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Wie diese Vorliebe für "krankhafte" Beziehungen lösen?

ramse

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Hallo liebe Forengemeinde,

Nach einer Trennung vor 9 Monaten, die mich immens getroffen und verletzt hat, versuche ich mein Leben wieder in eine normale Bahn zu lenken. Dabei habe ich momentan einige Schwierigkeiten, vielleicht könnt ihr mir mit euren Ansätzen, Erfahrungen oder Ratschlägen, wieder etwas die Augen öffnen, da mir einiges davon momentan recht unlösbar erscheint. Ansonsten ist es vielleicht auch gut, wenn ich versuche meine aktuelle Problematik in Schrift zu fassen, um mich selbst auch wieder etwas besser sortieren zu können. Noch zur allgemeinen Information: Bin 26 Jahre alt:

Als Hintergrundinformation, damit ihr meine Situation vielleicht besser verstehen könnt: Ich beginne etwa 6 Monate nach der Trennung mit meiner Ex. Bis dahin habe ich mich sehr viel mit mir selber, meiner Persönlichkeit etc. auseinandergesetzt, viel gelesen, auch Psychotherapie in Anspruch genommen (läuft noch, aber mit recht langen Abständen zwischen den Sitzungen, da ich der Meinung bin, ansonsten bringt das Ganze bei mir nicht all zu viel, ich muss "raus" und meine Erfahrungen machen, um das dann in der Therapie zu reflektieren - das kann mir natürlich auch der beste Therapeut nicht abnehmen) Ich blieb in diesen 6 Monaten bewusst recht viel alleine, um mich selber besser kennenzulernen und herauszufinden was mir gut tut: Kraftsport, Musik, ein warmes Bad, ein Spaziergang, eine Runde mit dem Auto fahren, aufwändig und gut für mich zu Kochen, ein gutes Buch lesen, auch mal etwas Richtung Entspannungsübung / Atemübung / Achtsamkeit. Um nur ein paar Dinge zu nennen, für die ich mir bewusst Zeit genommen habe, die ich alleine machen kann und die auch sehr angenehm finde.

Und auf der anderen Seite, einen regelrechten "Kick"- Zeiten in denen ich wirklich absolut glücklich und zufrieden war - gaben mir nur Begegnungen mit ein paar speziellen Menschen und sehr tiefe, stundenlange Gespräche mit ihnen über die verschiedensten Themen. Unter anderem war unter diesen für mich so speziellen Menschen - die mir diesen Kick geben konnten - eine Frau, mit einer diagnostizierten Borderlinestörung (rein platonisches Verhältnis, noch zur Info: auch meine Exfreundin war (diagnostizierte) Borderlinerin).

Nun zurück, nach 6 Monaten, die ich viel alleine oder eben mit meinen Freunden verbrachte, sehnte ich mich wieder nach körperlicher Nähe zu einer Frau. Ich meldete mich auf einer Datingapp an und recht schnell lernte ich dort eine junge Frau (20 Jahre) kennen, die mein Interesse weckte. Was darauf folgte ist so eine Geschichte für sich:

Ich genoss die Zeit mit ihr, wir hatten viel Spaß, gingen liebevoll miteinander um, tauschten viele Zärtlichkeiten aus und mir gefiel es sehr mit ihr. Größere Gefühle hatte ich aber noch keine entwickelt, manchmal etwas Schmetterlinge im Bauch - ein Hauch von Verliebtheit. In meine Ex (zur Erinnerung: Borderlinerin) war ich nach dem zweiten Treffen über beide Ohren verliebt, daher schwor ich mir, mein Gegenüber zuerst sehr gut kennenzulernen, bevor ich mich emotional wieder dermaßen auf jemanden einlasse - darin sah ich die Ursache. Bei meiner neuen Bekanntschaft ging ich davon aus, dass sich von meiner Seite aus durchaus noch Gefühle entwickeln könnten, wenn ich sie entsprechend gut kennenlerne. Insgesamt war ich aber eher misstrauisch. Dann kam folgendes:

Die einstige Fassade dieser Frau begann recht schnell stark zu bröckeln: Während der Zeit in der wir dateten wurde sie von einem ihrer Verwandten krankenhausreif geschlagen - sie erzählte mir, dass das nicht das erste Mal war. Ich versuchte ihr in dieser Zeit so gut ich konnte zur Seite zu stehen, sie emotional etwas abzufangen, ihr zuzuhören, sie zu trösten und mich um sie zu kümmern - sie sagte mir ich sei ihr eine riesige Stütze in dieser Zeit gewesen. Immer mehr kristallisierte sich aus der lebenslustigen, ausgeglichenen Frau, als die sie sich mir ursprünglich zeigte, eine Frau mit einer sehr schweren Geschichte und entsprechend vielen kleineren Macken (Ängste, Vermeidungsverhalten, Verdrängung, Dissoziation, wenig Gespür für ihre Emotionen) heraus. Und bei mir triggerte es meinen Beschützerinstinkt: Oft lag sie stundenlang auf meiner Brust gekuschelt, ihr Gesicht in meine Halsgrube gelegt und ich habe ihr ihr Haar gestreichelt. Das gab uns beiden viel - sie sprach von "ultimativer Geborgenheit", auch ich liebte es sie so zu halten und so Nahe zu haben.

Irgendwann sagte sie mir mehrere Treffen nacheinander ab. Zuerst nahm ich es locker, glaubte an ihre Begründungen, nach dem dritten Mal in Folge (zu diesem Zeitpunkt waren über zwei Wochen seit dem letzten Treffen verstrichen) redete ich Klartext mit ihr, schrieb ihr leider etwas wütend und impulsiv, dass ich hier mehr Verlässlichkeit von ihr verlange, sonst können wir es auch sein lassen. (hatte mich alle dreimal auf sie eingestellt, war unter anderem ein paar Sachen zum Essen/Trinken einkaufen für sie etc. - dann jeweils eine kurzfristige Absage kurz vor dem Treffen) Gut, ich denke es war gerechtfertigt, hier eine Grenze zu setzten, die sofortige Drohung mit der Trennung war allerdings maßlos übertrieben von mir und verletzte sie sehr. Für das Drohen mit der Trennung entschuldigte ich mich dann beim folgenden Telefonat.

Schlussendlich scheint das wohl alles zerstört zu haben. Seither hatten wir kaum Kontakt mehr, bis auf ein paar Whatsapp-Nachrichten und ein längereres Telefonat. Ergebnis in Kurzform: Sie weiß nicht mehr was sie für mich fühlt. Dazu einige für mich sehr unnachvollziehbare Argumente: Sie habe Angst, dass sie nicht weiß was sie sagen soll, wenn wir uns aussprechen; Angst, dass das Ergebnis der Aussprache sie zu sehr verletzt etc. In meiner letzten Nachricht schrieb ich ihr noch, dass sie sich gerne bei mir melden kann, wenn sie mag. Dabei habe ich es belassen, nun haben wir seit etwa 2 Wochen keinen Kontakt mehr gehabt. Ich rechne auch nicht damit, dass sie diesen wieder aufnimmt.

