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Wie diese Vorliebe für "krankhafte" Beziehungen lösen?

Karenberg

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Zitat von Kontra:
Es ist die Verheißung nach der unfassbaren Tiefe, dem drohenden Abgrund, den man im Anderen so deutlich spürt. Spielen mit dem Feuer, dann zurückziehen, "ach, ist ja noch mal gut gegangen", dann noch riskanter handeln - bis man beim Tanz auf dem Vulkan hineinfällt und zunächst noch glaubt, die glühende Lava wäre das beste Gefühl der Welt.


Wow, gut geschrieben. Ja, das spielt auf alle Fälle mit rein. Den drohenden Abgrund spürte ich jeweils erst nach einer Weile und das versetzte mich in Gefühlslagen, die ein Rausch für sich waren.
Tief unten zu sein ist eine Energie, die es in sich haben kann.
Die glühende Lava machte mich unheimlich kreativ, schenkte mir durchaus interessante Erlebnis- und Gedankenwelten, irgendwo müssen sie hin die Gefühle. Vom Gegenüber gibt es in den spannendsten Phasen kein Feedback, die müssen derweil ihre Nähe Distanz Spiele spielen und sind abgetaucht.

Ich habe mehrere krankhafte Storys durch. Kettenreaktion. Nach, während der letzten ging dieser Kick weg.
Kein Rausch, kein Abgrund, keine Lava. Ihre Struktur hätte es hergegeben, sie war so ziemlich die schrägste Frau, mit der ich näher was hatte. Aber es hatte sich ein Schalter umgelegt. Als ich langsam erkannte, dass ich wieder in eine komische Geschichte rein geriet, löste es einen Fluchtreflex aus. Keine Lust auf geheime Faszination mehr. Beim sechs genauer in mich hineingefühlt und erschreckend festgestellt wie kalt, mechanisch und fremd es wirklich ist. Nein, das wollte ich nicht (mehr?).

Es war nur eine kurze Geschichte über wenige Monate. Ende klassisch, sie besorgte sich schnell wenn neues, als sie merkte, dass ich auf den Sprung war Schluss zu machen.
Nach der Trennung gings mir teils richtig übel. Es war kein Liebeskummer, es war ein auskotzen (im wahrsten Sinne des Wortes, ich hatte monatelang Magenprobleme). Und ein bewußt werden.
Durch Zufall kam ich auf das Thema Narzisst, Borderline und Co. Vorweg wusste ich wenig darüber, nun weiß ich sehr viel. Die Ex trieb es nach der Trennung netterweise auf die Spitze mit stalking und anderen Zeugs in der Art. War/ist nicht schön, brachte mich dadurch allerdings auf die Thematik. An dieser Stelle, Dank an die Ex. Sonst hätte ich vielleicht noch ein paar Jahre im WachAbgrundRauschLavakoma verbracht.

Ja, alles ganz schrecklich mit den Cluster B´s, keine Frage.
Habe damit auch Gewalterfahrungen und übelsten Psychoterror in einer Story durch.
Trotzdem, es gibt die eigenen Anteile und die waren bei mir durchaus suchtähnlich angelegt.
Erklärung Lovebombing alleine reicht nicht aus, man muss auch bereit sein, dem zu folgen und das liegt an jedem selbst.
Im Prinzip wusste ich bei der Letzten und einer Story vorweg schon, das geht nach hinten los. Aber ich wollte es nochmal spüren. Das Feuerwerk, den Sog. Bildete mir eine Weile ein, ich hätte es im Griff. Aber gegen solche Menschen hat man gar nichts im Griff.

Ich hatte vor einer Weile eine Begegnung mit der Ex, wir unterhielten uns und sie baggerte mich an. Ich war neugierig, was das werden soll und ließ sie eine Weile erzählen. Ich spürte wie sie mir eine -ich nenne es mal Energiewelle- rüberschickte. Es fühlte sich wuchtig an und ja verdammt schön, sehr intensiv.
Sie kann sowas gut, Verführung pur diese Frau. Ich stand da, ließ die Welle wirken und dachte mir "Nee, mit mir nicht mehr". Hätte ich dem nachgegeben, hätten wir sicher das erste on/off laufen gehabt.

Es ist eine Entscheidung, dieser Sucht zu entgehen. Das Thema wird gefühlt oft so rational behandelt, viel Opfermentalität. Darauf ruhte ich mich eine ganze Weile ebenfalls aus.
Doch ich war nicht nur Opfer. Ich hätte jederzeit ganz schnell gehen können. Doch ich tat es nicht immer, weil der Rausch andererseits so manches Mal zu schön war, um gehen zu können/wirklich zu wollen.
Nun war es zuviel und meine Einstellung, Gefühlswelt verändert sich. Immer öfter merke ich, dass mich solche Menschen nicht mehr faszinieren, eher abschrecken und durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema, erkenne ich sie immer schneller. Keine Lust mehr auf Experimente. Finde mich damit ab, dass wenn jemals nochmal eine neue Beziehung, sie zwar auf anderen Gefühlen fußen wird, allerdings mir wahrscheinlich nie wieder diesen (Anfangs-) Rausch bringen wird. Nun denn, ich verzichte zukünftig gerne drauf.

Deshalb, ramse, dass wird wahrscheinlich dein Part sein. Schonungslos nach innen schauen und eine Entscheidung treffen, ob du auch verzichten kannst.

Die gesunden Partnerschaften, die ich vorweg lebte, waren schön, aber diese wahnsinnigen Höhenflüge, immense Tiefe gab es da nicht.
Glaube es gibt auch nur das eine oder das andere. Entweder extrem, dann auch früher oder später zerstörerisch oder halt etwas ruhiger, dafür gesünder.

03.02.2019 06:12 • x 2 #46


ramse


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Zitat:
Ist dir bewusst, dass du damit auch (unterbewusst/unbewusst) direkt eine potentielle Beziehung in Schieflage bringst, und damit selber auch aktiv (ab von deinem "Typ" Frau) dazu beiträgst, dass keine Augenhöhe entstehen kann? Was denkst du, ist die Ursache davon, bzw was bezweckst du damit? Im Sinne von: Ich leiste und gebe dir das Retter-Gefühl, dafür verdiene ich jetzt auch deine Liebe?


