Zitat von GarstigeGräte: Meine Therapeutin fragte mich in eine der ersten Sitzungen, warum ich meinen Ex nicht loslasse.
Ich antwortete ihr, ich könne nicht.
"Warum können Sie nicht? Was würde denn passieren, wenn Sie loslassen?"
"Dann wäre ich ganz allein!"
Ich fand meine Antwort eigentlich total blöd, mir ist nichts Besseres eingefallen. Vielleicht habe ich aber auch ganz tief aus dem Unterbewusstsein gesprochen, denn meine Therapeutin stimmte mir daraufhin schon fast ungerührt zu: "Ganz genau! Dann sind Sie ganz ALLEIN!"
Scheinbar hast Du eine gute Therapeutin gefunden, die Dir neue Wege aufzeigte.
Loslassen ist wahnsinnig schwierig, denn man verbeißt sich in eine gefühlte Verbindung zum Expartner. Selbst wenn der längst weg ist, sein eigenes Leben lebt, kann es eine innere Strategie sein, noch eine gefühlte Verbindung zu halten. Bei frischen Trennung ist das fast "normal", denn nichts erscheint einem schwieriiger, als innerlich Abschied zu nehmen .
Als sich mein Bindungsvermeider getrennt hatte, fiel ich in ein Loch der Trauer und der Perspektivlosigkeit. Aber ich fand sehr rasch eine tolle Gegenstrategie. Ich bot ihm die "Freundschaft" an. Ein toller Hilfetrick meiner Seele, denn dadurch würden wir noch eine Verbindung halten können und ich würde diese unentbehrlichen Menschen nicht ganz verlieren. Er ging darauf ein, aber im Grund genommen war es gelogen, was ich ihm da antrug. Es war eine Art Selbsthilfe und selbstverständlich kann niemand von Liebesgefühlen auf eine lockere Freundschaft umsteigen.
Ehrlich war er auch nicht. Er berichtete zwar manchmal, was er Tolles am Wochenende vorhabe, aber was hatte ich davon? Ich wusste ja genau, wie mein Wochenende aussehen würde, was Frust verschaffte. Und ich erfuhr noch viel weniger, mit wem er sich traf.Und ich log natürlich auch, wollte ihm vermitteln, dass es mir recht gut ging, ich viel vorhatte. Anstatt mir zu sagen, mir doch egal, was er über mich denkt, wollte ich mich "darstellen". Wie verlogen das war, merkte ich erst später.
Ich wollte einfach noch ein wenig Kontrolle über ihn haben und merkte nicht, dass ich mich selbst damit quälte, mich das verletzte und ich mir selbst Schaden zufügte. Der Kontakt wurde im Lauf der Zeit von seiner Seite aus weniger, ich schrieb ab und an und wollte mich wieder interessant machen, obwohl mir klar war, dass es niemals ein Exback geben würde. Aber ich wollte noch eine Bedeutung für ihn haben. Er drittete immer mehr ab, schrieb immer weniger und nach einigen Monaten kapierte ich aus einer seiner verschwurbelten Mails, dass Nextie da war.
Erst ab da war mir klar, wie ich vorgeagen war. Anstatt den Kontakt abzubrechen und den Ablöseprozess zu beschleunigen, auch wenn es eine momentane "Rosskur" ist, verbiss ich mich in eine gefühlte Verbindung zum Ex. wie ein Terrier, der nicht loslassen kann, weil er gar nicht loslassen will.
Ab da wurde es erst noch mal schlimmer, aber dann rasch besser. Es war einfach vorbei - nicht gleich, aber der Abstand wuchs.
Was Deine Therapeutin gesagt hat, ist sehr wahr. Man fühlt sich ganz allein, verlassen und glaubt nicht an ein besseres Leben. Also beißt man sich fest in eine eingebildete Verbindung zum Ex, die einem vermeintlich hilft, aber hinterrücks nur schadet.