Das Ganze wundert mich auch überhaupt nicht, ich wusste ungefähr auf was ich mich eingelassen habe. Ich wusste, dass sie eine Frau mit sehr vielen Ängsten ist, die früher oder später auch vor mir nicht halt machen würden. Immer wieder, während der Zeit die wir zusammen verbrachten, konnte ich sehen, wie sie andere Menschen aus ihrem Leben verbannte, aufgrund von einmaligen Vorfällen, die sie sehr verletzten. Ich habe ihr diesbezüglich auch nicht viel reingeredet, dachte das ist ihre Sache. Ich zog meine Konsequenzen dadurch, dass ich immer darauf achtete immer die nötige emotionale Distanz zu ihr zu halten und war gefasst darauf, dass das Ende recht plötzlich sein könnte. Vielleicht kann ich das Ende darum so gelassen nehmen, wie ich es tue - teilweise überrascht es mich selbst, wie wenig es mich berührt - es fühlt sich falsch an, ich fühle mich so abgestumpft und kalt. Und das obwohl ich die Zeit mit ihr wirklich sehr genießen konnte. Mit ihr gemeinsam konnte ich mich absolut Fallen lassen, mit ihr in eine Art Traumwelt gehen in der ich mich absolut Wohl fühlte und sehr intensive Momente des Glücks erleben. Ich hatte sie sehr gerne, trotz ihrer Macken (oder vielleicht genau wegen dieser), es war für mich so logisch, dass das so ist, aufgrund der schlimmen Dinge die sie erlebte - und trotzdem ist sie im Großen und Ganzen so eine zuckersüße, meist doch sehr lebensfrohe und humorvolle Frau geblieben.

Jetzt kommen wir zu den Gedanken die sich mir diesbezüglich stellen: Wieso lasse ich mich trotzdem auf so etwas ein? Ich versuche es hier für euch nachvollziehbarer zu machen, bitte gebt mir Feedback, ob meine Gedanken diesbezüglich total verquert sind, oder ob ihr ähnlich gehandelt hättet. Spätestens ab dem Tag, an dem sie von ihrem Verwandten zusammengeschlagen wurde und mir offenbarte, dass es nicht das erste Mal war, dass sie massiv Gewalt erfahren hat etc., war mir bewusst, dass das sicher psychisch die eine oder andere deutliche Spur hinterlassen hat. (Was sich auch mehr und mehr bestätigte, sie baute mehr und mehr Vertrauen auf und wie oben erwähnt, zeigte mir mehr und mehr was hinter ihrer Fassade steckt - Angst, Vermeidungsverhalten, Dissoziation etc.) Aus meiner Sicht, wäre es aber unmenschlich gewesen, sie in dieser Situation alleine und im Stich zu lassen, auch wenn wir erst wenige Wochen dateten. Außerdem lag dies natürlich auch absolut nicht in ihrer Verantwortung, sie konnte nichts dafür, war ein Gewaltopfer. Ich wollte auf das gehen, wie sie sich mir gegenüber verhielt und dass war immer sehr liebevoll. Das einzige, was mich wirklich in der Zeit mit ihr diesbezüglich auch betraf, waren ihre Ängste und ihr resultierendes Vermeidungsverhalten. Sie hatte zum Beispiel Angst im Dunkeln nach draußen zu gehen, weshalb ich sie immer nach Hause bringen musste, wenn sie nicht bei mir schlief. Aber das waren für mich Kleinigkeiten und machte ich gerne für sie. Ebenso, war ihr immer eine Gutemorgen und Gutenacht-Nachricht wichtig - schrieb ich ihr auch gerne täglich, sie bat mich das nie zu vergessen, sonst würde sie sich total verkopfen, ob etwas nicht stimmt. Andere würde das vermutlich abschrecken, ich fand das total süß, dass sie so an mir hängt. Für mich war sie eine Art "Pflänzchen", das gehegt und gepflegt werden muss, aber ich machte dies gerne und bekam viel zurück von ihr. Helfersyndrom, übermäßiger Beschützerinstinkt keine Ahnung was das ist, aber was soll ich machen? Irgendwie fühle ich mich ja sehr wohl in solchen toxischen Konstilationen. Nur weiß ich, dass solche Beziehungen nicht von Dauer sind und ich würde gerne etwas mit Konstanz finden - allerdings ziehe ich genau das oben genannte an. Die Frauen, die ich finde haben alle dieses sehr ähnliche Muster. Das Problem ist, das zeigt sich absolut nicht in den ersten Wochen/Monaten, sondern kommt später zum Vorschein, die Zeit ist absolut schön und intensiv, doch dann werde ich geghostet etc. Habt ihr vielleicht konkrete Tipps, was ich ändern kann, damit das nicht mehr so ist? Ich vermute, dass die Lösung darin liegt, alleine glücklich sein zu können: Ich persönlich kann mir mein Leben durchaus angenehm gestalten etc., aber mir geht es sehr viel um die genannten "Kicks" - und den bekomme ich eben nur von solchen Frauen - und da beißt sich die Katze in den *beep*. Bin etwas ratlos.

Vielen Dank für eure Anregungen.

24.09.2018 04:27 • x 1 #1


Kontra

Kontra


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Nur kurz, weil früh:

1. Intervall für die Therapie/psychologische Beratung hoch setzen. Ja, man muss das ins Leben und den Alltag einbringen, kann aber nur in regelmäßigen, nahen Abständen auch neues Verhalten erlernen, Sicherheit bekommen. Große Abstände sind eher für den letzten Teil einer Therapie geeignet.

2. Dich fragen: warum musst du immer "der Retter" solcher Typen Frauen sein?
Bei der aktuellen Dame kam ja sehr direkt und klar heraus, dass es wieder nach dem gleichen Muster verlaufen würde, warum nicht dann die Notbremse ziehen, sondern erst, wenn sie anfängt sich zu entziehen?
Darfst du nur Liebe annehmen, wenn du sie dir vorher verdient hast?

3. An sich: du bist auf dem Weg; eine erste Veränderung ist bei dir schon passiert - durch das Beobachten - allerdings auch nur durch vorheriges Sicherheits- bzw. Vermeidungsverhalten (dich nicht emotional einlassen), und das ist nicht die Lösung des Problems.

24.09.2018 04:59 • x 3 #2


Konrad

Konrad


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ramse, wenn ich hier die Beiträge von Frauen Querlese, sehe ich dieses Problem das Du Beklagst in Ähnlicher form aber Hundertfach. Es muß dafür nichtmal ein Schräges Verhalten wie von Border , Depri , früherer Missbrauch, Histrionie oder sowas beim ODB vorliegen um zu Helfen, das eigene Selbsbewußtsein zu Pushen oder Macht auszuüben.
Bei Männern gibt es grob 3 Typen,- den Braven,- treuen Ehemann der aber Langweilig ist. Den Bad Boy der Unzuverlässig ,alles Angräbt was nicht bei 3 auf den Bäumen ist und natürlich den Pfegefall der ein Fiasko verspricht.