@Kontra

Dass dieses Verhalten potentielle Beziehungen in Schieflage bringen kann, ist mittlerweile logisch für mich. Allerdings handelt es sich noch um ein Thema, dass bei mir noch viele Fragen hinterlässt. Ich werde nochmals etwas ausholen, um eventuell etwas mehr Licht ins Dunkle diesbezüglich zu bringen und dir näher zu erläutern, was bisher für mich greifbar ist und einige Erfahrungen auf die ich bisher zurückgreifen kann. Du weißt, ich lege sehr viel Wert auf deine Meinung und deine Inputs, konnte damit bisher sehr viel Anfangen und sie bringen mich immer wieder ein Stück weiter. Und da dies jetzt nicht das erste Mal ist, dass du mich auf dieses Thema ansprichst und lenkst, denke ich, dass es durchaus Sinn macht jetzt drauf mal detailiert einzugehen. Ich finde, der Aspekt der Beschützerrolle spielte in meinen letzten Beziehungen sehr unterschiedliche Rollen und war sehr stark unterschiedlich ausgeprägt. Auch mein Denken darüber etc. sind momentan stark im Wandel, ich gebe jetzt den aktuellen Status wieder:

1) Ich muss mich selber nach genauerem Nachdenken darüber korrigieren: Doch nicht alle meiner Beziehungen bauten meiner Einschätzung nach stark auf diesen Eigenschaften auf. Wieder einmal möchte ich diesbezüglich die Beziehung mit der Frau mit Borderline, bei der mich die Trennung bis hin zu Suizidgedanken trieb, nennen: Bei ihr wusste ich lange nichts von ihrer "Erkankung". Sie erzählte mir erst nach einigen Monaten, nach einem plötzlichen, unvorhersehbaren Kontaktabbruch von ihrer Seite aus, dann bei der darauf folgenden Aussprache davon. Diese Beziehung begann auf Augenhöhe, sie präsentierte sich mir selbstbewusst, stark, zielstrebig, mit beiden Beinen im Leben stehend. Ich erinnere mich in den ersten Monaten mit ihr an keine einzige Situation, in der ich mich in eine Beschützerrolle begab, oder sie nach meiner Hilfe fragte, Probleme mit mir besprechen wollte etc.

Nach dieser Zeit kamen dann vereinzelt Situationen, in denen sie sich von sich auch mir auch etwas schwächer präsentierte. Sie wollte dann zum Beispiel vor dem Jahresgespräch mit ihrem Chef von mir in den Arm genommen werden, erzählte mir das sie Angst davor habe, sie nicht sicher sei, ob ihre Leistungen gut genug waren. Ebenso erfolgten dann vereinzelt von ihrer Seite aus Erzählungen über ihre Familienstrukturen (Mutter in einer Sekte und grenzüberschreitendes Verhalten: Durfte als Kind fast nichts machen. Noch als Erwachsene wollte sie ihr verbieten, dass sie S. vor der Ehe hat und stand nach ihrem Auszug aus der elterlichen Wohnung regelmäßig bei ihr vor der Wohnung, machte Terror bis sie sie hineingelassen hat, dann durchsuchte sie die Wohnung nach Männern, schaute sogar unter die Matratze etc. :shock:) Aber hier nahm das "Beschützen" nicht so einen großen Teil ein, wie in folgenden Beziehungen, wie gesagt solche Situationen waren eher selten mit ihr. Ich finde nicht, dass diese Beziehung dadurch nicht mehr auf Augenhöhe war. Bei ihr sehe ich den Zeitpunkt und die Ursache, als die Beziehung aus dem Gleichgewicht kippte darin, als sie mit ihrem Rückzug begann und ich mit gewaltigen Verlustängsten zu kämpfen hatte, zutiefst abhängig von ihr war etc. - die Augenhöhe war weg - die "Machtverhältnisse" standen dann zu ihren Gunsten.

2) Dann im Gegensatz die Romanze mit der nächsten, die von ihrem Verwandten zusammengeschlagen wurde. Hier nahm das "Beschützen" einen extremen Teil der Beziehung ein. Hier sorgte ich aktiv stark dafür, dass es so war. Ich fragte sie immer wieder wie es ihr damit geht, informierte sie über Frauennotwohnungen und andere Möglichkeiten etc. Die Dynamik die sich ergab: Sie schien das Ganze dankend anzunehmen, "belohnte" mich dafür, sprach immer wieder aus wie froh das sie ist, dass sie mich hat, kuschelte stundenlang mit mir - fühle sich so geborgen und sicher bei mir etc. Also hier war das "Liebe verdienen". Dass das Blödsinn war und alles andere als eine tragfähige und auf Augenhöhe geführte Beziehung ergab, ist mir jetzt klar. Damals nicht bewusst, war dabei auf bewusster Ebene eher gelenkt von vermeintlicher Sorge und Zuneigung zu ihr.

Jetzt im Längsschnitt betrachtet vielleicht noch eine Erklärung diesbezüglich: Die Trennung von der Exfreundin war zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich verarbeitet. Du beschriebst mir eingelerntes Sicherheits- und Vermeidungsverhalten. Das lief jetzt nicht auf bewusster Ebene, aber für mich ebenfalls eine schlüssige Erklärung: Ich stellte sie damit, böse ausgedrückt, auf eine "niedrigere/schwächere Stufe" als mich. Um keinen Preis, wollte ich wieder in den Zustand geraten, als sich meine Ex-Freundin von mir entfernte und ich ihr hilflos hinterherkroch, der "schwache" Part in der Beziehung sein. Sie sozusagen unbewusst als "Schwächling" zu dekradieren, half mir vielleicht damals gegen die Angst, dass dies wieder passieren könnte. Im Sinne von wer mir nicht ebenbürtig ist, ist auch keine Bedrohung.

3) Die aktuelle beziehungsweise letzte beschriebene Borderlinedame: Bei ihr spielte das "Beschützen" ebenfalls eine große Rolle. Allerdings nicht mehr so stark aktiv von mir selber in diese Richtung gelenkt und insgesamt auch weniger stark ausgeprägt wie bei 2). Sie nahm das selber immer wieder in den Gesprächen so in Anspruch, fragte mich um Rat, klagte mir ihr Leid etc. Mein Part war, dass ich mich dann darauf eingelassen habe, sie meist mühelos im Gespräch auffangen oder ihre Gedanken in andere Richtungen lenken konnte. Und auch sie "belohnte" dieses Verhalten schlussendlich immer wieder. Bei ihr war aber gefühlt trotzdem wieder Augenhöhe vorhanden - auch ich wendete mich mit persönlichen Angelegenheiten an sie, auch sie gab mir Ratschläge etc. - es gab einen gewissen "Ausgleich". Und ich schätzte sie als hochintelligent ein, zudem las sie mich / andere Menschen wie ein offenes Buch. Ich würde sagen, mir in diesen Aspekten mindestens "ebenbürtig", mir war bewusst, dass sie ein ordentliches "Kalliber" ist, dass sie mir durchaus gefährlich werden könnte. Hier waren meine "Sicherheitsmaßnahmen" mir das immer wieder vor Augen zu führen und mein Hintergrundwissen über ihr Krankheitsbild. Und das Ganze zeigt, wie sehr du es mit deiner tollen Erklärung bezüglich "Spiel mit dem Feuer" auf den Punkt gebracht hast.

