Hallo lotte!
Auch ich kann dich durchaus verstehen, aber du kannst das was du jetzt erlebst nicht als allgemeingültig ansehen für alle Verlassenden! Was du schreibst ist mir zu einseitig! Es wäre schön, wenn der, der mit der Beziehung unzufrieden ist, versuchen würde mit dem Partner darüber zu sprechen, solange Gespräche noch möglich sind. Vielleicht könnte manche Beziehung dadurch gerettet werden. Es gibt aber genug Fälle wo keiner von beiden das tut, und beide still weiterleiden oder einer die Beziehung 'plötzlich' abbricht wenn sich was 'Passenderes' gefunden hat!
Selbst wenn ein Gespräch stattgefunden hat, gehören wieder BEIDE dazu, die gemeinsam an der Beziehung arbeiten müssen. Ich kann nicht nur von meinem Partner erwarten dass er sich ändert, weil es mir in der Beziehung nicht mehr gutgeht und weil ich ihn sonst verlasse, sondern beide müssen sich Gedanken darüber machen wie sie einen neuen Weg finden können bei dem nicht einer der Partner zurückstecken muss! In einer Partnerschaft kann ich nicht nur meine eigenen Wünsche durchsetzen, wenn ich nicht zu Kompromissen bereit bin ist es vermutlich trotz allem die bessere Lösung die Beziehung aufzugeben! Das alles funktioniert nur mit Gesprächen über die eigenen Wünsche und Vorstellungen der Partnerschaft! Zu einer Trennung gehören immer zwei Menschen, zwei die nicht mehr miteinander reden, zwei die sich auseinander entwickelt haben, zwei die unzufrieden wurden, zwei die ...., am Scheitern einer Beziehung trägt nie nur einer die Schuld!
Auch der der Verlassen wird hat möglicherweise Zeiten durchlebt in denen er gegen Wände angeredet hat und sich dann, anstatt zu handeln (ja, somit selber schuld!) einfach still zurückgezogen hat!
Viele von uns haben hier geschrieben, dass die Zeichen eigentlich deutlich waren die darauf hinwiesen, dass in unseren Beziehungen etwas nicht mehr in Ordnung war, der Partner von uns wegdrängte, aber von uns leider nicht gesehen wurden, bzw. nicht gesehen werden wollten. Die meisten von uns haben sich, um die Trennung verarbeiten zu können, intensiv mit der vorangegangenen Beziehung auseinandergesetzt um rauszufinden wie es dazu kommen konnte, um nicht dieselben Fehler nocheinmal zu machen - um verstehen zu können was geschehen ist. Im Nachhinein und mit etwas Abstand sieht man viele Dinge anders als wenn man mittendrin steckt! Nicht alle unzufriedenen Partner versuchen ihre Beziehung zu retten indem sie das Gespräch suchen, manche gehen auch einfach ohne ein klärendes Gespräch weiter in eine neue Beziehung. Das ist einfacher als sich mit sich selbst und dem Partner auseinandersetzen zu müssen!
"... Der verlassene muss nur den Schmerz ertragen, verlassen zu werden. Der, der verlässt hingegen hat beides. Er sieht, wie ein lieber Mensch leidet, kann nicht helfen, wird dazu noch von diesem lieben Menschen gehasst, oder schwieriger, muss selbst dafür sorgen, dass er gehasst wird, um dem anderen die trennung leichter zu machen und natürlich muss sich auch der verlassende an ein neues Leben gewöhnen und ERinnerungen ertragen ..."
Mag vielleicht in manchen Fällen so sein, aber ich gehe mal davon aus, dass bei den meisten Trennungen der Partner der geht, schon vorher (nebenher!) wieder eine Beziehung zu jemand anderen aufgebaut hat! Der, der verlassen wird, hat meiner Meinung nach also nicht nur den Schmerz zu ertragen verlassen worden zu sein, sondern für jemand anderen verlassen worden zu sein (für jemand, der jünger, schlanker, attraktiver, ... ist) was natürlich ungeheuer am Selbstwertgefühl nagt, ... muss ertragen, dass diese Beziehung, ohne dass er davon wusste, eventuell schon länger neben der jetzt noch aktuellen her bestand! Ausserdem trifft ihn das Verlassenwerden oft aus heiterem Himmel, weil eben, wie du sagst, der direkten Phase vor der Trennung eine etwas ruhigere Zeit vorausging, in welcher man sich in Sicherheit wiegte, bzw. gewiegt wurde, dass die Welt vielleicht doch wieder in Ordnung sein könnte! Der Verlassende hat in dieser Zeit für sich mit der Beziehung schon abgeschlossen, neue Perspektiven gesucht und empfindet es, wenn er den Partner vor vollendete Tatsachen stellt, eher als lästig nocheinmal auf den Schmerz des Verlassenen eingehen zu müssen, ihn hautnah miterleben zu müssen, vielleicht sogar ein schlechtes Gewissen haben zu müssen! Ach ja ... und der Verlassende hat, wenn er sich vorher die Sicherheit einer neuen Beziehung aufgebaut hat, eine Schulter an der er sich ausheulen und sich trösten lassen kann - er ist nicht alleine! WIR sind hier allerdings auch nicht alleine, weil wir uns hier gegenseitig aufbauen indem wir einander zuhören, bzw. unsere Gefühle in Forumsberichten formulieren!
Ich will hier aber nicht aufrechnen wems schlechter geht! Ich denke dass es beiden nicht gut geht mit der Situation, aber ich habe so die Idee, dass für den, der verlässt, der Trennungsschmerz häppchenweise und dosiert kommt, weil er sich schon voher damit auseinandersetzen kann, während den Verlassenen alles auf einmal mit voller Wucht trifft!
Ich finde es gut, dass du, wenn auch mit einer gehörigen Portion Frust und Wut, uns hier die andere Seite darstellen willst, komme aber leider nicht ganz von dem Gedanken los, dass es irgendwie klingt, als ob wir, die Verlassenen, dir Absolution erteilen sollen, weil du wohl in nächster Zeit auch zu den Verlassenden gehören willst

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lilac