ramse
Gast
Nach einer Trennung vor 9 Monaten, die mich immens getroffen und verletzt hat, versuche ich mein Leben wieder in eine normale Bahn zu lenken. Dabei habe ich momentan einige Schwierigkeiten, vielleicht könnt ihr mir mit euren Ansätzen, Erfahrungen oder Ratschlägen, wieder etwas die Augen öffnen, da mir einiges davon momentan recht unlösbar erscheint. Ansonsten ist es vielleicht auch gut, wenn ich versuche meine aktuelle Problematik in Schrift zu fassen, um mich selbst auch wieder etwas besser sortieren zu können. Noch zur allgemeinen Information: Bin 26 Jahre alt:
Als Hintergrundinformation, damit ihr meine Situation vielleicht besser verstehen könnt: Ich beginne etwa 6 Monate nach der Trennung mit meiner Ex. Bis dahin habe ich mich sehr viel mit mir selber, meiner Persönlichkeit etc. auseinandergesetzt, viel gelesen, auch Psychotherapie in Anspruch genommen (läuft noch, aber mit recht langen Abständen zwischen den Sitzungen, da ich der Meinung bin, ansonsten bringt das Ganze bei mir nicht all zu viel, ich muss "raus" und meine Erfahrungen machen, um das dann in der Therapie zu reflektieren - das kann mir natürlich auch der beste Therapeut nicht abnehmen) Ich blieb in diesen 6 Monaten bewusst recht viel alleine, um mich selber besser kennenzulernen und herauszufinden was mir gut tut: Kraftsport, Musik, ein warmes Bad, ein Spaziergang, eine Runde mit dem Auto fahren, aufwändig und gut für mich zu Kochen, ein gutes Buch lesen, auch mal etwas Richtung Entspannungsübung / Atemübung / Achtsamkeit. Um nur ein paar Dinge zu nennen, für die ich mir bewusst Zeit genommen habe, die ich alleine machen kann und die auch sehr angenehm finde.
Und auf der anderen Seite, einen regelrechten "Kick"- Zeiten in denen ich wirklich absolut glücklich und zufrieden war - gaben mir nur Begegnungen mit ein paar speziellen Menschen und sehr tiefe, stundenlange Gespräche mit ihnen über die verschiedensten Themen. Unter anderem war unter diesen für mich so speziellen Menschen - die mir diesen Kick geben konnten - eine Frau, mit einer diagnostizierten Borderlinestörung (rein platonisches Verhältnis, noch zur Info: auch meine Exfreundin war (diagnostizierte) Borderlinerin).
Nun zurück, nach 6 Monaten, die ich viel alleine oder eben mit meinen Freunden verbrachte, sehnte ich mich wieder nach körperlicher Nähe zu einer Frau. Ich meldete mich auf einer Datingapp an und recht schnell lernte ich dort eine junge Frau (20 Jahre) kennen, die mein Interesse weckte. Was darauf folgte ist so eine Geschichte für sich:
Ich genoss die Zeit mit ihr, wir hatten viel Spaß, gingen liebevoll miteinander um, tauschten viele Zärtlichkeiten aus und mir gefiel es sehr mit ihr. Größere Gefühle hatte ich aber noch keine entwickelt, manchmal etwas Schmetterlinge im Bauch - ein Hauch von Verliebtheit. In meine Ex (zur Erinnerung: Borderlinerin) war ich nach dem zweiten Treffen über beide Ohren verliebt, daher schwor ich mir, mein Gegenüber zuerst sehr gut kennenzulernen, bevor ich mich emotional wieder dermaßen auf jemanden einlasse - darin sah ich die Ursache. Bei meiner neuen Bekanntschaft ging ich davon aus, dass sich von meiner Seite aus durchaus noch Gefühle entwickeln könnten, wenn ich sie entsprechend gut kennenlerne. Insgesamt war ich aber eher misstrauisch. Dann kam folgendes:
Die einstige Fassade dieser Frau begann recht schnell stark zu bröckeln: Während der Zeit in der wir dateten wurde sie von einem ihrer Verwandten krankenhausreif geschlagen - sie erzählte mir, dass das nicht das erste Mal war. Ich versuchte ihr in dieser Zeit so gut ich konnte zur Seite zu stehen, sie emotional etwas abzufangen, ihr zuzuhören, sie zu trösten und mich um sie zu kümmern - sie sagte mir ich sei ihr eine riesige Stütze in dieser Zeit gewesen. Immer mehr kristallisierte sich aus der lebenslustigen, ausgeglichenen Frau, als die sie sich mir ursprünglich zeigte, eine Frau mit einer sehr schweren Geschichte und entsprechend vielen kleineren Macken (Ängste, Vermeidungsverhalten, Verdrängung, Dissoziation, wenig Gespür für ihre Emotionen) heraus. Und bei mir triggerte es meinen Beschützerinstinkt: Oft lag sie stundenlang auf meiner Brust gekuschelt, ihr Gesicht in meine Halsgrube gelegt und ich habe ihr ihr Haar gestreichelt. Das gab uns beiden viel - sie sprach von "ultimativer Geborgenheit", auch ich liebte es sie so zu halten und so Nahe zu haben.