Jetzt noch meine Schlüsse bezüglich der Beschützerrolle:

Zu 2) habe ich gar nicht mehr viel sagen. Ich verhielt mich selber extrem toxisch. Unterschied zu den anderen beiden: 0 Augenhöhe.

Zu 1) Die Augenhöhe, dass ich sie als starke Frau betrachtete etc. ergaben, dass ich nicht in Beschützer-Rolle wechselte. Es gab Situationen, in denen sie meinen Beistand suchte, ich fragte mich was der Unterschied ist. Für mich ist der Unterschied, dass ich es hier als unterstützen, nicht beschützten benennen würde. Ein kleiner, aber feiner Unterschied, der mir erst beim Schreiben und längeren Nachdenken eingefallen ist.

Zu 3) Augenhöhe, ergab sich aus anderen Aspekten, trotzdem war sie für mich aufgrund ihrer Geschichte und ihrer stark ausgeprägten Borderline-Symptomatik, die bei ihr viel Leidensdruck verursacht, in einer gewissen "Opferrolle".

Zitat:
Das klingt erstmal charmant, ist aber genau so selbstzerstörerisch wie viel des Verhaltens der benannten Ex.


Das ist aber auch etwas, dem ich auf den Grund gehen sollte. Hast du diesbezüglich irgendwelche Inputs?

Zitat:
ramse, ich fand übrigens auch, dass der letzte Absatz deines vorletzten Posts extrem mechanisch rüber kam, wie vom Band abgespult. Habe ich da einen falschen Eindruck?


Nein, hier hast du mich durchschaut. :mrgreen: Aus der Situation heraus, dass dieser beschriebene etwas depressive Einbruch zum Zeitpunkt als ich antwortete wieder komplett verflogen ist, wollte ich es wieder relativieren und zeigen, ich wüsste wie ich damit umgehen kann. Vielleicht wollte ich nicht zu viel Aufmerksamkeit darauf lenken. Dass ich das alles benötigen und umsetzten würde etc., glaubte ich zu diesem Zeitpunkt selber nicht mehr wirklich. Du lässt dir auch gar nichts vormachen. :grinsen:

@Karenberg

Vielen Dank für deinen Beitrag und das Teilen deiner Erfahrungen. Besonders dafür, dem habe ich nicht mehr viel hinzuzufügen:

Zitat:
Es ist eine Entscheidung, dieser Sucht zu entgehen. Das Thema wird gefühlt oft so rational behandelt, viel Opfermentalität. Darauf ruhte ich mich eine ganze Weile ebenfalls aus.

Zitat:
Die gesunden Partnerschaften, die ich vorweg lebte, waren schön, aber diese wahnsinnigen Höhenflüge, immense Tiefe gab es da nicht.
Glaube es gibt auch nur das eine oder das andere. Entweder extrem, dann auch früher oder später zerstörerisch oder halt etwas ruhiger, dafür gesünder.

07.02.2019 08:59 • #47


leilani1801

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Ich kenne so Geschichten aber eher auf freundschaftlicher Ebene.

Bei der Suche nach einem Partner ziehen mich diese Menschen glücklicherweise gar nicht an.

Habe seit sehr vielen Jahren einen guten Freund, der eindeutig eine Persönlichkeitsstörung in Richtung Cluster B hat, auch diagnostiziert als Histrioniker.

Ich verbringe gerne Zeit mit ihm, da das Zusammensein sehr intensiv und amüsant ist. Unternehmungen, interessante Gespräche er hat einen riesigen Bekanntenkreis, was auch sehr reizvoll ist, da ich über ihn sehr viele neue Leute kennen lerne.
Wirklich beständige und ausgeglichene Beziehungen hat er nicht. Er hat immer sporadisch ein/zwei Leute zu denen er engen Kontakt pflegt und eben ganz viele Menschen zu denen er oberflächlich Kontakt hat.
Er stilisiert sich selbst gerne als Retter, der anderen Menschen zeigen möchte wie sie ihr Leben auf die Reihe bekommen sollen, ob sie es möchten oder nicht. Über kurz oder lang endet jeder Kontakt in einem riesigen Streit/Drama, was ihn aber nicht weiter juckt - da er es schnell wieder schafft jemand anderen für sich zu begeistern.

Dass wir schon so lange befreundet sind funktioniert nur deswegen, weil ich mich immer wieder distanziere, wenn er mir zu sehr in mein Leben reinpfuschen möchte. Ich weiß einfach, dass es nach hinten losgeht, wenn ich mich emotional zu sehr auf ihn einlasse.

Das läuft stets nach dem gleichen Prinzip ab: man versteht sich super, hat eine gute Zeit. Er ist wirklich ein Meister darin, zunächst anderen das Gefühl zu geben, dass er sie sehr mag und so nimmt wie man ist. Diese positive Herangehensweise führt natürlich dazu, dass man sich öffnet und auch privates erzählt, Schwierigkeiten, die man hat. Normal in einer engen Freundschaft.
Dann passiert folgendes: er hört gar nicht richtig zu, was man erzählt, sondern legt sofort los mit Belehrungen: du musst das so und so machen. Du hast diese und jene Schwäche... Dabei ereifert er sich extrem wird laut erzeugt einen unglaublichen Stress etc. Und nur weil du bspw. gesagt hast: aktuell läuft es nicht optimal - habe gerade einen Hänger.

Anstelle einfach mal WIRKLICH zuzuhören und einen zu beruhigen werden aus normalen Schwierigkeiten, die man selbst als gar nicht so dramatisch empfindet, elementarste Dramen erzeugt, die nur dann zu lösen sind, wenn man alles so regelt, wie er es als richtig empfindet.