Na dann rate mal wohinn se echt zuverlässig hingreifen
Der Bad Boy isses und dann Jammern se rum und Beklagen sich über die Böse Männerwelt. Selbst wenn se Ihn den Badboy schon kennen weil er von der Freundin Aussortiert wurde gehen sie geziehlt an den rann und heulen sich hier die Augen aus.

Also @ramse jetzt reagierste auf die Erfahrungen indem Du Deine Männlichkeit in Hinsicht auf S völlig verklemmst, is doch Mist, oder?
Ist denn das ODB so Hässlich?
Na, dann nimms doch einfach Sportlich, lass alles offen. Sie hat wenn Ihre tollen Gefühle von einem zum anderen Tag wegen was weiß ich was weg sind , vielleicht wegen einem falschen Wort oder zwei Zahnpastaflecken Bad, oder Deja vue Histrionisch reagiert.

Also, solange Du nix anderes Vernünftiges hast, lass doch einfach pragmatisch die Türe offen und reagiere nicht auch in gleicher form.
Du bist Dir ja Bewußt darüber was Du willst, dann suchste in den Wochen in denen sie neu Eingestellt wird eben weiter.
Wenn se nicht in eine Psychose kommt, Dir die Wohnung kurz und klein Schlägt und alles aus dem Fenster wirft sondern nur Dir Ihren Seelenmüll Überstülpt is doch alles Palletti

24.09.2018 11:43 • x 1 #3


gastfrau2409


Guten Tag,
wenn Du den *kick* bei potentiell neuen Partnerinnen nur dann spürst wenn sie in das Schema bedürftig passen..dann ist das eben so. Das aufzuarbeiten, zu ändern oder zunächst überhaupt erstmal zu verstehen warum das so ist, ist Sache Deiner Therapie..sei froh das Du eine hast...
Sich bewußt Partner(innen) zuwenden die diesbezüglich keimfrei sind wird sicher schwierig weil man seine Gefühle nicht bewußt anknipsen kann...Kein Kick...kein Interesse.
Es nützt ja nichts das Du weißt wo das Debakel beginnt wenn Du nicht weißt wo Du (vorher) abbiegen kannst oder wie.
Wünsche Dir alles Gute und das Du Deinen (anderen) Weg findest.

24.09.2018 11:59 • x 2 #4


Konrad

Konrad


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Zitat von gastfrau2409:
Sich bewußt Partner(innen) zuwenden die diesbezüglich keimfrei sind wird sicher schwierig

Ganz ehrlich gesagt , kann ich ihn verstehen , sie haben was und ich habe den Verdacht das sich das in einem bestimmten Lebensalter versträrkt. Aus Hystrerisch wird eine Histrionische PS usw, aber das wächst sich aus
Wichtig ist das sie Bleiben. Schwierig wo erwähnt bleiben sie, aber mann gönnt sich ja sonst nichts.

24.09.2018 12:20 • x 1 #5


Konrad

Konrad


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Zitat von gastfrau2409:
Sich bewußt Partner(innen) zuwenden die diesbezüglich keimfrei sind wird sicher schwierig

Genau , ganz selten Europaweit, oder fest Integriert.
Da ramse kommt dann Plan B auf den Tisch.

24.09.2018 17:37 • #6


ramse


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Erstmal ein herzliches Dankeschön an euch alle für eure Beiträge.

Zitat:
1. Intervall für die Therapie/psychologische Beratung hoch setzen. Ja, man muss das ins Leben und den Alltag einbringen, kann aber nur in regelmäßigen, nahen Abständen auch neues Verhalten erlernen, Sicherheit bekommen. Große Abstände sind eher für den letzten Teil einer Therapie geeignet.


Vermutlich eine sehr gute Idee. Momentan bin ich bei Abständen von ca. 7 Wochen zwischen den Therapieeinheiten. Ich habe einen Therapeuten gefunden, von dem ich sehr viel halte, allerdings geht es dabei anscheinend nicht nur mir so Das heißt, dass er von seinen Terminen her ziemlich ausgelastet ist und es schwierig werden könnte, mehr als monatliche Sitzungen, bei meinem jetzigen eher geringen Leidensdruck darunter, zu bekommen. Ich werde ihn aber bei der nächsten Sitzung mal fragen, was von seiner Seite aus Möglich wäre.

Zitat:
2. Dich fragen: warum musst du immer "der Retter" solcher Typen Frauen sein?
Bei der aktuellen Dame kam ja sehr direkt und klar heraus, dass es wieder nach dem gleichen Muster verlaufen würde, warum nicht dann die Notbremse ziehen, sondern erst, wenn sie anfängt sich zu entziehen?
Darfst du nur Liebe annehmen, wenn du sie dir vorher verdient hast?


Ich gehe jetzt Mal auf die Frau ein, die ich in meinem Beitrag beschrieben habe. Vorerst fand ich nichts auffälliges an ihr, sie präsentierte sich mir als tolle und stabile, absolut unauffällige Persönlichkeit und wir hatten eine sehr schöne gemeinsame Zeit zusammen. Diese Fassaden am Anfang sind aus meiner Sicht für den Laien absolut undurchschaubar. Dann kam der Schicksalsschlag, als sie von diesem Verwandten zusammengeschlagen wurde. Sie schrieb mir, was passiert ist und fragte mich, ob ich zu ihr ins Krankenhaus kommen könne, sie habe Angst, dass er vor dem Krankenhaus auf sie warte, habe einen Rippenbruch und mehrere Prellungen im Gesicht. Für mich ja absolut verständlich, dass sie sich in so einer Situation Hilfe sucht. Und das sie mich diesbezüglich auswählte überraschte mich nicht, die letzten Wochen hatten wir sehr viel Kontakt und ich schinde, aufgrund meiner Körpergröße und Statur (194, 116kg, recht muskulös) doch auch Eindruck, falls hier wirklich ein Angreifer auf sie lauern würde. Um es jetzt mal sehr drastisch zu formulieren: Wäre dies der Zeitpunkt gewesen, an dem ich schon aussteigen sollte? Es war schon der Zeitpunkt, an dem ich mir dachte - "Puh, hier scheint was Gewaltig im Argen zu liegen." Aber dies hätte ich moralisch absolut nicht übers Herz gebracht, wäre absolut gegen das gewesen, was ich in diesem Moment wollte und für diesen Vorfall konnte sie nichts. Klar, auch ich kann nichts dafür, dass ihr das passiert ist, aber dass sie sicher nach Hause kommt war mir einfach wichtig. "Es tut mir leid was dir passiert ist, ich kann momentan leider nicht, ich hoffe du findest jemanden, der dich nach Hause begleitet." - Dies wäre vielleicht. noch eine Option gewesen, zu diesem Zeitpunkt auszusteigen, allerdings wollte ich zu diesem Zeitpunkt wirklich Sicher gehen, dass sie jemanden hat der für sie da ist und ich hatte auch Zeit.

