit ihr zusammen zu sein, sein ganzes Leben zu teilen? Lebensphasen verändern sich, Freundschaften entstehen und gehen, man selber verändert sich, warum sollte es dann für immer und ewig mit einer Person funktionieren?! An welchem Punkt macht man sich etwas vor oder hat Angst den nächsten Schritt zu gehen?

x 3 #5


Sonnenschein85
Zitat von TiefeWurzel:
Ich habe mich gefragt ob es tatsächlich möglich ist, ein ganzes Leben die EINE Person zu lieben, mit ihr zusammen zu sein, sein ganzes Leben zu ...

Das fragte ich mich auch schon. Es gibt Paare wo es irgendwie perfekt passt und wo man auch nach etlichen Jahren noch Liebe empfindet. Aber ich denke viele Paare machen sich auch etwas vor. Sind wirklich unglücklich miteinander aber vielleicht wegen der Kinder oder aus Angst noch zusammen.

Ich meine ..streit und Stress gehört ja leider in gewissem Maße zum Alltag. Aber wenn es nur noch ein Gegeneinander ist und kein Miteinander. Und der Partner direkt auf 180 ist, in jeder kleinen Situation, nein, dann würde ich lieber gehen.

x 2 #6


Worrior
Zitat von TiefeWurzel:
Ich habe mich gefragt ob es tatsächlich möglich ist, ein ganzes Leben die EINE Person zu lieben, mit ihr zusammen zu sein, sein ganzes Leben zu ...

Sowas gibt es schon, das ist die posirive Ausnahme von der Regel.

x 1 #7


T
@Worrior also ist es eigentlich eher "normal", dass es vielleicht mit einem Partner nur eine gewisse Zeit passt. Gesellschaftlich fühlt es sich aber leider noch oft genug als scheitern/versagen an. Ich persönlich sehe es lieber als Wachstum und Ehrlichkeit sich selber gegenüber, wenn die Erkenntnis und die Entscheidung reift, dass es eben nicht mehr funktioniert.

x 3 #8


T
@Sonnenschein85 zumindest scheint es nach außen so, dass es perfekt passt. Ich glaube, dass die aller wenigsten ehrlich zu sich selber sind. Aber auch das kann ja ein Prozess sein.

#9


Besserwisser60
Zitat von TiefeWurzel:
Ich habe mich gefragt ob es tatsächlich möglich ist, ein ganzes Leben die EINE Person zu lieben, mit ihr zusammen zu sein, sein ganzes Leben zu teilen? Lebensphasen verändern sich, Freundschaften entstehen und gehen, man selber verändert sich, warum sollte es dann für immer und ewig mit einer Person ...

Ich habe ihn geliebt, immer. Aber es war nicht diese ungesunde dopamingeschwängerte, hormonvernebelte Liebe, sondern es fühlte sich ruhig und beständig an und das, obwohl er beruflich wochenlang in der Welt herumgereist ist. Das Gefühl, dass wir uns zu 100% aufeinander verlassen können, hatte mich nie verlassen und ich habe - als Frau- sensible Antennen, was das betrifft.

x 3 #10


Sonnenschein85
Zitat von Besserwisser60:
Ich habe ihn geliebt, immer. Aber es war nicht diese ungesunde dopamingeschwängerte, hormonvernebelte Liebe, sondern es fühlte sich ruhig und ...

Das liest sich sehr schön.
So stelle ich mir das auch vor. Einfach beständig und stabil vom Gefühl her.

x 1 #11


M
Hi @Amb25,

danke dir, für deine Zeilen. Ein Thema, welches zum Nachdenken und reflektieren anregt.

Ob ein Paar langfristig zusammenpasst oder nicht: Ich denke, man muss sich auch gut leiden können, wenn die Hochphase der Verliebtheit nachlässt und der Alltag einkehrt. Ähnliche Werte sind auch immer hilfreich und was ich persönlich für einen ganz wichtigen Punkt halte: Man muss eine Beziehung auch wollen! Oftmals verabschiedet sich jemand innerlich schon so weit, dass gar nicht mehr die Chance besteht, eine Beziehung zu retten. Wenn der Wille fehlt, ist die Beziehung zum Scheitern verurteilt. Nur eine Person wird eine Beziehung nie langfristig aufrechthalten können. Das gemeinsame Ziel, miteinander alt zu werden, darf nicht aus den Augen verloren werden, auch wenn die Probleme einen manchmal schlucken. Das sind zumindest die Komponenten, die ich bei den langfristig zufriedenen Paaren beobachtet habe.