Das erzeugt große Frustration, weil man sich falsch wahrgenommen fühlt und in eine Art Therapeuten - Patient - Verhältnis gedrängt wird, das man überhaupt nicht wollte.

Entzieht man sich dann oder signalisiert, dass man es anders sieht bzw. ihn kritisch kommentiert wird man schlecht gemacht.

A la Person XY hat ganz schlimme Probleme, was im Freundeskreis schön rumgetratscht wird. Gleichzeitig betont er stets, dass er nie jemanden mit seinen Schwierigkeiten belastet, sondern alles mit sich selbst ausmacht.
Stimmt überhaupt nicht - in der Regel wird man in heißen Phasen rund um die Uhr mit Telefonaten bombardiert in denen er seine Geschichten zum besten gibt.

Ich kenne ihn wirklich sehr gut. Und mir fällt immer wieder auf, dass es unmöglich ist, sich mit ihm einfach auf einen Kaffee zu treffen und auf freundschaftlicher Ebene einfach locker zu erzählen, was so los ist.
Selbst wenn ich noch so entspannt und ausgeglichen bin, schafft er es immer wieder wirklich JEDES Gespräch zu einem Drama werden zu lassen.

Trotzdem mag ich ihn und gestalte die Freundschaft so, dass ich möglichst distanziert bleibe und mir immer wieder Auszeiten nehme.

Bei einer Freundschaft geht so etwas, in einer Beziehung halte ich das für nahezu unmöglich.

07.02.2019 09:35 • x 2 #48


Kontra

Kontra

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Hej ramse, schön, dich wieder zu lesen.
Habe die letzten Tage ob des Nichtmeldens schon ein paar Mal gedacht: Na, gab's da wohl ein Comeback mit der Ex? Das passiert in solchen Fällen ja häufiger mal, dass es doch noch den ein oder anderen Rückfall gibt (ist ja auch kein Wunder, so eine Thematik und auch Gefühle lösen sich ja nicht über Nacht auf), und die TEs dann nach ein paar Tagen oder Wochen wieder hier auftauchen mit einem leicht reuigen "Also, es ist da was passiert".. - Das ist übrigens kein Vorwurf, es ist auch völlig gesund, sich hier ab und zu mal raus zu nehmen, alles sacken zu lassen, sich zu distanzieren. (Hehe, distanzieren ist ja eh das Thema.. alles schreit #Grenzen!)

Zitat von ramse:
Und da dies jetzt nicht das erste Mal ist, dass du mich auf dieses Thema ansprichst und lenkst, denke ich, dass es durchaus Sinn macht jetzt drauf mal detailiert einzugehen.

Weißt du, das ist lustig - um dir mal kurz das Feedback zu geben, bzw. den Spiegel vorzuhalten: Ich habe durchaus auf das Thema hingewiesen, weil ich denke, dass es wichtig ist. Ist dir aber auch selber aufgefallen, wie häufig du was in die Richtung erwähnt hast? Ob nun ganz am Anfang, als du von Größe und Statur gesprochen hast (Hinweis), oder dass sie Hilfe erbat (Hinweis), oder dass du für Liebe leisten musst (Hinweis), oder.. ;)

Zitat von ramse:
Jetzt im Längsschnitt betrachtet vielleicht noch eine Erklärung diesbezüglich: Die Trennung von der Exfreundin war zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich verarbeitet. Du beschriebst mir eingelerntes Sicherheits- und Vermeidungsverhalten. Das lief jetzt nicht auf bewusster Ebene, aber für mich ebenfalls eine schlüssige Erklärung: Ich stellte sie damit, böse ausgedrückt, auf eine "niedrigere/schwächere Stufe" als mich. Um keinen Preis, wollte ich wieder in den Zustand geraten, als sich meine Ex-Freundin von mir entfernte und ich ihr hilflos hinterherkroch, der "schwache" Part in der Beziehung sein. Sie sozusagen unbewusst als "Schwächling" zu dekradieren, half mir vielleicht damals gegen die Angst, dass dies wieder passieren könnte. Im Sinne von wer mir nicht ebenbürtig ist, ist auch keine Bedrohung.

Ich sage doch schon die ganze Zeit: Du bist ein schlaues Kerlchen. :)

Zitat:
Aber hier nahm das "Beschützen" nicht so einen großen Teil ein, wie in folgenden Beziehungen, wie gesagt solche Situationen waren eher selten mit ihr. Ich finde nicht, dass diese Beziehung dadurch nicht mehr auf Augenhöhe war. Bei ihr sehe ich den Zeitpunkt und die Ursache, als die Beziehung aus dem Gleichgewicht kippte darin, als sie mit ihrem Rückzug begann und ich mit gewaltigen Verlustängsten zu kämpfen hatte, zutiefst abhängig von ihr war etc. - die Augenhöhe war weg - die "Machtverhältnisse" standen dann zu ihren Gunsten.

Das liegt auch vermutlich daran, dass da dieser Beschützer-Anteil NOCH nicht nötig war - um in Sinne des vorherigen Abschnitts zu sagen: Du musstest dich nicht künstlich in eine überlegene(re) Position bringen, bzw. hattest das Gefühl NOCH nicht.

Zitat:
ann im Gegensatz die Romanze mit der nächsten, die von ihrem Verwandten zusammengeschlagen wurde. Hier nahm das "Beschützen" einen extremen Teil der Beziehung ein. Hier sorgte ich aktiv stark dafür, dass es so war. Ich fragte sie immer wieder wie es ihr damit geht, informierte sie über Frauennotwohnungen und andere Möglichkeiten etc. Die Dynamik die sich ergab: Sie schien das Ganze dankend anzunehmen, "belohnte" mich dafür, sprach immer wieder aus wie froh das sie ist, dass sie mich hat, kuschelte stundenlang mit mir - fühle sich so geborgen und sicher bei mir etc. Also hier war das "Liebe verdienen". Dass das Blödsinn war und alles andere als eine tragfähige und auf Augenhöhe geführte Beziehung ergab, ist mir jetzt klar. Damals nicht bewusst, war dabei auf bewusster Ebene eher gelenkt von vermeintlicher Sorge und Zuneigung zu ihr.

Ist dir eigentlich klar, wie spannend diese Diskrepanz bei dir ist? Also spannend im wahrsten Sinne des Wortes - an-spannend? Denn du wünschst dir Sicherheit (deswegen das Beschützen bzw Kippen der Machtverhältnisse in der Beziehung), suchst dir dafür aber Menschen aus, die a) selber Sicherheit gar nicht geben können und findest sie b) genau deswegen auch anziehend?