Wenn ich jetzt in den Reflexionsmodus wechsle und das weiter hinterfrage wieso: Ich fühlte mich selber auch wichtig dadurch und wusste schon, dass mir das sehr viele Punkte bei ihr bringen würde - vielleicht etwas manipulativ und hinterhältig. Auf der Anderen Seite aber auch Zuneigung ihr Gegenüber, Mitgefühl mit ihr (mir kamen selber die Tränen, als sie mir schilderte, was ihr passiert ist), mein eigenes Wertsystem. Die Frage, ob ich denke, dass ich mir Liebe erst verdienen muss ist deshalb gar nicht so abwegig. Allerdings möchte ich das auch etwas relativieren, ich denke die Liebe entsteht schon durch die Kleinigkeiten, die man zusammen erlebt, dass sie nur durch Geben entsteht, denke ich allerdings nicht. Noch so ein Gedanke, der mir gerade so spontan gekommen ist: Würde ich mich so gut um mich selber kümmern, wie um andere, wäre ich bestimmt sehr glücklich.

Auch später als sich dann die vielen kleinen Baustellen bei ihr öffneten - wäre dies der Zeitpunkt gewesen zu gehen? Ich wüsste nicht warum: Sie Idealisierte mich und behandelte mich entsprechend. Ich litt zu keinem Zeitpunkt an ihren Macken, die meisten hielt sie von mir fern und die, die ich zu spüren bekam (z.B. die Forderung der Morgen und Nachtnachricht), störten mich nicht. Als sich das Ganze dann änderte und ich von ihren - ich nenne es mal Schwierigeren Charakterzügen - unmittelbar betroffen war (sie mir diese 3 Treffen absagte), zog ich recht schnell meine Konsequenzen und setzte ihr hier eine Grenze - und das schien für sie schon zuviel gewesen zu sein. Ich wählte dies als den passenden Zeitpunkt und erkenne jetzt auch im nachhinein keinen Besseren, an dem ich die Bremse ziehen konnte. Korrigiere mich gerne, wenn du hier anderer Meinung bist, ich bin hier um mich damit auseinanderzusetzten und andere Feedbacks zu bekommen.

Zitat:
3. An sich: du bist auf dem Weg; eine erste Veränderung ist bei dir schon passiert - durch das Beobachten - allerdings auch nur durch vorheriges Sicherheits- bzw. Vermeidungsverhalten (dich nicht emotional einlassen), und das ist nicht die Lösung des Problems.


Danke, dass du das angeführt hast. Es ist wichtig auch die Fortschritte im Auge zu behalten, sich nicht nur auf das zu konzentrieren was nicht klappt. Ich sah momentan einen ziemlichen Stillstand bei mir und ja du hast Recht - das erkennen ist bereits ein Schritt. Und ich hoffe, dass ich bald eine bessere Lösung finden kann.

Zitat:
Also @ramse jetzt reagierste auf die Erfahrungen indem Du Deine Männlichkeit in Hinsicht auf S völlig verklemmst, is doch Mist, oder?
Ist denn das ODB so Hässlich?

Also, solange Du nix anderes Vernünftiges hast, lass doch einfach pragmatisch die Türe offen und reagiere nicht auch in gleicher form.
Du bist Dir ja Bewußt darüber was Du willst, dann suchste in den Wochen in denen sie neu Eingestellt wird eben weiter.
Wenn se nicht in eine Psychose kommt, Dir die Wohnung kurz und klein Schlägt und alles aus dem Fenster wirft sondern nur Dir Ihren Seelenmüll Überstülpt is doch alles Palletti


Nein, diese Frau ist absolut heiß. Ist auch so ein Muster, viele Frauen mit dieser Persönlichkeit sprechen mich optisch total an, die mit denen ich anbandelte waren immer extrem attraktive Frauen. (auch objektiver gesehen, meine Kumpels staunten oft nicht schlecht, was ich wieder für ein "Häschen" mitbrachte). Oft schätzte ich sie im Bezug auf ihr Äußeres in eine deutlich "höhere Liga", als mich selbst. Bin auch zugegebenermaßen in diesem Aspekt sehr wählerisch und etwas oberflächlich, was meine Wahl an Frauen betrifft. Und gerade der S. mit diesen Frauen ist meist einfach

So ähnlich handhabe ich es zurzeit sowieso: Ich schrieb ihr noch in meiner letzten Nachricht, wie erwähnt, dass sie sich gerne wieder bei mir melden kann. Ich warte nicht darauf und gehe nicht davon aus, dass das noch passieren wird, allerdings hab ich mir diese Türe durchaus noch offen gelassen. Bin seit einer Woche wieder auf der Single-Börse aktiv und habe wieder einige Interessinnen im oberflächlichen Chatkontakt. Momentan ist mir aber wenig danach, hier wieder "zuzugreifen" und mehr Initative zu zeigen. Lieber wäre es mir zuerst herauszufinden, was ich im Thema Beziehung selber so veranstalte. Klar, die Chancen stehen gut, dass ich hier wieder recht schnell eine Frau für schöne Stunden etc. finde, allerdings hasse ich auch diese neue "Wegwerfgesellschaft" von Menschen - die eine weg, die nächste her, wieder Weg - in der Hoffnung irgendwann jemanden zu finden, mit dem es passt. Vermutlich ist es das, was es braucht, mir kommt es vor wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Und vielleicht ist es genau das. Momentan ist mir das irgendwie zu anstrengend und unerfüllend. Ich bin auch am überlegen, dass Thema "Datingapps" zu beenden, da hier doch viele Persönlichkeiten umhergeistern, die wohl sehr in "mein Schema" fallen. Allerdings bewährte es sich für mich sehr viel mehr, um schnell und unkompliziert Kontakte zu knüpfen, wie die "Jagd in freier Wildbahn". Zum Thema "Seelenmüll" überstülpt - ich ecke mit dieser Formulierung etwas an, klar könnte man es so bezeichnen, ich empfinde hier ihre Geschichte/Ängste etc. nicht als Müll für mich, ich interessiere mich auch für sie als Mensch und möchte gut behandeln, was sie mir anvertraut. Und hier zeigt sich, dass ich vermutlich nicht genug "Bad Boy" bin, um die Frauen dauerhaft zu behalten. Mit der Pick-Up-Thematik bin ich vertraut, ausprobiert und sogar Erfolg damit gehabt, halte dies aber für sehr problematisch. Ich müsste mich verstellen, um die Prinzipien dieses Gebiets anzuwenden - das ist auch nicht der Sinn dahinter.

