Zitat:Nur mit dir selber wird wahrscheinlich schwierig auf Dauer. Der Mensch ist ein soziales Wesen.
Sich mit den richtigen Menschen zu umgeben, macht viel aus, was Zufriedenheit angeht.
Ebenfalls seine Einstellung zu materiellen Sachen zu überprüfen und ob du ein eigenständiger Mensch mit eigener Meinung bist oder dich doch sehr von Kommerz, Lebensweisen ander Menschen beeinflussen lässt. Zuversicht lernen. Egal, was passiert. Das wird schon wieder. Nicht nur konsumieren, auch erschaffen. Handwerkliches, sozialer Einsatz so in die Richtung.
@Karenberg erstmal danke ich dir für dein Feedback.
Ich habe absolut tolle und verlässliche Freunde, mit denen ich gerne Zeit verbringe und dies auch regelmäßig mache. An was ich hier vielleicht noch etwas arbeiten kann, ist es diesen Personenkreis zu erweitern und in Zukunft auch vermehrt auf andere Menschen zugehen und auch zusätzlich neue Menschen kennenzulernen.
Zum Materiellen: Ich absolvierte mit Leichtigkeit eine Ausbildung für einen Bereich, in dem ich immer arbeiten wollte. Kurz darauf bekam ich genau die Anstellung, die ich wollte, habe nun einen Job, mit unbefristeter Anstellung, der mir meist sehr viel Spaß macht. Ansonsten ist meine Work-Life Balance durch geblockte, lange Arbeitszeiten und dafür auf der anderen Seite sehr viel Freizeit für mich perfekt. Ebenso verdiene ich sehr gutes Geld, am Ende des Monats bleibt mir meist ein vierstelliger Betrag übrig und das, obwohl ich auf nichts verzichten muss - ich lebe zwar nicht verschwenderisch, aber habe trotzdem einen für mein Alter etwas überdurchschnittlichen Lebensstandard. In dieser Hinsicht würde es mir an nichts fehlen, glücklich bin ich trotzdem nicht. Das sprach ich auch einmal in meiner Therapie an. Mittlerweile sei das, laut meines Therapeuten, ein Problem, das sehr viele Menschen betrifft: Typischer Kapitalismus: Nehmen - Einstecken - (kurze Freude damit) - Nächstes Objekt/Projekt angehen, vorheriges vergessen / nicht mehr schätzen. Mein mit dem Therapeut erarbeiteter Weg: Innehalten und immer wieder Zeit dafür nehmen, mir vor Augen zu halten, was ich so alles habe und was ich bisher erreicht habe, bewusst dankbar dafür sein. Wenn ich das mache, funktioniert es zeitweilig sehr gut. Immer wieder habe ich dadurch kurze Glücksmomente, sei es wenn ich in meinem bequemen, neuen Bett liege und mir denke, schön dass ich das jetzt habe oder von einem meiner Teller esse der optisch sehr hübsch aussieht etc. Allerdings muss ich gestehen, hier bin ich nicht immer besonders konsequent dabei, diese (sehr einfache) Übung wirklich umzusetzen. Selber schuld und werde ich in Zukunft auch konsequent so durchziehen. Hier habe ich sicher noch viel Potential, wenn ich es lerne, den beschriebenen Weg zu verinnerlichen. Alles Einstellungssache. "A Moment of gratitude makes a difference in your attitude." Hier auch wieder so ein Fall: Der bewusste Anteil weiß ja, dass ich hier sehr gut dastehe, zu meinem Kern scheint das noch aus irgendwelchen Gründen weniger durchgedrungen zu sein, dieser muss immer wieder daran erinnert werden.
Zu sehr von Lebensweisen anderer Menschen beeinflussen zu lassen. Ein sehr schöner Input, danke dafür. Ich gehe hier nicht allzu genau drauf ein, aber es ist für mich sicher auch ein Punkt, der viele Veränderungen bewirken kann.
