aleks_89
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Ich bin neu hier und möcht mich erst mal bedanken für die vielen persönlichen Erfahrungsberichte, Hilfestellungen, usw. die ich bisher als stiller Gast gelesen habe.
Wie so viele Andere leide ich unter den Folgen einer gescheiterten Liebesbeziehung und will endlich wieder glücklich und zufrieden sein.
Auch wenn diese "Beziehung" nicht allzu lang gedauert hat (wenn sie überhaupt dieses Wort verdient hat), so könnt ich doch ein Buch mit meinen Erfahrungen füllen. Ich versuch nicht zu sehr abzuschweifen, bin aber nicht sicher, ob es mir gelingt.
Vorneweg zum besseren Verständnis:
Ich bin transsexuell und gleichgeschlechtlich1, was der Grund dafür ist, dass ich seit der Pupertät schwer mit mir selbst beschäftigt war und deswegen erst vor 2,5 Jahren, also im Alter von 31 Jahren zu daten begonnen hab. Davor hatte ich einfach nicht die Kapazität dafür, mich emotional auf andere Menschen einzulassen. Mittlerweile bin ich aber mit mir selbst, also mit meiner Identität im Reinen, sodass ich heute behaupten kann, mich selbst zu lieben. Das konnte ich den Großteil meines Lebens nicht. Ich konnte noch nicht mal behaupten überhaupt fähig zu sein irgendjemanden zu lieben.
Vor 2,5 Jahren hab ich also zum ersten Mal geküsst, hatte zum ersten Mal Sex, hab mich zum ersten Mal verliebt. Und wurde zum ersten Mal zutiefst enttäuscht. Wir sind die Sache locker angegangen. Er wollte keine Beziehung und ich wollte nicht gleich beim ersten Typen aufs Ganze gehn, wollte erst mal all das nachholen, was ich in meiner Jugend "verpasst" hab. Nach einem halben Jahr sporadischer Treffen (ich bin viel unterwegs) hab ich mir dann irgendwann doch eingestehen müssen, dass ich mich verliebt hab.
Es war der schönste Sommer meines Lebens. Die Tage und Nächte, die ich mit ihm verbracht hab. Aber wem erzähl ich das, ihr kennt das ja alle.
Und dann kam der Anfang vom Ende. Ihm zu schreiben, dass ich mich verliebt hatte, hatte zu Folge, dass er mir gebeichtet hat, dass er verheiratet ist. Dass er es nie soweit kommen lassen wollte, sich aber doch auch in mich verliebt hatte und mich nicht verlieren wollte.
Und jetzt merk ich gerade, dass ich wohl doch nicht abkürzen kann. So viele kleine Details spielen ihren Part. Dass ich für 6 Monate fort war. Dass er mir gesagt hat, ich solle in der Zeit andere Männer treffen, mich ausleben. Dass ich mich in einen dieser Männer verliebt hab.
Als ich von meiner Reise wieder zurück gekommen bin, dachte ich, es könne wieder so weiter gehn, wie im Sommer zuvor. dachte ich. Ich spürte, dass irgendwas abhanden gekommen war. Da war keine Leidenschaft mehr von ihm. Da war plötzlich dieses Ungleichgewicht, aus dem wir nie wieder rausgekommen sind.
Ich weiß jetzt, dass ich geliebt werden kann, dass ich lieben kann, dass ich sogar mehrere zugleich lieben kann. Ich weiß jetzt, dass ich verzeihen kann, dass ich um die Liebe kämpfen kann. Dass ich meine Gefühle ausdrücken kann. Leider hab ich das nicht mehr rechtzeitig gelernt um diese, meine erste Liebe retten zu können. Auch die zweite Liebe hat sich nicht so entwickelt, wie ich es wollte. Aber zumindest hab ich ihn nicht verloren. Wir lieben uns noch. Aber eben nur noch platonisch.