Zitat:
Sich bewußt Partner(innen) zuwenden die diesbezüglich keimfrei sind wird sicher schwierig weil man seine Gefühle nicht bewußt anknipsen kann. Kein Kick. kein Interesse.


Hier bringst du es extrem gut auf den Punkt - hier ist das Problem, bei dem ich mich im Kreis drehe und ich denke, dass es sehr schwierig wird, hier Änderungen hervorzurufen und das zu finden auf was ich auf der Suche bin: Eine Gesunde Beziehung und Liebe, womit die Beziehungen die ich derzeit so herbekomme nichts zu tun haben.

24.09.2018 20:38 • x 1 #7


Kontra

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Zitat von ramse:
Vermutlich eine sehr gute Idee. Momentan bin ich bei Abständen von ca. 7 Wochen zwischen den Therapieeinheiten. Ich habe einen Therapeuten gefunden, von dem ich sehr viel halte, allerdings geht es dabei anscheinend nicht nur mir so Das heißt, dass er von seinen Terminen her ziemlich ausgelastet ist und es schwierig werden könnte, mehr als monatliche Sitzungen

..das wäre immerhin fast verdoppelt im Intervall, also das sollte mindestens drin sein. Zweiwöchig noch besser, optimal einmal wöchentlich! Verhaltenstherapie besteht zunächst mal aus viel Üben; Und ja, Natürlich muss man das "da draußen" machen - Es besteht jedoch besonders bei den ersten Schritten die große Wahrscheinlichkeit, sich zu verrennen (Klassiker: statt Angst aushalten lernen wird Sicherheitsverhalten eingeübt, was das Gegenteil bewirkt des eigentlichen Vorsatzes!), oder eben auch, wie bei dir ja anscheinend passiert, kleine Fortschritte nicht als solche zu erkennen, bzw. gar nicht erst zu sehen. Genau dafür hat man einen Therapeuten. Also ran da.

Zitat von ramse:
bei meinem jetzigen eher geringen Leidensdruck darunter,

Ich denke, da verschätzt du dich herade gewaltig. Ist dein Leidensdruck wirklich so gering? Bzw. war er das nach der letzten Beziehung? Ist ständig auf der Hut sein müssen vor der Falle des eigenen "fehlgeleiteten Geschmacks" für dich wenig Leidensdruck? Oder fängst du gar an, deinen Leidensdruck mit dem von dir bei diesen Frauen beobachteten zu vergleichen?

Zitat von ramse:
Ich gehe jetzt Mal auf die Frau ein, die ich in meinem Beitrag beschrieben habe.

Auch hier: Es ging in meiner Frage doch nicht um sie, sondern um dich. Wieso beschreibst du erst sie, dann dich..?
Spürst du dich und dein Verhalten nur in Bezug auf sie?

Zitat von ramse:
Danke, dass du das angeführt hast.

Gerne. Siehe erster Teil: Dabei hilft ein Therapeut auch.

Zitat von ramse:
Nein, diese Frau ist absolut heiß. Ist auch so ein Muster, viele Frauen mit dieser Persönlichkeit sprechen mich optisch total an, die mit denen ich anbandelte waren immer extrem attraktive Frauen. (auch objektiver gesehen, meine Kumpels staunten oft nicht schlecht, was ich wieder für ein "Häschen" mitbrachte). Oft schätzte ich sie im Bezug auf ihr Äußeres in eine deutlich "höhere Liga", als mich selbst. Bin auch zugegebenermaßen in diesem Aspekt sehr wählerisch und etwas oberflächlich, was meine Wahl an Frauen betrifft. Und gerade der S. mit diesen Frauen ist meist einfach

Das wird ja häufig so geschildert.
Nun überlege mal, wieso das so wichtig ist. S. Sollte gut sein, natürlich. Ist auch nett, den Partner vorzeigen zu können. Aber müssen die Kumpels neidisch sein? Musst du dir selber beweisen, dass du "die aus der oberen Liga" haben kannst? Wenn ja, warum?



Das hier ist einer der wichtigsten Sätze in deinem Beitrag, meiner Meinung nach:
Zitat von ramse:
Würde ich mich so gut um mich selber kümmern, wie um andere, wäre ich bestimmt sehr glücklich.

!

Zitat von ramse:
Ich wählte dies als den passenden Zeitpunkt und erkenne jetzt auch im nachhinein keinen Besseren, an dem ich die Bremse ziehen konnte. Korrigiere mich gerne, wenn du hier anderer Meinung bist, ich bin hier um mich damit auseinanderzusetzten und andere Feedbacks zu bekommen.

Jeder vorherige von dir genannte Zeitpunkt wäre auch gegangen. Du hattest aber "Gründe"(=Ausreden, bzw Rechtfertigungen), weswegen du nicht ablassen wolltest. Denke, da hat das Ego eher mit gespielt als die Moral (die ist nur eine schöner klingende Entschuldigung für: "Ich wollte mir nicht eingestehen, dass ich falsch lag!").
Drösel das mal etwas detaillierter auseinander.

24.09.2018 20:54 • x 1 #8


Konrad

Konrad


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Zitat von ramse:
Oft schätzte ich sie im Bezug auf ihr Äußeres in eine deutlich "höhere Liga", als mich selbst. Bin auch zugegebenermaßen in diesem Aspekt sehr wählerisch und etwas oberflächlich, was meine Wahl an Frauen betrifft. Und gerade der S. mit diesen Frauen ist meist einfach

Warum setzte Dich selbst denn so unter Stress,
verdeckte Schönheiten stehen jeden morgen an Bus und Strassenbahhaltestellen, da könnte man zuerst was ganz Normales finden.
warum ein Poster mädchen?
Ausserdem bringt jeder was mit und wenn es nur der eigene Familienwahnsinn ist.
Weiste was ramse, Jeder hat Defizite und jetzt geht es darum bei der Parnerfindung das Deine Defizite und die Deiner Partnerin weitesgehend Kompaktibel sind.
Wenn Du zu Problemfällen Neigst aus irgend einem Grund dann könnteste ja darauf achten das Du das auch Händeln kannst, dann is doch gut..
Normal kann jeder, is doch langweilig.

24.09.2018 22:05 • x 3 #9


ramse


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Zitat:
Ich denke, da verschätzt du dich herade gewaltig. Ist dein Leidensdruck wirklich so gering? Bzw. war er das nach der letzten Beziehung? Ist ständig auf der Hut sein müssen vor der Falle des eigenen "fehlgeleiteten Geschmacks" für dich wenig Leidensdruck? Oder fängst du gar an, deinen Leidensdruck mit dem von dir bei diesen Frauen beobachteten zu vergleichen?