Ebenso nicht nur konsumieren, sondern auch erschaffen. Hierfür werde ich mir bewusst Zeit nehmen. Im sozialen Bereich bin ich engagiert, unterstütze nun schon seit einigen Jahren eine Frau mit schwerer Mehrfachbehinderung, begleite sie mehrfach im Jahr auf freiwilliger Basis zu Veranstaltungen oder zu kleine Ausflüge etc., wofür dem Personal in ihrem Pflegeheim die Ressourcen fehlen würden und ich gehe sie regelmäßig besuchen, worüber sie sich immer sehr freut. Ansonsten zum Thema erschaffen: Musik- und Videoproduktion sind Gebiete die mir sehr viel Spaß machen. Das Ergebniss dieser Arbeit dann anzusehen und anzuhören, mit meinen Freunden zu teilen etc. gibt mir dann anschließend schon eine gewisse Erfüllung. Dafür habe ich mir aber in letzter Zeit viel zu wenig Zeit genommen, das werde ich nun ebenfalls vestärkt wieder machen. Vielleicht werde ich mir dafür sogar noch einen neuen Computer und entsprechende Geräte kaufen, ich habe sowieso noch ein freies Zimmer in meiner Wohnung, von dem ich schon länger überlege, wie ich es sinnvoll nutzen kann.
Zitat:Deine Borderlinefrauen ziehen dir wahrscheinlich mehr Energie, als dir vordergründig bewußt ist.
Dann entsteht diese Leere, wenn sie weg sind. Erst Recht, wenn du vorher kein stabiles Ich hattest. Da läuft vieles unbewußt ab.
Wenn du genau hinschaust wirst du dich zwischendurch schon sehr leer gefühlt haben.
Diese Wahnsinnstiefe, welche du bei den Gesprächen fühltest. Fake<- einfach nur Spiegelung, bzw Mißbrauch deiner guten Absichten. Denn wenn sie von all den Katastrophen in ihren Leben erzählen erzeugt das Mitleid. Mitleid bindet und wird oft mit tiefen Gefühlen verwechselt.
Es ist kein Ausstausch mehr, da ein Ungleichgewicht entsteht, wo du drauf gezahlt hast.
Es ist definitiv keine Tiefe, wenn du mit jemanden ein langes, inniges Gespräch hattest und plötzlich auf suizid Gerede umgeschaltet wird, sondern ein Test, wie sehr du dich einlullen lässt und emotional mißbrauchsmäßig zur Verfügung stehst.
Das ist mir etwas zu vereinfacht. Ich weiß nicht, ob du selber Erfahrungen mit solchen Beziehungen hattest. Die entstandene Tiefe auf Mitleid zu reduzieren wird dem Ganzen laut meiner aktuellen Einschätzung nicht gerecht. Wie im Thread bisher ergründet, spielt hier vielmehr das Bindungsverhalten der Borderlinefrauen und mein eigenes (dieses Bindungsverhalten perfekt ergänzende) die große Rolle. Schlüsselpunkt: beide Streben eine Verschmelzung an und bedienen sich verschiedenster Techniken und Mechanismen (Opferrolle, Beschützerrolle, S. anzügliches Verhalten, Spiegelungen - damit das Gefühl des absoluten Verständnis und der absoluten Akzeptanz etc.) Ich glaube dabei aber, dass sie das genau so wenig bewusst machte wie ich.