Irgendwann sagte sie mir mehrere Treffen nacheinander ab. Zuerst nahm ich es locker, glaubte an ihre Begründungen, nach dem dritten Mal in Folge (zu diesem Zeitpunkt waren über zwei Wochen seit dem letzten Treffen verstrichen) redete ich Klartext mit ihr, schrieb ihr leider etwas wütend und impulsiv, dass ich hier mehr Verlässlichkeit von ihr verlange, sonst können wir es auch sein lassen. (hatte mich alle dreimal auf sie eingestellt, war unter anderem ein paar Sachen zum Essen/Trinken einkaufen für sie etc. - dann jeweils eine kurzfristige Absage kurz vor dem Treffen) Gut, ich denke es war gerechtfertigt, hier eine Grenze zu setzten, die sofortige Drohung mit der Trennung war allerdings maßlos übertrieben von mir und verletzte sie sehr. Für das Drohen mit der Trennung entschuldigte ich mich dann beim folgenden Telefonat.
Schlussendlich scheint das wohl alles zerstört zu haben. Seither hatten wir kaum Kontakt mehr, bis auf ein paar Whatsapp-Nachrichten und ein längereres Telefonat. Ergebnis in Kurzform: Sie weiß nicht mehr was sie für mich fühlt. Dazu einige für mich sehr unnachvollziehbare Argumente: Sie habe Angst, dass sie nicht weiß was sie sagen soll, wenn wir uns aussprechen; Angst, dass das Ergebnis der Aussprache sie zu sehr verletzt etc. In meiner letzten Nachricht schrieb ich ihr noch, dass sie sich gerne bei mir melden kann, wenn sie mag. Dabei habe ich es belassen, nun haben wir seit etwa 2 Wochen keinen Kontakt mehr gehabt. Ich rechne auch nicht damit, dass sie diesen wieder aufnimmt.
Das Ganze wundert mich auch überhaupt nicht, ich wusste ungefähr auf was ich mich eingelassen habe. Ich wusste, dass sie eine Frau mit sehr vielen Ängsten ist, die früher oder später auch vor mir nicht halt machen würden. Immer wieder, während der Zeit die wir zusammen verbrachten, konnte ich sehen, wie sie andere Menschen aus ihrem Leben verbannte, aufgrund von einmaligen Vorfällen, die sie sehr verletzten. Ich habe ihr diesbezüglich auch nicht viel reingeredet, dachte das ist ihre Sache. Ich zog meine Konsequenzen dadurch, dass ich immer darauf achtete immer die nötige emotionale Distanz zu ihr zu halten und war gefasst darauf, dass das Ende recht plötzlich sein könnte. Vielleicht kann ich das Ende darum so gelassen nehmen, wie ich es tue - teilweise überrascht es mich selbst, wie wenig es mich berührt - es fühlt sich falsch an, ich fühle mich so abgestumpft und kalt. Und das obwohl ich die Zeit mit ihr wirklich sehr genießen konnte. Mit ihr gemeinsam konnte ich mich absolut Fallen lassen, mit ihr in eine Art Traumwelt gehen in der ich mich absolut Wohl fühlte und sehr intensive Momente des Glücks erleben. Ich hatte sie sehr gerne, trotz ihrer Macken (oder vielleicht genau wegen dieser), es war für mich so logisch, dass das so ist, aufgrund der schlimmen Dinge die sie erlebte - und trotzdem ist sie im Großen und Ganzen so eine zuckersüße, meist doch sehr lebensfrohe und humorvolle Frau geblieben.