Ich persönlich halte nichts von Begriffen wie das „perfekte Paar“. Das gibt es nicht. Nur verdammt viel Glück, den Einen oder die Eine zu finden, die das Leben mit einem gemeinsam meistern will.

Für mich unterscheidet sich auch wahre Liebe darin, dass man den Partner wirklich so liebt wie er ist und das schließt auch Veränderungen mit ein. Wenn man genau hinschaut, lieben viele den Menschen, der er zu Beginn einer Beziehung war: aufgrund optischer Komponenten, für Gemeinsamkeiten wie Hobbys, die am Anfang verbunden haben usw.

Ich denke, es ist für uns Menschen unmöglich, sich nicht weiterzuentwickeln. Aber eine gute Beziehung muss das auch zulassen können. Und die meisten Menschen tun sich irgendwie mit Veränderungen schwer.

Ich kenne meinen Mann auch seit über 20 Jahren und es wäre schlimm, hätten wir uns niemals weiterentwickelt. Auch unabhängig voneinander, nicht nur gemeinsam, denn wir sind auch noch eigenständige Menschen. Trotzdem liebe ich ihn mehr als damals, da ich stolz auf ihn bin, zu welchem Menschen er geworden ist und wie er das Leben meistert. Nicht nur damals, sondern heute. Ob ich mal alles hinschmeißen wollte? Klar, besonders wenn er im frisch geputzten Bad seinen Bart abrasiert und dann danach nicht sauber macht! Aber Stress und Dynamik müssen auch erlaubt sein, denn wir sind kein Schönwetterpaar.

Man kann nur hoffen, dass der Mensch an seiner Seite einen so nimmt, wie er ist und dass das genügt. Ich habe auch schon mehrmals über verschiedene Arten von Liebe nachgedacht: zum Beispiel Mutterliebe, die Liebe zu Geschwistern untereinander, die Liebe der Kinder zu Eltern oder Großeltern. In diesen Beziehungen findet auch Entwicklung statt, aber im Idealfall ist die Liebe unantastbar. Warum dann zum eigenen Partner nicht? Was verändert sich, dass diese bedinungslose Liebe verloren geht? Ist es, weil vielleicht nie wirklich echte Liebe da, sondern nur Verliebtheit und Zuneigung? Oder genügt man den Ansprüchen des anderen nicht mehr? Oder war man vielleicht niemals der langfristige Beziehungstyp und hat sich für Kinder zusammengetan?

Es gibt so viele unterschiedliche Möglichkeiten, wie ein Paar seine Beziehung lebt. Ich persönlich frage mich, wo die Liebe dann hingeht. Wobei ich es persönlich immer besser finde, dass man einen „sauberen Schnitt“ macht, als zu lange an etwas festzuhalten, dass nicht mehr gesund ist.

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M
Zitat von Besserwisser60:
Das Gefühl, dass wir uns zu 100% aufeinander verlassen können, hatte mich nie verlassen

Ich höre bei dir auch so viel Respekt raus, das schaffen nicht viele getrennte Paare. Glaube mir, wenn ich dir sage, dass das auch für eure Kinder in dieser Situation der beste Weg ist. Das habt ihr gut gemacht.

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Besserwisser60
Zitat von Manchmal_Hexe:
Ich höre bei dir auch so viel Respekt raus, das schaffen nicht viele getrennte Paare. Glaube mir, wenn ich dir sage, dass das auch für eure Kinder in dieser Situation der beste Weg ist. Das habt ihr gut gemacht.

Er ist verstorben, aber wie sagt man so schön: Bis dass der Tod euch scheidet.

#14


DieSeherin
auch ich finde es richtig und wichtig, dass sich menschen verändern - wenn es allerdings in der beziehung wahrgenommen wird, ist es super, wenn man nicht nur in die gleiche richtung schaut, sondern gemeinsam in eine richtung geht?

und damit meine ich kein symbiotisches aneinander-kleben, sondern sich immer wieder zu begegnen... in alltagssituationen, in neuen phasen, bei veränderungen.

x 1 #15


A


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