frechdachs1974
Gast
Ich versuche mich kurz zu fassen.
Wir hatten nach der Trennung wieder Kontakt. Ich war mir nicht sicher, ob ich das wollte und war zurückhaltend und hab sie spüren lassen, dass ich kein großes Interesse mehr an ihr besitze.
Der entscheidende Punkt zwischen uns ist für mich der: Ich hab sie gemocht, sehr sogar. Sie hatte Seiten an sich, die einfach wunderbar wirkten. Sie mochte mich auch. Aber sie hat mich mehr oder weniger missbraucht, war sich nie schlüssig, wer und was ich nun für sie sein sollte und hat mich daher immer wieder an ersonnene, wohldefinierte "Orte" gesteckt. Im Kern sollte ich ihr "Freund" sein, ihr Vertrauter, ihr "das Leben bereichern".
Das ging mehrmals gründlich in die Hose, einfach weil ich immer spürte, dass sie mit dem Kopf "liebte", nicht aber mit dem Herzen. Dass sie eigentlich noch nie jemanden geliebt hatte und vielleicht gar nicht dazu fähig war. Wenn es ernst wurde, ist sie noch immer weggelaufen.
Aber nun zu ihrem letzten Brief, von dem ich nicht weiß, ob es wirklich der letzte hätte werden sollen.
In diesem Brief sagte sie mir, dass sie durch die Trennung (die von ihr ausging) und den Schmerz zu einem neuen Ich gefunden hat. Sie hat gemerkt, dass sie eigentlich nur sich selbst braucht und es folgte ein wenig esoterisches Geschwurbel. Eigentlich ein wenig mehr, denn 97,7% des Briefs handelten davon, dass es ihr jetzt eigentlich gut geht und sie wohlwollend auf die gemeinsame Zeit zurückschauen kann.
Im letzten Satz ihres Briefs deutete sie aber an, dass sie manchmal eine Traurigkeit in sich spürt, von der sie "nicht weiß, was sie zu bedeuten hat, aber das haut mich auch nicht um".
Nicht schön fand ich, dass sie versuchte, mir die Trennung schmackhaft zu machen, schließlich wäre das der beste Weg, außerdem soll ich das was war, doch einfach auch genießen und froh sein, dass alles so war, wie es eben war.
So. Nun zum springenden Punkt:
Sie hat in einem harmlosen Zusammenhang eine Liedzeile zitiert. Diese Zeile hätte in ihrem Brief für sich stehen können, ohne größere Bedeutung. Als ich sie aber gegoogelt habe, traute ich meinen Augen nicht. Die Zeilen passten irgendwie, sie waren voll von Schmerz, von Liebe, auch von "Reparieren". Da es aber diametral zu ihren ganzen Handlungen stand, konnte und wollte ich das nicht annehmen. Es kam zu spät, es kam mit zu wenig Nachdruck, mit zu wenig Offenheit und Ehrlichkeit. Außerdem war es zuvor schon einige Male ähnlich gewesen und hatte dann doch nie Bestand. Ich fand es letztlich enttäuschend, diese Dinge versteckt zwischen all den Zeilen zu lesen. Nämlich so, dass sie alle Möglichkeiten hatte zu reagieren. Würde ich sie darauf ansprechen - es hätte jederzeit ein Versehen sein können. Und auf das ganz große Drama hatte ich einfach keine Lust und auch keine Energie mehr.
Nein, es hat einfach nicht mehr gepasst. Es war zuviel Vertrauen zerstört, zu viele Worte waren nur Floskeln gewesen. Am Ende blieb das schale Gefühl des Missbrauchs - dass sie einfach nur die Bestätigung braucht, dass ich ihr "Begleiter" bin und bleibe.
Ich habe ihr irgendwann dann noch auf ihren Brief geantwortet, bin aber bei den Fakten geblieben und bin nicht auf die Liedzeile eingegangen.
Ihre Reaktion blieb aus. Daraufhin hat sie das Buch endgültig zugeklappt.