Der letzte Kontakt zu meiner ersten Liebe war im Juli. Davor liegen 1,5 Jahre Ungewissheit, Verlustangst, Distanz zum Selbstschutz, Blockiertwerden, Kontakt-Wiederaufnahme, Missverständnisse. so viele Missverständnisse.
Ich hab mich in den letzten 2,5 Jahren 6mal verliebt. Bei manchen wars nach 1 Woche wieder vorbei, bei anderen hat sich eine innige Liebe und wunderbare Freundschaft entwickelt.
Seit 3 Monaten bin ich in meiner ersten "offiziellen" Beziehung. Und die is insofern etwas ganz besonderes, weil sie sich aus einer jahrelangen Freundschaft entwickelt hat. Er kennt all meine Liebesdramen. Wir vertrauen uns. Bei ihm bin ich glücklich.
Aber immer wenn ich allein bin, wenn ich Zeit zum Nachdenken hab, fall ich in diese Gedankenspirale zurück.
Meine erste Liebe hat mir nie erlaubt mich zu verabschieden. Vermutlich aus Selbstschutz. was ich zwar nachvollziehen kann, aber das ändert nichts daran, dass es mir das Herz bricht, mit einem geliebten Menschen nicht mehr in Kontakt treten zu können. Ich wünsche mir so sehr, dass wir uns aussprechen, dass wir wieder "normal" miteinander reden können. Aber ich glaube nicht, dass ich jemals die Möglichkeit dazu bekommen werde. Wir haben uns gegenseitig verletzt. So sehr, dass seine Gefühle für mich (vermutlich - weil ausgesprochen hat er das nie) gänzlich erloschen sind.
Ich dagegen häng immer noch in der Vergangenheit fest. In meiner Erinnerung ist er immer noch der liebevolle, leidenschaftliche Mann in den ich mich damals verliebt hab. Ich fühle mich, als hätte er mir nie die Chance gegeben mich daran zu gewöhnen, dass er nicht mehr in mich verliebt ist, dass er mich nicht mehr liebt, dass er nicht mehr mit mir befreundet sein will. Ich kann mir noch nicht mal sicher sein, dass dem wirklich so ist. Er ist zu verschlossen, als dass er von sich aus über seine Gefühle gesprochen hätte. Und ich war zu unerfahren, als dass ich auf sein Verhalten "richtig" hätte reagieren können.
Nichts desto trotz bin ich ihm unglaublich dankbar. Für all die neuen Erfahrungen, die ich mit ihm gemacht hab. Sowohl die guten als auch die schlechten. Die Ablehnungen, die ich mit den Anderen erfahren hab, haben mich bei Weitem nicht so mitgenommen, wie bei ihm. Und der finale Bruch hat dazu geführt, dass ich mit meinem Vater wieder Kontakt aufgenommen hab, den ich vor - glaub ich - 6 Jahren abgebrochen hab. Ich weiß jetzt, was er damals durchgemacht hat. Ich weiß jetzt, was es heißt verzweifelt zu sein. Und was die Verzweiflung aus einem macht. Ohne meine erste Liebe hätt ich meinem Vater nicht verzeihen können.
Ich bin in diesen 2,5 Jahren um so viel gewachsen. Und doch bin ich unzufrieden. Mit dieser Situation. Mit diesem Verlust. Ich weiß nicht, wie ich abschließen kann, ohne aufhören zu müssen ihn zu lieben. Wie ich meinen Frieden finden kann. Wenn ein geliebter Mensch stirbt muss man doch auch nicht aufhören ihn zu lieben um Frieden zu finden.
Gestern in der Früh ist mein Schatz zu seinen Söhnen gefahren. Ich werd Weihnachten zum ersten Mal seit Jahren wieder mit meinem Vater verbringen. Es wird eine harte Woche ohne ihn. Das ist der Anlass dafür, dass ich hier schreibe. Ich will auch die Zeit, die ich nicht mit ihm verbring endlich wieder genießen können.
Aleks