Zitat:
3) Die aktuelle beziehungsweise letzte beschriebene Borderlinedame: Bei ihr spielte das "Beschützen" ebenfalls eine große Rolle. Allerdings nicht mehr so stark aktiv von mir selber in diese Richtung gelenkt und insgesamt auch weniger stark ausgeprägt wie bei 2). Sie nahm das selber immer wieder in den Gesprächen so in Anspruch, fragte mich um Rat, klagte mir ihr Leid etc. Mein Part war, dass ich mich dann darauf eingelassen habe, sie meist mühelos im Gespräch auffangen oder ihre Gedanken in andere Richtungen lenken konnte. Und auch sie "belohnte" dieses Verhalten schlussendlich immer wieder. Bei ihr war aber gefühlt trotzdem wieder Augenhöhe vorhanden

Ah ja..? Gar nicht so wie vorher? :grinsen:

Zitat:
Hier waren meine "Sicherheitsmaßnahmen" mir das immer wieder vor Augen zu führen und mein Hintergrundwissen über ihr Krankheitsbild. Und das Ganze zeigt, wie sehr du es mit deiner tollen Erklärung bezüglich "Spiel mit dem Feuer" auf den Punkt gebracht hast.

Es ist ja ein Anfang, ein Selbstschutzmechanismus. Bedeutet für mich aber auch: der Unterschied zwischen ihr und der Dame 1 ist ganz klar auch ein qualitativer: In ihr, in dir, und in deinen Gefühlen zu ihr.

Zitat:
Zu 2) habe ich gar nicht mehr viel sagen. Ich verhielt mich selber extrem toxisch. Unterschied zu den anderen beiden: 0 Augenhöhe.

THIS! "You gotta be mature enough to realise you have some toxic traits, too. It's not always and only the other person."
Sehr, sehr wichtig, dieser Satz.

Zitat:
Das ist aber auch etwas, dem ich auf den Grund gehen sollte. Hast du diesbezüglich irgendwelche Inputs?

Da muss ich noch mal drüber nachdenken. :) Schreibe dir dazu eventuell noch eine PN.

Zitat:
Nein, hier hast du mich durchschaut. Aus der Situation heraus, dass dieser beschriebene etwas depressive Einbruch zum Zeitpunkt als ich antwortete wieder komplett verflogen ist, wollte ich es wieder relativieren und zeigen, ich wüsste wie ich damit umgehen kann. Vielleicht wollte ich nicht zu viel Aufmerksamkeit darauf lenken. Dass ich das alles benötigen und umsetzten würde etc., glaubte ich zu diesem Zeitpunkt selber nicht mehr wirklich. Du lässt dir auch gar nichts vormachen.

Ach, Quatsch, ich verrenne mich auch gut und gerne mal. Wir sind alle in der Hinsicht narzisstisch, dass wir manchmal denken, wir hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen, während wir lachend in die selbst aufgstellte Kreissäge laufen. :lol:
Es ist allerdings nicht schwierig gewesen, dir das hier aufzuzeigen: davon ab, dass ich finde, dass Kritik bei dir auf fruchtbaren Boden fällt, war der Unterschied zu allen vorherigen Beiträgen ganz klar: man kann dich gut "spüren" in deinen Beiträgen. Du schreibst reflektiert, aber nicht anteilnahmslos. Das war in dem Abschnitt einfach anders, klang wie ein schlechter Tagebucheintrag. "Und dann.. und dann.. und dann", irgendwie mechanisch halt.
Schau da hin: Warum ist es dir so unangenehm, diese depressiven Gefühle zuzulassen? Klar, sie sind nicht schön, aber was daran musst du abwehren, bzw. "weg haben"? Depression=Schwäche?

Zitat:
Aber es hatte sich ein Schalter umgelegt. Als ich langsam erkannte, dass ich wieder in eine komische Geschichte rein geriet, löste es einen Fluchtreflex aus. Keine Lust auf geheime Faszination mehr. Beim sechs genauer in mich hineingefühlt und erschreckend festgestellt wie kalt, mechanisch und fremd es wirklich ist. Nein, das wollte ich nicht (mehr?).

Das ist eine sehr, sehr gute Entwicklung. Sehe es bei Ramse ähnlich.

07.02.2019 12:44 • x 1 #49


ramse


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@leilani1801

Ich danke auch dir für deine Erfahrungen. Ich für meinen Teil versuche jetzt aber mich von Cluster-B Persönlichkeiten komplett zu distanzieren. Vielleicht ist der Unterschied, dass hier gerade die weiblichen Betroffenen viel mit extremer Verführungskunst und extrem s. aufreizendem Verhalten auffahren. Ob hier die Cluster-B Männer s. ähnlich stark auf weibliche "kompatible" Persönlichkeiten wirken kann ich nicht beurteilen. Im Falle von mir und den weiblichen Betroffenen: Wie das dann endet, wenn ich es auf der freundschaftlichen Linie versuche, ist hier ja beschrieben. :mrgreen:

Wer im Glashaus sitzt, sollte zwar nicht mit Steinen werfen, aber besonders viel gutes und bereicherndes lese ich bei dieser Beschreibung von diesem Mann nicht heraus. Aber wie gesagt, ich kenne diese Intensität von solchen Kontakten und deren Abhängigkeitspotential. Dir scheint dein Verstand ja auch zu sagen, dass hier sehr viel falsch läuft und er auf Dauer für dich unerträglich wäre. Das Erleben ist dann meiner Erfahrung nach wieder komplett etwas anderes, deshalb scheinst du dir gelegentlich diesen "Kick" bei ihm zu holen. Vermutlich wirklich einfach eine Entscheidungssache, wieviel einem dieser "Kick" wert ist. Ich für meinen Teil habe mich dazu entschieden: Nein, dieser teils bewusste und teils unbewusste Stress mit diesen Frauen, die langfristigen Schäden die sie hinterlassen, sind mir diese "Kicks" nicht mehr wert. Seit der Kontakt mit der letzten Betroffenen abgebrochen ist, fühle ich mich sogar wesentlich entspannter.

@Kontra

Zitat:
Habe die letzten Tage ob des Nichtmeldens schon ein paar Mal gedacht: Na, gab's da wohl ein Comeback mit der Ex?