Die erwähnten Erzählungen von ihren Missbrauchserlebnissen etc. machten in der gesamten Zeit, die wir uns kannten einige Stunden von vielen hunderten aus. Das passierte auch nicht bei den ersten Treffen, sondern erst nach vielen, vielen stundenlangen Gesprächen über andere Themen und erst nach einer riesigen Intensivierung unseres Verhältnis. Zuvor erfuhr ich davon manchmal etwas zwischen den Zeilen, als sie sich dann diesbezüglich mir gegenüber öffnete empfand ich es als großen Vertrauensbeweis. Und ich bin mir bewusst, dass das ein Thema ist, das auch mir an die Substanz ging. Und das Werte ich nicht als gut für mich. Allerdings stand für mich auf der anderen Seite der Aspekt, dass ich ein gewisses Gesprächsbedürfnis von ihrer Seite, auch über diesen Teil in ihrem Leben, als durchaus normal empfand. Und ich tat für sie in dieser Hinsicht was ich tun konnte und was ich für sie tat fand ich der gefühlten Tiefe der Beziehung entsprechend und war sie mir damals wert: Ich hörte ihr zu. Ich sagte nichts dazu, außer wie schrecklich ich es finde, was sie erleben musste und wie leid es mir für sie tut. Und, dass ich es beeindruckend finde, wie sie trotz allem ihren Weg gefunden hat damit umzugehen, wie sie sich mit ihrer intensiv laufenden Therapie nun dem Ganzen stellt und ich froh darüber bin, dass es sie gibt und ihre Suizidversuche gescheitert sind. Ich weiß noch, wie ihr diese simplen, aber auch so ehrlich gemeinten Worte, die Tränen in die Augen trieben und wie sie sich bedankte, wie gut ihr das tut so etwas gerade zu hören. Es ist jetzt eine spezifische Situation, aber bei dieser bin ich bin mir sicher, dass diese nicht gespielt war und viel auch in ihr auslöste. Ebenso in mir. Und natürlich trugen solche Situationen ihren Teil zu der gefühlten Tiefe in der Beziehung mit ihr bei, waren aber auch längst nicht alles.
Im Vordergrund bei unseren Begegnungen standen für mich ihre große Intelligenz (dadurch spannendste und interessante Diskussionen über die verschiedensten Themen möglich) und ihrem meinem sehr ähnlichen trockenen und schwarzen Humor (dadurch hatten wir immer viel zu lachen). Generell verliefen unsere Treffen großteils gut gelaunt und fröhlich. Ebenso, war sie, vermutlich durch ihre intensiv laufende Therapie, die aus meiner Sicht selbstreflektierteste Borderlinerin, mit der ich bisher Kontakt hatte. Und sie war diesbezüglich sehr offen mit mir und sie machte mir, aus meiner Sicht, auch nicht viel vor und ich konnte durch sie gefühlt auch viel über dieses Krankheitsbild aus der Sicht einer Betroffenen lernen.
Die Treffen mit ihr hatten etwas besonderes für mich. Es war wie ein abtauchen in eine andere Welt, sie führte mich zu abgelegene, wunderschöne Plätze, wir kochten gemeinsam - alles Dinge die ich auch mit gesunden Frauen erleben kann, ich denke der Unterschied zu diesem extremen Erleben mit ihr kam eben aus dieser extremen emotionalen Nähe. Wie gern wir uns gegenseitig hatten, war jederzeit spürbar. Was mir auffällt und ich aus vielen anderen Erfahrungsberichten mit Frauen mit Borderline gelesen hatte: In diesen Fällen wurde oft von unverhältnismäßigen Wutausbrüchen, Eifersüchtigen gehabe, teilweise körperlicher Gewalt, ständigen On-Off etc. berichtet. Hier die Unterschiedlichkeit auch unter den Borderlinerinnen, die meiner Meinung nach ebenfalls mitberücksichtigt gehören. Mit so etwas hatte ich die ganze Zeit, die ich sie kannte niemals ansatzweise etwas zu tun, sie verhielt sich mir gegenüber immer absolut liebenswert. Sie hatte ihre Besonderheiten, ihre emotionale Instabilität kam öfters zum Vorschein, aber bei ihr im Sinne von plötzlichen Trauerschüben, war dann oft minutenlang kaum ansprechbar. Aber diese hielt sie von mir fern, wollte von mir nichts anderes, außer das ich ihr gerade kurz Zeit gebe und sie in Ruhe lasse, führte dann ihre Skillketten aus oder nahm Medikamente. Wenn sie sich dadurch wieder fing ging das Treffen dannach weiter, ansonsten bat sie mich dann darum sie nach Hause zu bringen.
