Zitat von darius02: Ich M20 wurde Anfang Mai 2022 von meiner Freundin (damals W19) verlassen. Wir waren etwas mehr als zwei Jahre zusammen und hatten eine wirklich gute Beziehung, wir hatten keine größeren Streits und Kommunikation stand an erster Stelle. Sie war meine erste Freundin und ich ihr erster Freund. Sie machte mit mir Schluss, weil sie "nicht mehr in mich verliebt sei", das hat mich offensichtlich hart getroffen, weil wir 2 Tage davor noch unseren Urlaub geplant hatten und keine Anzeichen dafür da waren.
Die Honeymoonphase ist ein Prozess, der biochemisch gesehen spätestens nach zwei Jahren endet. Insofern gut möglich, daß ihre Verliebtheitsgefühle und das körperliche Begehren sich tatsächlich radikal verändert haben.
Beziehungen leben von offener, aufrichtiger und konstruktiver Kommunikation. Dazu dürfen auch Streits gehören, solange sie konstruktiv geführt werden. Keine Streits zu haben ist insofern eher ein red flag.
Zitat von darius02: Danach bin ich ihr nachgerannt, hab ihr Briefe geschrieben etc., bis sie mir dann sagte, dass sie "Zeit für sich braucht und keine voreiligen Entscheidungen treffen will" (ihre Worte). Danach haben wir nur ein einziges Mal telefoniert wo sie dann sehr wütend meinte, dass ich sie gehen lassen soll, dass unsere Beziehung sch. war, dass ich mir nur selber damit wehtue wenn ich sie kontaktiere (nach der Trennung waren es 2 Mal).
Reisende soll man nicht aufhalten und wenn Schluss ist, ist Schluss.
Sie war diejenige, die Dich verlassen hat. Also wäre es - wenn überhaupt - auch an ihr gewesen, wieder auf Dich zuzukommen statt umgekehrt, wenn die Beziehung runderneuert werden soll.
Auch wenn sie erst auf Nachfrage so richtig vehement mit dem Grund rausrückte, so bietet er eigentlich keine wirklich neue Erkenntnis, da er die ursprüngliche Aussage von wegen "nicht mehr verliebt" nur noch unterstreicht.
Allerdings offenbart ihr Umgang mit der Trennung, daß Eure Kommunikation eben keine offene war. Wenn Eure Beziehung wirklich so sch... war - wieso hat sie dann nicht schon früher den Mund aufgemacht, sondern wollte noch munter mit Dir in den Urlaub?
Das ist ein Schuh, den Du Dir so nicht anziehen mußt. Denn eigene Bedürfnisse offen zu artikulieren, wäre zuvorderst ihre eigene Aufgabe gewesen - auch auf die Gefahr hin, daß es zu Streit kommen könnte. Riechen kannst Du sie nun mal nicht
Die Frage ist, was sie daran gehindert hat. Warst Du unzugänglich? Hast Du sie beim Reden oft unterbrochen? Ging es ständig nur um Dich?
Habt Ihr Euch beide zu sehr unter Druck gesetzt, daß alles gefälligst perfekt zu sein habe? Bloß keine Zweifel äußern und um Himmels willen kein Streit?
Falls ja, wären das red flags, an denen Du künftig arbeiten solltest Aber falls nein, laß die Verantwortung für ihre Unfähigkeit, Bedürfnisse zu artikulieren dort, wo sie hingehört: bei ihr selbst.
Zitat von darius02: ich dachte, ich wäre mittlerweile über sie hinweg, das war bis ich vor 3 Tagen sie und ihren vermutlichen neuen Freund getroffen habe. Mir ist sofort schlecht geworden und alles ist gefühlt auf einmal wieder hochgekommen. Das ist der dritte Abend an dem ich heulend am meinem Schreibtisch saß
Kann nach einem halben Jahr durchaus noch passieren, auch in ein oder zwei Jahren noch - wenn auch in hoffentlich deutlich grösseren Abständen.
Die Frage ist, ob es wirklich ihre Persönlichkeit ist, die Du so vermisst, oder ob es nicht (auch) um ganz andere Dinge geht dabei: Das Erleben von Abweisung und Verlust der (empfundenen) Nähe und Geborgenheit beispielsweise.
Musst Du hier nicht beantworten, würde ich aber mal drüber nachdenken. Vielleicht auch, ob und wann Du Dich schon mal ähnlich mies gefühlt hast (Kindheit).
Zitat von darius02: In der Zeit, in der wir getrennt waren hab ich angefangen 3 Mal die Woche ins GYM zu gehen ich war in den Semesterferien nach der ohnehin schon ewigen Prüfungsphase, in der ich mehr als beschäftigt war, noch zusätzlich arbeiten, weil ich es zuhause nicht ausgehalten habe und mir meine Hobbies keinen Spaß gemacht haben. Es war alles trüb und grau.
Ich finde es prima, daß Du Dir einen Ausgleich gesucht hast. Bitte nutz die Aktivitäten aber nicht, Deine Emotionen zu verdrängen - sondern lass Deine Trauer raus. Akzeptiere sie als ein Gefühl, daß immer noch da ist und sich entsprechend bemerkbar macht; gib ihr Raum, damit sie sich ausbreiten und dann entweichen kann. Insofern sind sogar weinende Nächte kein per se "schlechtes" Zeichen.
Zitat von darius02: Werde ich überhaupt über sie hinweg kommen?
Ja, definitiv. Aber es braucht wirklich seine Zeit.
Zitat von darius02: Wie lange dauert es eine Trennung zu verarbeiten?
Für meinen ersten Freund habe ich rund zwanzig Jahre gebraucht. Allerdings war es nicht so, daß ich in der Zeit nicht gelebt hätte und außerdem ging es dabei letztlich nicht um ihn, sondern um eine ganz andere Trauer, die aufzulösen ich dann noch weitere acht Jahre benötigte.
Bei den meisten Menschen geht es glücklicherweise deutlich fixer. Zum Glück tragen wir nicht alle dieselben Päckchen mit uns herum. Außerdem gibt es heutzutage mehr Möglichkeiten, sich bei sowas helfen zu lassen, als ich sie in jungen Jahren vorfand.
Es tut mir leid, daß Du so leidest. Zum Glück gibt es u.a. Foren wie dieses hier - schreib, wann immer Du magst. Irgendeiner wird Dir schon antworten, und versuchen Dir beizustehen.
Die erste Liebe loslassen zu müssen, ist immer schwer. Man vergisst sie auch nie so ganz. Aber irgendwann wirst auch Du hoffentlich an den Punkt kommen, wo Du mit einem Lächeln auf sie zurückblicken kannst - und das immer seltener tust.
Die gute Nachricht ist, daß Dich das stärker macht. Das wird sich dann umso besser anfühlen.