Ok, dass habe ich ungünstig formuliert: eher niedriger Leidensdruck meinte ich im Bezug, auf das sonstige Klientel eines Psychotherapeuten. Bei mir funktionieren andere Aspekte im Leben gut: Freunde, auf die ich mich jederzeit verlassen kann, gut bezahlter sicherer Job bei dem ich mich wohl fühle und mir leicht fällt, schöne Wohnung, Auto, sehr gute Bildung etc. Ich habe hauptsächlich familiäre Probleme und eben bei meinen Liebesbeziehungen. Es ist schlimm, der Leidensdruck besteht ohne Frage, aber ich verstehe es, wenn der Therapeut diesbezüglich "akuteren Fällen" bei der Terminvergabe den Vortritt lässt - auch ich war froh, als ich nach der Trennung von meiner Ex kurz vor dem Suizid stand eine Zeit lang auch 2-3 Sitzungen pro Wochen erhalten habe. Mittlerweile schlägt er mir eben die Termine in den besagten etwa 7 wöchentlichen Abständen vor, wenn ich aufgrund meines aktuellen Zustands frühere will, ist es oft sehr schwierig einen passenden Termin zu finden, abgeschlagen hat er es mir jedoch nie. Deshalb denke ich, dass es nicht einfach werden wird bei ihm eine viel höhere Frequenz als monatlich zu bekommen, werde ihn aber definitiv mal fragen, was drinnen wäre.

Und Leidensdruck mit den beschriebenen Frauen vergleichen: Auch dieser Input ist mir mal gekommen und habe darüber nachgedacht: Eigentlich ja eine sehr schöne Ablenkung, von den eigenen seelischen "Närbchen", wenn das Gegenüber eine seelische Ganzkörperverbrennung dritten Grades zeigt. Relativiert dann natürlich sehr viel und ist bestimmt eine der Erklärungen, was mir an diesen Frauen sehr gefällt. Trotzdem bin ich in der Therapie diesen eigenen "Närbchen" auf der Spur.

Zitat:
Auch hier: Es ging in meiner Frage doch nicht um sie, sondern um dich. Wieso beschreibst du erst sie, dann dich. ?
Spürst du dich und dein Verhalten nur in Bezug auf sie?


Hier habe ich mir Gedacht: Ok, du scheinst zu wissen, wovon du schreibst und ich fragte mich etwas nach deinem Hintergrund. Oder sind es so offensichtliche typische Muster, womöglich eigene Erfahrungen?

Aber zurück zu mir (wenigsten dieses Mal) Du hast hier ziemlich ins Schwarze getroffen, mich selber besser zu spüren ist ein großer Teil meiner Therapie und mir das Wichtigste anliegen dabei. Ich lerne dabei Übungen, Achtsamkeit etc. und mache dabei bereits Fortschritte. Allerdings ist noch - sagen wir mal - Luft nach oben, eine schwierige Angelegenheit, bei der ich mir aber sicher bin, dass es sich lohnt daran zu arbeiten. Und ja, es waren auch schon Ansätze, die ich hatte: Ich spüre mich in Gegenwart einer solchen Frau sehr viel stärker. Sie lösen gewaltige Emotionen in mir aus, die ich sonst sehr viel weniger habe. Ich vermute die berüchtigten Übertragungen. Es kann durchaus vorkommen, dass eine "meiner Borderline Damen" vor mir weint und ich diese Trauer selber spüre - und zwar immens stark. Und trotzdem - ich finde es schön, diese Emotionen (stark) zu erleben, selbst Traurigkeit. Das Ganze funktioniert natürlich auch mit positiv behafteten Emotionen - ich führte die Traurigkeit an, weil es mir selber am komischsten vorkommt. Hätten wir in diesem Fall Teil zwei für die Ursache meiner Vorliebe für außergewöhnliche Persönlichkeiten. Was mir jetzt für ein Gedanke diesbezüglich kommt: Sind diese Frauen, dann nicht auch das Ideale Übungsfeld, um mehr Gespür für die eigenen Emotionen zu bekommen?

Zitat:
Das wird ja häufig so geschildert.
Nun überlege mal, wieso das so wichtig ist. S. Sollte gut sein, natürlich. Ist auch nett, den Partner vorzeigen zu können. Aber müssen die Kumpels neidisch sein? Musst du dir selber beweisen, dass du "die aus der oberen Liga" haben kannst? Wenn ja, warum?


Die offensichtlichste Antwort darauf: Selbstwertdefizite. Allerdings, wenn das die einzige Ursache ist, weshalb ich meinen Selbstwert durch eine schöne Frau an meiner Seite pushen muss - das Ganze ist für mich kein bewusster Prozess und ich weiß nicht, ob ich hier große Unterschiede zu anderen Menschen habe, wenn du es so anführst. Wenn ich eine Frau sehe, weiß ich ob sie mir optisch gefällt oder nicht. Wenn nicht, ist auch keine Anziehung da und für eine Beziehung/S. etc. ist sie für mich nicht intressant. Wie gesagt, ist ja auch kein bewusster Prozess, wer einem diesbezüglich zusagt und wer weniger. Ein Gedankenexperiment diesbezüglich: Mir gefällt eine Frau, bin mit ihr zusammen, alle meine Freunde sagen sie sei abgrundtief hässlich, was ich mit der will. 1. Wenn sie mir gefällt, bleibe ich mit ihr zusammen. 2. Meine Freunde würden vermutlich niemals so über eine Frau sprechen, mit der ich zusammen bin. Ihnen hätte ich nichts zu beweisen, wenn dann mir selber.

Zitat:
Jeder vorherige von dir genannte Zeitpunkt wäre auch gegangen. Du hattest aber "Gründe"(=Ausreden, bzw Rechtfertigungen), weswegen du nicht ablassen wolltest. Denke, da hat das Ego eher mit gespielt als die Moral (die ist nur eine schöner klingende Entschuldigung für: "Ich wollte mir nicht eingestehen, dass ich falsch lag!").


Möglich, aber dann hat sich mein Ego so gut versteckt, dass ich es selbst verkenne und ihm das wirklich so abgekauft habe, wie es mir das Ganze verkauft hat. Wie soll ich ihm denn da noch auf die Schliche kommen?

24.09.2018 23:01 • #10


Kontra

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Moin Ramse,

Zitat von ramse:
Bei mir funktionieren andere Aspekte im Leben gut: Freunde, auf die ich mich jederzeit verlassen kann, gut bezahlter sicherer Job bei dem ich mich wohl fühle und mir leicht fällt, schöne Wohnung, Auto, sehr gute Bildung etc.

Es ist gut, dass du dir dessen bewusst bist, und dass du diese Stützen hast. Denn ja, damit hast du mehr, als viele andere Menschen - aber nein, das bedeutet nicht, dass dein Leidensdruck in einem anderen Bereich nicht auch durchaus dramatisch und real ist, siehe:
Zitat von ramse:
als ich nach der Trennung von meiner Ex kurz vor dem Suizid stand

- denn eine Trennung wirft jeden Mensch sicher komplett aus der Bahn, aber nicht zwangsläufig davor (man verzeihe mir meinen schwarzen Humor, aber das bot sich gerade an).
Interessant außerdem:
Zitat von ramse:
Ich habe hauptsächlich familiäre Probleme und eben bei meinen Liebesbeziehungen.