Jetzt kommen wir zu den Gedanken die sich mir diesbezüglich stellen: Wieso lasse ich mich trotzdem auf so etwas ein? Ich versuche es hier für euch nachvollziehbarer zu machen, bitte gebt mir Feedback, ob meine Gedanken diesbezüglich total verquert sind, oder ob ihr ähnlich gehandelt hättet. Spätestens ab dem Tag, an dem sie von ihrem Verwandten zusammengeschlagen wurde und mir offenbarte, dass es nicht das erste Mal war, dass sie massiv Gewalt erfahren hat etc., war mir bewusst, dass das sicher psychisch die eine oder andere deutliche Spur hinterlassen hat. (Was sich auch mehr und mehr bestätigte, sie baute mehr und mehr Vertrauen auf und wie oben erwähnt, zeigte mir mehr und mehr was hinter ihrer Fassade steckt - Angst, Vermeidungsverhalten, Dissoziation etc.) Aus meiner Sicht, wäre es aber unmenschlich gewesen, sie in dieser Situation alleine und im Stich zu lassen, auch wenn wir erst wenige Wochen dateten. Außerdem lag dies natürlich auch absolut nicht in ihrer Verantwortung, sie konnte nichts dafür, war ein Gewaltopfer. Ich wollte auf das gehen, wie sie sich mir gegenüber verhielt und dass war immer sehr liebevoll. Das einzige, was mich wirklich in der Zeit mit ihr diesbezüglich auch betraf, waren ihre Ängste und ihr resultierendes Vermeidungsverhalten. Sie hatte zum Beispiel Angst im Dunkeln nach draußen zu gehen, weshalb ich sie immer nach Hause bringen musste, wenn sie nicht bei mir schlief. Aber das waren für mich Kleinigkeiten und machte ich gerne für sie. Ebenso, war ihr immer eine Gutemorgen und Gutenacht-Nachricht wichtig - schrieb ich ihr auch gerne täglich, sie bat mich das nie zu vergessen, sonst würde sie sich total verkopfen, ob etwas nicht stimmt. Andere würde das vermutlich abschrecken, ich fand das total süß, dass sie so an mir hängt. Für mich war sie eine Art "Pflänzchen", das gehegt und gepflegt werden muss, aber ich machte dies gerne und bekam viel zurück von ihr. Helfersyndrom, übermäßiger Beschützerinstinkt keine Ahnung was das ist, aber was soll ich machen? Irgendwie fühle ich mich ja sehr wohl in solchen toxischen Konstilationen. Nur weiß ich, dass solche Beziehungen nicht von Dauer sind und ich würde gerne etwas mit Konstanz finden - allerdings ziehe ich genau das oben genannte an. Die Frauen, die ich finde haben alle dieses sehr ähnliche Muster. Das Problem ist, das zeigt sich absolut nicht in den ersten Wochen/Monaten, sondern kommt später zum Vorschein, die Zeit ist absolut schön und intensiv, doch dann werde ich geghostet etc. Habt ihr vielleicht konkrete Tipps, was ich ändern kann, damit das nicht mehr so ist? Ich vermute, dass die Lösung darin liegt, alleine glücklich sein zu können: Ich persönlich kann mir mein Leben durchaus angenehm gestalten etc., aber mir geht es sehr viel um die genannten "Kicks" - und den bekomme ich eben nur von solchen Frauen - und da beißt sich die Katze in den *beep*. Bin etwas ratlos.
Vielen Dank für eure Anregungen.
Puh, nein, dass das keine verhältnismäßige Reaktion von meiner Seite aus war ist mir klar. Grundsätzlich war "kurz vor dem Suizid", aber auch relativ drastisch ausgedrückt. Die Lage war ohne Zweifel damals sehr Ernst für mich und diese Gedanken kamen mir damals (kurz nach der Trennung) regelmäßig, einen konkreten Versuch gab es nicht. Ich konnte mich dagegen wehren und habe mir Hilfe geholt. Insgesamt siegte der Lebenswille bei weitem. Ich nahm es trotzdem als Warnsignal, dass es einiges gibt, an dem ich arbeiten muss und möchte.