Zitat von Elfenbeinturm: Kontaktsperre gefordert, weil ich emotional noch nicht über ihn hinweg bin.
Ich erkenne zwar, dass die Scheidung eine gute Sache ist und mich die Ehe mit ihm sehr belastet hat, wie sehr mich seine ständige untreue verletzt hat, aber
Hi,
ich hab Deinen Anfangspost gelesen und möchte Dir meine Erfahrung schreiben (25 Jahre Beziehung, er hat sich letzten Januar getrennt, 2 Jahre Affären mit 2 Frauen, also nacheinander, ich war ein halbes Jahr am Boden und dann hab ich akzeptiert und angefangen, mein Leben und diese Ehe auf- und abzuräumen. Ich habe agiert, nicht mehr nur reagiert. Das war extrem hilfreich. Es klingt nüchterner, als es war, es war schlimm, heute ist gut).
Jetzt konkret - bei mir hat sich mein Gefühl bis einen Tag vor der Scheidung, im Mai, immer wieder gedreht. Obwohl ich emotional durch bin mit meinem Ex - nicht mit der Beziehung, vielleicht nicht mit dem, was passiert ist, aber mit ihm als Mann. Ich dachte, ich gehe entspannt zur Scheidung, weil ich einfach durch sein wollte. Und einen Tag vorher hatte ich komplett das "ärme Dier", wie man im Rheinland sagt - Frust, Traurigkeit, was da passiert ist, Traurigkeit, wie es weitergeht. Deswegen hab ich (m)einen Freund angefunkt (keine neue Beziehung, kein Flirt), ob er mit mir danach Kaffee trinken geht.
Scheidungstag: Ich hab mich "schön gemacht", so äußere Rüstung, funktionierte bei mir. War guter Dinge, weil ich wusste, ich treffe mich gleich mit einem guten Typen im Café. Scheidung selbst war entspannt, aber sehr, sehr, sehr seltsam - großer Gerichtssaal, höflicher Umgang aller ... Und ich war froh, dass ich raus war. Bin ins Café, hab gute zwei Stunden Quark und Quatsch geredet und das war genau das Richtige.
Also: für mich war's gut, ein Treffen direkt nach der Scheidung zu haben. Ich hab mir bewusst einen Typen gesucht, mit dem ich nur rumalbern kann. Wollte lieber nicht eine gute Freundin treffen, die mich richtig gut kennt, auf die Gefahr hin, zu emotional zu werden

Vielleicht hilft Dir eine Sache, damit es nicht so emotinonal ist, schreib ich Dir zu einem Deiner folgenden Zitate:
Zitat von Elfenbeinturm: ch brauche trotzdem für mich selbst wirklich irgendein Abschiedsritual um dann wirklich zu begreifen, dass das jetzt komplett Vergangenheit und Geschichte ist.
Das dachte ich auch, und es stimmt nicht. Ja, klar ist das eine Marke, so ein Termin. Aber wir müssen z. B. dieses Jahr noch organisatorisch etwas Kontakt halten. Ich glaube, Vergangenheit ist es, wenn es gar keinen Anlass zu Kontakt gibt. Und Geschichte ist es, wenn er Dir egal ist. Und das wird so kommen, glaube ich ganz sicher. Gefühle brauchen Nähe. Auch wenn man die Kontaktsperre nicht möchte, mit keiner Faser und innerlich rebelliert dagegen, sie hilft. Ein Abschiedsritual mag helfen, ob es der Scheidungstermin ist?
Zitat von Elfenbeinturm: Es war ursprünglich geplant dass wir nach der Scheidung nochmal zusammen essen gehen, so als Abschluss und Trennung im Guten.
Bloß nicht. Mach das nicht. Es war doch gar keine Trennung im Guten, oder? Er hat Dich betrogen und Dir geht's noch schlecht. Was ich übrigens normal finde, ist ja noch nicht so lange her. Warum so tun, als wäre alles Heiopei? Und das mit der Freundschaft+ finde ich einen komplett absurden Vorschlag von ihm. Vielleicht wäre ganz sinnvoll, wenn Du mal die berüchtigte Shitlist schreibst von ihm: Ich fand's ganz interessant, da ab und an mal reinzulesen, wenn ich Vermissen hatte.
Zitat von Elfenbeinturm: Also die finale Trennung und dann gibt es nichts mehr und keinen Grund nochmal irgendetwas miteinander zu tun zu haben.
Das war im ersten Schock nach der Trennung meine allerschlimmste Vorstellung. Das ging einfach nicht in meinen Kopf, so Mai letztes Jahr waren noch ein paar Gespräche. Ich schreib Dir mal als Ausblick, wie es gehen KANN:
Ich wüsste heute schlicht nicht, warum ich etwas mit meinem Ex zu tun haben sollte. Ich habe mit Menschen zu tun, mit denen ich eine Beziehung habe - Freund/innen, Familie, auch Bekannte, eben Kontakt, der etwas auf die Zukunft angelegt ist, egal wie lange. Er ist mir echt ziemlich egal. Und noch vor einem Jahr bin ich zusammengebrochen, bei der Vorstellung, ihn nicht mehr zu sehen.
Wenn Dir die Vorstellung schlimm vorkommt, fang an zu akzeptieren und vor allem:
Schau nicht in seine Richtung - denn dann siehst Du Deine nicht. Es ist ok, weiter traurig zu sein, obwohl Du weißt, dass die Trennung für Dich besser ist. Das geht alles gleichzeitig.
So blöd es klingt, aber zu Beginn steht die Entscheidung. Und zwar Deine: Akzeptanz ist die erste Entscheidung. Die Gefühle kommen hinterher. Und auch so was Blödes hilft: Rücken gerade und die Faust in die Luft vor dem Spiegel, klingt albern, ist gut.
Alles Gute Dir, und ich werd an Deinem Scheidungstag an Dich denken!