Hej Kontra, freue mich auch wieder von dir zu lesen. Nein, ein Comeback ist nach wie vor ziemlich das letzte was ich wollen würde. :mrgreen: Ich fühle mich wie oben erwähnt wesentlich entspannter ohne sie. In der Zwischenzeit bin ich ihr sogar mal beim feiern in einem Club über den Weg gelaufen bzw. habe sie dort an der Bar sitzen gesehen. Ich weiß nicht, ob sie mich gesehen hat, ich für meinen Teil habe dann den Raum gewechselt, bin mit Freunden auf die Tanzfläche auf der anderen Seite der Diskothek und hab mich an eine hübsche Arbeitskollegin von einer anderen Abteilung, der ich dort begegnet, bin rangeschmissen. Ich bin ihr dann den weitern Abend auch nicht mehr begegnet, habe sie nicht mehr gesehen.

Zitat:
Ist dir aber auch selber aufgefallen, wie häufig du was in die Richtung erwähnt hast?


Ich glaube ich lese bei Gelegenheit nochmals den gesamten Thread, um darauf zu achten. Aber nein, damals fiel mir das selber nicht auf, ich dachte mir: "Hä? Wie kommt sie jetzt darauf? Irgendwie ist ja schon doch was dran..." :mrgreen: Ich denke, dass ich jetzt selber mehr, mit deinen Hinweisen, in dieser Richtung erkennen werden würde. Und ich schätze in diesem Bereich, gab es jetzt bei mir auch ziemliche Fortschritte (zumindest im Bereich erkennen/benennen), seit ich den Thread erstellt habe.

Zitat:
Ich sage doch schon die ganze Zeit: Du bist ein schlaues Kerlchen.


Danke. 8) Dann scheinst du hier ähnliches bei mir vermutet zu haben, wie in diesem Absatz beschrieben. Jetzt frage ich mich nur: Wie werde ich dieses Verhalten wieder los? Ich weiß nicht, ob hier reine mentale/bewusste Selbstkontrolle (à la: Wenn ich mich beim "Beschützen" erwische, etwa mir selber zu sagen: Stop, hör auf damit, sie ist eine unabhängige Frau, die das nicht braucht und du schadest damit eurer Beziehung) ausreichend ist... Andere Möglichkeiten fallen mir jetzt gerade nicht ein.

Zitat:
Das liegt auch vermutlich daran, dass da dieser Beschützer-Anteil NOCH nicht nötig war - um in Sinne des vorherigen Abschnitts zu sagen: Du musstest dich nicht künstlich in eine überlegene(re) Position bringen, bzw. hattest das Gefühl NOCH nicht.


Ich würde bei der Trennung von 1) sogar von einer ziemlichen Traumatisierung sprechen. Sie war die letzte Frau, die ich komplett ungefiltert und ohne Schutzmechanismen an mich rangelassen habe, auch die letzte Frau für die ich diese extremen Gefühle hatte (ich glaube ich liebte sie wirklich) und diese uneingeschränkt zugelassen und mit ihr ausgelebt habe. Nach wenigen Monaten war ich mit ihr gedanklich schon fast "unter der Haube", sie war für mich die Frau fürs Leben. Zu diesem Zeitpunkt sagte ich ihr das noch nicht, wusste selber, das ist übertrieben. Sie sprach dann wenig später von sich aus aus, wie unglaublich und anders das doch alles mit mir sei, dass sie denke ich sei ihr Mann fürs Leben, dass sie ihre Zukunft mit mir verbringen will, plante gemeinsame Urlaube bereits ein halbes Jahr im Voraus etc. Triggerte meine Zukunftswünsche. Dann die großen Liebesgeständnisse von ihr. Dann die plötzliche Trennung aus der vermeintlichen Idylle heraus, ohne mir bekannten Auslöser, von einem Tag auf den anderen. (Ihre Gefühle seien plötzlich weg gewesen, sie wünschte ja selber, dass das nicht so sei, es sei wirklich alles perfekt gewesen...) Und dazu eine plötzliche Eiseskälte von ihrer Seite aus.

Die Trennung von ihr hinterließ bei mir einen Zustand, den ich als den schlimmsten und schmerzhaftesten in meinem Leben bezeichnen würde und eine gefühlte Ewigkeiten dauerte bis sich dieser besserte. Monatelang erkannte ich mich selber kaum wieder, konnte über nichts mehr lachen, alles ging mir hinten vorbei, Suizidgedanken, innere Leere, Trauerschübe, ein Stresslevel das mich manchmal fast zum platzen brachte, fühlte mich meist von allen allein gelassen, wusste nicht wohin mit meinen Gefühlen - bei den letzten beiden Punkten war hauptsächlich mein Therapeut die große Ausnahme, Freunde waren überfordert, aber wenigstens manchmal für mich da - alles in allem es war ein Zustand der teilweise meine sonst so starken Bewältigungsstrategien an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit brachte. Oder auch nicht, trotz dieses Zustands brachte ich noch die gewohnte Leistung bei der Arbeit etc. und zur kompletten psychischen Dekompensation kam es nicht. Gefühlt schoss ich aber immer wieder um Haaresbreite an dieser vorbei, dachte mir immer wieder: "Jetzt noch ein kleiner Tropfen und das Fass läuft über."

Ich denke, es war diese Erfahrung, seit der ich mich nicht mehr auf Frauen eingelassen habe, ohne mich auf irgendeine Weise zu schützen und in überlegene Position zu bringen. Aber es ist ja so auch keine Dauerlösung. Vielleicht noch etwas besser als die komplett "schutzlose" Annäherung bei 1) aber trotzdem noch ziemlich sche.... Vielleicht sollte ich hier etwas Richtung "Mittelmaß" zurückrudern, sollte mir die richtige Frau dafür begegnen.