- magst du da mal genauer drauf eingehen? Siehst du dort Parallelen zu deinen Beziehungen?

Zitat von ramse:
von den eigenen seelischen "Närbchen", wenn das Gegenüber eine seelische Ganzkörperverbrennung dritten Grades zeigt.

Warum sind es bei dir nur "Närbchen"? - und ist eine Wunde keine Wunde, wenn sie nachher besser verheilt als eine andere?


Zitat von ramse:
Ich lerne dabei Übungen, Achtsamkeit etc. und mache dabei bereits Fortschritte. Allerdings ist noch - sagen wir mal - Luft nach oben, eine schwierige Angelegenheit, bei der ich mir aber sicher bin, dass es sich lohnt daran zu arbeiten.

Definitiv. Das ist eine Arbeit, die du für den Rest deines Lebens jetzt schon mit machst.

Zitat von ramse:
Und ja, es waren auch schon Ansätze, die ich hatte: Ich spüre mich in Gegenwart einer solchen Frau sehr viel stärker. Sie lösen gewaltige Emotionen in mir aus, die ich sonst sehr viel weniger habe.

sowie
Zitat von ramse:
Ich vermute die berüchtigten Übertragungen.

und
Zitat von ramse:
Sind diese Frauen, dann nicht auch das Ideale Übungsfeld, um mehr Gespür für die eigenen Emotionen zu bekommen?

Was sagt der Therapeut dazu?

Außerdem zitiere ich mich mal kurz selber:
Zitat von Kontra:
(Klassiker: statt Angst aushalten lernen wird Sicherheitsverhalten eingeübt, was das Gegenteil bewirkt des eigentlichen Vorsatzes!)

in etwa so: "Ich habe eine große Unsicherheit wegen meines Aussehens, meinst du es würde helfen, wenn von mir als schön betrachtete Menschen mir jeden Tag sagen würden, dass ich schön bin?"
Think about it.

Zitat von ramse:
Ihnen hätte ich nichts zu beweisen, wenn dann mir selber.

Genau darauf wollte ich hinaus. Warum also die Freunde anführen, wenn es um dich geht? (Das ist dann zum Beispiel auch das Ego - das mag es natürlich auch super gerne, wenn die Freunde Bemerkungen über das "Häschen" an deiner Seite machen.. bei dem Begriff stellen sich mir übrigens die Nackenhaare auf. Frauen sind doch keine Accessoires.)
Zitat von ramse:
Mir gefällt eine Frau, bin mit ihr zusammen, alle meine Freunde sagen sie sei abgrundtief hässlich, was ich mit der will.

Gibt's in deiner Welt nur die Extreme? Die absoluten Bomben und abgrundtief hässliche Frauen?

Zitat von ramse:
Möglich, aber dann hat sich mein Ego so gut versteckt, dass ich es selbst verkenne und ihm das wirklich so abgekauft habe, wie es mir das Ganze verkauft hat. Wie soll ich ihm denn da noch auf die Schliche kommen?

Du bist ein cleveres Kerlchen, aber dein Ego ist das auch. Gehe mal nicht davon aus, dass es immer mit einer fetten roten Markierung rum steht, damit du es nur schnell entdecken kannst.

25.09.2018 08:53 • #11


ramse


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Hallo Kontra, danke nochmals für deine Antworten.

Zitat:
denn eine Trennung wirft jeden Mensch sicher komplett aus der Bahn, aber nicht zwangsläufig davor (man verzeihe mir meinen schwarzen Humor, aber das bot sich gerade an).


Der war nicht schlecht. Puh, nein, dass das keine verhältnismäßige Reaktion von meiner Seite aus war ist mir klar. Grundsätzlich war "kurz vor dem Suizid", aber auch relativ drastisch ausgedrückt. Die Lage war ohne Zweifel damals sehr Ernst für mich und diese Gedanken kamen mir damals (kurz nach der Trennung) regelmäßig, einen konkreten Versuch gab es nicht. Ich konnte mich dagegen wehren und habe mir Hilfe geholt. Insgesamt siegte der Lebenswille bei weitem. Ich nahm es trotzdem als Warnsignal, dass es einiges gibt, an dem ich arbeiten muss und möchte.

Zitat:
magst du da mal genauer drauf eingehen? Siehst du dort Parallelen zu deinen Beziehungen?


Genauer eingehen möchte ich auf meine Familie hier nicht öffentlich. (Dies würde das Ganze nun doch zu eindeutig machen, falls jemand den ich kenne darauf stößt.) Grob gesagt: Parallelen bestehen darin, dass das Hauptproblem mit weiblichen Familienmitgliedern besteht, ich habe/hatte keine psychisch stabilen weiblichen Bezugspersonen innerhalb der engsten Familie. Mein Vater war dafür eine starke, liebevolle und stabile Bezugsperson - vielleicht auch ein wenig ein Mann, der gerne den "Retter" spielte, bzw. das auch teilweise machen musste, um seine Tochter zu retten. In der Zeit, als meine Schwester diese Phasen (u.a. schwere Suizidalität) hatte, war auch ich in der Pubertät - entsprechend keinen Raum hatte ich, meinen Eltern und besonders dem Vater, hier noch ein normales Teenager Verhalten, mit Grenzüberschreitungen etc. aufzuhalsen und meine Emotionen kennenzulernen. Aber diese Aspekte behandle ich sowieso auch in der Therapie.

Zitat:
Warum sind es bei dir nur "Närbchen"? - und ist eine Wunde keine Wunde, wenn sie nachher besser verheilt als eine andere?


"Närbchen" nannte ich es aus der Überlegung hinaus, dass dies mit ein Grund sein könnte, warum ich die Gesellschaft u.a. von Borderlinefrauen so gerne habe. Hier wird die Narbe subjektiv empfunden vielleicht in dieser Zeit zum "Närbchen" und lenkt mich von den eigenen Problemen ab. Wenn ich zum Beispiel, wie erwähnt zu wenig Raum für meine Emotionen hatte und emotional von der Mutter vernachlässigt wurde (bestimmt nicht beabsichtigt, sie hatte einfach zu wenig Gespür, war im Großen und Ganzen jedoch sehr bemüht um mich, aber immer recht instabil) etc., vielleicht kommt es mir weniger schlimm vor, wenn mir eine dieser Frauen aus ihrer Kindheit erzählt: bösartige, sadistische Familienmitglieder - ständige schwerste Demütigungen, Schläge, S. Missbrauch, das volle Programm. Wenn ich so etwas höre verblasst mein persönliches Schicksal im direkten Vergleich. Ich sehe das aber selber als dysfunktionales Verhalten an: Natürlich heilt es nicht, was ich selbst erlebte, natürlich macht es das was ich erlebte nicht weniger schlimm. Schlussendlich beschert es mir nur eine kurze Ablenkung davon.