Das große Problem für mich bei dieser Beziehung, welches bestimmt auch unbewusst viel Kraft raubte: Trotz allem war es klar, dass es keine stabile Beziehung ist, der Beigeschmack, dass es momentan nur eine kurze "Traumreise" ist auf die wir uns gemeinsam begaben und die wir beide genossen. Das Wissen über ihre schwere Bindungsstörung und das typische Borderlinebeziehungsmuster. (Ein Muster instabiler und intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen den Extremen der Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist.) Und dadurch das Hintergrundwissen, dass dieser Zug sehr schnell wieder abgefahren sein kann, ich dann nichts mehr dagegen machen kann um diesen Prozess zu stoppen und es unweigerlich früher oder später dazu kommen wird.
Und damit möchte ich Borderline Beziehungen nicht verteidigen. Lediglich aufzeigen, dass es ein ganz anderes Erleben ist, wie es auf dem Papier so eindeutig ersichtlich ist. Ich kann jeden verstehen, der sich auf so etwas einlässt. Nichts desto trotz werde ich meinen Weg weiter gehen, um mich selber vor diesen distanzieren zu lernen. Die Gründe dazu habe ich im Thread angeführt und hast auch du sehr schön beschrieben: Bindung, Vertrauen, Fairness und Offenheit - alles Dinge die ich mir mit einer Frau wünsche. Dazugesagt sei aber: Kurzfristig werden solche Aspekte von einer Borderlinefrau auf extreme Weise erfüllt. Aber das ist schneller vorbei, als man schauen kann und schlussendlich verbleibt Schutt und Asche. Konstanz in einer Beziehung, eine wirkliche, gesunde Bindung ist schlussendlich viel mehr erstrebenswert.
Zitat:Die Erfüllung sämtlicher sechs. Wünsche, von ihrer Seite emotionslos, mechanisch.
Gerade mißbrauchte Menschen sind zu sowas gut in der Lage. Leider.
Der Prei s dafür ist diese Leere. Unbewußt spürtest du wahrscheinlich, dass es nur körperlich war. Ohne Seele. Programm abspulen, ob du da warst oder es wäre ein anderer gewesen. Egal.
Du warst nicht die große Ausnahme. Sondern nur einer von vielen.
Hier kam das Ganze für mich am Besten zum Vorschein. Wie beschrieben, schätzte ich unsere Beziehung vor dem S. als sehr viel wertvoller ein. Der S. mit ihr war der Hammer, wenn ich ihn als stumpfe Triebbefriedigung ansah. Alle meine Wünsche, bevorzugte Praktiken und Vorlieben etc. konnte ich ungehemmt mit ihr ausleben. Dann aber der Beigeschmack, sie schien tatsächlich nur bedingt dabei zu sein. Programm abspulen ihrerseits trifft es auf den Punkt. Einmal kam mir sogar währendessen der Gedanke: So gut im Bett kann doch kein Mann sein, dass es ihre sofortigen, extremen Reaktionen auf s. Stimulationen meinerseits an ihr irgendwie glaubhaft machen würden. Klar leben verschiedene Frauen ihre Erregung unterschiedlich aus, aber wenn nach 10 Sekunden langer Stimulation ihre Reaktionen (Verrenkungen, "Geräusche"), die Reaktionen von anderen Frauen die mir bekannt sind, selbst während des Org. mehr als nur in den Schatten stellen und dann verblassen lassen, werde ich doch leicht misstrauisch. gut war es trotzdem, das mal so mitzuerleben.

Aber ja, S. funktioniert komplizierter, das wurde mir jetzt durch sie erst so richtig bewusst. Auch wenn ich mit ihr alles ausleben konnte - es fehlte trotzdem etwas - vielleicht wie du auch schon angeführt hast: die Seele dabei.