Jetzt noch als Anekdote aus meinem Leben :mrgreen:: Auf der anderen Seite schien der Beschützer-Anteil schon früher bei mir manchmal recht aktiv gewesen zu sein. Mit 13-14 Jahren in der Schule. Meine damalige (erste) Ex-Freundin ging mit mir in die Klasse. Eigentlich noch ganz interessant: Hier und in diesem Alter verhielt ich mich selber stark wie 1). Aber eben mit 13-14, ich glaube da waren noch viele so. Zuerst Lovebombing, hielt einmal mit ihr Händchen, schrieb ihr am selben Abend, dass ich sie über alles Liebe, hatte sie kurz darauf "am Haken". Ich war aber auch wirklich in sie verliebt. Sie wurde meine erste Freundin, mit ihr hatte ich meinen ersten Kuss und meine ersten s. Erfahrungen. Nach (traumhaften) 3 Monaten war meine Verliebtheit (wie bei 1) ebenfalls von heute auf Morgen und schlagartig, ohne dass sie etwas dafür konnte) weg, ich empfand sie plötzlich als einengend (sie wollte jeden zweiten Tag etwas mit mir unternehmen), distanzierte mich mehr und mehr, sie wurde dadurch immer verzweifelter, wollte wissen was plötzlich los ist, gab sich unglaublich Mühe um mich, was mich aber immer noch weiter auf Distanz brachte - Ich empfand damals das alles nur als "nervig", die Arme konnte nichts mehr richtig machen. Dann machte ich im Affekt Schluss mit ihr, als sie mich wieder einmal mit der Frage "Willst du mit mir Schluss machen?" über MSN (das waren noch Zeiten) nervte und nicht auf eine Aussprache die ich ihr Anbot warten wollte. Nach der Trennung war sie fast 3 Wochen nicht in der Schule, danach kam sie als ziemliches Frack zurück. Vielleicht war 1) mein persönliches Karma dafür, ich kann mir jetzt vorstellen, was sie vielleicht durchmachte.

Weiter mit der Geschichte und zurück zum Beschützer-Modus: Wenige Monate später nervte mich ein Junge aus der Klasse. Er war (aus jetziger Einschätzung) etwas Verhaltensgestört, hatte keine Freunde in der Klasse, holte sich seine Aufmerksamkeit, indem er versuchte jedem auf den Sack zu gehen und zu provozieren. Dabei wechselte er oft im Minutentakt von einem der Mitschüler zum nächsten, piekste mit dem Finger, beleidigte etc., hoffte auf Reaktionen. Er war dann mal wieder bei mir, beleidigte mich, meine Eltern etc. Ich durchschaute schon damals, gib ihm wenig Aufmerksamkeit dann ist er schneller wieder weg und geht zum nächsten, der sich vielleicht drauf einlässt. Es juckte mich wenig, belächelte ihn eher. Dann folgte eine extrem derbe Beleidigung an meiner Ex, auch sie hörte es und war sichtlich getroffen. Damit stieß er auf einen gewaltigen Trigger bei mir, ich kochte innerlich kaum hatte er diese Worte ausgesprochen. Einen Moment blieb ich noch ruhig, hörte noch den Kumpel neben mir sagen: "Dieser H.sohn." zuckte dann komplett aus, sah nur noch im Tunnelblick und schlug diesem anderem Jungen vor versammelter Mannschaft 5x mit voller Wucht ins Gesicht, ich gab meinem Körper nicht mal das Signal zum schlagen, er machte es von selber. Er lag dann blutüberströmt mit mehrfachen Trümmerfrakturen im Gesichtsbereich auf dem Boden. Keine schöne Story, aber ich frage mich war das auch etwas mit dem Beschützer-Modus, oder ging das eher Richtung narzistische Kränkung? Für mich ging das Ganze dann glimpflich aus, das ganze wurde intern und außergerichtlich geregelt, ich hatte meine ganze Klasse hinter mir und dadurch dann auch die Lehrer. Ebenso meine Eltern, die dann für mich außergerichtlich einiges an Schmerzensgeld an ihn bezahlt haben, womit die Sache erledigt war.

Zitat:
Ist dir eigentlich klar, wie spannend diese Diskrepanz bei dir ist? Also spannend im wahrsten Sinne des Wortes - an-spannend? Denn du wünschst dir Sicherheit (deswegen das Beschützen bzw Kippen der Machtverhältnisse in der Beziehung), suchst dir dafür aber Menschen aus, die a) selber Sicherheit gar nicht geben können und findest sie b) genau deswegen auch anziehend?


Schräg und (an)spannend. :grinsen: Mittlerweile wird mir das immer bewusster. Ich hoffe, dass ich das alles bald in Vergangenheitsform setzten kann, wenn ich daran weiter arbeite und ich dann sagen kann: Früher wünschte ich mir Sicherheit und suchte mir dafür Menschen aus, die diese nicht geben können und fand sie deshalb anziehend. Schräg nicht? :mrgreen:

Zitat:
Ah ja..? Gar nicht so wie vorher?


GAR nicht ist übertrieben. :mrgreen: Aber es gab schon eben diese Unterschiede. 3) hatte z.B. Therapeuten, DBT-Gruppe etc. im Hintergrund und wirkte trotz ihren ganzen Lastern auf mich nicht schwach oder ähnliches. Es gab auch mit ihr viele Situationen, in denen ich in den Beschützer Modus wechselte, allerdings denke ich, dass sie viele ihrer Probleme auch eben in ihren therapeutischen Settings oder selber löste, der Kontakt war insgesamt nicht so stark darauf aufgebaut wie bei 2).

Zitat:
THIS! "You gotta be mature enough to realise you have some toxic traits, too. It's not always and only the other person."
Sehr, sehr wichtig, dieser Satz.


Selbsterkenntniss ist der erste Weg zur Besserung... Hoff ich mal.

Zitat:
Da muss ich noch mal drüber nachdenken. Schreibe dir dazu eventuell noch eine PN.


Bin ich gespannt, ob dir noch was einfällt. Würde mich freuen.

Zitat:
Warum ist es dir so unangenehm, diese depressiven Gefühle zuzulassen? Klar, sie sind nicht schön, aber was daran musst du abwehren, bzw. "weg haben"? Depression=Schwäche?


Hier fällt mir mein Vater ein. Ich kann es selber schwer beurteilen, aber mein Therapeut meinte er hörte auch bereits in meiner Kindheit eher eine depressive, introvertierte Persönlichkeit bei ihm heraus. Wobei er auf mich in der Kindheit nie so wirkte, für mich war er stark, fröhlich, ein "Macher", ein Mensch der immer funktionierte, der alles konnte. Der Einbruch kam dann als alle Kinder volljährig waren, er trennte sich von meiner Mutter, fiel in schwere Depressionen, von denen er sich noch nicht ganz erholt hat. Vielleicht hab ich mir das bei ihm so abgeschaut.