Zitat:
Was sagt der Therapeut dazu?


Das muss ich ihn noch in der nächsten Sitzung fragen, diese Überlegungen kamen mir erst vor etwa 2 Wochen nach einem Treffen mit der besagten platonischen Borderlinefreundin. Dies ist mir dort deutlich aufgefallen, wieviel intensiver ich Emotionen bei ihr wahrnehme.

Zur Frage die ich mir stellte: Sind diese Frauen dann nicht das ideale Übungsfeld um mehr Gespür für die eigenen Emotionen zu bekommen (diese Frage hat sich mir beim Schreiben relativ spontan gestellt): Ich dachte jetzt nochmal etwas genauer darüber nach, werde aber in der Therapie nochmals darüber sprechen. Jetzt, nachdem ich darüber genauer nachdachte, zweifle ich aber selber stark daran, dass dies ein besonders schlauer Weg wäre. Es wäre für mich Vergleichbar damit einen "kaputten Spiegel" zu benutzten, ich glaube ich bleibe dabei, diesbezüglich auf den "intakten Spiegel", in Form meines Therapeuten zurückzugreifen. Was ich mir vorstellen könnte, ist dass es gar keine so schlechte Idee ist, wenn es unter Supervision des Therapeuten geschieht.


Zitat:
Genau darauf wollte ich hinaus. Warum also die Freunde anführen, wenn es um dich geht? (Das ist dann zum Beispiel auch das Ego - das mag es natürlich auch super gerne, wenn die Freunde Bemerkungen über das "Häschen" an deiner Seite machen.. bei dem Begriff stellen sich mir übrigens die Nackenhaare auf. Frauen sind doch keine Accessoires.)


Hier hat wohl tatsächlich mein Ego geschrieben. Ich werde diesbezüglich noch etwas nachdenken, schon eine recht intressante Sache.

Zitat:
Gibt's in deiner Welt nur die Extreme? Die absoluten Bomben und abgrundtief hässliche Frauen?


Nein, absolut nicht. Ich bin im Gedankenexperiment auf ein Extrem eingegangen, um einen Schluss daraus zu ziehen, der alle Optionen, bis zu diesem Extrempol abdeckt (ersetzte abgrundtief hässlich in diesem Absatz, als ich das Gedankenexperiment schrieb mit "mittelmäßig", dann wäre hier noch Spielraum nach unten geblieben.) Aus dem Grund, dass es so einfacher zu verschriftlichen war, habe ich es so beschrieben. Die Frage, ob ich nur Extreme kenne? Nein, da sehe ich kein Problem bei mir, die Bandbreite zwischen den Extremen empfinde ich als rießig und ordne die meisten Dinge irgendwo in dieser ein und nicht am Extrempol.

Zitat:
Du bist ein cleveres Kerlchen, aber dein Ego ist das auch. Gehe mal nicht davon aus, dass es immer mit einer fetten roten Markierung rum steht, damit du es nur schnell entdecken kannst.


Klar, kann ich mir vorstellen, dass es nicht immer so offensichtlich ist. Schlussendlich aber schwierig damit etwas anzufangen - das würde doch ständige Supervision bedeuten, schätzte das wird doch dann niemals für irgendjemanden Möglich sein, da selbstständig draufzukommen?

26.09.2018 00:14 • x 1 #12


mcteapot


bezüglich Datingapps
Warum suchen vernünftig wirkende Männer und Frauen auf solchen Seiten den Partner fürs Leben? Weil es hin und wieder klappt?
Angenommen, du klammerst diese Portale aus, suchst dir ein völlig neues Hobby, lernst darüber völlig andere Menschen kennen, unternimmst mit diesen was und in der Folge triffst du, natürlich normale Frauen, keine die dein "spezielles" Problem ansprechen, dann besteht zumindest nicht die Wahrscheinlichkeit der Häufung auf BL Frauen zu treffen, oder andere Weilbliche Wesen mit Verwandten, die schlagende Argumente haben.

Sprich, die Tendenz, wieder auf solches zu treffen, nimmt mit hoher Wahrscheinlichkeit ab, vermute ich.

Sorry, wenn ich hier kurz dazwischen funke

26.09.2018 03:03 • x 2 #13


Kontra

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@mcteapot Dazwischen funken in einem öffentlichen Beitrag? Schande über dich! Pöttchen, Du sollst nachts doch schlafen!

@ramse Habe deine Antwort jetzt erst gesehen, da die Zitate leider nicht unter meinem Namen angegeben waren (geht über markieren und die Funktion "direkt antworten", oder über @Nickname ohne direktes Zeichen wie Kommata oder so dahinter), dann wird mir das über das Glöckchen angezeigt.
Ich finde deinen obigen Beitrag sehr interessant, differenzierter. Ich habe vorher extra etwas provokativ gefragt, finde es gut, dass du dich dagegen abgrenzen kannst.
Wenn du möchtest, kannst du gerne per PN noch Details zum Familienleben schreiben - Du sagst ja allerdings auch selber schon, dass du dort eindeutige Parallelen siehst und diese in der Therapie bearbeitest.
Ich finde die Beschreibung deiner Eltern übrigens berührend, und ich denke es sagt schon an sich sehr viel aus, wenn selbst ein Teenager bemerkt, dass er keinen Raum hat um "auf zu mucken"; was ja auch sehr schade und beschränkend ist, denn es hätte dir so viel Platz und Recht gegeben werden müssen.

Interessant ist vor allem auch, dass du dich nur in Gegenwart anderer hoch emotionaler Menschen besser spüren kannst. Kannst du so eine Situation vielleicht mal beschreiben? Also bezieht sich das auf alle Emotionen? Wie geht's dir vorher; dabei; danach?

P.s. ich habe übrigens auch bewusst die Frage nach meinem Hintergrund ignoriert, also nicht wundern.

26.09.2018 18:30 • x 1 #14


Kontra

Kontra


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Nachtrag zu dem Teil hier:
Zitat von ramse:
Klar, kann ich mir vorstellen, dass es nicht immer so offensichtlich ist. Schlussendlich aber schwierig damit etwas anzufangen - das würde doch ständige Supervision bedeuten, schätzte das wird doch dann niemals für irgendjemanden Möglich sein, da selbstständig draufzukommen?

Doch, durch Training - ähnlich wie Therapie auch eine Trainingsmethode für neues Verhalten ist.
Da hilft viel in sich hinein spüren: Bin ich eher "beleidigt"/wütend/gekränkt (=Ego), oder sind tatsächlich meine Gefühle verletzt?
Das innere Echo ist beim Ego schneller, lauter, und deutlich hohler.

26.09.2018 19:07 • x 1 #15




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