Ein anderer Gedanke dazu. Mir macht es Angst, was hier im Hintergrund so schlummert. Wenn die Trauerschübe hervorkommen, sind diese dermaßen stark, intensiv und überwältigend. Aber ich erkenne schon: Das Problem ist nicht gelöst, wenn ich das verdränge und im Hintergrund schlummern lasse, ich fürchte die wahrscheinlichkeit ist groß, dass sich diese dann nur weiter und weiter aufstaut, bis sie alles übernimmt und dann ist die Chance nicht schlecht, dass ich in der Situation, wie mein Vater jetzt die letzten Jahre war, gerate.

08.02.2019 00:57 • x 1 #50


Kontra

Kontra

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Zitat von ramse:
Hej Kontra, freue mich auch wieder von dir zu lesen. Nein, ein Comeback ist nach wie vor ziemlich das letzte was ich wollen würde.

Jaaah, weißte, ramse.. was man so denkt und was man so macht, das sind manchmal zwei verschiedene Dinge. :mrgreen:
Wäre ja auch keine Schande - manchmal dreht man eben noch eine 17. Runde, wenn man das "braucht", um dann los zu kommen. Das ist dann eben so, und zählt mit rein als Erfahrung. Freue mich aber nichtsdestotrotz, dass du es schaffst, dich fern zu halten. Ich finde es z.B. auch klasse, wie du die Situation im Club gehandhabt hast (manchmal ist das direkte Sehen plus Alk. ja die schlimmste Kombination für Fernhalte-Vorsätze), auch wenn ich dringend davon abraten möchte, irgendwelche Kolleginnen näher kennen zu lernen - siehe die x-millionen Threads zum Thema "Elend am Arbeitsplatz".. wir brauchen ja nicht direkt das nächste Drama, gell. :grinsen:

Zitat von ramse:
Ich glaube ich lese bei Gelegenheit nochmals den gesamten Thread, um darauf zu achten. Aber nein, damals fiel mir das selber nicht auf, ich dachte mir: "Hä? Wie kommt sie jetzt darauf? Irgendwie ist ja schon doch was dran..."

Ich bin einfach SO gut, weißte.. :wink: Nee, da kam auch schon Input deinerseits. Gleichzeitig ist es natürlich auch ein Gefühl, nach dem man hier antwortet, und ich verlasse mich da gerne auf meine Intuition - damit mal falsch zu liegen ist dann ja auch okay.

Zitat von ramse:
Und ich schätze in diesem Bereich, gab es jetzt bei mir auch ziemliche Fortschritte (zumindest im Bereich erkennen/benennen), seit ich den Thread erstellt habe.

Sehe ich anhand deines Schreibens plus der Schilderung deines geänderten Verhaltens ebenfalls so!

Zitat von ramse:
Jetzt frage ich mich nur: Wie werde ich dieses Verhalten wieder los? Ich weiß nicht, ob hier reine mentale/bewusste Selbstkontrolle (à la: Wenn ich mich beim "Beschützen" erwische, etwa mir selber zu sagen: Stop, hör auf damit, sie ist eine unabhängige Frau, die das nicht braucht und du schadest damit eurer Beziehung) ausreichend ist... Andere Möglichkeiten fallen mir jetzt gerade nicht ein.

Da ruderst du gerade wieder ins andere Extrem, das halte ich ebenfalls nicht für sinnvoll: Denn das sind ja auch Qualitäten, die du definitiv in einer gesunden Beziehung mit einbringen und sie angedeihen lassen kannst, wovon sowohl du als auch eine Partnerin profitieren werden können. Es sind ja sogar liebenswerte Eigenschaften, wenn du den inneren Druck, nur dadurch Liebe erkaufen zu können/den anderen Menschen versuchsweise zu kontrollieren, weg lässt. Deswegen: Bitte nicht verdammen, was ja durchaus positive Dinge sein können. Es geht hier wieder um Grenzen, also: alles in Maßen, nicht in Massen. Nicht als Instrument, sondern einfach als eine deiner personality traits. Nicht als "ich=Helfer", sondern "ich=auch hilfsbereit". Die Identifikation damit ist ja ein Versuch, dich selbst zu schützen, dir Halt zu geben und Sicherheit zu vermitteln, wo Angst statt Vertrauen herrscht. Also: weg damit, das als Identität zu sehen. :)

Zitat von ramse:
Ich würde bei der Trennung von 1) sogar von einer ziemlichen Traumatisierung sprechen.

Ich würde eher von einer Re-Traumatisierung sprechen, auch wenn ich mich dabei ziemlich aus dem Fenster lehne (weil: man stellt keine Online-Diagnosen!^^). Die Tiefe der gefühlten Verlassenheit, besonders in Zusammenhang mit deinem letzten Absatz, spricht für mich eher von einer wieder hervorgeholten Urangst. Die Trauer, vor der du solche Angst hast, ist alt, und sehr schmerzhaft, lese ich so raus. Dahingehend möchte ich dich jedoch um eins bitten: Mach wieder einen Termin mit deinem Therapeuten ab und besprich das mit ihm. Es ist wichtig, dass du Feedback von einem Fachmann auf dem Gebiet bekommst, mit dem du schon zusammen gearbeitet hast, der dich also deutlich besser und "näher" beurteilen kann als ich.

Zitat von ramse:
Vielleicht war 1) mein persönliches Karma dafür, ich kann mir jetzt vorstellen, was sie vielleicht durchmachte.

Auch das ist so ein typischer Gedanke für Menschen mit den Erfahrungen, die du schon früh in deinem Leben machen musstest: "Karma" als Bestrafungsgedanke. "Wenn ich x tue, dann werde ich y ernten, und das geschieht mir auch zu recht." Hast du sowas heute oft?
Deine extreme Reaktion auf den Schulkameraden finde ich verständlich, aber auch symptomatisch: Dieses hoch-kochen lag ja nur zu 50% daran, was er zu dem Mädchen sagte - ich denke, es war (zur Mischung Pubertät/Jungs/sich messen plus Beleidigung) auch eine willkommene Ausrede, um deiner Wut über seinen Kommentar zu dir/deiner Mutter Luft zu machen - denn du hattest ja "ehrenvoll das Mädchen verteidigt", kommt immer besser in so einer Heldengeschichte, als "der ging mir halt auf die Nerven und hatte mal verdient ein paar zu kassieren!". Nä? ;)

Was mir ganz allgemein noch auffällt, mag ich dir in einer PN noch schreiben, denn ich denke, das könnte sehr privat werden.

08.02.2019 12:48 • #51




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